Chronische Schmerzen und Psyche: eine enge Wechselwirkung

Menschen mit chronischen Schmerzen leiden oft doppelt. Einerseits zermürben die ständigen Schmerzen sie und schränken ihren Alltag ein. Und andererseits erleben sie oft, dass Ärzte die Symptome nicht richtig ernst nehmen. "Das ist die Psyche" hören viele Betroffene und fühlen sich dann häufig missverstanden. Aber was bedeutet diese Aussage? Können chronische Schmerzen und Psyche wirklich so eng zusammenhängen? Und was tut man dann?

Frau am Schreibtisch hält sich den Nacken

Chronische Schmerzen und Psyche beeinflussen sich gegenseitig

Viele Menschen neigen dazu, körperliche Symptome und seelische Probleme voneinander zu trennen. Was sollten Rückenschmerzen oder andere Symptome schon mit psychischen Dingen zu tun haben? Tatsächlich ist diese Vorstellung aber falsch. Körper, Geist und Seele sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich sehr stark gegenseitig. Zum Beispiel kommen körperliche Schmerzen bei Depressionen häufig vor. Aber auch "normaler " Stress kann körperliche Beschwerden verursachen.

Bei chronischen Schmerzen entsteht oft ein Teufelskreis: 

  • Der Schmerz belastet die Patienten massiv und schränkt die Lebensqualität ein. Das führt leichter zu Depressionen, Ängsten oder anderen psychischen Problemen.
  • Diese verstärken wiederum die körperlichen Symptome, sodass die Schmerzen schlimmer werden.
  • Dadurch verschlimmern sich Stress und Anspannung, wodurch wiederum die Schmerzen ansteigen.

Dieser Teufelskreis kann sich immer weiter steigern, sodass es den Patienten körperlich und seelisch immer schlechter geht. Deshalb sollte er so bald wie möglich unterbrochen werden.

Mann mit Kopfschmerzen auf dem Sofa

Durch welche Ursachen können chronische Schmerzen?

Chronische Schmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

  • Manchmal gibt es eine klare körperliche Ursache, die die Schmerzen auslöst.
  • In anderen Fällen gab es zwar in der Vergangenheit eine Ursache (zum Beispiel eine Verletzung), diese ist aber längst ausgeheilt. Die Schmerzen bleiben trotzdem bestehen.
  • Und manchmal findet man auch nach langem Suchen keine körperliche Ursache. Dann spricht man von psychosomatischen Schmerzen. Die Schmerzen hängen also direkt mit der Psyche zusammen.

Wenn psychosomatische Schmerzen diagnostiziert werden, sind viele Patienten gekränkt oder fühlen sich nicht ernst genommen. "Ich bilde mir das doch nicht ein!" ist eine typische Reaktion. Aber genau das ist gar nicht gemeint. Die chronischen Schmerzen sind bei diesen Patienten genauso real wie bei allen anderen. Sie sind nicht eingebildet oder vorgeschoben. Aber sie haben ihre Ursache in psychischen Zusammenhängen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Verspannungen. Wenn es uns psychisch nicht gut geht, spannen wir unbewusst unsere Muskeln an. Diese können dann so sehr verkrampfen, dass Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne oder Muskelschmerzen entstehen. 

Ein weiterer Faktor ist unser Verhalten. Wenn wir sehr viel Stress haben oder uns emotional nicht gut fühlen, bewegen wir uns weniger, treiben weniger Sport und ernähren uns möglicherweise auch weniger bewusst. Wir erkennen unter Stress unsere körperlichen Bedürfnisse nicht so gut und schlafen oft auch schlechter. All das kann Schmerzen auslösen oder verstärken.

Und schließlich spielt noch das Schmerzgedächtnis eine Rolle. Schmerz beruht auf einem komplexen System im Körper und dieses Schmerzsystem kann selbst aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn es sich in dauerhafter Erregung oder Anspannung befindet, entstehen Schmerzen, für die sich kein Grund finden lässt. Wiederholte Schmerzerfahrungen verändern das zentrale Nervensystem. Es setzt dann falsche Reize und löst grundlos Schmerz aus. Das Schmerzgedächtnis wird ebenfalls von der Psyche beeinflusst. Zum Beispiel empfinden wir Schmerzen als sehr viel schlimmer, wenn wir Angst vor einer schlimmen Erkrankung haben oder wenn wir sowieso gerade sehr belastet sind.

Du siehst: Mit Einbildung oder "Verrücktsein" hat das alles überhaupt nichts zu tun. 

Frau liegt im Bett und hat das Kissen über den Kopf gezogen

Körperliche Schmerzen bei Depressionen

Mit dem Begriff Depression verbinden die meisten Menschen eine tiefe Traurigkeit. Tatsächlich ist es aber viel komplizierter. Depressionen sind mit vielen verschiedenen seelischen und körperlichen Symptomen verbunden. Zu dieser Erkrankung gehören zum Beispiel Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Schlafprobleme. Viele Patienten haben aber auch körperliche Beschwerden. Sie klagen über Rückenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Kopfschmerzen. 

Der Stress im Körper und in der Seele ist bei einer Depression massiv erhöht. Gleichzeitig steigt die Schmerzempfindlichkeit deutlich an, sodass chronische Schmerzen leichter entstehen können. Hinzu kommt die typische Antriebs- und Energielosigkeit, die es vielen Patienten unmöglich macht, sich um genügend Bewegung und ähnliche Bedürfnisse des Körpers zu kümmern.

Eine Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, bei der eine Behandlung nötig ist. Manchmal ist den Betroffenen gar nicht bewusst, in welchem Stress und welcher Anspannung sie leben. Die Depression zeigt sich dann in erster Linie über den Körper, also durch Verspannungen und Schmerzen, die leicht chronisch werden können.

Patienten mit einer Depression haben ein deutlich erhöhtes Risiko für chronische Schmerzen. Umgekehrt ist bei chronischen Schmerzen aber auch das Risiko für eine Depression erhöht. Es lohnt sich deshalb, beide Seiten in den Blick zu nehmen.

Die Behandlung von chronischen Schmerzen

Chronische Schmerzen, die lange bestehen, behandelt man häufig mit einer multimodalen Therapie. Damit ist gemeint, dass unterschiedliche Bausteine der Therapie zusammenspielen. Diese können sich von Patient zu Patient unterscheiden. Allerdings werden immer körperliche und psychische Behandlungen kombiniert. Es kann zum Beispiel um den Umgang mit Stress und Angst gehen oder auch um die Behandlung einer Depression. Dazu kommen aber auch Schmerzmittel, um die Schmerzspirale zu durchbrechen. Diese nimmt man bei chronischen Schmerzen nicht erst bei Bedarf, sondern nach einem festen Plan. Dadurch wird der Schmerz gar nicht erst so stark und das Schmerzgedächtnis kann langsam umlernen. Und auch Sport, Ergotherapie und Entspannungsverfahren werden in der Behandlung häufig genutzt. 

Die Therapie ist unter Umständen komplex. Wenn du unter chronischen Schmerzen leidest, solltest du deshalb einen spezialisierten Arzt für Schmerztherapie aufsuchen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.