Brauchen wir Vogelgesang für die menschliche Gesundheit?

In den 1960er Jahren untersuchte Dan Carlson in den USA die Auswirkung von Schallfrequenzen auf die Gesundheit und das Wachstum von Pflanzen. Er konnte schließlich nachweisen, dass ein Frequenzbereich um 5000 Hz Pflanzen besonders wirksam in ihren biologischen Funktionen unterstützt. So öffnen sich die Stomata, kleine Poren auf den Blättern, weiter, wenn die 5000 Hz Frequenz auf die einwirkt. Genau diese Frequenz findet sich in erheblicher Quantität im morgendlichen Gesang von Vögeln, unabhängig von der Vogelart und den Variationen der Vogelstimmen.

Das Öffnen der Poren sollte auch am Morgen stattfinden und es ist spezifisch der morgendliche Gesang der Vögel, der diese Frequenz beinhaltet. Dan Carlson hat mit seiner Forschung ein wunderbares Beispiel für das Zusammenwirken verschiedener Lebensformen für das Gesamtkunstwerk des biologischen Lebens auf der Erde darstellen können.

Ein Vogel sitzt auf einem Ast und singt

Wie wirkt Vogelgesang?

Wenn wir gesunde pflanzliche Nahrung essen wollen, brauchen wir Vögel, die unsere Nahrungspflanzen mit ihren belebenden Stimmen beschallen. Außerdem wirkt Vogelgesang auch direkt positiv auf den Menschen ein. Wenn Krankenhäuser von Bäumen und Vögeln umgeben sind und Patienten durch ihre Fenster Bäume sehen und Vögel hören, erholen sie sich schneller von Operationen, benötigen weniger Schmerzmittel und sind weniger infektionsanfällig. Ich beobachte auch immer wieder, dass Gegenden, in denen kaum noch Vögel zu hören sind, depressive Stimmungen und Erschöpfung in Menschen hervorrufen. Die Frequenzen der Vogelstimmen sind so wirksam, dass selbst digitale Aufnahmen von morgendlichem Vogelgesang noch nachweislich positive Wirkungen auf die Herzrhythmusvariabilität, das Immunsystem und den Hormonhaushalt haben.

Der Rückgang der Vögel und was wir tun können

Der renommierte Ornithologe Prof. Peter Berthold geht davon aus, dass in Mitteleuropa seit dem Jahr 1800 etwa 80 % der Vogelbestände verschwunden sind. Zurzeit kann man einen Verlust der Vogelpopulation von 0,7 % pro Jahr als wahrscheinlich annehmen. Die im vorigen Jahr veröffentliche alarmierende Statistik über den Rückgang der Insektenpopulation spiegelt sich im Rückgang der Vögel wider, weil Insekten und Vögel von ganz ähnlichen Umweltfaktoren betroffen sind und natürlich Insekten eine wesentliche Nahrungsgrundlage vieler Vogelarten darstellen. 

Was können wir für die Vögel tun?

Was mir an der Arbeit von Prof. Berthold so gut gefällt, ist sein pragmatischer, lösungsorientierter Ansatz. Er spricht die Probleme der modernen Lebensweise und ihre Auswirkungen auf die Artenvielfalt deutlich an, um dann aber sehr konkrete Vorschläge zu machen, die wir alle in einem gewissen Ausmaß in die Tat umsetzen können. In unserem Garten gibt es neben einem kleinen, langsam wachsenden Anbau von Gemüse, Kräutern und Beeren auch eine üppige Vielfalt von blühenden Pflanzen, so dass bei uns, für die heutigen Verhältnisse, viele Insekten und Vögel zu finden sind.

Wenn wir eine Vielfalt an Blüten zur Verfügung stellen und auf uranverseuchten Kunstdünger, Pestizide und Herbizide verzichten, tragen wir schon einmal auf eine Art zur Artenvielfalt bei, die uns selbst unmittelbar gut tut. In Städten findet sich aufgrund des großen Angebots an Balkonblumen, die meistens ohne Pestizideinsatz angepflanzt werden, ja inzwischen oftmals mehr Insekten und Singvögel, als in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden. Das bedeutet aber einfach, dass wir mit einem Angebot an blühenden Pflanzen in jeder Gegend den Artenreichtum fördern können.

Sollten wir Vögel füttern?

Über das ganzjährige Füttern von Vögeln habe ich früher vor allem Kritik gehört, vor allem den Einwand Vögel würden dadurch von menschlichen Futterquellen abhängig. Das exzellente Buch „Vögel füttern aber richtig“ von Prof. Berthold und Gabriele Mohr zeigt den Irrtum dieser Sichtweise auf und beruht auf langjähriger praktischer Erfahrung in der Vogelwarte Radolfzell.

Ich erlebe jedenfalls die Vögel in unserem Garten als eifrige Nutzer der Futterangebote und es leuchtet mir völlig ein, dass wir bei einem so extremen Rückgang an Insekten und natürlichem Lebensraum für Vögel, wie wir ihn in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, etwas für unsere Vögel tun müssen, was in paradiesischen Lebensumständen nicht nötig wäre. Vögel ganzjährig zu füttern weist eine Parallele zum Thema Nahrungsergänzung für uns Menschen auf:

Immer wieder höre ich, dass bei einer richtig guten Ernährung die Nahrungsergänzungsmittel doch überflüssig sein sollten. Nun, theoretisch stimmt das ja, aber angesichts des heutzutage durch Umweltgifte massiv erhöhten Bedarfs an Mikronährstoffen und der vielfach verarmten Nahrungsqualität ist diese Idee mehr idealistisch als realistisch. Unsere Körper brauchen Nahrungsergänzung und Vögel brauchen zusätzliche Futterangebote von Menschen in der Welt, in der wir nun mal leben.

Vögel werden gefüttert

Unbequeme Wahrheiten

Wenn man sich ernsthaft mit Artenvielfalt beschäftigt, wird man, ebenso wie bei der Beschäftigung mit Gesundheit, auch auf unbequeme Wahrheiten stoßen.

Was haben Hauskatzen mit dem Vogelsterben zu tun?

Eine mir wenig angenehme Erkenntnis durch die Auseinandersetzung mit der Artenvielfalt ist die Tatsache, dass vom Menschen gehaltene Hauskatzen ein wesentlicher Grund für das Vogelsterben sind. Ich persönlich finde Katzen besonders interessant, ästhetisch schön und sehe sie als wunderbare Gefährten für viele Menschen an. Aber da ist einfach auch der Faktor der menschlichen Bevölkerungsdichte, der Hauskatzen zu einem echten Problem macht.

Die Kleinstadt, in der ich wohne, erstreckt sich über eine Fläche von wenigen Quadratkilometern, ein Areal, in dem unter völlig natürlichen Bedingungen eine Wildkatze ihr Revier hätte.  Wenn in meiner Stadt die durchschnittliche Quote von acht Einwohnern pro Hauskatze zutrifft, leben hier ca. 2500 Hauskatzen. In Deutschland berechnen Ornithologen die von Hauskatzen getöteten Vögel mit einer Anzahl von 30 Millionen pro Jahr, was einfach mit der dramatischen Bevölkerungszunahme der Menschen zu tun hat. Das Problem sind natürlich wir, die Katzen leben einfach ihren Jagdinstinkt aus.

Eine Katze liegt auf der Lauer

Artenschutz und damit eben auch der nachhaltige Schutz unserer Gesundheit muss sich auch solchen unbequemen Themen stellen. Zum Glück gibt es auch hier Lösungsansätze, die den Katzen kein Leid zufügen und den Menschen ihre geliebten Haustiere lassen können. So stehen z. B. elektronische Piepser in Form von Halsbändern für Katzen zu Verfügung, die laut englischen Studien die Zahl der getöteten Vögel halbiert. 

„Vögel füttern aber richtig“ und „Unsere Vögel – warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können“, ebenfalls von Prof. Berthold, sind zwei sehr empfehlenswerte Bücher, die uns alle mit einem wesentlich besseren Verständnis über das Leben, die Bedürfnisse und die gefährdenden Faktoren unserer Vögel ausstatten. Niemand ist eine Insel und unsere individuelle Gesundheit werden wir umso besser fördern, je besser wir unsere Lebensweise zu einer Bereicherung der Artenvielfalt und des Lebens insgesamt werden lassen. 

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.

Der Experte dahinter
Christian Dittrich-Opitz

Dittrich-Opitz Christian

Christian Dittrich-Opitz ist als Begründer des ganzheitlichen Lernsystems „Lernen wie ein Genie“, der „Befreiten Atmung“ und dem Hauptwerk seiner Forschungsarbeit der „Befreiten Ernährung“ tätig.