Bin ich grundlos traurig oder plagt mich eine Depression?

Hattest du je das Bedürfnis, dich hinzusetzen und einfach nur zu weinen, ohne jeglichen Grund? Fühlst du dich, als könntest du nur noch weinen, weil du grundlos traurig bist? Hast du überhaupt jemals die Worte "ich bin traurig" laut ausgesprochen? Wenn ja, dann bist du mutig. Millionen Menschen haben Angst davor, sich dem Gefühl der Traurigkeit zu stellen, auch wenn es ganz normal ist. Traurigkeit ist ein Teil des Lebens, sie kann aber auch süchtig machen. Und du darfst keine Angst davor haben, dich von dieser Sucht zu befreien! Es kommt häufig vor, dass sich Menschen traurig fühlen und nichts dagegen tun, weil sie denken, dass sie schlechte Dinge im Leben verdient haben. Gibt es für diese Art von Traurigkeit ohne Grund einen Begriff? Nein. Bis heute gibt es kein allgemein akzeptiertes Wort, um den Fall der Traurigkeit ohne Grund zu beschreiben, obwohl dies von zahllosen Menschen, unabhängig von Altersgruppe oder Geschlecht, erlebt wird. Heute beschäftigen wir uns mit diesem Phänomen und zeigen dir, warum es normal ist, wie es dazu kommt und was du dagegen tun kannst. 

Eine Frau wirkt grundlos traurig und berührt die Innenseite eines transparenten Regenschirms an der Stelle, an der außen ein Laubblatt draufgehalten ist.

Warum fühlt man sich manchmal einfach grundlos traurig?

Traurigkeit, so unangenehm sie sich manchmal auch anfühlen mag, ist ein Teil des Lebens. Alle Menschen erleben sie von Zeit zu Zeit im Leben. Doch nachdem sie verflogen ist, empfinden wir ebenso ein Gefühl der Erleichterung. Vielleicht muss man einfach mal ein paar Tränen vergießen und grundlos weinen, mit Freunden darüber sprechen oder etwas tun, das einem Spaß macht.

Warum kann Traurigkeit ein Kreislauf sein?

Hast du schon einmal vom Kreislauf der anlasslosen Traurigkeit gehört? Sobald man merkt, dass man in einer schlechten Stimmung und grundlos traurig ist, gerät man schnell in Panik. Weinen hilft dann auch nur bedingt weiter. Vielleicht hat man sogar ein starkes Bedürfnis, zu weinen, kann es aber nicht, weil der Körper wie gelähmt ist.

Einige Betroffene haben möglicherweise das Weinen verlernt, weil sie es für ein Zeichen von Schwäche halten. Am Ende ist man noch trauriger und frustrierter. Manche sind sogar richtig wütend auf sich selbst, weil sie diese Gefühle haben und die Ursache nicht finden können. Und je trauriger man ist, weil man traurig ist, desto schlimmer wird es. Der Kreislauf geht weiter, stunden- oder gar tagelang.

Kommt dir das bekannt vor? Hältst du dich selbst in diesen Zyklen von negativen Gefühlen, Niedergeschlagenheit und Trauer gefangen? Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es umso schlimmer wird, je mehr du gegen deine Traurigkeit ankämpfst? Wenn du auf eine dieser Fragen mit Ja geantwortet hast, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, innezuhalten und alle möglichen Emotionen, die du durchmachst, zu akzeptieren! 

Ein Mann steht im Nebel und bei Regen am Anfang einer endlos wirkenden Gleisstrecke.

Ist es Traurigkeit oder eine Depression?

Wie alle Gefühle ist auch die Traurigkeit flüchtig. Zu gegebener Zeit wird die Traurigkeit vergehen und Raum für eine andere Emotion schaffen.

Depressionen hingegen lassen nicht von allein nach. Eine Depression beeinflusst unsere Stimmung, was bedeutet, dass Traurigkeit ein starkes Symptom ist – aber sie ist lange nicht das einzige Symptom. Weinen hilft depressiven Menschen dann meist auch nur bedingt. Manchmal kann eine Depression auf ein bestimmtes Ereignis, wie den Verlust eines Arbeitsplatzes oder das Ableben einer nahestehenden Person, zurückgeführt werden. Sie kann sich jedoch genauso gut auch einfach mit der Zeit einschleichen – ohne ersichtlichen Grund. 

Eine Sanduhr aus Glas mit schwarzem Sand.

Wie lange hält deine Traurigkeit an?

Wenn die gedrückte Stimmung oder innere Leere nicht von selbst verschwindet, durch häufigeres grundloses Weinen ergänzt wird und über einen längeren Zeitraum von mehr als zwei Wochen anhält, dann leidest du möglicherweise an einer Depression.

Wann handelt es sich um eine Depression?

Beim Thema Depressionen denken viele von uns sofort an eine starke depressive Störung. Es gibt jedoch viele verschiedene Formen von Depressionen. Depressiv ist nicht gleich depressiv, was heißen soll, dass Depressionen nicht in einer Einheitsgröße auftauchen. Das hat uns jüngst auch erst wieder die erfolgreiche Newcomerin der norwegischen Literatur, die Autorin Ingvild Lothe, mit ihrem Werk "Warum bin ich so traurig, wenn ich doch so süß bin?" klar gemacht.

Depressionen können bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aussehen. Während der eine morgens Mühe hat, aus dem Bett zu kommen, stellt ein anderer vielleicht fest, dass ihm die Lebensfreude fehlt. In manchen Situationen führt ein Burn-out zur Depression, in anderen Fällen ist es die Verzweiflung über die Unfähigkeit, die großen Fragen des Lebens für sich selber beantworten zu können.

Eine weitere wichtige Sache, auf die auch Ingvild Lothe eingeht, ist die folgende Tatsache: Viele Menschen wissen einfach nicht, dass sie eine depressive Episode durchleben, wie lange sie auch immer gedauert haben mag oder noch dauern wird. Sie leiden vielleicht unwissend unter einer unipolaren Depression oder ihre Traurigkeit hat eine körperliche Ursache, wie zum Beispiel die Erkrankung unter multipler Sklerose.

Eine lächelnde junge Frau in einem Weizenfeld.

Was kannst du versuchen, um dich besser zu fühlen?

Wenn du herausfinden kannst, was dich in letzter Zeit bedrückt, dann bist du besser in der Lage, deine Gefühle und negativen Gedanken umzukehren. Problemlösungsstrategien können bei der Überwindung von Traurigkeit, die bereits längere Zeit anhält, wirklich hilfreich sein.

  1. Sprich mit jemandem, dem du vertraust oder suche dir jemanden, bei und mit dem du weinen kannst! Das können Freunde, Familienmitglieder oder andere geliebte Menschen sein. Sie könnten Erkenntnisse liefern, die dir helfen, herauszufinden, was deine Traurigkeit oder depressive Stimmung verursacht. 
  2. Schreib deine Gefühle auf und beobachte körperliche Anzeichen oder gar körperliche Erkrankungen! Die Ursachen deiner schlechten Laune werden vielleicht offensichtlicher, wenn du darüber schreibst, was in deinem Leben geschieht, wie dein Körper reagiert und wie du dich dabei fühlst. 
  3. Tritt deinem Schicksal selbstbewusst gegenüber! Versuche, nicht den ganzen Tag im Bett zu bleiben und den Dingen auszuweichen!

Wenn die Ursache deiner Traurigkeit jedoch nicht wirklich etwas ist, das sich lösen lässt, solltest du dich stattdessen auf die Entwicklung von Bewältigungsstrategien konzentrieren! 

Eine Frau steht auf einem Pfad in einem Wüstengebiet und blickt zum Himmel.

Warum ist es wichtig, dich mit deinen Gefühlen auseinander zu setzen?

Die richtige Art und Weise, mit negativen Gefühlen und anhaltender Niedergeschlagenheit umzugehen, gibt es nicht. Manchmal erreicht man eine Katharsis, also die Entladung emotionaler Spannung und das Loslassen dessen, was in uns eingeschlossen ist, durch Weinen. Manche Menschen müssen lernen, mit ihren psychischen Problemen umzugehen. In anderen Fällen sprechen Betroffene vielleicht erst auf medikamentöse Behandlungen an. Was auch immer in deinem Fall angeraten sein mag, du solltest dich unbedingt mit deiner Traurigkeit befassen, allein schon, um eine mögliche psychische Störung oder schwere Krankheit ausschließen zu können!   

Vor einem Abhang steht ein gelbes Schild mit Richtungspfeilen, die jeweils links und rechts vom Abhang weg zeigen.

Lass dich nicht von deinen Unsicherheiten beherrschen

Versuche, dich abzulenken, wenn du zu viel über die Vergangenheit nachdenkst! Die eine oder andere Träne der Trauer zu vergießen und im Beisein geliebter Menschen zu weinen, um deine Niedergeschlagenheit zu verarbeiten, kann sicherlich nicht schaden. Doch du kannst die Vergangenheit eh nicht ändern. Was geändert werden kann, ist die Zukunft, die davon abhängen wird, wie du dein Leben führst.

Versuche, positiv zu sein und dich mit Menschen zu umgeben, die für deine psychische Gesundheit förderlich sind! Der wesentliche Schritt zum Glücklichsein besteht darin, zu lernen und sich so zu akzeptieren, wie man ist. Das Leben ist eine Prüfung und eine Herausforderung, und du wirst unweigerlich mit Verlust und Ablehnung konfrontiert werden, das ist ganz normal. Vergiss jedoch nie: Das Leben macht nicht an einer einzigen Situation oder für eine einzige Person Halt! Im Leben geht es immer darum, weiterzumachen und voranzukommen.