Vollmond: Auswirkungen, Psyche und Mythen

In der Mythologie wird dem Mond, der sich ständig verändert, sehr viel zugeschrieben. Der volle Mond spendet Helligkeit mitten in der Nacht. Ob der Vollmond tatsächlich Auswirkungen auf die menschliche Psyche hat, ist umstritten. Tatsache ist, dass uns das Lichtphänomen seit Menschengedenken fasziniert und auch im Alltag begleitet.

Vollmond

Studien: Hat der Vollmond Auswirkungen auf die Psyche?

Viele Menschen klagen darüber, dass sie bei Vollmond weniger gut schlafen können. Die jüngste Studie zu Schlaflosigkeit bei Vollmond stammt aus der Schweiz. Sie belegt eine verzögerte Einschlafzeit bei vollem Mond und weniger lange tiefe Phasen des Schlafes. Allerdings wurde die Studie nur bei 33 Menschen durchgeführt. Ein zu kleines Sample für den Rest der Wissenschaft. Andere Studien konnten keinen Zusammenhang zwischen Schlaf und der Mondphase feststellen. Seit Erfindung von elektrischen Lichtquellen scheint der Einfluss des Mondes keine Wirkung mehr auf die Psyche oder auch den Körper der Menschen zu haben. 

Wie hängen Licht und Schlaf zusammen?

Eine logische Erklärung für den Vollmond-Einfluss auf die Psyche ist, dass der Körper bei mehr Helligkeit weniger Melatonin produziert. Das Schlafhormon regelt die Schlafphasen und ist sehr lichtempfindlich. Es wird vom Körper im Gehirn und zu geringen Teilen auch im Darm und in der Netzhaut des Auges gebildet. Trifft Tageslicht auf die Netzhaut, so wird die Melatoninbildung gehemmt. Bei Dunkelheit dagegen wird die Ausschüttung angeregt. Tagsüber ist der Melatoninspiegel etwa drei- bis zwölfmal niedriger als nachts. Es hat auch indirekten Einfluss auf die Psyche. Zu viel an Melatonin kann zu schlechter Stimmung oder gar Depressionen führen. Zu wenig von dem Schlafhormon kann Unruhe oder innerlichen Stress zur Folge haben.

Es senkt die Körpertemperatur, kurbelt das Immunsystem an und beeinflusst auch die Bildung von Sexualhormonen und unser Gedächtnis.

So wirkt sich dieses wichtige Hormon auch indirekt auf unsere Gesundheit aus. Ob ein voller Mond oder ein Neumond nun eine Auswirkung auf den Körper und die Psyche des modernen Großstadtmenschen haben, darüber scheiden sich die Geister.

Frau sitzt im Lotussitz vor Vollmond.

Der Einfluss der Mondphasen auf die Natur

Auch wenn die moderne Wissenschaft einen Einfluss des Mondes auf die menschliche Psyche abspricht, wird sein Einfluss von Bauern und Gärtnern sehr geschätzt. Holz wird zu bestimmten Mondphasen geschlägert, Pflanzen in passenden Mondphasen gesät oder geerntet. Auch Tiere wie Eulen, Fledermäuse oder nachtaktive Möwen, schätzen die Dunkelheit bei abnehmendem Mond oder Neumond. Dann glauben sich ihre Beutetiere wegen der Dunkelheit in Sicherheit und sind leichter zu erwischen. Tiere und Pflanzen haben aber keine Vorhänge oder Rollos, mit denen sie das Licht durch den Vollmond abschirmen können. Ob das bei den Menschen allerdings ausreicht, bleibt dahingestellt. Abgesehen von Wissenschaft gibt es auch noch die spirituellen Deutungen, die dem Vollmond sehr wohl großen Einfluss auf die Psyche zusprechen. 

Auswirkungen des Mondes in der indischen Spiritualität

In vielen Kulturen sagt man dem Mond einen großen Einfluss auf den Menschen nach. Durch den ständigen Wechsel seiner Gestalt wird der Trabant der Erde als etwas sehr Mystisches gesehen. Der Mond reguliert die Gezeiten Ebbe und Flut. Ihm werden auch Anziehungskräfte vor allem auf das Unterbewusstsein nachgesagt, die zusammen mit der Sonne zu Zeiten des Vollmonds noch stärker aktiv sind. Der Mond ist der Erde bei Vollmond einfach näher und kann daher stärker wirken.

In der indischen Heilslehre Ayurveda gibt es auch geistige Konstitutionstypen. Neben den drei körperlichen Doshas Vata, Pitta und Kapha gibt es auch die drei geistigen Gunas: Sattva (Klarheit, Harmonie, Reinheit), Rajas (Aktivität), und Tamas (Erdung, Trägheit). Je nach Veranlagung, Bildung und Lebensweise sollen diese unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

  • Bei Vollmond wird laut der indischen Mythologie vor allem das heiligste, nach Harmonie und Kreativität strebende, Guna Sattva angeregt. Deshalb sind diese Nächte besonders gut für Inspiration, geistige Arbeit und intellektuelle Kreativität.
  • Der Vollmond kann bei weniger begabten Menschen aber auch für Unsinn sorgen.
  • Verborgenes soll durch die feinen Anziehungskräfte des Mondes bei zunehmendem Mond vom Unterbewusstsein ans Licht kommen und uns mit unseren geheimen Stärken aber auch Schwächen und Begierden konfrontieren.

Bei abnehmendem Mond oder gar Neumond sollen unsere dunklen und okkulten Veranlagungen Saison haben. Hier verstärkt die Wirkung des dunklen Himmels die weniger angenehmen Seiten des Tamas. Aber auch im Christentum war die dunkle Zeit des Neumonds den Teufeln, Hexen und Dämonen zugeschrieben.

Frau bei Vollmond mit Buch im Bett

Der moderne Mensch und der Mondeinfluss

Auch wenn es jetzt nicht ausreichend Studien gibt, die die Wirkung des Vollmondes auf die Psyche und den Körper belegen, wäre es doch viel zu schade, die Kraft der starken Lichtquelle in der Nacht ganz zu negieren. Der menschliche Körper ist sehr sensibel und bekommt auch durch die geschlossenen Vorhänge mit, was draußen vor sich geht. Das kann durchaus für innere Unruhe oder gesteigerte Aktivität trotz abgedunkelter Fenster sorgen.

Vielleicht lässt uns das Wechselspiel zwischen abnehmendem Mond und zunehmendem Mond auch der Natur und ihren Phänomenen ein Stück näher rücken – auch wenn wir gar keine spirituelle Ader haben. Viele Menschen schätzen die Ruhe und die zusätzliche Zeit für sich in einer Vollmondnacht. Kann man die Schlaflosigkeit den Mondphasen zuschreiben, muss man sich keine Sorgen um die eigene Gesundheit und den so sensiblen Schlafrhythmus machen. Viele fühlen sich in Vollmondnächten einfach aktiver und brauchen gar nicht so viel Schlaf. Es ist ein guter Zeitpunkt, um die Schönheit und die Ruhe der Nacht einfach einmal wach zu genießen.

Vollmond in der Stadt