Sandnotstand: Warum der Sand so wertvoll ist

Der Sommer naht und bald werden wir immer mehr Fotos von Stränden und Badeorten sehen. Höchstwahrscheinlich werden auch viele von uns ein paar Tage Urlaub am Strand verbringen. Sand am Meer ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Ein Sandstrand ist am Meer

Warum wird Sand knapp?

Es gibt jedoch eine erschütternde Nachricht: Studien gehen davon aus, dass es im Jahre 2100 keine Strände mehr geben wird. Meeressand ist von essenzieller Bedeutung für die Bauindustrie: Zwei Drittel der Bauten bestehen aus Beton, der wiederum aus zwei Dritteln aus Sand hergestellt wird. Für ein durchschnittliches Familienhaus werden 200 Tonnen Sand benötigt, für ein Krankenhaus bereits 3000 Tonnen. Laut UNEP wurden 2014 global 40 Milliarden Tonnen Sand abgebaut – neunmal mehr als Rohöl. Es ist auch kein Ende in Sicht: Die Weltbevölkerung wächst und immer mehr Menschen zieht es in den urbanen Raum. Solche Entwicklungen treiben den Bausektor an. Werfen wir hier nur mal einen Blick nach China: Unter der Regierung von Xi Jinping baut das Land in rasantem Tempo die Infrastruktur auf und verbrauchte in den letzten zwei Jahren mehr Zement als die USA im letzten Jahrhundert.

Ein Kübel steht neben Sand und Beton

Warum wird Meeressand verwendet?

Sand ist nicht gleich Sand. Nur Meeressand ist für die Herstellung von Beton geeignet. Durch die kantige Form haften die Körnchen mit dem Zement zusammen. Das schränkt die Sandvorräte ein, sodass der massive Sandabbau die Reproduktionsfähigkeit der Erde bei weitem übersteigt.

Eine Grafik zeigt die Problematik mit Sand

Noch dramatischer wird die Situation durch den Schwarzmarkt, der rund um das Sandgeschäft entstanden ist. Wie groß der illegale Handel tatsächlich ist, ist aufgrund von fehlenden Daten, schwer einzuschätzen. Was die größte kriminelle Vereinigung in Indien treibt, lässt eine Größe erahnen: Hier werden jährlich zwei Milliarden Tonnen Sand illegal abgebaut – neunmal mehr als offiziell in Deutschland.

Derzeit gibt es keine Überwachung durch internationale Organisationen. Laut der NGO Coastal Care wird in 60 Ländern illegal mit Sand gehandelt. Dazu kommt, dass sich bislang noch keine Alternative für Sand in der Bauindustrie durchgesetzt hat, wobei einige Lösungen denkbar sind: Recycling von Altglas, Ton oder Lehm.