Herzlich Willkommen, Unzufriedenheit!

Warum uns die kleinen und großen Herausforderungen im Alltag einladen zu wachsen 
Interview der Rheinblick-Zeitung mit Stefanie Menzel

Manchmal bekommt man das Gefühl, dass die Unzufriedenheit über den Job, den Partner oder die finanzielle Situation zum Leben dazugehören wie die Luft zum Atmen. Aber muss das so sein? Oder gibt es vielleicht ein Rezept gegen Unzufriedenheit? Ein Gespräch mit der Therapeutin Stefanie Menzel.

Ein Paar liegt unzufrieden im Bett

Frau Menzel, viele Menschen, die zu Ihnen kommen, haben Probleme in der Partnerschaft, im Job oder gesundheitliche Beschwerden. Warum fühlen wir uns eigentlich schlecht?

Unsere Unzufriedenheit zeigt uns zunächst einfach an, dass etwas in unserem Leben nicht so ist, wie es unserem Wesen entspricht. Leider bekommen wir meist schon als Kinder abtrainiert, auf unser Gefühl zu hören und unsere Wahrnehmungen ernst zu nehmen. Also klagen wir lieber, statt genau hinzuschauen, was uns eigentlich fehlt. Unzufriedenheit per se ist aber nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Sie gibt uns Hinweise darauf, wo wir noch Entwicklungspotenzial haben und persönlich wachsen dürfen.

Würden Sie jemandem, der ständig Konflikte mit dem Partner und den Kollegen hat, raten, sich zu trennen und den Job zu kündigen?

(lacht) Das ist die bequemste Art, sich mit der eigenen Unzufriedenheit auseinanderzusetzen – aber selten die nachhaltigste. Wenn wir einfach nur „wegrennen“, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir mit einem neuen Partner ganz ähnliche Streitereien erleben werden und auch im neuen Job mit den Kollegen aneinandergeraten. Viel eher sollten wir herausfinden, wo eigentlich die Wurzel unseres Problems liegt. Was genau stört mich an den Kollegen? Was löst ihr Verhalten in mir aus? Welche Eigenschaft ist es genau, die mich so auf die Palme bringt?

Zwei Kollegen sitzen nebeneinander mit bösen Blicken

Aber was hat es mit mir zu tun, wenn mein Kollege viel zu langsam ist? Oder mein Partner keine Ordnung halten kann?

Viel mehr als Sie denken. Vielleicht haben Sie schon mal gemerkt, dass jedem Menschen ganz andere Eigenschaften und Verhaltensweisen bei anderen negativ auffallen. Der eine ärgert sich über Menschen, die er für arrogant hält. Der andere stört sich daran, wenn jemand nicht fleißig genug ist. Wie wir unsere Mitmenschen bewerten, sagt vor allem etwas über uns selbst aus.

Was sagt es zum Beispiel über mich aus, wenn mich die Unordnung meines Partners stört?

Wer extrem emotional reagiert, weil der Partner keine Ordnung hält, der könnte sich zum Beispiel fragen: Bin ich selbst manchmal unordentlich und verurteile diese Eigenschaft an mir selbst? Oder würde ich eigentlich auch gerne lieber mal auf der Couch sitzen, statt aufzuräumen, aber würde mir das nie erlauben? Wenn wir selbst das Thema für uns klären, sind wir viel entspannter.

Ein Mann schläft mit Essen auf der Couch

Was kann man also konkret im Alltag tun, wenn man unzufrieden ist?

Der Schlüssel liegt darin, sich selbst zu befragen und zu verstehen. In meinen Einzelberatungen und Seminaren geht es deswegen viel darum, Techniken und Methoden zu erlernen, um an die Ursachen für Unzufriedenheit und Probleme heranzukommen. Vielleicht versteckt sich zum Beispiel hinter dem Konflikt mit der Kollegin ein altes Konkurrenzthema mit der Schwester, das wir nun wiedererleben? Wenn wir das klären können, stört uns die Kollegin auch nicht mehr groß.

Ist es nicht anstrengend, sich so intensiv mit sich selbst zu beschäftigen?

(lacht) Im ersten Moment schon. Aber je besser wir uns selbst verstehen, desto leichter wird das Leben. Dann hören wir auf uns ständig zu beklagen. Statt immer wieder die alte Unzufriedenheit zu erleben, können wir dann die kleinen und großen Baustellen in unserem Leben annehmen und uns weiterentwickeln. Genau das macht das Leben doch spannend!

Der Experte dahinter
Stefanie Menzel, Heilenergetikerin

Menzel Stefanie

Frei sein, leichter sein, ich sein. Nach dieser Philosophie lebt und arbeitet Stefanie Menzel in Frankenthal (Deutschland).  Sie ist die Begründerin der Heilenergetik und der Sinnanalytischen Aufstellungsarbeit.