Sanft, einfühlsam und informativ: ayurvedische Pulsdiagnose

Die indische Heilphilosophie Ayurveda bedeutet übersetzt „Wissen vom Leben”. Im Vordergrund steht dabei, wie auch in der traditionellen chinesischen Medizin TCM, der Mensch als Ganzes und weniger das Behandeln von Symptomen. Im Ayurveda geht es um Balance, um Gleichgewicht. Alles steht mit allem in Verbindung. Deswegen sind Anamnese und Diagnose sehr wichtig in der ayurvedischen Medizin. Ein wichtiges Werkzeug zur Beschaffung von Informationen ist dabei die ayurvedische Pulsdiagnose. Worum es dabei geht, erfährst Du hier.

Frau mit Steinen auf der Hand.

Was ist die ayurvedische Pulsdiagnose Nadi Pariksha?

Die Kunst des Pulslesens wurde im Ayurveda vor allem mündlich von Meister zu Schüler weitergegeben. Es gibt relativ wenige geschriebene Aufzeichnungen zu dieser sehr einfühlsamen Methode der Diagnose. Der Puls kann sehr viel über die Befindlichkeit eines Menschen aussagen.

Um den Zustand des Patienten zu erspüren, muss sich der Ayurveda-Arzt sehr behutsam auf den Körper des Patienten einschwingen. Dafür legt er drei Finger sanft über das Handgelenk, um den Pulsschlag an der Arterie zu erspüren. Der Puls ist auf verschiedenen Ebenen zu fühlen. Dabei geht es um vier verschiedene Parameter:

  • Pulsrate: die Schnelligkeit der Pulsfrequenz
  • Pulsrhythmus: die Regelmäßigkeit des Pulsschlages
  • Pulsamplitude: der vertikale Ausschlag des Pulses
  • Pulsvolumen: die horizontale Breite der Pulswellen

In Kombination mit den drei Doshas (Vata, Kapha, Pitta) wird die Diagnose gestellt. Nacheinander werden beide Handgelenke befühlt. Bei Frauen soll  die linke Seite ausschlaggebend sein, bei Männern die rechte Seite. In der traditionellen indischen Medizin werden für die Qualität des Pulses gerne Vergleiche mit Tieren bemüht. So spricht man bei einem hohen Vata von einem langsamen Puls, der sich wie eine Schlange bewegt (Sarpagati), bei hohem Pitta von einem Frosch (Mandukagati), bei hohem Kapha von einem Schwan (Hamsagati).

Pulsdiagnose

Diagnose im Ayurveda – Wie kann ich meine Sinne sensibilisieren?

Die Pulsdiagnose gibt wichtige Informationen über einen Menschen und hat eine sehr lange Tradition. Als eine der ältesten Formen der medizinischen Diagnostik wird das Pulsmessen auch in der chinesischen Medizin (TCM) seit Jahrtausenden verwendet. In der TCM  werden sogar 28 verschiedene Pulse bestimmt. Ein Arzt soll damit feststellen können, in welchem Dosha sich ein Patient befindet. Dabei werden dem Puls Organe zugeordnet. So sollen verschiedene Disharmonien der unterschiedlichen Organe untereinander festgestellt und die Ursache für Beschwerden oder Krankheiten ausfindig gemacht werden können. Die Pulsdiagnose kann auch am eigenen Körper angewandt werden.

Um eine sichere Diagnose zu stellen, braucht es aber sehr viel Übung und Einfühlungsvermögen. Dessen ist sind sich auch die Ayurveda-Expertin Kerstin Rosenberg und ihr Team von der Europäischen Akademie für Ayurveda bewusst. Das Ausbildungszentrum bietet daher Fachseminare zum Thema ayurvedische Pulsdiagnose an. An zwei Tagen bietet die Fachfortbildung Einblick in folgende Inhalte:

  • Die Grundlagen des Pulslesens.
  • Technische Aspekte und die drei Dimensionen des Pulslesens.
  • Basispulsbilder: Vata, Pitta, Kapha, Ama, Heat, Bhej und Swell.
  • Die therapeutische Dimension.
  • Techniken für erhöhte Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Fokus.
  • Ayurvedische Richtlinien für eine gesunde Ernährung im 21. Jahrhundert.

Ayurveda ist eine ganzheitliche Heilmethode, weshalb die Pulsdiagnose immer von einem ausführlichem Gespräch und einer gründlichen Untersuchung des Körpers begleitet wird.

Ayurvedische Doshas als Grafik

Ayurvedische Pulsdiagnose: Was sind die Vorteile? 

Die Pulsdiagnose ist nicht nur ein wichtiges Instrument zur Bestimmung des dominanten Doshas. Sie beurteilt auch den Zustand der Körpergewebe, den Dhatus und erkennt Ansammlungen von Ama. Ama bedeutet unverdaute Nahrung, die den Körper und die Organe des Menschen belasten kann. Dazu gehören auch Darmgase, Stoffwechsel-Endprodukte, Umweltgifte oder Belastungen durch Schwermetalle.

Während sich die westliche Medizin bei der Pulsdiagnose auf das Herz-Kreislauf-System konzentriert, hat die ayurvedische Pulsdiagnostik einen ganzheitlichen Anspruch. Da sich der Ayurvedische Arzt sehr ausführlich und genau mit seinem Patienten beschäftigt, ist die Pulsdiagnose sehr individuell. Bei ayurvedischen Behandlungen gibt es kaum Nebenwirkungen, weshalb die alternative Heilmethode immer beliebter wird.

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise gegeben, er stellt keine Grundlage für eine Selbstdiagnose dar! Bitte jedenfalls einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.

Der Experte dahinter

Rosenberg Kerstin

Kerstin Rosenberg hat sich der Weisheitslehre Ayurveda verschrieben und ist auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des VEAT – Verband Europäischer Ayurveda-Mediziner und -Therapeuten e.V.