Wie kann man Empathie lernen? So zeigst du mehr Mitgefühl

Empathisch zu sein bedeutet, die Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und auf sie zu reagieren. Das ist sowohl im privaten Umfeld als auch im Berufsleben sehr wichtig: Es schafft Nähe zu Freunden und Kollegen, macht tolerant und hilft uns, mit dem Gegenüber besser zurechtzukommen. Viele Aspekte der Empathie lernen wir schon als Kind. Aber manchmal fällt uns Mitgefühl auch als erwachsener Mensch nicht leicht. Die gute Nachricht ist: man kann Empathie trainieren.

Empathie und Mitgefühl kann man lernen

Warum sollte man Empathie lernen?

Ein anderes Wort für Empathie ist Einfühlungsvermögen. Ein empathischer Mensch erkennt und versteht leichter, wie andere sich fühlen, wie sie denken, was sie antreibt und welche Charaktereigenschaften sie haben und sie sind auch bereit, darauf Rücksicht zu nehmen. Wer sich gut in andere Menschen einfühlen kann, geht erfolgreicher und glücklicher durchs Leben und kann festere Sozialkontakte schließen. Deshalb ist die Empathie ein Teil der emotionalen Intelligenz und eine wichtige soziale Fähigkeit.

Wie kannst du empathische Fähigkeiten entwickeln?

Mitgefühl lernen, das ist natürlich keine Kleinigkeit. Aber es ist möglich, wenn du dir Zeit nimmst und dich für deine Mitmenschen öffnest. Mit diesen 8 Tipps trainierst du dein Einfühlungsvermögen:

Mann und Frau schauen sich interessiert an

1. Sei neugierig auf andere

Je mehr du über andere Menschen weißt, umso besser kannst du sie verstehen und einschätzen. Sei deshalb neugierig, wie deine Gesprächspartner denken und empfinden! Nutze jede Gelegenheit, um mehr über andere zu erfahren! Damit erweiterst du auch dein Gespür dafür, wie unterschiedlich das von Mensch zu Mensch sein kann.

2. Halte dich mit Bewertungen zurück

„Die ist immer so emotional!“ Solche Gedanken (oder womöglich sogar Aussagen) hindern dich daran, wirklich zu verstehen, was dein Gegenüber bewegt. Was genau steckt dahinter, wenn deine Freundin sich über eine eigentlich harmlose Bemerkung ärgert? Schiebe deine Bewertungen und Vorurteile erst einmal beiseite und versuche, die wahren Gründe für ihr Gefühl herauszufinden!

Zwei Frauen im Gespräch

3. Warum hilft nachfragen?

Wenn du dir nicht sicher bist, wie das Verhalten einer anderen Person einzuordnen ist, dann frage einfach nach, zum Beispiel so: „Ich habe den Eindruck, die Bemerkung von vorhin ärgert dich sehr. Stimmt das?“ Auf diese Weise kannst du deine Einschätzung absichern und mehr Empathie für das nächste Mal lernen. Du findest heraus, ob du mit deinem Gefühl richtig lagst.

Diese Frage kann zudem ein guter Einstieg in ein Gespräch sein, das dir die Hintergründe genauer erklärt. Voraussetzung ist allerdings, dass du wirklich zuhörst und dich mit Vorwürfen oder voreiligen Schlüssen zurückhältst. Diese Form des Nachfragens ist übrigens auch hilfreich im Kontakt mit einem Kind. Es entwickelt so die Fähigkeit, sein eigenes Gefühl zu verstehen.

4. Erweitere deinen Horizont

Es gibt Studien, die zeigen: Wer regelmäßig Romane liest, ist empathischer. Grund ist wahrscheinlich, dass man beim Eintauchen in Geschichten lernt, sich in die Charaktere hineinzuversetzen. Ähnliches dürfte auch passieren, wenn du dir bewusst gute Filme und Serien anschaust und dabei versuchst, die Gründe für das Verhalten der Charaktere herauszufinden. Auch Dokumentationen und (Auto-)Biografien erweitern deinen Horizont und helfen dir, empathischer zu werden.

5. Zeige Mitgefühl, nicht Mitleid

Es gibt große Unterschiede zwischen Mitgefühl und Mitleid:

  • Mitgefühl bedeutet, die Lage des anderen nachvollziehen zu können und zu würdigen. Mitleid bedeutet, mit dem anderen Leid zu empfinden und sich selbst schlecht zu fühlen.
  • Mitgefühl stärkt dein Gegenüber, Mitleid macht ihn oder sie klein.
  • Mitgefühl hilft bei der gemeinsamen Lösungsfindung. Mitleid blockiert dich dagegen und macht es dir viel schwerer, dem anderen zu helfen. Schließlich bist du plötzlich selbst emotional involviert.

Bei der Empathie (und generell im Umgang mit anderen) sollte es immer um Mitgefühl gehen, nicht um Mitleid.

Frau sieht sich in zerbrochenem Handspiegel

6. Lerne dich selbst kennen

Wenn du mit deinen eigenen Emotionen und Gedanken gut umgehen kannst, fällt dir das auch bei anderen leichter. Beobachte dich deshalb genauer:

  • Was treibt dich an?
  • Warum tritt ein bestimmtes Gefühl auf?
  • Woran erkennst du es so früh wie möglich?
  • Was hilft dir und was nicht?

Diese Erkenntnisse stärken einerseits deine Fähigkeit, andere besser einschätzen zu können. Andererseits kannst du dadurch besser auf deine eigenen Bedürfnisse achten. Aber Vorsicht: Du kannst nicht automatisch davon ausgehen, dass sich Emotionen bei anderen genauso zeigen oder dass sie die gleichen Maßnahmen hilfreich finden wie du. Jeder Mensch ist anders.

7. Entspanne dich

Je gestresster du bist, umso schwerer fällt dir empathisches Verhalten. Sorge deshalb für weniger Stress und mehr Entspannung! Das geht zum Beispiel durch besseres Zeitmanagement, durch ausreichend Schlaf und Bewegung, durch Entspannungsübungen oder die Bearbeitung von Konflikten. Sorge für deine eigenen Bedürfnisse, dann bist du entspannter und kannst dich besser auf andere Menschen einlassen. Diese Fähigkeit ist schließlich die Voraussetzung für Empathie.

Frau entspannt in der Badewanne

8. Interpretiere Körpersprache – aber richtig

Der Kern eines guten Einfühlungsvermögens besteht darin, nonverbale Kommunikation, also Gestik und Mimik, richtig interpretieren zu können. Doch Vorsicht: Man liest immer wieder Verallgemeinerungen, im Stil von: „Wenn dein Gegenüber im Gespräch die Stirn runzelt, bedeutet das …“

Solche allgemeingültigen Regeln gibt es (fast) nicht. Ein einzelnes Signal kann unterschiedliche Bedeutungen haben und es spielen fast immer verschiedene Aspekte zusammen. Je besser du jemanden kennst, umso leichter kannst du seine Körpersprache einordnen, denn auch hier ist jeder Mensch anders. Ein Beispiel: Dein Kollege ist eigentlich ein ganz ruhiger Typ, aber in diesem Gespräch wackelt er dauernd mit dem Fuß herum. Dann könnte das etwas bedeuten, während das Fußwackeln bei einem anderen Menschen vielleicht einfach eine Angewohnheit ist.

Mit dieser Übung kannst du lernen, Körpersprache besser zu verstehen: Setze dich an einen belebten Platz, zum Beispiel in ein Café oder auf eine Bank am Bahnhof, und beobachte (diskret) die Menschen um dich herum. Versuche herauszufinden, was sie empfinden und welche Charaktereigenschaften sie haben könnten. Am besten funktioniert die Übung zu zweit, dann könnt ihr euch über eure Interpretationen austauschen.

Übrigens: Besonders gut erkennt man Gefühle bei Kindern, weil sich ein Kind noch nicht so stark verstellt wie ein Erwachsener.

Frauen unterhalten sich beim Kaffee

Zu viel oder zu wenig Mitgefühl?

Wer sich zu wenig in andere Menschen hineinversetzen kann, stößt diese leicht vor den Kopf, genießt weniger Vertrauen und wird meist als weniger sympathisch eingestuft. Deshalb lohnt es sich, Empathie zu trainieren.

Aber Vorsicht: Es gibt auch ein Übermaß an Einfühlungsvermögen! Du bist vielleicht zu empathisch, wenn

  • du mehr Wert auf die Gefühle und Bedürfnisse von anderen Menschen legst als auf deine eigenen,
  • du dich selbst ständig einschränkst, weil du andere verärgern oder enttäuschen könntest,
  • andere dich leicht emotional manipulieren können,
  • ein Streit oder schlechte Stimmung dich schnell aus der Bahn werfen,
  • es dir selbst sehr schlecht geht, wenn andere leiden.

Wenn du dich in dieser Beschreibung wiedererkennst, solltest du deine Aufmerksamkeit etwas stärker auf dich selbst richten.

Frau steht vor einer Tafel mit einer gemalten Waage