Angst beim Hund – woher kommt sie und wie kann ich meinem Tier helfen?

Stell dir vor, dein Hund liegt entspannt zu deinen Füßen, während du es dir mit deiner Lieblingssendung im Fernsehen gemütlich machst! Gerade als die Sendung anfängt, gut zu werden, beginnt ein Gewitter und es ertönt ein Donnerschlag. Plötzlich fängt dein verängstigter Hund an zu bellen und rennt in Deckung. Ist dir das auch schon einmal passiert? Wenn ja, hast du dich wahrscheinlich gefragt, wie du mit dieser Angst beim Hund umgehen solltest.

Angst beim Hund - ängstlicher Hund unter einer Decke.

Ursachen: Woher kommt die Angst beim Hund?

Angst beim Hund kann ein Produkt von Natur und Erziehung sein. Die genetische Veranlagung eines Hundes, frühe Erfahrungen, die Umgebung sowie auch Situationen im täglichen Leben können sich auf sein Temperament auswirken. Schauen wir uns einige der typischen Ursachen für Angst an, unter denen dein Hund leiden könnte. 

Ist es vielleicht ein Mangel an Sozialisierung?

Ein häufiger Grund für Angst bei Hunden ist ein Mangel an positivem Kontakt zu neuen Menschen, Tieren und Umgebungen während der kritischen Angstphase des Welpensozialisierungsprozesses. 

Diese wichtige Entwicklungsphase im Leben eines Welpen liegt zwischen der 8. und 16. Lebenswoche, in der Welpen eine Vielzahl von angenehmen Interaktionen mit ihrer Umwelt haben müssen. Welpen, die keinen positiven Kontakt zu ihrer Umwelt haben, neigen dazu, sich vor neuen oder ungewöhnlichen Situationen zu fürchten. Dies kann dazu führen, dass sie sich vor Dingen fürchten, die wir nicht mit Angst in Verbindung bringen würden, zum Beispiel vor Menschen mit großen Hüten oder vor einem Kinderwagen, Skateboard oder einem Menschen auf einem Fahrrad, der an ihnen vorbeifährt.

Hundemutter mit einem Welpen.

Welche Rolle spielt die genetische Veranlagung? 

Wenn dein Hund ausnehmend nervös ist oder zu schnell unter Stress leidet, könnte auch eine genetische Veranlagung zu Ängstlichkeit oder Schüchternheit die Ursache sein. Tiere, die von ängstlichen Müttern geboren werden, sind mit größerer Wahrscheinlichkeit ebenfalls eher ängstlich und fürchten sich vor lauten Umgebungen, unbekannten Situationen und fremden Menschen und Tieren.

Hatte dein Hund traumatische Erlebnisse?

Bei manchen Vierbeinern reicht ein einziges traumatisches Erlebnis aus, um lebenslange Angstreaktionen auszulösen. Ein Hund, der bei einem Spaziergang plötzlich von einem Feuerwerkskörper überrascht wird, kann diese Angstreaktion auf jedes laute Geräusch übertragen – wie das Zuschlagen einer Autotür – und Angst davor entwickeln, in der Nähe des Geschehens zu laufen.

Liegt es vielleicht an Schmerzen?

Es ist wichtig, zu wissen, dass einige Verhaltensweisen, die wie Angst aussehen, mit Schmerzen zusammenhängen können. Vierbeiner, die "handscheu" und nervös gegenüber Berührungen zu sein scheinen, könnten in Wirklichkeit mit einem nicht diagnostizierten medizinischen Problem zu tun haben. Dein Tierarzt kann dir helfen, festzustellen, ob dein Hund Schmerzen hat oder unter Stress- und Angstzuständen leidet.

Wie erkennt man Angst bei Hunden?

Der erste Schritt, um einem ängstlichen Hund zu helfen, besteht darin, seine Körpersprache zu verstehen. Manche Anzeichen von Angst sind schwer zu übersehen – wie ein zitternder, zusammengekauerter Hund, der die Ohren zurückgelegt und den Schwanz eingezogen hat. Wenn du aber lernst, subtilere Angstreaktionen zu erkennen, kannst du eingreifen, bevor die Angst deines Hundes eskaliert. Einige der verräterischen Anzeichen für Angst bei Vierbeinern sind:

  • Zittern oder Frösteln,
  • gekrümmter Körper mit gesenktem Kopf,
  • zurückgelegte Ohren,
  • eingezogene Rute,
  • stehende Haare im Nacken und auf dem Rücken,
  • Knurren,
  • Zeigen der Zähne.
Nahaufnahme eines stark verängstigten Hundes, der die Ohren angelegt hat.

Gibt es auch weniger offensichtliche Anzeichen?

Ein Hund, der Angst hat, kann auch diese subtileren Anzeichen zeigen:

  • an Ort und Stelle erstarren,
  • sich in Zeitlupe bewegen,
  • wiederholtes Lecken der Lefzen,
  • häufiges Gähnen,
  • das Tier versucht, sich von dem Stressor wegzubewegen,
  • starkes Hecheln oder plötzliches Aufhören zu hecheln.

Denk daran, dass einige Verhaltensweisen, die wie Aggression aussehen, wie das Zerren an der Leine und das Bellen, auch Anzeichen für eine zugrundeliegende Angst vor etwas sein können! Schauen wir uns nun die häufigsten Dinge an, vor denen Hunde Angst haben, und wie man ihnen helfen kann, diese Ängste zu überwinden.

Was kann man tun, wenn der Hund Angst vor lauten Geräuschen hat? 

Es ist fast unmöglich, einen Schreckreflex zu vermeiden, wenn man ein unerwartetes lautes Geräusch hört. Tiere, die sich vor allem fürchten, reagieren noch dramatischer auf Geräusche. Ein normaler Hund springt zum Beispiel beim Geräusch einer herunterfallenden Pfanne an, ein ängstlicher Hund hingegen rennt weg, versteckt sich und weigert sich dann, herauszukommen. 

Wenn dein Hund nur auf bestimmte Geräusche reagiert, wie auf Sirenen, Feuerwerk oder Gewitter, kannst du ihm durch Verhaltensmodifikation helfen, zu lernen, das Geräusch zu tolerieren. Verwende eine Aufnahme des Geräuschs, um ihn allmählich daran zu gewöhnen, indem du es in geringer Lautstärke abspielst und mit Leckerlis kombinierst. Erhöhe die Lautstärke in mehreren Trainingseinheiten und beobachte dabei die Körpersprache deines Hundes, um sicherzustellen, dass er das Geräusch nicht als unangenehm empfindet!

Wenn der Hund versucht, mit anhaltenden beängstigenden und lauten Geräuschen wie Baulärm zurechtzukommen, empfiehlt es sich, ein Gerät mit weißem Rauschen zu verwenden, um diese Geräusche zu dämpfen.

Hund mit Kopfhörern auf den Ohren zum Schutz vor lauten Geräuschen.

Wie geht man mit Angst vor Kindern um?

Kinder können schnell, laut und unberechenbar sein, und deshalb können sie selbst für die ausgeglichendsten Hunde eine Herausforderung darstellen. Für Hunde mit generalisierten Angstreaktionen sind Kinder jedoch noch schwieriger zu ertragen, vor allem weil Kinder die Körpersprache von Hunden nicht verstehen und nur schwer erkennen können, wenn ein ängstlicher Hund versucht, sich zu entfernen. 

Wenn du normalerweise keine Kinder im Haus hast, ist es am einfachsten, das Verhalten deines Hundes in den Griff zu bekommen, indem du ihn in einem sicheren, ruhigen Raum hältst, wenn kleine Gäste zu Besuch sind. Wenn du feststellst, dass dein neuer Hund in der Nähe deiner eigenen Kinder ängstlich ist, solltest du dafür sorgen, dass er einen Bereich hat, in dem er Zeit ohne sie verbringen kann. Dann musst du einen Hundetrainer mit positiver Verstärkung finden, der dir hilft, die Situation zu beurteilen und einen Trainingsplan zu erstellen, der für die Sicherheit aller sorgt!

Hund wird von Kindern gestreichelt und ist total verängstigt.

Was tun, wenn er Angst vor anderen Hunden hat?

Leider möchte nicht jeder Vierbeiner mit seinen Artgenossen befreundet sein. Wenn dein Hund keine Gelegenheit hatte, Hundefreunde kennenzulernen und die Hundesprache zu erlernen, kann es sein, dass er sich überfordert fühlt, wenn er auf andere Artgenossen trifft. 

Um ängstlichen Fellnasen zu helfen, sich in der Nähe anderer Hunde sicherer zu fühlen, muss man langsam vorgehen und die Körpersprache gut verstehen. Man muss die Tiere langsam aneinander heranführen, damit sich der ängstliche Hund wohlfühlt.

Bei ängstlichen Hunden, die sich im Umgang mit anderen Artgenossen leicht unwohl fühlen, solltest du dir einen ruhigen und freundlichen Vierbeiner suchen und versuchen, gemeinsam mit ihm spazieren zu gehen, im gleichen Tempo, aber mit etwas Abstand zwischen ihnen. Wenn beide Fellnasen entspannt wirken, kannst du sie allmählich näher zusammenbringen und darauf achten, dass sie ruhig und fröhlich bleiben, während sie sich einander nähern. 

Halte die ersten Begegnungen kurz und beende die Treffen, bevor der ängstliche Hund überfordert ist! Und denk daran: Wenn dein ängstlicher Hund sich mit einem bestimmten Artgenossen angefreundet hat, bedeutet das nicht, dass dieses Verhalten auf alle anderen Vierbeiner übertragbar ist.

Kleiner Hund und großer Hund treffen sich im Freien und beschnuppern sich.

Hat dein Hund Angst davor, nach draußen zu gehen?

Manchmal ist die Welt vor der Haustür ein unheimlicher Ort. Wenn dein Hund zum Beispiel mit dir in eine andere Umgebung umzieht, empfindet er den Lärm und die Menschenmassen in eurer neuen Nachbarschaft möglicherweise als überwältigend. Auch ein traumatisches Erlebnis im Freien, wie ein Kampf mit einem anderen Hund, kann Stress auslösen und ausreichen, um eine überwältigende Angst vor dem Freien auszulösen.

Wie kann Shaping meinem Hund helfen?

Hunde, die Angst haben, ihr Zuhause zu verlassen, können von einem Trainingsprozess namens "Shaping" profitieren. Shaping erleichtert es Hunden, sich ihren Ängsten in Bezug auf bestimmte Situationen zu stellen, indem Verhaltensweisen in überschaubare Schritte unterteilt werden und das Tier für Fortschritte auf dem Weg zum Endprodukt belohnt wird. 

Tierhalter können den Prozess beginnen, indem sie sich mit einer Handvoll Leckerlis in die Nähe der Tür stellen. Wenn dein Hund eine Bewegung in Richtung Tür macht, markierst du das Verhalten mit einem Clicker oder einem verbalen Signal wie "Gut" und wirfst deinem Hund ein Leckerli zu. Fahre mit diesem Training fort und belohne jeden Schritt zur Tür, bis dein Hund in der Lage ist, die Schwelle zu überschreiten!

Was kannst du tun, um einem ängstlichen Hund zu helfen?

Hier findest du zum Abschluss einige generelle Tipps, um den Stress deines Hundes zu verringern und ihm die Angst zu nehmen.

  • Erzwinge niemals etwas, keine Spaziergänge, kein Futter, keine Streicheleinheiten!
  • Ermutige deinen Hund, wenn du Anzeichen für Fortschritte siehst, aber überfordere ihn nicht mit Aufmerksamkeit!
  • Versuche, den Bereich, in dem er sich aufhält, so ruhig wie möglich zu gestalten, indem du dich langsam bewegst und laute Aktivitäten vermeidest!
  • Schaffe einen sicheren Ort für den Hund, zum Beispiel eine Hundehütte oder eine überdachte Hundebox in einem ruhigen, abgelegenen Bereich.
  • Halte ihn in einem ruhigen Bereich und lass ihn nicht von anderen Menschen stören!
  • Gib dem Hund ein spezielles Spielzeug oder Stofftier zum Schlafen, damit er sich wohlfühlt!
  • Stelle sicher, dass er ein bequemes Bett hat!

Einen Hund zu besitzen, kann sehr lohnend sein. Wir hoffen, dass diese Tipps dazu beigetragen haben, dich darüber aufzuklären, was du tun und nicht tun solltest, wenn dein Haustier Angst hat.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.