Vorurteile abbauen – wie kann man Kindern und Erwachsenen dabei helfen?

Versteckte Vorurteile und Voreingenommenheiten beeinflussen unsere Gefühle, Entscheidungen und unser Verhalten auf manchmal überraschende Weise. Das Erkennen und Überwinden vorgefertigter Meinungen kann eine Herausforderung sein, ist aber ein wichtiger Prozess, wenn man versucht, toleranter zu leben und ein aufgeschlossener Mensch zu sein. Doch wie gelingt das, wie kann man Vorurteile abbauen? 

Kinder können am leichtesten Vorurteile abbauen, wie man am Beispiel dieses jungen arabischen Mädchens mit Hidschab bei einer Übung mit ihrer besten Freundin in der Schule sieht.

Muss man mit dem Vorurteile abbauen schon im Kindesalter beginnen?

Was glaubst du, in welchem Alter entwickeln Kinder Vorurteile? Passiert das schon in der Kita? Oder erst im Kindergarten oder in der Schule? Acht von zehn Kindern sagten im Rahmen einer Studie, dass es wichtig ist, Vorurteile anzuprangern, damit die Leute wissen, dass sie falsch sind! Fast die Hälfte der befragten Schüler gab jedoch auch an, dass sie sich manchmal nicht gegen Vorurteile wehren oder diese gar selber hegen.

Doch wie können Eltern gemeinsam ihren Kindern beim Vorurteile abbauen helfen und wann sollte man damit beginnen? Studien haben gezeigt, dass Kinder bereits im Kita-Alter von drei oder vier Jahren Stereotypen in Bezug auf Geschlechter, rassistische Vorurteile oder Behinderungen aufweisen. Im Jahr 2012 fanden Forscher heraus, dass Kinder bereits im Alter von drei Jahren eine implizite Voreingenommenheit gegenüber Merkmalen wie Rasse oder Behinderung zeigen. Entscheidend ist, dass diese Ergebnisse und die Ergebnisse anderer Experimente, bei denen implizite Voreingenommenheit bei Kleinkindern, zum Beispiel in Bezug auf Behinderungen festgestellt wurde, den Ergebnissen von erwachsenen Menschen in denselben Experimenten auffallend ähnlich waren.

Verärgerte junge Frau, die allein in einem Café sitzt, sie leidet unter geringem Selbstwertgefühl, Diskriminierung, umarmt sich selbst.

Kann man Vorurteile abbauen, ohne dass sich der andere angegriffen fühlt?

Du willst bei deinen Kindern Vorurteile abbauen, zum Beispiel gegenüber Behinderungen oder um Vielfalt zu fördern? Eltern müssen ihren Kindern sagen, dass sie sich darauf konzentrieren sollen, wie Stereotype auf sie wirken! Ob in der Kita, im Kindergarten oder als Schüler, wir alle müssen mit Stereotypen leben. Sie lassen sich nicht vermeiden, man kann nur lernen, dass sie falsch sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand aus der Gruppe, gegen die sich die – bewussten oder unbewussten – Vorurteile richten, anwesend ist.

Ob absichtlich oder unbewusst, Vorurteile und Stereotypen tun weh und führen zu sozialen Konflikten. Vergiss jedoch nicht, dass niemand perfekt ist! Menschen können gute Absichten haben aber trotzdem ein Wort benutzen oder ein Verhalten zeigen, von dem sie nicht wissen, dass es beleidigend ist. Hier sind einige Sätze, die Eltern nutzen können, um bei ihren Kindern eigenes Denken über Stereotypen anzuregen und diese auszuräumen, ohne ihr Kind anzugreifen:

  • Ich möchte dich nicht in Verlegenheit bringen, aber eine Behinderung ist kein Grund, die Gefühle anderer Menschen zu verletzen.
  • Ich höre so etwas nicht gerne.
  • Dieses Wort oder dieser Satz ist mir wirklich unangenehm.
  • Ich versuche, solche Urteile über andere Personen zu vermeiden.
  • Ich finde das nicht lustig.
Ein junges Mädchen steht einsam auf dem Schulhof, hinter ihr machen sich drei andere Mädchen über sie lustig.

Wissen deine Kinder etwas über Satire und Ironie?

Jüngeren Kindern mangelt es an sozialer Kompetenz, sie verstehen oder erkennen Ironie oft nicht. Selbst Teenager haben häufig Schwierigkeiten, zwischen

  • Ironie, also etwas sagen, das man nicht so meint, um eine Aussage zu treffen,
  • Satire, also sich über eine Idee lustig machen und
  • Spott, also sich über eine Person oder Gruppe lustig machen,

zu unterscheiden. Wenn Kinder und Jugendliche in der Kita, im Kindergarten oder in der Schule mit Hass, Vorurteilen oder Fremdenfeindlichkeit konfrontiert sind, die als "ironisch" oder "nur ein Scherz" abgetan werden, dann sollten Eltern sie ermutigen, anzuerkennen, dass es sich zwar durchaus um einen Scherz handeln könnte! Aber sie können auch lernen, darauf zu reagieren, indem sie dem Verursacher sagen, dass nicht jeder das lustig findet. Außerdem ist es wichtig, Kindern klar zu machen, dass es keinen Unterschied zwischen ironischen Vorurteilen und echten Vorurteilen gibt, wenn man selbst das Ziel davon ist. Sie sind verletzend und zerstören Vielfalt, ganz gleich, ob es sich um ablehnende Meinungen gegen eine Behinderung, eine ethnische Herkunft oder eine sexuelle Orientierung handelt.

Eine Protestaktion zum Thema Gleichberechtigung.

Wie kann man Vorurteile und Stereotypen noch bekämpfen?

Eine der besten Möglichkeiten, dies zu tun, besteht darin, zu verstehen und zu akzeptieren, dass es sie gibt. Kulturelle und politische Bildung können helfen, diese Erkenntnis zu verinnerlichen. Wenn du dir deiner natürlichen Tendenz zur Voreingenommenheit bewusst bist, kannst du dich leichter "auf frischer Tat" ertappen und selbst korrigieren. Wenn du merkst, dass du eine andere Person, sei es auch nur unbewusst, vorverurteilst, versuche, dir die folgenden Fragen zu stellen:

  • Warum habe ich diesen Gedanken?
  • Welche Beweise habe ich, dass mein Urteil über diesen bestimmten Menschen oder diese Gruppe richtig ist?
  • Was weiß ich nicht über diesen Mensch oder diese Gruppe?
  • Ist es möglich, dass ich voreingenommen sein könnte?
Menschen mit unterschiedlichen Ethnien führen ihre Hände in einem Kreis zum Zeichen des Zusammenhalts zusammen.

Wird es jemals eine Welt ohne Vorurteile geben?

Zu wissen, was Vorurteile sind und warum sie auftreten, ist ein wichtiger Schritt, um die Welt zu einem freundlichen und gerechten Ort zu machen. Es gibt natürlich noch viel zu tun, bis Vielfalt wirklich überall akzeptiert wird. Führe weiterhin wichtige Gespräche, erkenne deine eigenen möglichen Vorurteile an und bemühe dich, andere auf einer tieferen Ebene zu verstehen!