Algen gegen Corona? Neue Studienergebnisse, Fakten und Tipps für den Alltag

Ernährung spielt für unser Immunsystem eine wichtige Rolle. Wer genügend Nährstoffe aufnimmt, kann sich selbst auch gegen Infekte wie Corona besser schützen. Warum ausgerechnet Algen im Verdacht stehen, gegen Corona wirken zu können, erläutern wir in diesem Artikel.

Japan weckt Hoffnung – Haben Algen gegen Corona eine Wirkung?

Obwohl Japan eines der ersten Länder war, das von Corona betroffen war, gab es dort pro 100.000 Einwohner weitaus weniger Todesfälle als in westlichen Ländern. Man glaubt, dass Alltagsgewohnheiten, wie das Ausziehen der Schuhe beim Betreten eines Hauses, seltenes Händeschütteln oder seltene Umarmungen oder das dort ohnehin übliche Maskentragen in der Öffentlichkeit einen wesentlichen Einfluss darauf haben. Allerdings denken Experten auch, dass die traditionelle japanische Ernährung zur begrenzten Schwere der Covid 19 Erkrankung beigetragen haben soll.

Nirgendwo auf der Welt werden so viele Algen verzehrt wie in Japan. „Die Vermutung vieler Wissenschaftler liegt daher nahe, dass Algen gegen Corona helfen können“, kommt Dr. med. Bettina Hees vom Marine Therapy Institut in Hamburg zum Schluss. Sie hat sich mit zahlreichen aktuellen Studien zu Covid19-Erkrankungen von Forschern auf der ganzen Welt auseinandergesetzt. „Heute weiß man, dass die Ernährung grundsätzlich immer einen Einfluss auf das Immunsystem hat“, so Dr. Hees. „Eine vitalstoffreiche, gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ist der Schlüssel für unser Immunsystem.“

Der Hauptanteil des Immunsystems sitzt im Darm (mehr als 70 %). Dort sind Billionen von guten Darmbakterien angesiedelt, aber auch Immunzellen wie Fresszellen oder Killerzellen, die toxische Substanzen abfangen. „Diese Darmbakterien und das Immunsystem brauchen Vitamine, Nährstoffe und Spurenelemente, um gut funktionieren zu können“, erklärt Dr. Bettina Hees. „Gesundheit fängt bei einem guten Immunsystem an."

Algen und Tee

Wie kommt es zu einer Corona-Erkrankung?

Um zu wissen, wie Algen gegen Corona wirken können, muss man erst den komplexen Mechanismus einer Covid 19 Erkrankung verstehen“, erklärt Dr. med. Bettina Hees. Auslöser für eine Corona Erkrankung (Covid19-Erkrankung) ist das SARS-CoV-2-Virus. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über eine „Tröpfcheninfektion“, also über Aerosole (Schwebeteilchen) in der Luft. Aber auch eine Schmierinfektion über Oberflächen ist beim Corona-Virus möglich.

Nach der Infektion dockt ein sogenanntes Spike-Protein dieses Virus an ein bestimmtes Zelloberflächenprotein (Angiotensin Converting Enzyme 2 - ACE 2) an. Dieses ACE 2-Enzym wird an bestimmten Gewebeoberflächen und Organen ausgebildet, besonders aber im Mund-Rachen-Raum, im Lungengewebe und im Magen-Darm-Trakt. Von dort aus kann sich das Virus dann besonders gut vermehren. Bei einer sofortigen Immunreaktion werden die Viren direkt im Mund-Rachen-Raum abgefangen. Es kommt lediglich zu Halsschmerzen, starker Schleimbildung, Husten, Schwellungen und Entzündungen, die eventuell auch mit Fieber einhergehen.

Bei einer schweren Corona-Erkrankung kann es zu Husten, Kurzatmigkeit, Atemnot und Auffälligkeiten im Röntgenbild der Lunge kommen. Auch Durchfall und Erbrechen sind möglich, wenn der Magen-Darm-Trakt befallen ist.

Aerosol Corona-Viren

Wann kommt es zu einem schweren Verlauf bei einer Corona Erkrankung?

In Krankenhäusern wurde beobachtet, dass die Ursache für einen schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung oft an einer Überreaktion des Immunsystems liegt. Diese Überreaktion führt zu überschäumenden Entzündungsreaktionen, die vor allem die Lunge, aber auch andere Organe betreffen können und so zur gefürchteten schweren Atemwegserkrankung mit Atemnot bis zum Lungenversagen oder sogar zum Multiorganversagen führen. Wissenschaftler glauben, dass diese Überreaktion des Immunsystems aufgrund einer massiven Freisetzung freier Radikale (aggressiver Sauerstoffmoleküle) entsteht. Die aggressiven Sauerstoffmoleküle sind in der Lage, Gewebe irreparabel zu zerstören.

Wie entstehen freie Radikale im Körper und wie kann man gegen sie vorgehen?

Freie Radikale – auch oxidative Sauerstoffmoleküle genannt – werden täglich auch bei normalen Stoffwechselvorgängen in unserem Körper produziert. Die freien Radikale entstehen aber auch durch Belastungen von außen. Stress, Schadstoffe in der Umwelt und ungesunde Ernährung oder ein ungesunder Lebensstil können im Körper freie Radikale entstehen lassen. Sogenannte Antioxidantien sind in der Lage, diese freien Radikale abzufangen und zu neutralisieren.

Antioxidantien können mit der Nahrung aufgenommen werden. Sie stecken in Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Vitamin E, Vitamin C oder Carotinoiden. „Vor allem Algen können in sehr hohem Maß als Antioxidantien wirken und diese gefährlichen freien Radikale im Körper neutralisieren“, weiß Dr. med. Bettina Hees vom Marine Therapy Institut in Hamburg. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit der Wirkung verschiedener Algenarten. Die traditionelle japanische Ernährung ist reich an verschiedenen Arten von Algen. Mehr als ein Kilogramm Algen Trockengewicht werden dort pro Person pro Jahr verzehrt. Dazu zählen etwa:

  • Braunalge: Wakame, Kombu oder Mozuku
  • Rotalgen: Nori oder Sushi-Alge
  • Grünalgen: Ulva oder Meersalat
Frau isst Algen

Wie sollen Algen gegen Corona wirken können?

„Das rasche und vor allem effiziente Abfangen von freien Radikalen ist eine Domäne des aus Mikroalgen gewonnenen Antioxidans Astaxanthin“, weiß Dr. med. Bettina Hees. Das rote Pigment, das zu den Carotinoiden gehört, kommt in der Natur in besonders hoher Konzentration in der Mikroalge Hämatococcus pluvialis vor. Es ist aber auch in Fischen wie Lachs und Forelle, in Krill, Shrimps, Hummer oder in Krebsen zu finden.

„Astaxanthin gehört zu den stärksten Antioxidantien, die wir kennen“, erklärt Dr. Hees. Seine Stärke liegt in der Struktur. Weil Astaxanthin sowohl fett- als auch wasserlöslich ist, kann es Gewebestrukturen erreichen, die andere Antioxidantien nicht erreichen können. So ist Astaxanthin in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden oder in einer etwa durch Covid 19 erkrankten Lunge freie Radikale abzufangen.

Neben der Wirkung als Antioxidans besitzen Algen auch entzündungshemmende und blutdrucksenkende Wirkungen. Eine mögliche Schutzwirkung gegen Corona könnte an folgenden Inhaltsstoffen liegen:

  • Proteine und Peptide: Essbare Meeresalgen sind protein- und peptidreich. Es wurden sogar ACE-Hemmer aus essbaren Algen wie Wakame (Undaria pinnatifida) und Nori isoliert. Algenproteine werden im Magen-Darm-Trakt zu Peptiden verdaut. Sie tragen wahrscheinlich zu den blutdrucksenkenden Effekten bei, was möglicherweise einen Schutz vor einer schweren Corona-Erkrankung bieten kann.
  • Fucoidan: Diese Schwefelverbindungen kommen hauptsächlich in Braunalgen vor und sind als gelige Substanz auf der Oberfläche der Algen fühlbar. Sie finden heute z. B. Anwendung in der komplementären Tumortherapie bei Brustkrebs oder Darmkrebs. Sie sollen außerdem bei Entzündungen und gegen Thrombosen helfen können. Studien zeigen, dass Fucoidan die Produktion von pro-inflammatorischen Zytokinen reduzieren. Diese sind bei schweren Corona-Erkrankungen für die überschießende Immunantwort verantwortlich. Studien zeigen sogar eine höhere antivirale Wirkung von isoliertem Fucoidan als bei Remdesivir. Damit könnte mit der Nahrung bzw. als Nahrungsergänzung aufgenommenes Fucoidan aus der Braunalge eine antivirale Wirkung gegen SARS-CoV-2 haben.
  • Omega-3-Fettsäuren: Auch sie besitzen eine entzündungshemmende Wirkung. In Zusammenhang mit Corona entdeckten amerikanische Forscher, dass bei hospitalisierten Erkrankten, deren Omega-3-Index unter 5,7 lag, das Sterberisiko an Covid-19 viermal so hoch war, verglichen mit einem höheren Omega-3-Index. Die entzündungshemmende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren kann einen ungünstigen Verlauf von Covid 19 also verringern. Omega-3-Fettsäuren kommen nicht nur in Fisch, sondern auch in veganem Fischöl vor, das in Form von Mikroalgen zugeführt werden kann.
  • Fucoxanthin in Braunalgen: Seine aktive Form, die in der Leber entsteht, besitzt eine starke antioxidative Wirkung sowie eine hohe antientzündliche Wirkung.

Welchen Einfluss haben Algen auf die Darmgesundheit?

Unsere Ernährung bestimmt die Zusammensetzung des Mikrobioms unseres Darms. Dieses Mikrobiom hat entscheidende Auswirkungen auf entzündliche Prozesse im Körper und auf unser Immunsystem. Ein Ungleichgewicht in diesem Mikrobiom des Darms bringen zahlreiche Forscher mit Entzündungen im Körper und Fehlfunktionen des Immunsystems in Zusammenhang. Sowohl Probiotika wie Laktobazillen oder Bifidobakterien als auch Präbiotika wie Algen und Algeninhaltsstoffe können das Mikrobiom des Darms verbessern und ein Ungleichgewicht im Mikrobiom aufheben.

Algen in der Nahrung oder als Nahrungsergänzung enthalten zahlreiche Komponenten, die antioxidative, antithrombotische, entzündungshemmende und antivirale Wirkung besitzen. Sie können direkt und indirekt auf das Mikrobiom des Darms und damit auch auf das Immunsystem wirken. Deshalb bringen viele Wissenschaftler auch die wenigen Todesfälle in Japan seit der Corona Pandemie mit den gesundheitlichen Vorteilen der Algen in Verbindung. „Auch wenn Algen gegen Corona nicht allein wirken, so können sie tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung in der Vorbeugung und Behandlung von COVID-19-Erkrankungen sein“, erklärt Dr. Bettina Hees. Um gezielt die Effekte zu erreichen, kann man die Algen als hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel in genauer Dosis zu sich nehmen. „Hier sollte man aber nur auf seriöse Anbieter vertrauen, die nur geprüfte und biologische Produkte anbieten“, so Dr. Hees.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.

Der Experte dahinter
Dr. Bettina Hees, Algenforscherin

Hees Bettina, Dr.

Dr. Bettina Hees ist nicht nur Expertin für Gesundheitsprävention, Anti Aging, Ernährungs- und Orthomolekulare-Medizin, sondern auch Algologin (Algenforscherin).



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