Emotionen nicht das Ruder übernehmen lassen - worauf kommt es dabei an?

Ein Kind zeigt verschiedene Emotionen

Emotionen gehören zum Alltag dazu. Jeder Tag ist ein Wechselbad der Gefühle, wir fühlen Freude, hin und wieder Wut oder Frust und manchmal Angst. Diese Empfindungen sind vollkommen normal. Auch dass sich Gefühle bzw. Emotionen abwechseln, ist nicht ungewöhnlich. Schließlich treten im Alltag immer wieder verschiedene Situationen auf. Kritik von Kollegen oder dem Chef im Büro lässt Ärger aufsteigen. In brenzligen Situationen im Straßenverkehr ist es vollkommen normal, Angst zu empfinden. Wer am Nachmittag den Nachwuchs aus der Kita abholt, erlebt Freude.

Es ist vollkommen normal, jeden Tag Gefühle wiederholt zu erleben. Aber: Es gibt Menschen, bei denen herrschen einzelne Emotionen vor. Diese Empfindungen können am Ende so stark sein, dass sie die Kontrolle übernehmen. Was sich hierdurch in Gang setzt, ist eine Spirale und diese kann am Ende sogar zu pathologischem Verhalten führen. Angst und Hilflosigkeit können unter anderem für Phänomene wie Selbstverletzung oder Essstörungen verursachen. Aber auch Erlebnisse, wie das Gewinnen im Casino oder in PC Spielen, hat das Zeug dazu, pathologisches Verhalten zu fördern. Am Ende können Emotionen vollkommen die Kontrolle übernehmen. Gibt es Auswege aus dieser Situation?

Wann machen Gefühle krank?

Emotionen wie Angst, Glücksgefühle oder Freude sind auf den ersten Blick ganz normale Empfindungen, können aber sehr mächtige Gefühle werden. Beispiel Glücksgefühl: Es entsteht durch Hormone und Botenstoffe wie Endorphine, die quasi ein körpereigenes Belohnungssystem darstellen. Beim erfolgreichen Spielen werden diese Mechanismen angeregt.

Ein Teil der Spieler steht irgendwann so unter Druck, dass aus dem eigentlich anfangs harmlosen Spielen ein pathologisches Spielen und Spielsucht wird. Besonders im Zusammenhang mit Glücksspiel und Sportwetten geht die Entwicklung mit einem hohen Schuldenberg einher. Angst kann aber genauso gravierende Folgen haben. Angststörungen hemmen Betroffene im Alltag oder führen eventuell sogar zur Entstehung verschiedener Zwangsstörungen.

Hilflosigkeit – wenn alles übermächtig scheint

Hilflosigkeit und Angst teilen sich durchaus gemeinsame Schnittmengen. Im Alltag tauchen immer wieder Situationen auf, in denen sich Menschen hilflos fühlen. Ein für Deutschland in den letzten Jahren immer wieder aufgetretenes Szenario sind Unwetter. Flutkatastrophen machen Betroffene hilflos, die meist nur dabei zuschauen können, wie sich Wassermassen durchs eigene Haus oder Auto ihren Weg bahnen.

Hierbei handelt es sich um objektive Hilflosigkeit. Betroffene haben keine Mittel, sich gegen die Situation zur Wehr zu setzen. Objektive Hilflosigkeit kann noch andere Formen annehmen. Beispiel Lähmungen ab der Halswirbelsäule: In diesem Fall ist es Betroffenen nicht mehr möglich, den Alltag ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Diese Form der Hilflosigkeit ist ebenfalls der objektiven Variante zuzuordnen.

Aber: Hilflosigkeit kann auch ein Gefühl sein. Diese bedeutet, dass Betroffene sich hilflos fühlen bzw. ihre Situation als solche wahrnehmen. Tatsächlich liegen – bei objektiver Betrachtung – Handlungsoptionen auf dem Tisch. Ursächlich für dieses Gefühl der Hilflosigkeit können ganz unterschiedliche Auslöser sein. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Depressionen oder depressive Episoden
  • Angststörungen
  • Schmerzleiden usw.

sein. Hierbei handelt es sich um Auslöser, die in einer medizinischen Diagnose begründet sind. Darüber hinaus entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit aber auch durch Konflikte in der Familie oder am Arbeitsplatz, Trauerphasen sowie Stress und fortgesetzte Angriffe von außen (Stichwort Moobing). Aber auch Schulden stehen immer wieder mit einem Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit in Verbindung.

Dabei müssen die einzelnen Auslöser nicht sofort das Gefühl hilflos zu sein auslösen. Mitunter ist es bei einigen Betroffenen die Summe negativer Erfahrungen, welche letztlich – in Kombination mit negativen Einflüssen auf das Selbstwertgefühl – zum Gefühl der Hilflosigkeit führen. Hilflos wird dann als eine Situation wahrgenommen, in der subjektiv zunehmen die Kontrolle verlorengeht und sich zusätzlich ein Gefühl der Ohnmacht einstellt.

Wie lässt sich Hilflosigkeit beseitigen?

Hilflosigkeit und das Gefühl der Ohnmacht lassen die Situation für Betroffene wie ein dunkles Loch erscheinen, in welches sie abzugleiten drohen. Je mehr die Gedanken um die Situation zu kreisen beginnen, welche die Hilflosigkeit auslöst, umso stärker die Angst vor dem, was kommt. Aus dem inneren Gefühl heraus können körperlich fühlbare Symptome wie:

  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Herzrasen

entstehen. Gibt es Strategien, dieser Spirale zu entkommen?

Atemübungen lösen Spannungen: Flutet das Gefühl der Hilflosigkeit scheinbar unaufhaltsam an, sind Atemübungen ein Mittel, um die innere Anspannung wieder etwas zu lösen. Hierzu kann die Hand auf den Bauch gelegt, tief ein- und langsam ausgeatmet. Über mehrere Minuten durchgeführt, kann diese einfache Übung die innere Unruhe dämpfen.

Bewegung gegen die Unruhe: Hilflosigkeit wird oft vom Entstehen einer inneren Unruhe und von innerer Anspannung begleitet. Bewegung kann Betroffenen dabei helfen, beides zu kontrollieren. Ob einfaches Spazieren reicht oder ein intensiver Walk ablenkt, ist individuell unterschiedlich. Ein Tipp: Sport gilt – aufgrund des Abbaus der Stresshormone – generell als guter Stresskiller.

Ablenkung von Problemen: Hilflosigkeit steht sehr oft in Verbindung mit Situationen, welche für Betroffene ein Problem darstellen. Diese können sowohl familiär als auch beruflich bedingt sein. Nicht immer fallen schnell Lösungen ein. Statt die Probleme im Kopf hin und her zu schieben, kann Ablenkung hilfreich sein. Letztere besteht vielleicht sogar einfach nur aus alltäglichen Handlungen wie Gartenarbeit oder Putzen.

Hilfe von außen organisieren: Geteiltes Leid ist halbe Leid – ein bekanntes, aber häufig zu wenig geschätztes Credo. Wer sich hilflos fühlt, muss diese Empfindungen nicht auf den Schultern mit sich herumtragen. Oft sind Freunde oder Bekannte sehr schnell bereit, Unterstützung zu liefern. Betroffene müssen sich nur klar werden, dass diese Hilfe aktiv zu suchen ist.

Es gibt natürlich noch andere Wege und Hilfsmittel, um der Spirale zu entkommen. Einigen Betroffenen hilft es bereits, einfach eine andere Perspektive einzunehmen. In anderen Fällen ist tatsächlich professionelle Hilfe erforderlich – sprich eine Therapie. Dies wird nötig, wenn das Problem sich manifestiert hat und eine lange Leidensgeschichte hinter Betroffenen liegt.

Suchtprobleme als besondere Form der Hilflosigkeit

Hilflosigkeit kann – wie bereits angesprochen – auch durch Sucht entstehen. Betroffene erkennen die Sucht als solche und sind sich klar, dass etwas passieren muss. Allerdings fühlen sie sich dem inneren Zwang – sprich ihrer Sucht – hilflos ausgeliefert. Was kann solche dramatischen Formen annehmen?

Spielsucht: Spielsucht ist ein altes Phänomen und findet seinen Ursprung bereits zu Beginn der christlichen Zeitrechnung, während es aus medizinischer Sicht aber noch teilweise ein recht junges Problem darstellt. Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang zwischen der Computerspiel- und der Glücksspielsucht. Letztere führt sehr oft zu hohen Schulden, dem sozialen/finanziellen Abstieg und einer Isolierung der Betroffenen. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um keine körperliche Sucht. Allerdings ist es für Betroffene schwer, sich allein aus der Sucht zu lösen, sie fühlen sich schnell hilflos. In Deutschland leiden laut der Initiative AUTOMATISCH VERLOREN! etwa 500.000 Menschen darunter.
Die Oniomanie ist eine substanzungebundene Abhängigkeit, welche durch den inneren Zwang des Erwerbs von Waren gekennzeichnet ist. Nicht selten ist für die Oniomanie ein episodenhafter Verlauf typisch. Aufgrund des übersteigerten Konsums lagern Betroffene mitunter original verpackte Ware stapelweise zu Hause. Als Ursache für die Oniomanie werden unter anderem negative Erfahrungen und Gefühle verantwortlich gemacht. Obwohl es Betroffenen oft klar ist, dass ein Problem vorliegt, fühlen sie sich dem ausgeliefert. Laut einem BR-Bericht leiden etwa 800.000 Menschen darunter.

Eine Frau ist als Suchtverhalten traurig und isoliert

Fazit: Hilflosigkeit erkennen und bekämpfen

Etwas hilflos ausgeliefert sein kann im Alltag immer wieder passieren. Der Kontrollverlust ist entweder objektiv real – etwa wenn Entscheidungen im Büro über den eigenen Kopf hinweg entschieden werden – oder subjektiv. In diesem Fall fühlen sich Menschen einfach hilflos, obwohl es Lösungen gibt. Hilflosigkeit ist allerdings kein Zustand, dem sich Betroffene einfach so ergeben müssen. Wichtig ist, die Situation nicht einfach hinzunehmen, sondern sie zu analysieren. Ein wesentlicher Schritt besteht darin, die innere Unruhen und Anspannung zu lösen – etwa durch Ablenkung. In diesem Moment fallen vielleicht schon erste Lösungen ein. Und falls nicht, gibt es immer noch die Möglichkeit, sich von außen helfen zu lassen.