Ausbildung zur Ayurveda-Medizin: Studium für eine weitreichende Wahrnehmung

Von Yoga über Massage bis zu ganzheitlichen Therapieverfahren – auf der Ayurveda Akademie in Deutschland können Ärzte, Therapeuten und andere medizinische Berufe ein Ayurveda Medizin Studium absolvieren. Aber auch interessierte Laien lernen hier ayurvedisches Wissen für den Alltag.

Warum sind die Ayurveda Ausbildung und das Wissen um Ayurveda gerade heute so wichtig?

Gesundheit und Stärkung des Immunsystems stehen nun schon seit vielen Monaten im Mittelpunkt von Gesellschaft und Politik. "Ayurveda ist eine Medizin, in der der Mensch das Zentrum bildet", erklärt Kerstin Rosenberg. Sie leitet die Europäische Akademie für Ayurveda in Deutschland.

"80 Prozent der Ayurveda-Medizin sind darauf ausgerichtet, den gesunden Menschen zu stärken. Lediglich 20 Prozent der Ayurveda-Medizin beschäftigen sich mit Krankheiten oder kranken Menschen." Die Stärkung der mentalen und physischen Gesundheit spielt im Ayurveda eine wesentliche Rolle. Die Lehre von Ayurveda versteht sich als Medizin. "In Indien gibt es zahlreiche Colleges und Zentren, an denen Ayurveda als Medizinrichtung studiert und praktiziert werden kann", so Kerstin Rosenberg. Sie wird als Alternativ-Medizin als ideale Ergänzung zur Schulmedizin betrachtet. "In unserem Ayurveda-Zentrum arbeiten sehr viele Ärzte, die hochkompetent in ihrem schulmedizinischen Fachbereich sind, aber auch ayurvedische Methoden einsetzen, um auf professionelle und ganzheitliche Weise Diagnose und ayurvedische Therapie miteinander zu vereinen", erklärt Kerstin Rosenberg.  

Heute nähert sich auch die moderne schulmedizinische Forschung immer mehr den Themen rund um ayurvedisches Wissen an. Dabei spielt die Konstitution des Menschen nach den Doshas eine entscheidende Rolle in der Ausbildung. Außerdem lernen die Teilnehmer der Ayurveda-Ausbildung Wissen, das in der ayurvedischen Lehre bereits Jahrhunderte bekannt ist, das in der Schulmedizin und ihrer Praxis aber erst jetzt richtig relevant wird. "Wie wichtig etwa das Mikrobiom für die Gesundheit ist, war in der Schulmedizin vor 20 Jahren kaum bekannt", weiß Kerstin Rosenberg. In der Ayurveda-Medizin gehören die Gesundheit des Darms und das Wissen über seine Funktion zu den wichtigsten Themen. Auch die psychische Gesundheit wird in der Schulmedizin gerade erst genauer untersucht. Diese Bereiche stehen dem Ayurveda sehr nahe. Ayurveda kann hier sehr viele Beiträge dazu leisten. Dazu gibt es im Ayurveda-Medizin-Studium sehr unterschiedliche Fachbereiche.

Frau in weißem Kittel hält symbolische Doshas

Welche Fachbereiche gibt es im Ayurveda Medizin-Studium?

Die Ausbildung im Sinne von Ayurveda stellt eine Ausbildung der ganzheitlichen und weiterreichenden Wahrnehmung dar. In Sri Lanka oder Indien durchlaufen Ayurveda-Ärzte ein fünfjähriges Basisstudium zum Allgemeinarzt und können dann noch ein Fachstudium wie etwa das der Gynäkologie, HNO, Kinderheilkunde usw. anhängen. Die meisten Ayurveda-Ärzte, mit denen Kerstin Rosenberg und ihre Akademie zusammenarbeiten, sind für die Innere Medizin (Kaya-cikitsa) oder für Ausleitungsverfahren (Pancakarma) ausgebildet. "Viele Menschen fahren nach Sri Lanka oder Indien, um durch solche Ausleitungsverfahren eventuelle Krankheitsfaktoren im Körper loszuwerden", erklärt Kerstin Rosenberg. Durch diese Behandlung können laut Ayurveda Selbstheilungskräfte und die Regeneration angekurbelt werden.

Einer der Grundsätze im Ayurveda lautet: Wer andere Menschen heilen möchte, muss immer auch an sich selbst arbeiten. Ein guter Ayurveda-Therapeut arbeitet nicht nur mit den ayurvedischen Heilmitteln, die ihm zur Verfügung stehen, wie Ausleitungsverfahren mit Kräutern, Massagen, Yoga oder andere ayurvedische therapeutische Methoden. "Der Ayurveda-Therapeut muss immer auch die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln", so Kerstin Rosenberg. Ein Gespräch mit Ärzten oder Therapeuten und deren Persönlichkeit nimmt laut Ayurveda immer großen Einfluss auf den Patienten. Das daraus resultierende Vertrauen in die Behandlung des Ayurveda-Therapeuten kann das Heilungspotential enorm verstärken.

Die Schulmedizin steht deshalb häufig in der Kritik, weil Ärzte oft verstärkt über Befunde oder Laborwerte an die Behandlung und Therapie herangehen. Die Ayurveda-Medizin besitzt hier einen ganzheitlichen Ansatz. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Psychosomatik: Einzelne Organe oder Körperbewegungen werden im Ayurveda mit psychischen Aspekten verbunden. "Es ist wichtig zu wissen, welche gesundheitsstärkenden Aspekte beispielsweise in gesunden Geweben verankert sind, aber auch, welche Störungen entstehen, wenn diese Gewebe- oder Organbereiche nicht gut arbeiten", so Rosenberg.

Kräutertabletten auf einem Holzlöffel

Für wen ist die Ayurveda-Ausbildung an einer Akademie geeignet?

Da die Ayurveda-Ausbildung auch zu einem Teil aus der Behandlung von Kranken besteht, ist genau dieser Bereich ausschließlich für medizinische Berufe vorgesehen", erklärt Kerstin Rosenberg. Das Ayurveda-Medizin-Studium an der Akademie ist in Deutschland nur für Ärzte, Heilpraktiker und medizinische Berufe zugelassen. Die Diagnose und Behandlung von kranken Menschen mittels Ayurveda-Medizin bedarf einer Approbation, also einer medizinischen Anerkennung. In Deutschland dürfen das Heilpraktiker und Ärzte, in Österreich ist es nur Ärzten erlaubt, die Ayurveda-Medizin zu praktizieren, während in der Schweiz auch Naturheilpraktiker Ayurveda-Medizin anbieten dürfen. Um die komplexen Zusammenhänge zu verstehen und geeignete Therapien und Behandlungen anzuwenden, ist für Ayurveda ein sehr gutes medizinisches Vorwissen notwendig. In der Ayurveda-Ausbildung werden hier neben grundsätzlichen Konzepten komplexe Zusammenhänge vermittelt.

Als interessierter Laie ist es aber auch möglich, sich an der Europäischen Akademie für Ayurveda ausbilden zu lassen. Die Grundlagen der ayurvedischen Heilkunde kann jeder an der Ayurveda-Akademie lernen, egal ob Ernährungsberater oder Ayurveda-Therapeut. Dazu gehört auch das Wissen rund um die ayurvedische Medizin. "Zu den wichtigen Aspekten gehört beispielsweise auch das Verhalten nach einem operativen Prozess. Die Menschen müssen danach zuhause ihre Lebensweise, ihre Ernährung oder vieles andere umstellen", gibt Kerstin Rosenberg zu bedenken. "Der Lifestyle sollte ihrer Konstitution, ihrem Dosha, entsprechen." So kann man Krankheiten im Ayurveda vermeiden. Hier ist es auch dem medizinischen Laien möglich, Empfehlungen nach Ayurveda auszusprechen. "In der ayurvedischen Medizin wird deshalb oft in Teams gearbeitet", weiß Rosenberg. Der Arzt stellt die Diagnose und erarbeitet den Therapieplan. Diesem arbeiten dann Masseure, Gesundheitscoaches, Ernährungsberater usw. in einem ganzheitlichen Ansatz zu.  

Mörser mit Arzt im Hintergrund

Wie lange dauert eine ayurvedische Ausbildung an der Akademie?

Ein Ayurveda Medizin Studium an der Ayurveda-Akademie dauert in der Regel berufsbegleitend drei Jahre. Dabei müssen 500 Stunden in Präsenz an der Akademie absolviert werden. "Das kann über ein Webinar oder face-to-face stattfinden und wird von den Berufsverbänden auch so vorgeschrieben, weil Ayurveda-Mediziner eine sehr hohe Verantwortung tragen", erklärt Kerstin Rosenberg. Dabei ist auch ein Praktikum in einer ayurvedischen Klinik oder Kureinrichtung in Indien oder Europa zu absolvieren. Hier sammeln Mediziner und Heilpraktiker Praxis und Erfahrung in Anamnese oder Befunderhebung und Planung von Behandlung und Therapien und entwickeln ein Verständnis für ayurvedische Heilkunde in der Praxis.

Frau in Yoga Pose vor Notebook

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.

Der Experte dahinter
Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda

Rosenberg Kerstin

Kerstin Rosenberg hat sich der Weisheitslehre Ayurveda verschrieben und ist auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des VEAT – Verband Europäischer Ayurveda-Mediziner und -Therapeuten e.V.