Woran kann man ein Lipödem erkennen?

Ein Lipödem ist eine symmetrische Fettgewebsvermehrung meistens an den Beinen, am Po und an den Hüften, kann aber auch die Arme betreffen. Oft wird ein Lipödem mit Übergewicht verwechselt und dadurch auch nicht richtig und rechtzeitig behandelt. Eine Gewichtsabnahme ist für viele der Betroffenen positiv, jedoch lässt sich diese nicht so leicht erzielen und halten, wie bei Nicht-Betroffenen. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt und diagnostiziert, können die Symptome behandelt und eine Verschlechterung gut aufgehalten werden.

Frau mit nur einer Weste bekleidet.

Wie können Ärzte ein Lipödem erkennen?

Ungefähr zehn Prozent aller deutschen Frauen leiden unter einem Lipödem (Quelle: Marshall 2011). Die Dunkelziffer ist vermutlich höher, da diese krankhafte Vermehrung des Fettgewebes oft nicht richtig erkannt und mit anderen Krankheiten verwechselt wird.

Eine zu hundert Prozent richtige Diagnose ist nicht leicht. Die Diagnosestellung durch fachkundige Ärzte erfolgt mittels Anamnese, Inspektion und Palpation. Das bedeutet dass:

  • die Anamnese, also die Vorgeschichte hinterfragt,
  • eine Inspektion, also eine gründliche körperliche Untersuchung und
  • Palpation, das Fühlen und Abtasten von Gewebe durchgeführt wird und man somit auch andere Erkrankungen wie Adipositas, Lymphödem etc. ausschließen kann.

Das braucht nicht nur Zeit, sondern auch sensible Ärzte, die sich den Patientinnen (meist sind Frauen davon betroffen) genau annehmen und gut zuhören können. Das "Reiterhosensyndrom" kann auch vererbt werden. Sind verwandte Frauen ebenfalls davon betroffen, kann dieses Wissen bei einer Diagnose sehr hilfreich sein.

Ein Arzt schreibt eine Diagnose auf

Wie entsteht die Krankheit Lipödem?

Beim Lipödem “entgleisen” die Fettzellen. Sie vergrößern sich ungebremst. Man nimmt an, dass es zu massiven Beschwerden kommt, da sich zwischen den vermehrten und vergrößerten Fettzellen Flüssigkeit einlagert und die Gefäße „belastet“ werden. Die Diagnose Lipödem ist auf der einen Seite keine besonders erfreuliche Nachricht, da die Krankheit noch weitestgehend unerforscht ist und es derzeit keine Heilung gibt. Betroffene müssen ihr ganzes Leben lang verschiedene therapeutische Maßnahmen treffen. Auf der anderen Seite kann es eine große Erleichterung sein, genau zu wissen woher die Beschwerden, die körperliche Veränderung und die Schmerzen kommen.

Es gibt einige Therapiemöglichkeiten, um ein Fortschreiten der Krankheit einzudämmen und die Beschwerden gut in den Griff zu bekommen. Die Ursache für ein Lipödem ist noch nicht gänzlich geklärt. Man geht davon aus, dass es sich um die Folgeerscheinungen einer hormonellen Störung handelt. Vor allem deswegen, da die Symptome oft nach einer größeren hormonellen Veränderung im Körper auftreten. Das kann sein:

Vor allem junge Frauen haben oft Probleme damit, ihren Körper nach der ohnehin nicht so einfachen Umstellung anzunehmen und mit der Krankheit umzugehen. Falsche Diagnosen und ein unsensibler Umgang mit dem Thema können deswegen manchmal auch psychische Belastungen bei den Betroffenen auslösen.

Frau mit dicken Oberschenkeln

Wenn der Körper sich verändert: mögliche Symptome

Ein Lipödem entsteht langsam. Die Symptome kommen nicht über Nacht.

  • Im Stadium 1 ist die Oberfläche der Haut glatt, das Unterhautgewebe weich und ohne Knoten. Ein wichtiger Hinweis ist die Neigung zu blauen Flecken und Blutergüssen, die ohne ersichtlichen Grund auftreten können. Starke Schmerzen nach langem Stehen und Druckempfindlichkeit ist ebenfalls typisch. Besenreiser können auftreten. Manche beschreiben den Schmerz so, als ob die Beine explodieren wollten. Unterschenkel, Arme, Knie, Knöcheln, Bauch und Füße sind meist nicht betroffen. Vor allem die Schmerzen und die symmetrisch auftretende Fettansammlung können erste Anzeichen sein.
  • Im Stadium 2 sind schon Veränderungen an der Haut sichtbar. Wie bei einer Orangenhaut wird die Oberfläche der Haut deutlich uneben. Im Unterhautfettgewebe sind Knoten zu spüren. Vor allem bei Hitze nehmen die Schmerzen zu. Im Gehen können die Oberschenkel aneinander reiben, was ebenfalls zu Schmerzen und Hautproblemen führen kann.
  • Im Stadium 3 ist Hautoberfläche sehr uneben, das Unterhautgewebe stark verknotet und verhärtet. Große Verdickungen und Verformungen können entstehen. In diesem fortgeschrittenen Stadium können auch die Unterschenkel und die Arme betroffen sein. Zusätzlich kann sich ein Lipolymphödem entwickeln. Stehen wird in diesem Stadium sehr unangenehm und schmerzhaft.
Die Stadien eines Lipödems sind zu sehen

Typen und betroffene Körperregionen

Zusätzlich zu diesen verschiedenen Stadien, kann die Krankheit noch in Typen unterteilt werden. Hier werden die betroffenen Körperregionen genauer betrachtet.

  • Typ 1: Das Unterhautfett ist vor allem im Bereich von Gesäß und Hüften vermehrt, die typischen Reiterhosen sind die Folge.
  • Typ 2: Das Lipödem hat sich bis zu den Knien ausgebreitet. Es kommt vermehrt zur Bildung von Fett an den Innenseiten beider Knie.
  • Typ 3: Die Erkrankung reicht jetzt von den Hüften bis zu den Fußknöcheln.
  • Typ 4: Das Lipödem betrifft nun auch noch die Arme.
  • Typ 5: Auch die Unterschenkel sind betroffen.
Frau mit leichter  Orangenhaut an den Oberschenkeln

Information hilft: Erfahrungsaustausch als Unterstützung zur Selbsthilfe

Eine große Hilfe für Lipödem-Patienten ist einerseits eine umfassende Aufklärung und die Beseitigung von Unwahrheiten und Vorurteilen gegenüber der Krankheit. Die Seite LymphCare bietet eine Fülle von Informationen zum Thema an. Im Forum können Betroffene miteinander in Kontakt treten und sich über ihre Erfahrungen austauschen. Die Therapie behandelt die betroffenen Stellen sowohl mit einer gezielten Kompressionstherapie, die die Ödeme kleiner werden lässt und eine Entstauung bewirkt, als auch mit manueller Lymphdrainage, spezieller Hautpflege und gezielter Beingymnastik.

Regelmäßige Bewegung und bewusste Ernährung können die Abheilung der Symptome begleitend unterstützen und für ein positiveres Körpergefühl sorgen. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist ein wichtiger Teil für den Therapieerfolg. Hier werden auch praktische Tipps zum richtigen Anziehen und der Pflege der Strümpfe gegeben. Im Forum beantworten Experten wie Chirurgen, Mediziner, Physiotherapeuten und Mitarbeiter aus Sanitätshäusern Fragen zum Thema Lipödem. Eine Motivation und ein Ansporn können auch und Berichte von Patientinnen sein, deren ganz persönliche Geschichte im Blog und in den Patientengeschichten erzählt wird.

Apfel mit Maßband

Wie unterscheidet sich ein Lipödem von anderen Erkrankungen?

Oft wird ein Lipödem im Anfangsstadium mit Übergewicht verwechselt. Das kann fatal sein, da durch eine Gewichtsabnahme nur das restliche Fett am Körper verschwindet, die unübersehbaren, symmetrischen Fettansammlungen an den Beinen können durch eine Diät nicht beseitigt werden. Das verstärkt den unproportionierten Gesamteindruck der Figur zusätzlich.

Weitere Erkrankungen, die häufig mit der Krankheit Lipödem verwechselt werden, sind:

  • das Lymphödem: ein asymmetrischer Lymphstau meist an einem Bein oder Arm. Der Körper wirkt leicht unproportioniert, es treten Ödeme auf, aber keine Druckschmerzen oder schnelle Blutergüsse.
  • ein Phlebödem: eine venösen Abflussstörung, wird auch als Wasser in den Beinen bezeichnet.
  • Lipohypertrophie: ebenfalls eine Fettvermehrungsstörung, die hormonell bedingt ist. Orangenhaut tritt aber nicht auf, auch spüren die Betroffenen keine Schmerzen. Eine leichte Neigung zu Blutergüssen ist möglich, es gibt aber keine Wassereinlagerungen im Gewebe und keinen Druckschmerz.
Frau mit kurzem Rock am Strand

Das Lipödem erkennen: Mythen beseitigen, Fakten klären

Um den Umgang mit dem Thema Lipödem nach einer Diagnose zu erleichtern, ist es wichtig, kursierende Mythen aufzuklären. Die wichtigsten Fakten sind:

  • Ein Lipödem entsteht nicht durch falsche Ernährung oder Übergewicht. Es ist eine genetische Veranlagung. Weniger Gewicht erleichtert Diagnose und Behandlung. Ausgewogene Ernährung unterstützt jeden Körper im Umgang mit Krankheiten.
  • Eine Liposuktion kann ein Lipödem nicht beseitigen. Wird das Fettgewebe durch eine Operation entfernt, kann das zu Erleichterung und dünneren Beinen führen. Die Veranlagung bleibt aber bestehen. Man muss sie ein Leben lang behandeln und beobachten.
  • Fehlende Bewegung ist nicht der Auslöser. Trainierte Beinmuskeln geben dem Gewebe mehr Halt und können die Therapie unterstützen. Eine Heilung ist dadurch aber nicht möglich.
  • Nach einer gelungenen Entstauung wird empfohlen, trotzdem weiterhin Kompressionsstrümpfe zu tragen. Sonst kann es wieder zu einer Ödembildung kommen.
  • Kompressionsstrümpfe sind nicht hässlich. Sie sind in allen möglichen Farben, Mustern und Materialien erhältlich und können modisch kombiniert werden. Kein Mensch wird den Unterschied zwischen einer schwarzen Leggings und einer Kompressionsstrumpfhose erkennen.

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise gegeben, er stellt keine Grundlage für eine Selbstdiagnose dar! Bitte jedenfalls einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.