Fühle deine Gefühle bejahend – und verwandle sie!

Der Mensch leidet unter kaum etwas so sehr wie unter seinen ungenehmen Gefühlen wie Angst, Wut, Trauer, Scham, Schuld, Eifersucht und Neid. Hilflos fühlt er sich ihnen ausgeliefert. Selbst die meisten Psychologen können ihren Klienten nicht zeigen, wie sie damit umgehen sollen. Der „Normalmensch“ lenkt sich von ihnen ab, will sie schnell wegmachen oder bekämpft sie mit Pillen oder anderem. 

Zwei Buben sitzen am Tisch, einer sieht nachdenklich aus

Der Ursprung unserer Gefühle

Gefühle sind unsere eigenen Schöpfungen, es sind unsere „Babies“, die wir vor langer Zeit in der frühen Kindheit erschufen und seitdem kräftig nährten. Als wir erfuhren, dass wir Liebe und Anerkennung nur erhielten, wenn wir die Erwartungen unserer Umgebung erfüllten, war das ein Schock für uns. Denn das Kleinkind liebt noch bedingungslos und öffnet Herz und Arme für jeden. Als wir entdeckten, dass andere uns nicht so liebten, wie wir waren und uns verhielten, fällten wir alle die ersten Urteile über uns, indem wir dachten: „So, wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung, nicht liebenswert“. Denn warum sonst sollten Mutter, Vater, Kindergärtner und Lehrer uns sonst ständig kritisieren und korrigieren. Und noch heute ist die überwiegende Zahl aller Rückmeldungen an Kinder negativer, kritisierender und herabsetzender Art.

Die folgerichtigen Selbstverurteilungen des Kindes sind eine schöpferische Leistung, mit denen das Kind wiederum Emotionen der Scham, der Kleinheit, der Angst und der Schuld erschafft und über die kommenden Jahre und Jahrzehnte immer weiter nährt und mehrt. Wenn wir dann als Erwachsene ins Leben gehen, sind wir randvoll mit diesen Emotionen, erkennen sie aber nicht mehr als unsere eigenen Schöpfungen, wenn andere unsere „Knöpfe“ drücken und uns nicht so behandeln, wie wir uns das wünschen. Wir schieben ihnen unsere Gefühle in die Schuhe und werfen ihnen vor: „Du hast mich verletzt!“

Aber egal, was uns andere Menschen antun, die eigentliche Verletzung stammt immer von uns selbst. Tausende herabsetzende Gedanken denken und glauben wir über uns selbst. „Ich bin nicht gut/schön/liebenswert/erfolgreich etc. genug. Ich habe es nicht verdient, geliebt zu werden. Ich bin schuld daran, dass… Ich schäme mich für…“ usw. Unsere Mitmenschen rühren durch ihr Verhalten nur an alten Wunden, die wir uns selbst zugefügt haben und lösen Schmerz und Gefühle in uns aus, denen wir uns nicht stellen.

Viele Finger zeigen auf einen gebückten Mann

Aber alles, was wir fühlen, gehört zu unseren Schöpfungen und wünscht sich nur eines: dass wir sie als solche erkennen und unser Herz öffnen für das annehmende, bejahende und dadurch verwandelnde Fühlen der Gefühle. Gehen wir nach innen und sagen: „Alle Trauer (oder Angst, Scham, Schuld etc.) in mir darf jetzt da sein, kommt Bewegung in unser Gefühl. Es versteht ganz genau, dass es jetzt nicht mehr abgelehnt und weggeschoben werden soll. Unsere Annahme und Liebe zum Gefühl zeigen wir ihm, wenn wir uns öffnen für das Fühlen und innerlich sagen „Du bist mein Gefühl. Du bist meine Trauer; ich selbst habe dich einmal erschaffen und du hast mir gedient (denn jede unserer Schöpfungen dient uns auf ihre Weise). Du darfst jetzt da sein. Ich bin bereit, dich zu fühlen.

Eine Frau hält Ihre Arme in die Höhe und sieht zufrieden aus

Unsere Gefühle sind nicht unsere Feinde. Es sind Energien, die natürlicherweise aus uns heraus fließen wollen. Darum heißen sie im Englischen e-motion, Energie in Bewegung. Mit unserem „Nein“ zu ihnen halten wir sie jedoch ungewollt in uns fest, lassen Trauer zu Depression und Angst zu Panik ausarten und erschaffen die Basis für die meisten Krankheiten unseres physischen Körpers. Mensch, öffne dein Herz für deine Gefühle, nimm dir Zeit und fühle sie mit einem großen JA.

Der Experte dahinter
Robert Betz, Psychologe, Seminarleiter und Autor

Betz Robert

Der Psychologe, Seminarleiter und Autor Robert Betz wurde 1953 im Rheinland geboren. Nach seinem Studium der Psychologie und Sozialpädagogik, welches er übrigens als Jahrgangsbester abschließt.