Der Wert des Wahrhaftigen

Ich weiß nicht, wie es dir ergeht, aber ich ertappe mich immer wieder dabei, in der Welt des Internets zu versinken. Der permanente Griff zum Smartphone ist zu einer Alltäglichkeit geworden, die ich nie für möglich gehalten hätte. Neben all dem Segen, den das Gerät mit sich bringt, fühle ich eine Energie, die der Natürlichkeit des Menschseins abträglich ist. Was ich spüre ist, dass wir durch den gedankenlosen Gebrauch der Technologie nicht nur sehr schnell in Abhängigkeiten schlittern, sondern ganz nebenbei und unbemerkt in nicht reale Sphären geraten, die uns schleichend von unserem Mensch-Sein entfremden.

Ein Berg ist verschneit

Das Wahre, Echte und Authentische wird in einem direkten Austausch, in einer wirklichen Begegnung und in einer menschlichen Auseinandersetzung erfahren. In diesem Sinne waren die Zeilen eines Freundes, die mich heute erreicht haben, Balsam für meine Seele: „Es braucht so wenig, um glücklich zu sein. Im Grunde findet man das Glück immer in sich. Und wenn es dann noch gelingt, ein paar charakterlich starke, ehrliche und offene Menschen real (und nicht über Facebook, Twitter & Co) um sich zu haben, dann hat man schon viel gewonnen.“

Worte wie diese plumpsen direkt ins Herz, wenn man es denn zulässt, sie wahrhaftig zu fühlen und den Wert derselben zu begreifen. Die Gefahr unserer Zeit ist groß, in Scheinwelten abzudriften, um in virtuellen Welten wieder aufzuwachen. Es wird immer schwieriger, das Wahre von der Fiktion zu unterscheiden und durch die Überflutung an Reizen, das WESENtliche zu filtern und auch zu leben.

Wenn wir die Wissenschaft zu Rate ziehen, sind wir mittlerweile ebenso aufgefordert, die Wahrheit und das Wesen der Botschaften selbst zu erkennen. Der Psychiater und Psychologe Prof. Dr. Manfred Spitzer hat in seinem Buch über Digitale Demenz über die emotionale Verflachung und allgemeine Abstumpfung jener Menschen geschrieben, die Computer wie Internet allzu intensiv nutzen. Er ist ein Verfechter der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, weil auch das Gehirn sich nur in der Auseinandersetzung mit der wirklichen Welt bildet. Wenn man allerdings wissenschaftliche Artikel liest, die Spitzers Thesen widerlegen, was bleibt dem Einzelnen anderes übrig, als tief in sich selbst hineinzuspüren und der eigenen Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Mehr denn je sind wir aufgefordert, unsere Sinne wiederzubeleben. Genau hinzusehen, hinzuhören und hinzuspüren und wenn es um die Gesunderhaltung im Ernährungsbereich geht, auch verstärkt zu riechen und zu schmecken. Die Tomate im Supermarkt hat längst ihren Wohlgeruch und damit das intensive Geschmackserlebnis eingebüßt. Ganz allgemein lässt die Qualität der Waren zu wünschen übrig. Seit geraumer Zeit stelle ich fest, dass Rosen, die biologisch gezüchtet wurden, gerade einen Tag lang ihr Haupt stolz in die Luft strecken, um das Köpfchen kurz später müde und traurig hängen zu lassen.

All diese Beobachtungen sind Spiegel unserer Wirklichkeit. Ein Ausdruck unserer Zeitqualität, dass Vieles in dieser Gesellschaft im Sterben begriffen ist, um Neues entstehen zu lassen. Die Menschen sind müde und ausgelaugt, genauso wie die Böden. Eine bewusste Lebens- und biologische Ernährungsweise scheint nur jenen möglich, die über entsprechende Einkommen verfügen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht massiv auseinander und nur wenigen Quellen, meist solchen, die man selbst recherchiert, will man bezüglich authentischer und neutraler Berichterstattung trauen. Wir leben in keinen einfachen Zeiten und vielleicht ist gerade deshalb die Rückkehr zur Einfachheit ein mögliches Tor in ein Leben von innerer Zufriedenheit und Freiheit.

Eine Rose lässt ein Blatt fallen

Zurück zur Einfachheit

Nein, dieser Artikel soll kein Plädoyer für die Abkehr aus der digitalen Welt werden. Vielmehr geht es darum, die Nutzung des technischen Fortschritts im Alltag bewusst zu gestalten und den achtsamen Umgang zu pflegen. Damit meine ich, dass wir Menschen nicht verlernen sollten, auf unseren Körper zu hören und das Herz sprechen zu lassen. Das bewusste Fühlen unserer Körperlichkeit bringt uns zurück ins Hier und Jetzt, von den Denkprozessen in unser Herz und damit zurück in den Augenblick. Selbst wenn das Körperliche in letzter Konsequenz eine Illusion ist, erfahren wir Menschen unser Menschsein in erster Linie durch Blicke, Gesten, Mimik, Worte, Umarmungen und Begegnungen und damit einhergehend durch Empathie, die unsere Fähigkeit beschreibt, uns in andere einzufühlen.

Unser Menschsein drückt sich durch das körperlich Wahrhaftige aus, auch wenn das körperlich Materielle in letzter Konsequenz Illusion ist. Mit diesem Paradoxon dürfen wir hier auf Erden leben. Tausende Freunde auf Facebook und Instragramm können eine Handvoll guter, echter und greifbarer Freunde nicht ersetzen. Netzwerke sind gut und wichtig und hilfreich, um sich persönlich und beruflich weiter zu entwickeln. Aber wie viele wahre Verbindungen lassen sich wahrhaft qualitativ hochWERTig leben? Wer sind die Menschen, die man um Hilfe bitten kann, wenn man tatsächlich in Not gerät? Wie sieht es mit einer freundlich intakten Nachbarschaft aus? Ist sie uns ein Anliegen? Menschen, die nah beieinander wohnen, sind oftmals die Ersten, die in Notzeiten für einander da sein können. Diese Kontakte wollen gepflegt werden.

In gesellschaftlichen Umbruchszeiten wie diesen, in denen Menschen mit vielen Unsicherheiten klarkommen müssen, sind verlässliche Herzensverbindungen Gold wert. Wenn alles wegbricht, was vermeintliche Sicherheiten versprochen hat, findet man nur in der Menschlichkeit der uns Nächsten ein wahres Auffangbecken.

Das wirklich Wahrhaftige hat Wert. Es ist echt. Authentisch und mit allen Sinnen erfahrbar. Weniger ist mehr, lautet ein bekanntes Sprichwort. Vielleicht beschreibt es am trefflichsten, wie wir in dieser sich schnell entwickelnden Zeit mit uns und unserer Umwelt am besten klarkommen können. Ein erfülltes Leben ist eines, das nicht gut aussieht, sondern sich gut anfühlt. Erschaffe dir dieses wahrhaftige Leben, das dich inspiriert, mit wachen Sinnen durch die Welt zu gehen und in der Wirklichkeit im Hier und Jetzt zu leben. Die Einfachheit nimmt dem Ganzen das Drama. Nicht nur sind die einfachsten Dinge sehr oft die wahrhaftigsten, sondern ganz nebenbei auch solche, die man nicht zu kaufen braucht.

Was dich inspirieren kann

Möge diese Liste dich inspirieren:

  • ausreichend schlafen
  • Menschen treffen
  • Kontakte bewusst pflegen
  • Gaben und Talente teilen
  • tauschen statt neu kaufen
  • vergeben
  • ein Tier streicheln
  • mit einem Kind spielen
  • mit allen Sinnen leben
  • beten oder meditieren
  • Wasser trinken
  • Ordnung halten
  • Ausmisten
  • den Körper reinigen
  • Fasten
  • nicht Erledigtes erledigen
  • Liebe machen
  • selber kochen
  • authentische Nahrungsmittel verwenden
  • sich strecken, dehnen, spüren
  • in die Natur gehen
  • Atmen

Vielleicht fühlst du dich durch den Text angesprochen und aufgerufen, dein Leben umzukrempeln. Möglicherweise überfordert dich dieser Gedanke. Wenn du Unterstützung dabei suchst, dein Leben in die Bahnen zu lenken, in denen das WESENtliche geboren werden kann, dann melde dich in deiner Traumwerkstatt. Hier lernst du auf deine innere Stimme zu hören und Entscheidungen zu treffen, die mit Herz und Seele im Einklang sind.

Gerne begleite ich deine Reise zu deinem wahrhaftigen WESEN.

Der Experte dahinter

Schuh Erika

Erika Schuh ist Diplompädagogin, systemische Familienstellerin, spirituelle Begleiterin und Mediatorin. Sie begleitet ihre Klienten auf der "Reise zu sich Selbst" in ihre Kraft und Selbstliebe.