Der Weg zu innerer Führung und Gelassenheit

Als ich mich selbst zu lieben begann...

Wer sich positive Gefühle vorenthält, spürt sich NEGATIV. Und für viele gilt: Besser negativ als gar nicht. Eine negative Weltsicht ist ein beliebter Umgang mit Angst. Wer sich vorsichtshalber gegen alles abgrenzt und zynisch auf Abstand geht, hofft, dadurch seltener enttäuscht zu werden.

Die meisten von uns leben in solch einer kleinen Box, einer Schuhschachtel, die wir Leben nennen. Mal ist sie größer, mal ist sie kleiner. Wir haben die Wände dieser Box mit Regeln, Vorstellungen und Werturteilen beschrieben. Es sind Dogmen und Überzeugungen, wie die Welt unserer Ansicht nach zu sein hat. Und oft sind es die Gedanken und Glaubensgrundsätze anderer Menschen, die wir übernommen haben.

Doch der Mensch sehnt sich nach Freiheit, er möchte durchatmen und das Leben annehmen können – ohne Ängste, Sorgen und Zweifel. Und diese Muster der Vergangenheit hindern uns daran.

Bei einem grauen sterilen Raum ist ein Loch in die Wand gerissen

Weg mit den Lasten!

Möchten Sie die Wände Ihrer Schuhschachtel mal vorsichtig herunterklappen? Möchten Sie Ihre Box vielleicht im Laufe der Zeit sogar verlassen? Vorsicht: Sie würden damit die Grenzen Ihrer Wahrnehmung aufbrechen und Ihre bisherigen Glaubenskonstruktionen in Frage stellen. Doch im gleichen Moment wären Sie FREI. Ihr Bewusstsein würde sich weiten – über die bisherigen Grenzen und Erfahrungen hinaus. Und Sie würden erkennen, dass diese Schachtel eigentlich nie existiert hat, dass Menschen anders sind als bisher gedacht und es Möglichkeiten gibt, von denen Sie bislang keine Ahnung hatten.

Wenn Sie möchten, können Sie hier einmal all das aufmalen, was Sie im Alltag belastet und Ihnen Kraft und Energie raubt. Ich habe für Sie eine kleine Müll-Deponie vorbereitet. Hier können Sie alles abladen, was Sie nicht mehr mit sich herum schleppen möchten. Denken Sie dabei nicht allzu lange nach. Lassen Sie einfach Ihre Gefühle, Ihre Intuition sprechen. Was lastet auf Ihren Schultern? Welche Wände beschränken Ihr Denken? Welche negativen Spannungskurven ziehen Sie über den Tag? Schreiben oder malen Sie alles hierhin – und lassen es dann hier liegen. Sie können sich dabei gerne vorstellen, wie sich all die Schutzwände, Säuren, Regeln, Vorstellungen und Werturteile in fruchtbaren Kompost verwandeln oder einfach in Luft auflösen.

Eine Frau sieht nachdenklich und hat einen Stift in der Hand
  • Präzision
  • Perfektionismus
  • Kontrolle
  • Leistung
  • Erfolg
  • Karriere
  • Gewinnmaximierung

sind in unserer heutigen Gesellschaft mehr denn je gefragt. Für Niederlagen, Misserfolg, Verlust oder gar Scheitern bleibt wenig Raum. Die Angst vor dem Scheitern gehört zu den großen Tabus unserer Gesellschaft.

Was es bedeutet, sich über Jahrzehnte selbst zu betäuben, zu jagen, die inneren Dämonen im Griff zu halten, weiß ich nur zu gut: Über viele Jahre war ich gnadenlos zu mir selbst – und zu anderen. Latent gefühlsbetäubt, in mir gefangen, dauergetrieben von meiner Angst, nicht zu genügen, gierig nach Erfolg, Applaus und Anerkennung. Bis zu meinem 35. Lebensjahr hatte ich keine Ahnung, was Selbstliebe bedeutet. Stattdessen versuchte ich, mich über mein Ego zu spüren. Mithilfe dieser hyperaktiven Spannungskurven betrog ich allerdings sehr lange vor allem mich selbst.

Irgendwann habe ich in mir Dankbarkeit für die kleinen Dinge entdeckt. Daraus wurde Selbstliebe. Und mit der Zeit Gelassenheit. Inzwischen mag ich meine kantige und verschrobene Seite. Ich mag den Anteil in mir, der eigenwillig ist. Ich mag sogar den Teil, der hin und wieder cholerisch ist. An dem arbeite ich. Ich mag mein schräges Lachen, meine krumme Nase. Ich mag beinahe alles an mir.

Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun. Wenn Sie sich selbst lieben und Ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit stellen, erhellen Sie auch Ihr Umfeld. Um Ihrem Verhältnis zu sich selbst auf die Spur zu kommen, können Sie sich zum Beispiel fragen:

  • Kann ich zu mir und meinen Körper stehen?
  • Wie sehr wertschätze ich mich als Mann oder Frau?
  • Empfinde ich aufrichtige Liebe für mich?
  • Bin ich mir selbst meine beste Freundin, mein bester Freund? 

Wenn Sie sich selbst mit Verständnis und Liebe betrachten, wird Ihnen auch die Welt mit mehr Wohlwollen begegnen.

Patrick Lynen sitzt

Autor: Patrick Lynen