Desinfektionsmittel selber machen und Hände vor fremden Keimen schützen – so geht's

Zusätzliche Hygieneschutzmaßnahmen wie Desinfektion sind mittlerweile ein Muss. Was aber tun, wenn Desinfektionsmittel in der Apotheke nicht verfügbar sind oder die Haut vom ständigen Desinfizieren so sehr austrocknet, dass wir sie nicht mehr verwenden wollen? In diesem Artikel erfährst du, wie du dein eigenes hautfreundliches Mittel zu Desinfektion herstellen kannst, welche Zutaten du brauchst und was es bei der Anwendung zu beachten gibt.

Eine Frau gibt Desinfektionsmittel auf ihre Hände

Warum sollte ich ein Desinfektionsmittel selber machen?

Um uns herum wimmelt es nur so vor Bakterien, Keimen und Viren. Das ist normalerweise auch gar kein Problem, denn unser Immunsystem kann uns vor vielen dieser Krankheitserreger schützen. In Zeiten von stark ansteckenden Krankheitserregern wie dem Coronavirus ist unser Immunsystem jedoch besonders gefordert und ein zusätzlicher Schutz der Hände durch Desinfektion notwendig.

Denn unsere Hände sind ständig mit fremden Keimen, Bakterien und Co in Berührung, wenn wir uns im öffentlichen Raum bewegen. Regelmäßiges und gründliches Waschen mit Seife zählt zu den besten Möglichkeiten, um uns vor einer Ansteckung zu schützen. Allerdings ist es nicht immer und überall möglich, sich die Hände zu waschen.

Hier bieten Desinfektionsmittel eine schnelle und praktische Lösung. In Apotheken, Supermärkten und Drogerien finden wir mittlerweile eine schier unüberschaubare Vielzahl davon. Leider halten aber nicht alle, was sie versprechen. Viele von ihnen wirken nur antibakteriell und können dich somit nicht vor Viren schützen. Außerdem sind sie oft voller unnötiger Zusatzstoffe. Mit natürlichen Mitteln kannst du dein eigenes Desinfektionsmittel für unterwegs herstellen. Hier weißt du genau was drin ist. Wir haben ein leicht zuzubereitendes Rezept für dich. Gleichzeitig verraten wir dir, worauf du bei der Herstellung des Rezepts und der Anwendung achten solltest.

Utensilien für selbstgemachtes Desinfektionsmittel.

Desinfektionsmittel für unterwegs selbst herstellen: Welche Zutaten brauchst du?

Die wichtigste Zutat in jedem Rezept für Desinfektionsmittel ist hochprozentiger Alkohol. Entscheidend ist, dass er hochprozentig ist und zwischen 60 bis 80 Volumenprozent in der Gesamtmischung ausmacht. Nur so kann er antiviral und desinfizierend gegen Keime und Viren wirken.

Gut geeigneter hochprozentiger Alkohol ist:

  • Ethanol 
  • Isopropanol
  • Weingeist, Melissengeist oder Kölnisch Wasser.

Ethanol und Isopropanol sind die gängigen Alkohole in den meisten Desinfektionsmitteln. Du bekommst Ethanol in jeder Apotheke oder im Online-Handel. Vom Alkohol in der Hausbar solltest du lieber die Finger lassen. Er hat meist nur 40 Prozent und wirkt damit nicht antiviral. Die natürliche Alternative zu Ethanol ist Weingeist. Auch Melissengeist und Kölnisch Wasser sind antiviral wirksam und in vielen Drogerien erhältlich. Alternativ kannst du auch Wasserstoffperoxid verwenden.

Alle alkoholischen Lösungen haben über 90 Volumenprozent Alkohol, weshalb du sie unbedingt mit Wasser mischen musst, ansonsten reizen sie deine Haut zu sehr. Verwende am besten destilliertes Wasser, das vollkommen frei von Keimen und anderen Stoffen ist. Wenn du kein destilliertes Wasser zuhause hast, kannst du auch einfach Wasser in einem Topf für einige Minuten abkochen und anschließend wieder abkühlen lassen.

Basis-Rezept für selbstgemachtes Desinfektionsmittel:

  • 46 Gramm Weingeist 
  • 14 Gramm destilliertes Wasser

Vermenge einfach beide Zutaten miteinander und fülle sie in eine kleine Sprühflasche!

Aloe Vera Pflanze mit Desinfektionsmittel.

Rezept für ein pflegendes Desinfektionsmittel

Damit dein selbst hergestelltes Desinfektionsmittel nicht nur antiviral wirken kann, sondern gleichzeitig deine Haut schont und gut duftet, empfehlen wir dir noch ein paar Ergänzungen.

Du brauchst:

  • 46 Gramm Weingeist (oder Ethanol oder Isoprobanol)
  • 8 Gramm destilliertes Wasser
  • 6 Gramm Zitronenmelisse-Hydrolat
  • einen Teelöffel Aloe-Vera 10-fach Konzentrat
  • und optional zwei Tropfen ätherisches Öl 

Miss die Zutaten genau ab und vermenge sie miteinander! Anschließend füllst du die Flüssigkeit in ein sauberes Gefäß. 

Aloe-Vera Konzentrat ist noch wirksamer als reines Aloe Vera Gel und eignet sich dank seiner flüssigen Konsistenz perfekt für dein selbstgemachtes Desinfektionsmittel. Die feuchtigkeitsspendende Aloe Vera sorgt nicht nur dafür, dass deine Haut nicht so schnell austrocknet, sondern pflegt sie gleichzeitig durch wertvolle Inhaltsstoffe wie Salizylsäure. Sie ist der natürliche Ersatz für das oft verwendete Glycerin in Desinfektionsmitteln.

Melissen-Hydrolat ist unser geheimer Tipp. Es wird durch Wasserdampfdestillation aus den frischen Blättern der Zitronenmelisse gewonnen. So bleiben alle wertvollen Inhaltsstoffe und ätherischen Öle enthalten. In der Naturheilkunde wird die gesundheitsfördernde, antibakterielle und antimikrobielle Wirkung der Melisse geschätzt. Sie ist eines der effektivsten Mittel zum schnellen Abklingen von Lippenherpes. Zusätzlich verleiht die Melisse deinem Desinfektionsmittel einen angenehmen frischen und zitronigen Duft. 

Für ein stärkeres Dufterlebnis kannst du auch noch einige Tropfen naturreines ätherisches Öl dazu geben. Orangenöl, Lavendelöl oder Teebaumöl wirken ebenfalls antibakteriell.

Was solltest du bei der Herstellung und Verwendung von Desinfektionsmitteln beachten?

Hochprozentiger Alkohol kann deine Haut stark angreifen und die natürliche Lipidschicht schädigen. Achte unbedingt darauf, nicht direkt mit dem Alkohol in Kontakt zu kommen. Außerdem ist er leicht entflammbar, weshalb du nicht neben einem Herd oder einer anderen Hitzequelle arbeiten solltest. Saubere und möglichst sterile Arbeitsutensilien sind für deinen Erfolg ebenso wichtig, wie das richtige Mischverhältnis.

  • Vor jedem Gebrauch solltest du dein Fläschchen kurz schütteln, damit sich das abgesetzte Öl wieder mit der restlichen Flüssigkeit vermischt.
  • Falls du Wasserstoffperoxid verwendest, achte darauf, die Flasche nur kurz geöffnet zu halten. Wasserstoffperoxid verflüchtigt sich leider, wenn es mit Sauerstoff reagiert.
  • Genauso wie beim Händewaschen ist es wichtig, möglichst jeden Teil zu desinfizieren. Das klappt am besten mit einem Sprühkopf. Mit circa drei Sprühstößen pro Hand kannst du Handinnen- und -außenseiten sowie Finger und Zwischenräume desinfizieren.

Lass das Mittel kurz einziehen, bevor du etwas anderes machst. Auch wenn es möglichst hautfreundlich ist, solltest du es sparsam verwenden, um deine Haut nicht zu sehr zu reizen. Eine pflegende Handcreme hilft dir, trockene Hände zu vermeiden.

Junge Frau beim Yoga im Wald.

Wie kannst du dich noch schützen?

Desinfektionsmittel sind eine praktische und einfache Lösung, um deine Hände vor Keimen und Viren zu schützen. Allerdings können sie dich nicht vor jeder Ansteckung bewahren. Gerade die Schleimhäute im Mund und Rachenraum sind besonders anfällig für Krankheitserreger, die über die Luft übertragen werden. Ein starkes und gut funktionierendes Immunsystem kann dich jedoch vor ihnen schützen. Um fit und gesund zu bleiben, solltest du also unbedingt auf dich und deine Gesundheit achten. Ausreichend Schlaf, eine gesunde und ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie möglichst wenig Stress sind dabei essenziell.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.