Von Vorteil: In der Midlife Crisis Frau sein

Die Midlife-Crisis beschreibt eine Phase der Neuorientierung in der Lebensmitte. Viele Lebensziele sind bereits erreicht und die Angst vorm Älterwerden schafft für kurze Zeit Verunsicherung. Anders als Männer gehen mit der Midlife-Crisis Frauen aber viel entspannter um. 

Halbes-weibliches-Gesicht-mit-Frotteeturban

Midlife-Crisis: Neuorientierung in der Lebensmitte

Der Begriff Midlife-Crisis ist in den 70er-Jahren populär geworden. Damals verfasste die amerikanische Journalistin Gail Sheehy ein Buch über Lebenskrisen und prägte damit diesen Ausdruck. Oft wird er aber abwertend in einem männlichen Zusammenhang verwendet, für Männer, die ab vierzig mit zu schnellen Autos fahren, eine viel zu junge Geliebte haben und sich Haarimplantate auf die Glatze operieren lassen. Erst in den letzten Jahren wurde die Bezeichnung dieser Lebensphase auch für Frauen verwendet - einer Phase im Leben, wo sich idealerweise die Selbstbestimmung gegen die Fremdbestimmung durchsetzt. Manche Menschen können sehr entspannt und leicht mit Veränderung umgehen, andere brauchen etwas länger und reagieren irritiert.

Im Gegensatz zum sogenannten "starken Geschlecht" wird die Midlife-Crisis bei Frauen aber viel weniger als Problem gesehen. Hier wird der Begriff Krise positiver bewertet und eher als Chance gesehen, in der Lebensmitte über tatsächliche Lebensziele und Bedürfnisse nachzusinnen.

Das Wort Krise stammt aus dem griechischen und bedeutet soviel wie:

  • Entscheidung
  • Meinung oder
  • Beurteilung 
Frau steht mit verschränkten Armen vor sitzendem Mann mit Fernbedienung

Die Midlife-Crisis ist keine Krankheit

Da die Midlife-Crisis keine anerkannte psychische Krankheit ist, kann man dabei auch nicht von Symptomen sprechen. Viele Menschen fühlen sich in dieser Lebensphase aber unsicher und orientierungslos. Je nach Typ und Veranlagung wirkt sich dies bei jedem Menschen anders aus. Manchmal gesellen sich auch körperliche Veränderungen der Wechseljahre dazu. 

Seelische Verunsicherung während der Midlife-Crisis kann sich körperlich und psychisch auswirken. 

Häufig sind:

  • Stimmungsschwankungen
  • leichte Depressionen
  • Unsicherheiten
  • Verdauungsprobleme
  • innere Unruhe
  • Schlafstörungen

Mehr Zeit für dich: Mach Dein Ding

Tatsache ist, dass das Leben der meisten Frauen und Männer vom Kindergarten bis zum Uniabschluss gewissermaßen vorgegeben ist. Bis wir ausgewachsen sind, widmen wir uns Schule und Ausbildung. Manche treten früher in das Berufsleben ein und müssen sich dort ihre Sporen erst verdienen. Andere gehen auf die Universität, wo sie sich von Prüfung zu Prüfung angeln. Dazu können Kinder und Partner kommen, deren Bedürfnisse ebenfalls großen Einfluss auf den eigenen Tagesablauf haben.

Kaum jemand geht mit vierzig in den Ruhestand, aber viele wesentlichen Fragen und Themen des Lebens sind zu diesem Zeitpunkt bereits geklärt. Ausbildung und Familienplanung sind zum größten Teil abgeschlossen. Manchmal sind die Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Haus. Es bleibt Platz und Zeit für Neues. 

Turnschuhe, Hanteln, Wasserflasche und zwei Grapefruithälften

Resümee und Abschluss mit der ersten Lebenshälfte

In den ersten vier Jahrzehnten im Leben wird viel experimentiert und ausgetestet. Es wird ausprobiert und es werden die unterschiedlichsten Erfahrungen gesammelt. Viele Situationen sind uns mit vierzig aber bereits bekannt. Wir überlegen genauer, ob sie uns tatsächlich zusagen. Die Ansprüche an eine Partnerschaft ändern sich: Aussehen und Status eines Partners rücken in den Hintergrund. Der Wunsch nach einem gleichberechtigten Partner auf Augenhöhe wird größer.

Mehr Lust auf Sex in der Lebensmitte

Frauen sind mit ungefähr Mitte bis Ende dreißig auf dem Höhepunkt ihrer sexuellen Lust. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie meist genau was sie möchten und wie sie es bekommen. Diese Entwicklung ist dadurch auch nicht abgeschlossen: Das sexuelle Selbstbewusstsein wird mit zunehmendem Alter höher. Daran ändern auch hormonelle Veränderungen der Wechseljahre nichts. Erotik spielt sich bei den meisten Frauen zu einem großen Teil im Kopf ab. Mit dem Selbstbewusstsein steigt auch die Lust.

Der sexuelle Zenit bei Männern hingegen ist bei ungefähr dreißig. Ab dem 50. Lebensjahr wird, durch das abnehmende Testosteron, auch das sexuelle Verlangen kontinuierlich weniger.

Selbstbewusstsein durch Hormonumstellung

Bei Frauen wird schon ab Ende dreißig weniger Östrogen und dafür mehr Gestagen produziert. Das kann dazu führen, dass Frauen selbstbewusster werden und weniger Lust darauf haben, anderen gefallen zu wollen. Vielen fällt es dadurch leichter, den eigenen Standpunkt durchzusetzen und weniger Wert auf die Meinung von anderen zu legen. Sie machen Sport, weil es ihnen Spaß macht und sie sich dadurch besser fühlen und nicht, weil sie irgendeinem Schönheitsideal entsprechen wollen.

Andere überlegen sich genau, ob sie ihre Energie und Kraft in den Job oder lieber in eigene Interessen und neue Hobbys investieren möchten. Dies macht die sogenannte Midlife-Crisis zu einer wertvollen Chance.

Frau mit Maske in Unterwäsche und jungem Mann

Sicher im Leben durch Beziehungen

Dass Frauen von Natur aus emphatischer sind als Männer ist nicht belegt. Tatsache ist aber, dass Frauen nach wie vor einer anderen kulturellen Prägung ausgesetzt sind. Immer noch spielen mehr weibliche Kinder mit Puppen als männliche. Frauen sind häufiger in Pflege-, Bildungs- und Sozialberufen tätig und bewältigen den größeren Teil der Kindererziehung. Deswegen haben Frauen meist höher entwickelte soziale Fähigkeiten und können sich leichter in andere Menschen hineindenken.

Dies macht sie sicherer in ihrem Umgang mit Beziehungen. Frauen messen sozialen Kontakten höheren Wert bei als Männer. Deswegen meistern sie ihre Midlife-Crisis auch anders als Männer.

Annäherung an das innere Ich

Für den schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie Carl Gustav Jung passiert in der Lebensmitte eine wichtige Veränderung. Statt sich wie vorher an die äußere Umwelt anzupassen, beginnen Menschen ab vierzig damit, sich mit ihrer eigentlichen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Es geht auf einmal darum, die Lebensweise und Lebensumstände der eigenen Persönlichkeit anzupassen, anstatt sich äußeren Gegebenheiten zu unterwerfen.

Das kann mitunter auch zu radikalen Änderungen führen: Viele Ehepaare lassen sich in der Lebensmitte scheiden und zwei Drittel aller Trennungen werden von Frauen eingereicht. 

Hausschild mit der Nr. Vierzig auf Zeigelmauer

Vierzig ist das neue Zwanzig 

Die Midlife-Crisis wird auch gerne als zweite Pubertät bezeichnet. In beiden Fällen gibt es eine hormonelle Umstellung und einen Reifeprozess. Dass dies nicht einfach ist, wissen wir alle noch. Jede Veränderung bringt am Anfang Unsicherheit und Angst vor der Zukunft mit sich. Der Vorteil gegenüber Heranwachsenden liegt aber darin, dass erwachsene Menschen über eine bereits fertige Persönlichkeit verfügen.

Alle Werkzeuge dafür, ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben in der zweiten Lebenshälfte zu führen, sind bereits vorhanden und entwickelt. Sie müssen nur richtig verwendet werden.

Angst vor dem Älterwerden ist normal. Das heißt aber nicht, dass Du den Mut verlieren musst. Eine kalifornische Studie ergab, dass ältere Menschen glücklicher sind als junge. In Europa gelten Dänen als die glücklichsten Menschen. In Dänemark ist die durchschnittliche Lebenserwartung höher als im europäischen Rest. Es gibt also keinen Grund panisch zu werden. 

Frau in Meditationshaltung

Die Krise als Chance: Die besten Jahre beginnen jetzt

Folgende Maßnahmen und Überlegungen können die Midlife-Crisis unterstützend begleiten:

  • Zeit für mich: Konstruktives Nachdenken will gelernt sein. Um sich darüber klar zu werden, wer man ist und wohin man gehen möchte, ist es wichtig, seine Gedanken in die richtige Richtung zu lenken. Es macht wenig Sinn, eine To-Do-List für die nächsten vierzig Jahre zu erstellen. Wertvoller ist es, sich seiner eigenen Schwächen und Stärken bewusst zu werden und diese gezielt einzusetzen. Mentale Techniken wie autogenes Training oder Meditation können dabei helfen, da sie den Geist beruhigen und konzentrieren. Hormon-Yoga bringt den Körper wieder in Balance und hilft dabei innere Stärke aufzubauen.
     
  • Spaß an Bewegung: Falten und graue Haare werden früher oder später kommen. Das muss aber kein Grund sein, die eigene Fitness zu vernachlässigen. Sport wirkt sich positiv auf das eigene Körpergefühl aus und wir fühlen uns automatisch wohler in der eigenen Haut. Realistische Ziele helfen dabei, das Selbstwertgefühl aufzubauen. Kleine Ziele liefern Erfolgserlebnisse. 
     
  • Gelungene Selbstinszenierung: Französische Frauen leben es vor: Mit dem selbstbewussten Understatement des französischen Chic kannst Du nie daneben liegen. Gute Schnitte, schöne Stoffe und der Verzicht auf billigen Pomp steht jeder Frau. Wenn Du schöne Beine hast, inszeniere diese in hübschen, engen Jeans anstelle einem zu kurzen Rock. Wertvolle Materialien wie Kaschmir oder Seide fühlen sich herrlich auf der Haut an und umschmeicheln jede Figur. Ein tiefroter Lippenstift setzt einen frischen Farbakzent in jedes Gesicht. 
  • Erlaubt ist was gefällt: Es spricht nichts gegen einen neuen Sportwagen oder eine kosmetische Operation, wenn Du das wirklich möchtest. Freude an schneller Fortbewegung oder Selbstoptimierung ist etwas Schönes, solange Du es aus den richtigen Gründen machst. Eine Augenlidstraffung kann das Gesicht frischer machen, Wenn der Busen durch die Kinder etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist es völlig in Ordnung, ein wenig nachzuhelfen. Die Hauptsache ist das persönliche Wohlbefinden und, dass Du selbst Freude an Dir hast. Andere damit zu beeindrucken wäre ein schlechter Beweggrund für derartige Eingriffe.

Frau steht am Flughafenterminal

Mit beiden Beinen mitten im Leben

  • Grenzen setzen: Frauen fühlen sich oft bemüßigt, für andere da zu sein und allen zu helfen. Echte Hilfe ist aber nur möglich, wenn man dazu tatsächlich in der Lage ist und es auch wirklich möchte. Manchmal ist ein Nein an der richtigen Stelle sinnvoller als übertriebene Aufopferung. Sind wir selber gesund und fest in unserer Mitte verankert, fällt es uns auch leichter, anderen zu helfen, wenn das notwendig sein sollte. Lass Dich aber nicht als seelischen Mülleimer benutzen. 

  • Quality Time: Alleine reisen oder nur ausgehen ist um einiges besser als in schlechter Gesellschaft. So kannst Du das tun, was Du wirklich machen möchtest und musst nicht auf andere Rücksicht nehmen. Konzerte, Theater oder Kino sind alleine oft interessanter und bieten auch die Gelegenheit neue Bekanntschaften zu knüpfen.

  • Was wollte ich als Kind? In jungen Jahren wissen Mädchen oft sehr genau, was sie möchten. Oft werden diese Wünsche im Laufe des Lebens vergessen oder zur Seite geschoben. Eine Reise in die Vergangenheit kann sehr aufschlussreich sein. Vielleicht wolltest Du immer Zirkusakrobatin werden? Akro-Yoga oder Aerial-Yoga bietet eine Möglichkeit schnell und einfach akrobatische Kunststücke zu lernen. Warum nicht jetzt mit dem Klavierspielen anfangen? Ganz bestimmt wirst Du keine Konzertpianistin mehr, aber ein Instrument zu lernen kann sehr große Freude bereiten und hält Deine grauen Zellen in Schuss.
     
Klaviertasten mit zwei Händen die darauf spielen