Fotografische Kunst aus früheren Zeiten: Mit Kollodium-Fotografie besondere Momente festhalten

Sei es nun als nostalgische Deko, ausgefallenes Geschenk oder Erinnerung an ein ganz besonderes Ereignis, eine Kollodium-Fotografie ist weit mehr als ein gutes Bild. Denn mit dem Kollodium-Nassplatten-Verfahren entstehen historische Portraits, die längst vergangenen Epochen entstammen könnten. Warum das Fotografieren mit der Kollodium-Technik auch heute noch Geschichte schreiben könnte und wo du in die wunderbare Welt der Schwarz-Weiß-Fotografie eintauchen kannst, erfährst du hier.

Eine große Kamera aus Holz für Kollodium-Fotografie hat ein Objektiv aus Messing

Was macht die Kollodium-Fotografie so besonders?

Egal ob mit dem Smartphone, der Digital- oder Spiegelreflexkamera, in Zeiten von Social Media und Co. gehört das Fotografieren von Personen, Landschaften, Haustieren oder Essen zum Alltag vieler Menschen. Doch das war nicht immer so einfach, denn früher war Fotografieren mit einem großen Aufwand und noch größeren Gerätschaften verbunden. Um 1850 wurden Fotos beispielsweise mit einer riesigen Kamera aus Holz aufgenommen. Dabei handelte es sich um das sogenannte Kollodium-Nassplatten-Verfahren.

Die Entstehung dieser speziellen Art der Fotografie kann auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückdatiert werden und entstammt der Feder von Gustave Le Gray und Frederick Scott Archer. Die beiden Erfinder entwickelten die sogenannte Kollodium-Nassplatte, anhand derer durch ein Negativ-Verfahren oder Ambrotypie (ein fotografisches Direktpositiv-Verfahren) eine Fotografie erzeugt werden kann. Typisch für dieses fotografische Verfahren mit langer Geschichte sind nicht nur die schwarz-weißen Bilder, sondern auch der Fotograf, der hinter der Kamera unter einem schwarzen Tuch verschwindet.

Neben einer weißen Wanne stehen Flaschen mit Kollodium

Wo wird mittels der Kollodium-Technik fotografiert?

Auch heute noch erfreut sich die außergewöhnliche Kollodium-Nassplatten-Fotografie mancherorts großer Beliebtheit. Man arbeitet zum Beispiel mit einer Großformatkamera mit historischem Original-Objektiv aus längst vergangener Zeit. Das beeindruckende Ergebnis sind Fotos für die Ewigkeit, die einen einzigartigen nostalgischen Charme versprühen. Jedes Kollodium-Foto ist ein Unikat, das auf Glas- oder Aluminium-Platten verewigt wird.

Das historische Verfahren aus längst vergangenen Tagen braucht jedoch seine Zeit. Daher muss man für „das eine“ perfekte Bild zirka eine halbe Stunde einplanen. In einer Aufnahme steckt aber nicht nur viel Zeitaufwand, sondern auch hoch konzentrierte und professionelle Arbeit. Ein guter Fotograf versteht sich als Künstler, der selbst aus einfachen Motiven ein echtes Kunstwerk zaubern kann. Die Kundinnen und Kunden haben die Möglichkeit, den kreativen Entstehungsprozess ihres eigenen Fotos hautnah mitzuerleben und den Moment in einer historischen Fotografie zu verewigen.

Der Fotograf Erik Diewald steht neben einer Großformatkamera aus Holz

Wie läuft ein Kollodium-Fotoshooting ab?

Historische Portraits sind nicht nur ein ausgefallenes Geschenk, sondern auch das Entstehungs-Verfahren an sich ist ein wirklich tolles Erlebnis. So können die besonderen Bilder in folgenden Schritten entstehen:

  1. Vorbesprechung: Damit die Fotografien den individuellen Kunden-Vorstellungen entsprechen, wird die Vorgehensweise beziehungsweise das „Foto-Design“ bereits vorab mit dem Fotografen besprochen. Bei der Kollodium-Technik bilden fotografische Platten aus Glas oder Aluminium das Ausgangsmaterial (zirka A4 und A5 Format).
  2. Pose überlegen: Die schönsten Fotos sind das Ergebnis eines kreativen Prozesses, der schon lange vor dem eigentlichen Fotografieren beginnt. Daher werden zunächst Ideen für eine geeignete Pose erarbeitet. Anschließend verschwindet der Fotograf für einige Minuten in der Dunkelkammer und bereitet die ausgewählte Kollodium-Foto-Platte vor.
  3. Fotografieren: Sobald die Entscheidung für eine Pose gefallen ist und alle weiteren Vorbereitungen für ein gutes Foto getroffen wurden, wird längst Vergangenes wieder zum Leben erweckt. Dazu wird die Aluminium- oder Glasplatte in die Kamera gelegt. Während fotografiert wird, muss das Model zirka zehn Sekunden lang still sitzen. Gleich nachdem das Foto geschossen wurde, wird das historische Portrait in der Dunkelkammer entwickelt.
  4. Fotokunst entdecken: Im Gegensatz zu digitalen Kameras sind durch das Nassplatten-Verfahren entstandene Kollodium-Fotos immer wieder für eine Überraschung gut, da man das endgültige Ergebnis erst nach dem Chemie-Bad sieht. Nach dem Entwickeln wird die fertige Schwarz-Weiß-Fotografie getrocknet und zur Haltbarmachung mit duftendem Lavendellack versiegelt. Anschließend kann das besondere Bild als Erinnerung an vergangene Tage oder als ausgefallenes Fotogeschenk mit nach Hause genommen werden.
In einem Fotostudio stehen ein Stuhl und eine große Kamera
Der Experte dahinter
Erik Diewald, Foto-Artist

Diewald Erik

Der Foto-Artist Erik Diewald machte seine Leidenschaft zum Beruf. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin und Visagistin Iris Hagen eröffnete er in Linz das Foto- und Beautystudio "eris-portrait"



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