Unterstützung für die Gesundheit im Ayurveda: Gewürze

Gewürze spielen eine Hauptrolle in der Ernährungslehre der Ayurveda-Medizin. Ayurveda als ganzheitliche Lehre zur Erhaltung und Stabilisierung von mentaler und körperlicher Gesundheit verwendet Gewürze nicht nur zur Verbesserung des Geschmacks. Jedem Gewürz wird eine bestimmte Wirkung auf die drei Doshas – die Regelkräfte des Körpers – zugeschrieben. Wir verraten, welche Gewürze Dich fit und agil für den Alltag machen und wie Du sie auch außerhalb der Küche für Dich verwenden kannst.

Gewürze auf Löffeln

Welche Aufgaben und Eigenschaften haben Gewürze im Ayurveda?

Gewürze zählen zu den Grundlagen für Ernährungsempfehlungen nach der Lehre des Ayurveda. Diese beschreibt drei Doshas, das sind Funktionsprinzipien, die verschiedene Lebensenergien ausdrücken:

  • Vata (drückt die Elemente Luft und Raum aus),
  • Pitta (Element Feuer mit wenig Wasser)
  • und Kapha (Wasser und Erde).

Diese drei Regulationskräfte bestimmen laut dieser uralten Heilkunst unser gesamtes Handeln, Denken und Sein. Nur wenn unsere Doshas in Balance sind, ist der Körper in seinem natürlichen Gleichgewicht. Mit Yoga, Meditation, Ernährung und ayurvedischen Behandlungen können wir diese Doshas verstärken oder vermindern und dadurch ins Gleichgewicht bringen.

Jedes Gewürz weist dafür bestimmte Eigenschaften auf. Je nachdem, ob Du Dich müde, aufgewühlt oder grundlos aggressiv, antriebslos oder traurig fühlst, kannst Du mit Deiner täglichen Ernährung oder mit ayurvedischen Gewürzmischungen als Nahrungsergänzungsmittel Dein inneres Gleichgewicht wiederherstellen.

  • Für einen von Vata dominierten Menschen sollte man die Nahrung eher mild, wärmend, süß und beruhigend würzen, was sehr leicht mit der traditionellen Gewürzmischung „Vata Churna“ gelingt.
  • Einem feurigen Pitta-Menschen empfiehlt man kühlende, harmonisierende und auch bittere Gewürze und Kräuter. Diese sind in dem mild-würzigen „Pitta Churna“ enthalten.
  • Anregende, wärmende und scharfe Gewürze werden dem Kapha-geprägten Menschen angeraten. Besonders geeignet sind dafür schwarzer Pfeffer, Chili und Ingwer als Einzelgewürze oder die Gewürzmischung „Kapha Churna“. Die Mischung Trikatu (die drei Scharfen) ist eine der wichtigsten Gewürzmischungen für Kapha im Ayurveda. Sie besteht aus zwei Pfeffersorten und Ingwer.
  • Vielen Kapseln von Kardamom liegen nebeneinander
  • Gemahlener Kurkuma ist auf einem Löffel
Wichtige Ayurvedische Gewürze sind Kardamom, Kurkuma, Ingwer und Pfeffer.

Rasa – wie schmecken Ayurveda Gewürze?

Für Mitteleuropäer ist es oft nicht ganz leicht, ayurvedische Gewürze in den Alltag zu integrieren. Viele sind mit der Vielfalt des Geschmacks ein wenig überfordert. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen sind jedoch für die Wirkung der Gewürze ausschlaggebend. Insgesamt werden sechs Geschmacksrichtungen (Rasa) unterschieden:

  • Süß (madhura). Lebensmittel mit süßem Geschmack sollen Deinen Körper laut Ayurveda nähren und stärken. Sie vermitteln wohlige Zufriedenheit und Freude. Honig, Cashewkerne und Trockenfrüchte, aber auch alle Getreide, die meisten Öle und Fette wie Ghee haben diese Eigenschaften. Süß vermehrt Kapha, reduziert jedoch Vata. Deswegen bekommen wir bei Stress Hunger auf Süßes.
  • Sauer (amla). Amla soll Geist und Sinne erwecken und Appetit und Verdauung stärken. Zitrusfrüchte, Joghurt oder Hagebutten stärken uns, wenn wir schwach sind. Sauer vermehrt Pitta und beruhigt Vata.
  • Salzig (lavana). Salziges soll die Nerven beruhigen, Angstgefühle lindern und den Kreislauf anregen. Es verbessert den Geschmack der Mahlzeiten, wirkt verdauungsfördernd und macht die Gewebe geschmeidiger. Zu den salzigen Lebensmitteln zählen Salz, gesalzene Nahrungsmittel und Saucen sowie Algen. Salzig verstärkt Pitta und wirkt Vata entgegen. Deswegen suchen manche Menschen zur Beruhigung salzige Snacks.
  • Scharf (katu). Der scharfe Geschmack erhitzt den Körper, fördert die Verdauung und wirkt allgemein reinigend und entschlackend auf den Organismus. Scharfe Speisen können den Geist „schärfen“, aber auch zu Wut und Ungeduld führen. Zu den scharfen Lebensmitteln gehören schwarzer Pfeffer, Chili, Ingwer, Kreuzkümmel, Zimt und Nelken. Scharf mildert Kapha, vermehrt jedoch vor allem Pitta.
  • Bitter (tikta). Dieses Rasa regt die Entgiftung des Körpers durch die Leber an und wirkt blutreinigend. Bitterstoffe stärken das Immunsystem und sollten deswegen einen fixen Platz am Speiseplan haben. Leider wird in westlichem Gemüse der bittere Geschmack oft herausgezüchtet. Zu den bitteren Lebensmitteln gehören viele Kräuter, Kümmel, Kurkuma, Wermut, Salat wie Chicorée, Zuckerhut oder Endivien, und Rhabarber. Tikta soll übermäßiges Pitta und Kapha vermindern.
  • Herb (kasaya). Die herbe Geschmacksrichtung stärkt das Gefäßsystem, reinigt das Blut, wirkt schleimlösend und fördert die Verdauung. Herbe, adstringierende Lebensmittel sind alle Hülsenfrüchte wie zum Beispiel Linsen, aber auch Koriander, Khakifrüchte, Sellerie, mehlige Kartoffeln und Kürbis. Herbe Lebensmittel reduzieren Pitta und verstärken Vata.

Die Ayurveda-Küche: Essen als Medizin

Im Ayurveda sollte sich jede Mahlzeit aus allen sechs Geschmacksrichtungen zusammensetzen, wobei individuelle Bedürfnisse und jahreszeitliche Veränderungen berücksichtigt werden sollen. Mit Gewürzen gelingt das wesentlich leichter, als mit den Hauptzutaten. Es gibt viele Gewürze, die mehrere Rasa in sich vereinen.

Wenn es im Alltag nicht möglich ist, ausreichend Gewürze bei den Mahlzeiten zu verwenden, kann man dieses Defizit mit folgenden Nahrungsergänzungen ausgleichen:

  • Kurkuma (Gelbwurz) ist scharf und bitter. Kurkuma wirkt sich positiv auf Leber und Darm aus. Es verleiht Energie und Wärme, unterstützt die Zellregeneration und das Immunsystem. Da Kurkuma sehr stark abfärbt, kann es praktisch sein, das entzündungshemmende Gewürz als Kapseln zusätzlich zur Vorbeugung oder Unterstützung einzunehmen. Von Maharishi Ayurveda gibt es reine Kurkuma Kapseln und auch Kurkumakapseln die mit schwarzem Pfeffer angereichert sind. Der Pfeffer wirkt dabei als eine Art Katalysator und unterstützt die Aufnahme durch den Darm. Das kommt der Entgiftung der Leber zugute.
  • Haritaki ist eine bei uns kaum bekannte Pflanze, die bis auf salzig alle restlichen fünf Rasa liefert. Die Myrobalanen-Frucht ist neben Ingwer (scharf), Fenchel (süß und herb, scharf) Teil der Kräutermischung MA154 Digest Spezial. Diese ayurvedische Nahrungsergänzung stärkt die Verdauung und unterstützt den Körper besonders bei Beschwerden mit Blähungen oder Völlegefühl. 
  • Kardamom ist eines der teuersten Gewürze der Welt und kann alleine, z. B. als Zusatz zu Süßspeisen, Tee oder Kaffee, oder als Teil einer Gewürzmischung verwendet werden. Es ist süß und scharf, wirkt kühlend, schleimlösend und stärkend. Kardamom ist Hauptbestandteil der Teemischungen „Vata Tee“ und „Pitta Tee
Butter wird beim Kochen verwendet

Wie werden Gewürze in der Ayurveda-Küche verwendet?

Ayurveda denkt ganzheitlich. Es geht beim Essen nicht nur um das „Was", sondern um das „Wie". Das betrifft vor allem die Verwendung der Gewürze bei der Zubereitung von Speisen in der Ayurveda-Küche. Die größeren und härteren Gewürze, wie z. B. Samenkörner von Kreuzkümmel, Fenchel oder Koriander, werden in der Regel als erstes in hochwertigem Ghee angeröstet. Sie brauchen länger, um ihr volles Aroma zu entfalten. Danach werden gemahlene Gewürze wie Bockshornklee, Ingwer, Pfeffer oder Zimt hinzugefügt, da sie schneller fertig sind. Das Ghee darf dafür ruhig heiß werden, die Gewürze dürfen aber dabei keinesfalls anbrennen. Erst zum Schluss kommen die Hauptzutaten, wie Gemüse oder Getreide, in die Pfanne und werden dann vorsichtig fertiggekocht oder gebraten.

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise gegeben, er stellt keine Grundlage für eine Selbstdiagnose dar! Bitte jedenfalls einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.

Der Experte dahinter

Schachinger Wolfgang, Dr.

Mit Achtsamkeit die Gesundheit stärken lautet die Devise von Dr. med. Wolfgang Schachinger, Arzt für Allgemein- und Ayurvedamedizin sowie Leiter im „Haus der Gesundheit“ in Ried im Innkreis.