Nachhaltigkeit im Alltag - wie lassen sich große Vorsätze für den Einzelnen umsetzen?

„Im neuen Jahr tue ich mehr für die Umwelt.“ Dieser und ähnliche Vorsätze – etwa im Hinblick auf die soziale Verantwortung – nehmen wir uns zum Jahreswechsel regelmäßig vor. Viele Haushalte sind sich inzwischen im Klaren darüber, dass sich etwas ändern muss. Veränderungen beim Klima und der sich zunehmend verstärkende Migrationsdruck haben auch etwas mit dem Konsumverhalten zu tun.

Leider ist es eine Sache, sich gute Vorsätze vorzunehmen. Deren Umsetzung steht auf einem anderen Blatt Papier. Bleibt die Frage, wie sich der Vorsatz in die Praxis umsetzen lässt – und wie Verbraucher am Ende auch über einen längeren Zeitraum durchhalten?

Ein Baum wächst auf einer Hand

Nachhaltigkeit: der Versuch einer Begriffserklärung

Im modernen Sprachgebrauch ist der Begriff Nachhaltigkeit – zumindest in der Wahrnehmung vieler Verbraucher – erst seit 10 Jahren bis 20 Jahren präsent. Im Wesentlichen geht es um den bewussten Umgang mit natürlichen Rohstoffen. Das Ziel: umweltschonend verhalten, um auch nachfolgenden Generationen intakte Ökosysteme zu erhalten.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist allerdings keine Wortschöpfung der Moderne. Vielmehr handelt es sich um ein „Konzept“, dessen historische Wurzeln (zumindest für Deutschland) bereits im 18. Jahrhundert zu suchen sind. Hintergrund: Hans Carl von Carlowitz nutzte den Begriff zum ersten Mal 1713. In den nachfolgenden Jahrhunderten stand Nachhaltigkeit für Dauerhaftigkeit im Sinne eines andauernden Zustands.

Heute definiert Nachhaltigkeit eine politische Zielsetzung – eine ressourcenschonende Nutzung natürlicher Rohstoffe. Hierzu gehören:

  • Bodenschätze
  • Nutzflächen in der Landwirtschaft
  • Forstflächen.

Nachhaltigkeit schließt in diesem Zusammenhang aber auch Humanressourcen ein. Damit handelt es sich um ein sozio-ökologisches Konzept, das in der Politik zunehmend von einem neuen Begriff abgelöst wird. Seit einigen Jahren ist in diesem Kontext verstärkt von enkelgerecht die Rede. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, das Nachhaltigkeit auf einen sehr langfristigen Zeithorizont ausgereichtet ist.

Eine Frau liegt auf einer Blumenwiese

Brundlandt-Kommission und die UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung

Die moderne Begriffsbestimmung für Nachhaltigkeit wurde sehr stark von der Brundlandt-Kommission und der anschließend stattfindenden UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung beeinflusst. Beide verfolgten in ihrer Zielsetzung das Etablieren neuer Standards für eine umweltschonende, global und generationengerechte Entwicklung.

Diese Standards beruhen auf der These, dass die umweltpolitischen, ökonomischen und sozialen Ziele gleichberechtigt nebeneinanderstehen und keine Konkurrenz bilden. Das sich hieraus ergebende 3-Säulen-Modell erfordert im Detail Einzelbetrachtungen hinsichtlich:

  • ökologischer Nachhaltigkeit
  • ökonomischer Nachhaltigkeit
  • sozialer Nachhaltigkeit

Diese müssen am Ende in ein Gesamtbild eingefasst werden. Aber: Nachhaltigkeit wird nicht nur exklusiv durch diese „Deutung“ besetzt – es gibt noch viele weitere Möglichkeiten der Begriffsbestimmung, die auch die verschiedenen Ansätze in der Umsetzung erklären. Somit ist das Konzept der Nachhaltigkeit also keinesfalls unumstritten.

Strategien zur Umsetzung von Nachhaltigkeit im eigenen Alltag

Nachhaltigkeit wird als politisches Credo begriffen und in einen globalen Kontext eingefasst. Die Politik soll gesetzgebend und regulierend tätig werden, um Aspekte wie:

zu unterstützen bzw. Verstöße sanktionieren. Dieser Anspruch kann letztlich aber nur ein Teil der Wahrheit sein. Es kommt bei der Durchsetzung nachhaltiger Zielstellungen auch auf den einzelnen Verbraucher an. Das Konsumverhalten beeinflusst sehr stark die Entwicklung von Regionen am anderen Ende des Globus – ohne dass Verbraucher sofort etwas davon bemerken.

Beispiel Smartphone: Inzwischen besitzen die meisten Menschen Mobiltelefone in Form eines ein Handys oder Smartphones, viele davon sogar mehrere. In den Geräten steckt ein Sammelsurium verschiedener Rohstoffe, wie:

  • Kobalt
  • Aluminium
  • seltene Erden (u. a. Tantal)
  • Gold.

Die Rohstoffe müssen mühsam aus dem Boden gewonnen werden. Teilweise unter Tage – oft aber auch im Tagebau, werden die Rohstoffe auch in Afrika oder Südamerika gewonnen. Die Arbeitsbedingungen und Folgen für die Umwelt sind katastrophal. Auch in der Herstellung einzelner Komponenten sind Sozialstandards wie in Mitteleuropa mitunter Fehlanzeige.

Stellt sich die Frage, ob eine neues Smartphone alle 12 Monate bis 24 Monate wirklich nötig ist – oder die Geräte nicht doch etwas länger benutzt werden können. Nachhaltigkeit lässt durch noch andere Verhaltensänderungen erreichen.

Windräder stehen in einem Windpark

1. Nachhaltigkeit durch Müllvermeidung

Abfall lässt sich nicht generell vermeiden. Allerdings hat jeder Haushalt die Möglichkeit, einen Teil zu vermeiden.

Beispiel Plastik: Aufgrund der Witterungsbeständigkeit sind Kunststoffe ein erhebliches Problem für die Umwelt. Gleichzeitig werden für die Herstellung von Verpackungen Rohstoffe verbraucht. Müllvermeidung kann auf unterschiedliche Arten in Haushalten umgesetzt werden, wie:

  • auf Kauf von Produkten mit Umverpackung verzichten
  • Mehrweg-Verpackung bevorzugen
  • Kunststoffbeutel vermeiden
  • Verzicht auf XXL-Verpackungen
  • Nachfüllverpackungen wenn möglich verwenden.

Ein weiterer Aspekt in der Müllvermeidung zielt auf die Verringerung der Essenabfälle ab.

2. Nachhaltigkeit durch fair gefertigte Kleidung

Mode bzw. Bekleidung ist im Hinblick auf Nachhaltigkeit ein Reizthema. Hintergrund: Viele Hersteller und größere Modeketten lassen Bekleidung so günstig wie möglich produzieren. Eine Entwicklung, die von der Bevölkerung in Billigstlohnländern getragen wird – wie Pakistan oder Bangladesch. Hier müssen teils bereits Kinder in Textilfabriken arbeiten.

Dass Sozialstandards in dieser Umgebung auf der Strecke bleiben und eine Vermeidung von Umweltschäden auf der Strecke bleiben, kann sich jeder an fünf Fingern abzählen.

In der Praxis lässt sich Nachhaltigkeit hier nur erreichen, wenn Produkte mit unklarer Herkunft bzw. ohne entsprechende Zertifikate/Siegel gemieden werden. Doch auch hier ist stets ein genauer Blick erforderlich, um Fälschungen auszuschließen.

3. Nachhaltigkeit durch fairen Handel

Dieser Aspekt schließt eigentlich nahtlos an das Thema nachhaltige Textilprodukte an. Nachhaltigkeit zielt auf möglichst geringe Umweltbelastungen durch Giftstoffe, Dünger, Insektizide usw. genauso ab wie auf faire Arbeitsbedingungen und Löhne für Bauern und Beschäftigte in der Weiterverarbeitung. Fairer Handel lässt sich aus Verbrauchersicht nur über die Wahl der richtigen Produkte – sprich Fair Trade Artikel – steuern. Leider gilt auch hier der bereits angesprochene Grundsatz, dass nicht alle Siegel auf gleich hohen Standards und lückenloser Kontrolle beruhen.

Eine Frau streckt die Hände zur Seite

Super Food ist ein Begriff moderner Ernährungstrends. Es geht um Nahrungsmittel, die bezüglich der Vitamine, der sekundären Pflanzenstoffe oder Spurenelementen sehr hohe Gehalte mitbringen. Das Problem besteht darin, dass häufig exotische Früchte zu Super Foods gemacht werden. In der Folge gehen vor Ort Anbauflächen für die regionale Versorgung – im Rahmen des Plantagenausbaus – genauso verloren wird Vegetationsflächen für den Urwald.

Ein Beispiel hierfür ist die in Europa inzwischen beliebte Avocado. Zusätzlich sorgt der Transport für CO2-Emissionen. Was zudem gern unterschätzt wird, ist das Verschleppen von Pflanzen und Tieren in fremde Ökosysteme. Der Griff zu regionalen Produkten und Saisonware ist ein Ansatz, um diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Sonnenschein dringt durch die Wolken

Durch den Konsum mehr Verantwortung übernehmen – dieser Grundsatz sieht auf dem Papier einfach aus. In der Praxis ist es mitunter schwierig, die gesteckten Ziele auch einzuhalten. Was hilft dabei?

Häufig scheitert es einfach daran, dass die Ziele zu hoch gesteckt sind. Statt den Alltag von jetzt auf gleich auf Nachhaltigkeit umstellen zu wollen, sollte Bereich für Bereich abgearbeitet werden. So geht der Überblick nicht verloren und der Fokus ist immer auf das Wesentliche fokussiert.

Ein weiterer Tipp basiert auf der Tatsache, dass Veränderungen eher zum Ziel führen als Verbote. Nachhaltig leben zu wollen, bedeutet nicht den Verzicht auf Kaffee oder Schokolade. Vielmehr wird gezielt nach zertifizierten Produkten gesucht, die vielleicht teurer sind – aber dafür noch mehr für den Vorsatz belohnen.

Tipp: Warum für das Durchhalten der Vorsätze nicht einfach belohnen. Für jede Plastiktüte, auf die beim Einkaufen verzichtet wird, wandern 10 Rappen ins „Sparschwein“. Innerhalb eines Jahres kommen so einige Euro locker zusammen.

Fazit: Nachhaltigkeit als Vorsatz fürs neue Jahr

Gute Vorsätze sehen oft so aus, dass mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung ganz oben auf der Liste stehen. Wie wäre es mit mehr Nachhaltigkeit oder Engagement für die Umwelt? Auch hier machen sich gute Vorsätze auf lange Sicht bezahlt. Aber: Das Durchhalten ist nicht immer einfach – etwa wenn sich zu viel vorgenommen wird. Wer sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt, muss sich auch klarwerden, dass der erste Schritt darin besteht, in Zukunft mit Köpfchen einzukaufen.