Stimmungsschwankungen bei Männern: Von Testosteron und Depression

Stimmungsschwankungen galten lange Zeit als typisch weibliches Phänomen. Wenn Frauen schlecht gelaunt sind, liegt das sowieso an ihren Hormonen, so die simple Erklärung vieler Männer. Stimmungsschwankungen können aber ganz unterschiedliche Gründe haben und sind nicht nur von den Hormonen abhängig. Außerdem leiden nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer darunter. Bei ihnen kann ein niedriger Testosteronspiegel, Stress oder eine depressive Erkrankung für den Gemütswechsel verantwortlich sein. Allerdings macht sich dieser bei Männern oft ganz anders bemerkbar. Wie du Stimmungsschwankungen bei Frauen und Männern erkennst, welche Ursachen sie haben und was du dagegen tun kannst, verraten wir dir in diesem Artikel.

Mann mit Stimmungsschwankung und Wiskeyglas.

Stimmungsschwankungen und die Sache mit den Hormonen

Als Stimmungsschwankungen bezeichnen wir den plötzlichen Wechsel der Stimmung. Sie können sich in Gefühlen, wie Freude, Trauer oder Wut bemerkbar machen oder im Verhalten der jeweiligen Person. Bei den Betroffenen kann zwischen normalen und krankhaften Beschwerden unterschieden werden. So hat beispielsweise jeder von uns leichte Stimmungsschwankungen im Laufe des Tages. Morgenaktive Menschen sind in der Früh meist gut gelaunt und starten voller Motivation und Energie in den Tag, am Mittag kann die Stimmung dann schon wieder sinken, wenn sie das bekannte Mittagstief einholt. Bei nachtaktiven Menschen verhält es sich genau entgegengesetzt. Müssen sie früh aus dem Bett, sind sie meist weniger gut gelaunt und kontaktfreudig, dafür strotzen sie am Abend nur so vor Energie und Motivation.

Oft werden Stimmungsschwankungen mit dem Zyklus der Frau in Verbindung gebracht. Es lässt sich auch nicht abstreiten, dass Frauen durch das prämenstruelle Syndrom (PMS) monatlich wiederkehrende stärkere Stimmungsschwankungen haben können. Sie darauf zu reduzieren, greift aber definitiv zu kurz. Stimmungsschwankungen können die unterschiedlichsten Formen annehmen und unterschiedliche Ursachen haben. Sie können sowohl harmlose Schwankungen der Gemütslage als auch Symptome schwerwiegender Krankheiten wie Depressionen oder Burnout sein. 

Welche Ursachen gibt es?

Stimmungsschwankungen können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Lange Zeit galten körperliche Gründe, insbesondere unsere Hormone, als Ursache der Beschwerden. So wurde oft behauptet, dass Veränderungen im Hormonhaushalt (durch den Zyklus, die Pubertät, während und nach der Schwangerschaft oder zu Beginn der Wechseljahre) oder Medikamente mit Hormonen (wie die Pille) die Stimmung beeinflussen würden. Wie aktuelle Studien zeigen, können diese körperlichen Veränderungen zwar einen Einfluss haben, stellen aber kein signifikantes Unterscheidungsmerkmal bei den Geschlechtern dar.

Auch bei Männern kann das Sexualhormon Testosteron schuld an der miesen Stimmung sein. Sinkt der Testosteronspiegel, ist meistens auch die Stimmung im Keller. Neben Testosteron und Östrogen kann aber ebenso ein Nährstoffmangel, insbesondere ein Mangel an Magnesium und Natrium, ein Stimmungstief begünstigen. Ebenso können psychische Faktoren wie

  • Stress und seine Folgeerkrankungen (z. B. Burnout),
  • oder psychische Erkrankungen (z. B. wie Depressionen)

hinter den Stimmungsschwankungen stehen. Psychischer Stress gilt als Hauptursache für viele Beschwerden. Gerade bei psychischen Erkrankungen ist es sehr wichtig, einen Arzt aufzusuchen und abzuklären, ob es sich nur um eine depressive Episode oder um eine ausgewachsene Depression handelt. Dasselbe gilt bei Burnout. Hier ist es wichtig, nicht zu warten, sondern bald einen Arzt aufzusuchen und eine geeignete Therapie zu finden. Wie anfällig wir für Depressionen und stressbedingte Krankheiten sind, hängt oft von unserem Selbstwertgefühl und zum Teil auch von unseren Genen ab.

Trauriger Mann im Bett.

Wie kannst du Stimmungsschwankungen bei Männern erkennen?

Leider ist es nicht ganz einfach, Stimmungsschwankungen bei Männern sofort zu erkennen. Wechselnde Gemütszustände äußern sich ebenso wie Depressionen und Burnout oft ganz anders als bei Frauen. Das ist auch der Grund dafür, dass Männer lange Zeit weniger anfällig dafür galten als Frauen. Tatsächlich wurden die Symptome einfach nicht richtig erkannt. Deutlich wird das am Beispiel der Depression. Während sich Depressionen bei Frauen oft in Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Rückzug äußern, leiden depressive Männer auch auf ganz andere Art. Oft wechseln sich die beschriebenen Symptome mit extrem aktiven Phasen und einer starken Arbeitswut ab.

Als typische Symptome bei Männern gelten:

  • Wut und Aggression
  • ein vorwurfsvolles und nachtragendes Verhalten
  • extreme Risikobereitschaft und gesteigerter Leistungsdruck
  • Missbrauch von Suchtmitteln oder Genussmitteln
  • Schlafprobleme

Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen zählen zu den häufigsten Symptomen bei Männern. Die Beschwerden führen zu Erschöpfung und Energielosigkeit, um sie auszugleichen, indem die Betroffenen vermehrt koffeinhaltige Getränke zum Wachwerden und Alkohol zum Schlafen zu sich nehmen, obwohl diese den Körper zusätzlich belasten. 

Wie hängen Depression und Burnout bei Männern zusammen?

Dass sich depressive Episoden und Gefühle bei Männern so anders äußern, liegt auch an dem männlichen Rollenbild in unserer Gesellschaft. Betroffene tragen depressive Gefühle einfach viel weniger nach außen, sondern versuchen, sie durch Arbeit oder Sport zu verdrängen. Ein Mann sollte nach außen hin schließlich stark und unangreifbar wirken. Statt dem depressiven Rückzug setzen Betroffene also auf Angriff. Wer davor schon viel gearbeitet hat, arbeitet jetzt noch mehr, um sich abzulenken. Dabei geraten die Betroffenen schnell in einen Teufelskreislauf. Die depressiven Gefühle und Schlafmangel verursachen Stress, den sie mit mehr Stress auf der Arbeit oder im Privatleben zu kompensieren versuchen. Das kann natürlich nicht lange gut gehen, Überforderung bis hin zum Burnout sind hier vorprogrammiert. 

Ein weiteres Problem stellt der zunehmende Genuss von Alkohol und anderen Rauschmitteln dar, der sich besonders bei depressiven Männern zeigt, aber auch bei Frauen vorkommt. Darunter leiden zusätzlich körperliche und psychische Gesundheit.

Mann bei Gesprächstherapie.

Was kannst du bei depressiven Verstimmungen tun?

Egal, ob du männlich oder weiblich bist, solltest du Anzeichen für eine Depression unbedingt ernst nehmen. Wer früh handelt, hat gute Chancen, schwerwiegende Erkrankungen wie Burnout zu verhindern. Gerade dann, wenn die depressiven Gefühle häufig und unerwartet heftig auftreten und du dir nicht erklären kannst, warum du in einer bestimmten Situation ungewöhnlich emotional reagierst, solltest du mit einem Arzt oder Therapeuten darüber sprechen. Er kann eine fachliche Diagnose erstellen und dir eine geeignete Therapie anbieten. Auch bei Anzeichen für Burnout wie ständige Erschöpfung, Müdigkeit, Reizbarkeit und mangelnde Konzentration solltest du lieber früher als später handeln. Die Therapie und Erholungszeit nach einem Burnout können sehr langfristig sein.

Wenn es sich nur um schlechte Laune oder Stimmungsschwankungen ohne depressive Züge oder Burnout-Symptome handelt, hast du ebenfalls einige Möglichkeiten.

  • Du kannst deine emotionale Verfassung beispielsweise über die Ernährung beeinflussen. Meide dafür am besten stark zuckerhaltige Lebensmittel mit einfachen Kohlenhydraten! Sie verursachen schnell eine Unterzuckerung und können deine Gemütslage durcheinanderbringen.
  • Omega-3-Fettsäuren hingegen können stabilisierend wirken.
  • Meist ist es auch schon hilfreich, sich mit guten Freunden zu treffen und über die eigenen Ängste und Sorgen, die zur schlechten Laune führen, zu sprechen. Zwischenmenschliche Beziehungen, die uns Geborgenheit und Halt geben, sind besonders wichtig für die psychische Gesundheit.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.