Tabu-Thema Inkontinenz: Was hilft wirklich bei Blasenschwäche?

Inkontinenz ist nach wie vor ein Tabuthema. Niemand spricht gerne darüber und doch gibt es unzählige Betroffene. Millionen Menschen, egal ob Frau oder Mann, Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, sind von Inkontinenz betroffen. Blasenschwäche kommt nicht nur bei älteren Menschen vor und sie tritt in den unterschiedlichsten Formen auf. Wir verraten Dir in diesem Artikel, was gegen Inkontinenz wirklich hilft und warum Du als Frau präventiv dagegen vorgehen solltest.

Eine Frau hält ihre Hände auf den Unterleib als Zeichen für Inkontinenz

Welche Formen von Inkontinenz gibt es?

Blasenschwäche ist eine Form der Harninkontinenz. Die Harninkontinenz bezeichnet das unfreiwillige Verlieren von Urin. Betroffene leiden oft darunter, wenn sie den Harndrang nicht spüren oder nicht kontrollieren können und ungewollt Urin verlieren. Blasenentzündung oder eine geschwächte Blase nach der Schwangerschaft sind nur ein paar Beispiele dafür. Harninkontinenz hat viele Gesichter. Die häufigsten Formen sind Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz) und Dranginkontinenz:

  • Belastungsinkontinenz: Körperliche Belastung führt zu einem erhöhten Druck auf den Bauchraum und auf die Blase. Es kommt zum unwillkürlichen Urinverlust, ohne dass sich dieser durch einen Harndrang ankündigt. Oft sind es nur einige Tropfen Urin. Schweres Heben, Lachen, Niesen und Husten oder eine Schwangerschaft können die Auslöser sein. Vor allem Frauen sind von Belastungsinkontinenz betroffen.
  • Dranginkontinenz: Im Gegensatz zur Belastungsinkontinenz ist das Symptom ein starker Harndrang vor dem Urinverlust, ohne dass die Blase wirklich voll ist. Eine Blasenentzündung zählt beispielsweise zur Dranginkontinenz.

Es gibt auch Mischformen und chronische Erkrankungen. Das Einnässen oder Bettnässen ist eine Sonderform, die meist nicht zur Harninkontinenz gezählt wird.

Was sind die Ursachen von Inkontinenz?

Ebenso unterschiedlich wie die Formen und Symptome von Blasenschwäche können auch ihre Ursachen sein. Deshalb ist es auch sehr wichtig, dass ein Arzt bei der Behandlung den Ursachen für die schwache Blase genau auf den Grund geht. Die Gründe für eine Harninkontinenz können sowohl physisch, als auch psychisch bedingt sein. Ein starker Beckenboden und eine gute Zusammenarbeit zwischen Gehirn und Nerven sowie Muskeln ist wichtig für die Kontrolle der Blase.

Mögliche Ursachen für einen Blasenschwäche können sein:

  • geschwächter Beckenboden (durch Schwangerschaft, Alter oder Krankheit)
  • Muskel- und Nervenverletzungen (durch Operationen)
  • Infektionen
  • Hormonumstellungen (Wechseljahre)
  • Neurologische und psychosomatische Erkrankungen

Frauen sind von Geburt an stärker von Blasenschwäche betroffen als Männer. Das weibliche Becken ist breiter und die Beckenbodenmuskulatur meist schwächer. Schwangerschaft und Geburt belasten die Muskulatur zusätzlich.

Was kannst Du als Frau vorsorglich gegen Inkontinenz tun?

Prävention ist immer besser als Nachsorge. Auch wenn Du gesund bist und keine Probleme mit dem Gang zur Toilette hast, möchtest Du vielleicht Kinder bekommen oder Deinen Beckenboden trainieren, weil Deine Muskulatur unter dem vielen Sitzen im Bürojob leidet.

Für Frauen ist es besonders wichtig, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und Inkontinenz vorzubeugen. Das funktioniert einerseits mit gezieltem Beckenbodentraining und andererseits mithilfe von Sportarten, die Deinen Beckenboden stärken. Dazu zählen:

  • Yoga
  • Pilates
  • Schwimmen
  • Reiten
  • Radfahren

Diese Sportarten stärken nicht nur Deinen Beckenboden, sondern sorgen gleichzeitig auch noch für einen knackigen Po.

Gruppe junger Menschen beim Yoga.

Beckenbodentraining: Diese Übungen sind einfach und effektiv

Ein Beckenbodentraining lässt sich mit den folgenden drei Übungen ganz einfach und schnell machen. Zehn Minuten am Tag sind vollkommen ausreichend, um Deine Beckenbodenmuskulatur zu stärken und das Beste ist, dass Du sie überall machen kannst. Egal ob zuhause oder im Büro.

  • Beckenbodentraining im Sitzen
  • Beckenbodentraining im Knien
  • Beckenbodentraining im Stehen

Beckenbodentraining im Sitzen

Sogar im Sitzen kannst du etwas gegen Harninkontinenz tun:

  1. Setz Dich gerade auf Deinen Stuhl und spanne für mindestens zehn Sekunden Deine Beckenboden- und Gesäßmuskulatur an!
  2. Vergiss nicht dabei weiterhin zu atmen!
  3. Anschließend löst Du die Spannung.
  4. Wiederhole die Übung fünfmal!

Du kannst diese Übung nicht nur im Büro, sondern auch im Auto, Bus oder Zug machen. Einfach Muskeln anspannen und normal weiteratmen.

Beckenbodentraining im Knien

Auch im Knien kannst du deine Beckenbodenmuskulatur trainieren:

  1. Bring Beine, Knie und Fußrücken auf den Boden! Bei empfindlichen Knien ist ein Teppich, ein Handtuch oder eine Yogamatte als Unterlage ratsam.
  2. Oberschenkel und Oberkörper bilden eine gerade Linie.
  3. Verschränke nun Deine Arme vor der Brust, indem Du die Hände auf die Schultern legst.
  4. Mit der Einatmung lehnst Du Dich leicht nach hinten und mit der Ausatmung kommst Du wieder nach vorne.

Dieses Beckenbodentraining stärkt nicht nur Deine Muskulatur, sondern dehnt gleichzeitig auch noch Deine Oberschenkel und Hüften. Wiederhole die Übung 10 bis 15 mal!

Beckenbodentraining im Stehen

Entspannung kann gleichzeitig auch dein Training sein. So geht's:

  1. Stell Dich mit geradem Rücken hin!
  2. Die Beine sind leicht gebeugt, sodass Dein Gesäß leicht nach hinten rausgestreckt ist.
  3. Die Arme sind angewinkelt und die Handflächen zeigen zueinander. Du kannst Deine Hände aber auch zu Fäusten formen.
  4. Atme tief ein. Mit der Ausatmung stößt Du Deine Hüfte so schnell wie möglich nach vorne, während die Arme und Schultern nach hinten ziehen.
  5. Mit der Einatmung kommst Du wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederhole die Übung 10 bis 15 mal. 
Unterschiedliche Liebeskugeln.

Wie funktioniert das Beckenbodentraining mit Liebeskugeln?

Auch mit Liebeskugeln, Love Balls oder Jade Eggs kannst Du Deine Muskulatur gezielt stärken. Mittlerweile sind sie vor allem als Sex-Toys bekannt, aber sie können Dich nicht nur stimulieren, sondern auch Deine Muskeln im Beckenboden trainieren.

Im Inneren der Silikonkugeln befindet sich ein Metallkern. Wenn Du die Liebeskugeln in Deine Vagina einführst und Dich bewegst, beginnt dieser zu schwingen. Deine Muskeln im Becken müssen sich automatisch anspannen, um die Rotation aufzufangen und die Kugeln im Unterleib zu behalten. Das Beste ist, dass Du sie ganz einfach im Alltag verwenden kannst, ohne dass jemand etwas davon mitbekommt. Egal, ob beim Putzen, Einkaufen oder Spazieren gehen und Nordic Walking.

Für ein Beckenboden-Training mit Liebeskugeln solltest Du die Kugeln zu Beginn dreimal die Woche für 10 bis 15 Minuten tragen. Es gibt die unterschiedlichsten Gewichtsklassen. Beginne am besten mit einer leichteren Kugel und erhöhe nach ein paar Wochen dann das Gewicht.

Was tun bei Blasenschwäche: Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Bei schweren Fällen von Inkontinenz kann ein Training von Blase und Beckenboden (konservative Therapie) manchmal nicht ausreichen. Medikamente oder auch ein operativer Eingriff müssen dann in Betracht gezogen werden. Hier empfiehlt sich zuallererst der Gang zum Arzt. Ein Arzt kann die Symptome und Ursachen genau untersuchen und eine geeignete Behandlungsmöglichkeit finden. Wichtig ist es vor allem, die Beschwerden nicht zu ignorieren. Auch wenn das Thema Inkontinenz für Frauen und Männer gleich unangenehm ist, kann eine frühe Diagnose zu schnellerer Besserung führen. Zu spät für eine Behandlung oder Therapie ist es jedoch nie.

  • Bei der Dranginkontinenz kann neben dem Blasentraining auch eine medikamentöse Behandlung gegen den Harndrang eingesetzt werden. Dasselbe gilt für die Belastungsinkontinenz. Leider können die zugelassenen Medikamente aber auch zu starken Nebenwirkungen führen.
  • Autogenes Training und Psychotherapie können den Geist stärken und Linderung bei Blasenschwäche schaffen, wenn die Ursachen auch psychisch bedingt sind.
  • Pflanzliche Mittel, wie Kürbiskerne, die besonders für Männer gut sind, da sie einer Prostatavergrößerung im Alter vorbeugen können und Cranberries oder Preiselbeeren sowie Brennnessel- und Goldrutentee.

Wichtig bei jeder Therapie von Blasenschwäche ist es, ausreichend zu trinken. Du solltest vor allem Wasser und Tee trinken und blasenreizende Getränke wie Kaffee und schwarzen Tee lieber meiden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.