Zusammensetzung von Kosmetikprodukten – Warum Wirkstoffe in einer Rezeptur nicht alles sind

In der Werbung und Außenwirkung von Kosmetikprodukten stehen meist die Wirkstoffe im Vordergrund. Diese sind natürlich wichtig, aber es kommt bei guter Kosmetik noch auf viele andere Aspekte an. Entscheidend ist zum Beispiel, wie gut die Basis einer Creme ist und wie die Wirkstoffe in die Haut geleitet werden. Im Balance Beauty Time Expertentalk erklärt Dr. E. Voss vom gleichnamigen Kosmetikhersteller, worauf es bei guter Kosmetik ankommt und warum Wirkstoffe nicht alles sind.

Kosmetikprodukte: Wirkstoffe oder Inhaltsstoffe?

Um über Wirkstoffe in der Kosmetik sinnvoll sprechen zu können, müssen wir zunächst zwischen Wirkstoffen und Inhaltsstoffen unterscheiden. Inhaltsstoffe sind alle Zutaten, die in einem Produkt enthalten sind. Du findest sie auf der Inhaltsliste. Nur ein gewisser Teil dieser Zutaten besteht aus Wirkstoffen. Unter Wirkstoffen versteht man Zutaten, die eine ganz spezielle Wirkung auf die Haut haben sollen.

Eine Creme oder ein anderes Produkt besteht nicht nur aus Wirkstoffen. Da ist zunächst einmal die Basis der Creme. Sie besteht meist aus Ölen und Wasser, um eine angenehme Konsistenz und eine grundlegende Pflegewirkung zu erreichen. Für intensivere Effekte werden dann die Wirkstoffe hinzugefügt. Außerdem enthalten viele Kosmetikprodukte Konservierungsstoffe, Emulgatoren und andere Zutaten, die die Haut eigentlich gar nicht braucht. Sie kommen nicht der Hautpflege zugute, sondern dienen dem Kosmetikhersteller, um zum Beispiel die Haltbarkeit zu verbessern.

"Inhaltsstoffe" ist also der Überbegriff über alle Zutaten. "Wirkstoffe" haben spezielle Effekte und machen nur einen Teil der Inhaltsstoffe aus.

Frau cremt ihr Gesicht ein

Nicht alle Wirkstoffe haben tatsächliche Effekte

Wirkstoffe in Kosmetikprodukten unterliegen gewissen Trends. Immer wieder tauchen neue Wirkstoffe auf, die intensiv beworben werden und damit zum Erfolg der Produkte beitragen. Nicht immer stecken aber gute und effektive Wirkstoffe dahinter. Oft verspricht das Marketing sehr viel mehr, als das Produkt am Ende halten kann.

Dr. Eckart Voss nennt im Podcast Vitamin A als Beispiel. "Vitamin A kann die Haut verjüngen, glätten und schützen. Das gilt allerdings nur dann, wenn das Vitamin auch in einer gut verfügbaren Form vorliegt." Häufig ist das aber nicht der Fall. Viele Kosmetikhersteller verwenden ein sogenanntes Vitamin-A-Palmitat. Das ist aus zwei Gründen problematisch für die Haut:

  • Zum einen ist das Palmitat noch mehrere Umwandlungsstufen vom Vitamin A entfernt. Der Körper muss also viel Aufwand betreiben, um das Vitamin verfügbar zu machen.
  • Und zum anderen sind die Moleküle im Vitamin-A-Palmitat viel zu groß, um von der Haut aufgenommen zu werden. Es kommt also kaum etwas von diesem Wirkstoff tatsächlich im Körper an.

Lass dich deshalb nicht vom Marketing eines Produktes zum Narren halten, sondern prüfe genauer nach, welche Inhaltsstoffe in deinem Produkt stecken!

Wie kommen die Inhaltsstoffe der Kosmetik in die Haut?

Dr. Voss erklärt einen weiteren wichtigen Punkt bei der Rezeptur von Kosmetikprodukten: "Die Wirkstoffe müssen genau da ankommen, wo sie auch gebraucht werden."

Manche Wirkstoffe, zum Beispiel UV-Filter, sollen in den obersten Hornschichten der Haut bleiben. Dort ist ihre Wirkung besonders groß. Andere Inhaltsstoffe sollen dagegen möglichst tief in die Haut eindringen, um dort ihre Wirkung zu entfalten. Das gelingt mit sogenannten Vehikeln, also Stoffen, die die Wirkstoffe tiefer in die Haut befördern.

Wenn man sich diesen Unterschied klarmacht, merkt man schnell: Nicht jede Rezeptur passt zu jedem Wirkstoff. Und ein Alleskönner-Produkt ist nur schwer möglich, wenn die Wirkstoffe wirklich da ankommen sollen, wo sie gebraucht werden.

Inhaltsliste eines Shampoos unter der Lupe
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Verschiedene Ansätze für optimale Wirkung

Dr. E. Voss hat das DUAL-Lift-System entwickelt, um die Wirkstoffe genau an den Ort des Geschehens zu bringen: Einerseits gibt es Cremes für die obere Hautschicht, andererseits Hyalurongele für tiefere Hautschichten. Durch diese Mehrwege-Strategie ist es möglich, die entsprechenden Stoffe ganz gezielt in die Haut einzubringen. In beiden Kategorien gibt es Produkte für die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Gemeinsam ist ihnen allen die hohe Wirkstoffkonzentration und der Verzicht auf alles Unnötige. Die Kosmetikprodukte von Dr. E. Voss sind frei von Emulgatoren, Konservierungsmitteln, Silikonen, Paraffinen und Ethoxylaten.

Wie erkennt man ein gutes Kosmetikprodukt mit effektiven Wirkstoffen?

Auf den ersten Blick ist ein gutes Produkt nur schwer von einem schlechten zu unterscheiden. Dr. Voss empfiehlt, die Liste der Inhaltsstoffe genauer in den Blick zu nehmen. "Wenn diese sehr lang ist, ist das nicht von vornherein ein gutes Zeichen. Das bedeutet nämlich, dass die Wirkstoffe oft nur in sehr geringen Mengen enthalten sind." Außerdem weist eine sehr lange Liste meist auf unnötige Stoffe hin, die die Haut unter Umständen belasten können. Eine kurze, prägnante Inhaltsliste ist deshalb in den meisten Fällen besser.

Darüber hinaus hilft Recherche. Wenn du auf der Suche nach einem neuen Produkt bist, kann es sich lohnen, die einzelnen Inhaltsstoffe über eine Suchmaschine zu checken. Das bedeutet zwar einen gewissen Aufwand, hilft dir aber bei der Entscheidung.

Wenn dir das zu anstrengend ist, dann kannst du natürlich auch einfach beobachten, wie eine Creme bei dir wirkt. Wende ein Produkt einige Wochen lang an und beobachte die Wirkung! Verbessert sich der Hautzustand deutlich? Das spricht für eine gute Rezeptur und Zusammensetzung des Kosmetikproduktes.



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