Mentales Aikidō. Frag Dich glücklich

Kennst Du diese Tage, an denen Du einfach total mies drauf bist? Alles, was Du anfängst, geht schief, der Himmel ist tief grau und Deine gesamte Umwelt scheint sich gegen Dich verschworen zu haben. Ist es nicht oft so, dass wir gerade dann, wenn wir besonders gut mit uns sein sollten, oft noch mehr mit uns hadern? Dann noch eine Runde vor dem Fernseher oder eine kleine Fressattacke... Du weißt, dass Dir das nicht gut tut, aber Du kannst es einfach nicht stoppen.

Eine Frau liegt mit ungesundem Essen vor dem Fernseher

Was können Fragen bewirken?

Fragen sind sanfte und gleichzeitig machtvolle Veränderungskatalysatoren, weil Du nicht gegen die alten Strukturen kämpfen musst, um sie in Deine Gedanken zu schleusen. Du nutzt dabei die Tatsache, dass der Verstand keiner Frage widerstehen kann. Er schnappt nach ihr wie nach einem Köder und kaut darauf herum, bis er die passende Antwort gefunden hat. (Mal eine kurze Zwischenfrage: Sitzt oder liegst Du gerade, während Du diese Zeilen liest? Hast Du nicht automatisch drüber nachgedacht?)

Fragen lenken Deine Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung. So entscheiden sie darüber, was Du wahrnimmst und was nicht. Ich behaupte daher, dass Du deshalb leidest, weil Du Dir ganz bestimmte Fragen stellst. Das musst und solltest Du mir nicht einfach glauben. Beobachte es selbst, wenn Du das nächste Mal unglücklich bist: Welche Fragen kommen Dir in so einer Situation in den Sinn?

In meinem Job als Berater komme ich mich mit vielen, sehr verschiedenen Lebensentwürfen in Kontakt. Ich stelle dabei immer wieder fest: Glückliche Menschen stellen sich einfach bessere Fragen als unglückliche, und erfolgreiche Menschen fragen intelligenter als erfolglose. Die Qualität Deines Lebens ist also abhängig von den Fragen, die Du Dir stellst, sie entscheiden darüber, wie Du das Leben und Dich erfährst. Es sind Deine Fragen – nicht die Antworten – die über Dein Glück und Leid bestimmen.

Spüre einmal in die unterschiedliche Wirkung der folgenden Fragen hinein:

  • „Warum geschieht mir das schon wieder?“ oder „Was ist das Geschenk dieser Situation?“
  • „Was stimmt nicht mit mir?“ oder „Was ist liebenswert an mir?“
  • „Wieso wiege ich schon wieder fünf Kilo zu viel?“ oder „Wie kann ich jede Zelle meines Körpers mit Ekstase und Erotik durchfluten?

Deine Fragen sind niemals neutral, sie engen Dich ein oder befreien Dich; sie ermutigen oder verängstigen Dich; sie drehen den Hahn zu Deiner Lebenskraft auf oder zu; sie lenken den Blick auf den Mangel oder die Fülle Deines Lebens – was auch immer Du fragst, Du wirst eine Antwort bekommen.

Was kannst Du tun, wenn Du Dich in solch einer destruktiven Abwärtsspirale verrannt hast?

Es gibt ein gutes Mittel, um Deinen Geist aufzulockern und Dein Denken in eine konstruktivere Richtung zu lenken. Ich nenne es „Mentales Aikidō“ Aikidō ist asiatischer Kampfsport. Das Besondere in diesem Sport liegt darin, dass es nicht darum geht, den Gegner aktiv zu bekämpfen, sondern seine Kraft durch eine friedvolle Verteidigung intelligent umzuleiten. Lege Dich nicht mit den vorherrschenden Gedanken an, das erregt nur Gegenwehr. Lass Deinen Geist mümmeln, jammern, meckern und ... biete ihm eine gute Frage an.

Wenn Du wissen willst, warum Du ein Problem hast, stelle eine Warum-Frage. Dein Verstand macht sich an die Arbeit und in kurzer Zeit hast Du eine Liste von Gründen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Nur ist darin leider selten eine Lösung enthalten. Du könntest Dich stattdessen auch fragen: „Wie kann ich dieses Problem lösen?“ oder „Wie kann ich diese spannende Herausforderung schnell, sanft und leicht meistern und den Weg dahin sogar genießen?“ oder „Wie komme ich jetzt so schnell und einfach wie möglich zu dem, was ich wirklich will?“

Jede Frage, die Du in Deinen Geist einspeist, ist ein Auftrag an das Wunderwerk zwischen Deinen Ohren. Fütterst Du Deinen Verstand mit dummen Fragen, beleidigst Du Deine Intelligenz. Viel zu viele Menschen hängen in den Fang-Netzen kleiner, schäbiger Fragen fest. Oft haben wir sie unbewusst von Eltern, Autoritäten, Stammtischgesprächen und aus den Medien übernommen. Hier sind zum Beispiel die „essentiellen“ Fragen, die die Klatschpresse ihren Lesern zum geistigen Verzehr anbietet:

„Warum wurde sie als deutsche Schlampe beschimpft?“ „Wird der Winter streng?“ „Richtet sich Charlie Sheen zugrunde?“ „Welche Wäsche trägt welches Sternzeichen?“

Hallo???! Den intelligentesten Bio-Computer der Welt mit sich herum zu tragen und ihn mit solchen Fragen zu programmieren, ist absoluter Wahnsinn!

Die Frage, die Du Dir am Morgen bewusst stellst, wählt das Universum aus, in dem Du heute lebst. Deshalb ist eine gute Frage wirklich unbezahlbar. Willst Du Dein Leben positiv verändern? Möchtest Du Dich neu und frisch entdecken? Willst Du Dich lieben und Dich in Dir wohlfühlen? Dann finde die passenden Fragen und spiele mit ihnen. Was wäre für Dich heute eine gute, kraftvolle, inspirierende, belebende Frage?

Eine Frau sitzt nachdenklich auf einer Bank

Hast Du schon einmal einen Weinkenner beim Genuss eines edlen Tropfens beobachtet? Allein der Anblick ist eine Sensation. Minutenlang wird der Wein in der Mundhöhle hin und her bewegt, gerollt, geatmet, geschmeckt. So machst Du es, wenn Du die richtige Frage gefunden hast: Du bewegst sie in Dir. Du lässt Dich von ihr von innen berühren, befruchten und befreien. Die Antwort folgt ganz sicher. Und wenn sie mal nicht sofort auftaucht? Dann trage die Frage mit Geduld in Deinem Herzen, so, wie es Rilke in seinen Briefen an einen jungen Dichter so vortrefflich formuliert:

Über die Geduld
(von Rainer Maria Rilke)

Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und dann gebären...
[...]
Man muss Geduld haben.
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben, und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
[...]
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken,
eines fremden Tages in die Antwort hinein.

ÜBUNG: Finde Deine Kraft-Fragen

Erfahrungsgemäß fallen uns dann, wenn wir sie am meisten brauchten, die richtig guten Fragen nicht ein. Deshalb lade ich Dich ein, Dir hier und jetzt eine Liste mit Deinen zehn besten Kraft-Fragen zusammenzustellen.

Kraft-Fragen sind Fragen, 

  • die Dich ermutigen, stärken und aufrichten,
  • die den Blick auf die Chance und nicht auf das Hindernis richten,
  • die Dich den Wert einer Situation und nicht den Verlust erkennen lassen.

Beispiele:

  • Wie muss ich jetzt und heute leben, um später zufrieden sterben zu können?
  • Was bringt mich zum Lachen, wann immer ich daran denke?
  • Was würde ich jetzt tun, wenn ich wüsste, dass es nicht fehlschlagen kann?

Wie Du solche Fragen findest? Nun, erst einmal natürlich durch Nachdenken. Vielleicht hast Du auch schon einige solcher Lieblingsfragen. Dies kann aber auch ein spannendes Gesprächsthema mit Freunden sein: Welche Fragen bringen Dich in Deine Kraft? Ich habe Dir zwanzig meiner stärksten Fragen auf meiner Webseite zusammengestellt. Du findest sie im internen Leserbereich.

Ich empfehle Dir, Deine Kraft-Fragen aufzuschreiben und auf einem kleinen Zettel immer bei Dir zu tragen. Eine gute Frage hat mir schon in so mancher Krisensituation erlaubt, das Schiff aus dem Sturm herauszuführen.

Der Experte dahinter
Veit Lindau, Speaker, Berater für integrale Selbstverwirklichung

Lindau Veit

Veit Lindau ist ein wahrer Freigeist, der im deutschsprachigen Raum als Experte für integrale Selbstverwirklichung bekannt ist seit über 20 Jahren als Berater und Trainer tätig.