Trauer überwinden – Alltag und Leben nach einem Verlust bewältigen

Trauer macht uns alle wieder zu Kindern – zerstört alle Unterschiede des Intellekts. Die Weisesten wissen nichts. Ralph Waldo Emerson hatte in seinem Leben genug Gelegenheiten, das Trauer überwinden zu üben. Gute Tipps zur Trauerbewältigung konnte jedoch auch er nicht geben, bis auf das einleitende Zitat. Hier teilen wir Einsichten in den Trauerprozess und Ideen, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn man sich von Verzweiflung überwältigt fühlt.

Eine Frau versucht sich im Trauer überwinden, indem Sie vor einem Fenster steht und weint.

In welchen Etappen gelingt es, Trauer zu überwinden?

Eine der schwierigsten Erfahrungen im Leben ist der Verlust eines geliebten Menschen. Egal wer die Verstorbenen sind, wenn Menschen aus dem eigenen Umfeld sterben, bricht für die Trauernden schnell mal eine Welt zusammen. Möchtest du deine Trauer überwinden, musst du zunächst akzeptieren, dass das Thema Trauer jeden anders beeinflusst. Die Phase unmittelbar nach dem Tod eines geliebten Menschen wird natürlich besonders belastend sein. Die derzeitigen Regeln der sozialen Distanzierung und Selbstisolierung können die Trauerbewältigung zusätzlich erschweren. In den kommenden Wochen und Monaten kannst du erwarten, vier Phasen zu durchlaufen: 

  1. Die Phase der Akzeptanz. Du musst anerkennen, dass dein Verlust real ist.
  2. In der zweiten Phase erfährst du vollen Schmerz über den Verlust der oder des Verstorbenen. 
  3. In der dritten Phase musst du dich an das Leben ohne den Verstorbenen gewöhnen
  4. In der letzten Phase werden Trauernde langsam das Gefühl haben, dass die Verzweiflung weniger intensiv ist und dass man sich wieder auf andere positive Aspekte des Lebens konzentrieren kann.

Während du diese Phasen durchläufst und mit dem Verlust umgehen lernst, könnte dein Schmerz außer Kontrolle geraten, aber deine Gefühle sollten mit der Zeit weniger intensiv werden. 

Eine Frau in einem weißen Kleid liegt auf dem Boden und schreit.

Wie trauert man richtig?

Die Gefühle von Trauernden nehmen keine Rücksicht auf Kategorien und Regeln. Sie decken ein ganzes Spektrum ab und reichen von Angst bis Zuversicht. Möglicherweise stellt man fest, dass sich die Stimmung schnell ändert oder dass man in verschiedenen Situationen sehr unterschiedlich empfindet. Menschen, die trauern, sagen manchmal, dass sie sich auf einer Achterbahn der Gefühle bewegen. Je nachdem, in welcher Beziehung du zum Verstorbenen standest, fühlst du dich vielleicht:

  • schockiert oder gelähmt,
  • traurig,
  • ängstlich oder aufgewühlt,
  • erschöpft,
  • erleichtert,
  • schuldig,
  • wütend,
  • ruhig,
  • ziellos,
  • nachtragend.

Vielleicht fällt es dir auch schwer, dich zu konzentrieren oder Aufgaben zu erledigen, die normalerweise einfach wären. Beachte deshalb bitte den folgenden Tipp mit besonderer Aufmerksamkeit: Wenn Menschen sterben, gibt es keine richtige oder falsche Art, den Verstorbenen zu gedenken und keinen Zeitplan für die Trauerbewältigung. Jeder Mensch ist anders.

Eine Frau umklammert einen Blumenstrauß, der aus sechs großen gelben Rosen und einer kleinen roten Rose besteht.

Warum kann ich nicht richtig trauern?

Wenn Menschen sterben, gibt es eine Menge zu organisieren, und das kann gerade für die Trauernden sehr stressig sein. Du könntest die Person sein, die für die Registrierung des Todes, die Organisation der Beerdigung und die Verwaltung des Vermögens zuständig ist. Möglicherweise hast du auch die schwierige Aufgabe, anderen geliebten Menschen die Nachricht vom Verlust zu überbringen. 

Bei so viel zu tun kann es leicht passieren, dass man vergisst, sich um sich selbst zu kümmern. Versuche, dich gesund zu ernähren, auch wenn du keinen Hunger hast! Halte dich an deine normale Routine, sofern du kannst und versuche, dir genug Zeit zum Schlafen zu nehmen! Bewege dich leicht, auch wenn du dich erschöpft fühlst! Wenn du dir Sorgen über Beerdigungskosten oder andere Rechnungen machst, finde heraus, ob du finanzielle Unterstützung bekommen kannst!

Eine weiße Feder schwimmt auf einem Teich im Wald.

Ist es Trauer oder Depression?

Es ist wichtig, zu verstehen, dass Trauer und Depression zwar in vielerlei Hinsicht ähnlich sind und viele sich überschneidende Ursachen und Anzeichen gemeinsam haben. Es gibt jedoch auch wichtige Unterschiede. Typischerweise erleben trauernde Menschen ein breiteres Spektrum an emotionalen Erfahrungen als Menschen, die depressiv sind. Die Trauernden sind zum Beispiel oft noch in der Lage, in anderen Bereichen ihres Lebens und Alltags Freude zu empfinden, auch wenn die Wirkung etwas abgestumpft ist. Typische Anzeichen einer Depression dagegen sind: 

  • Selbstmordgedanken oder -handlungen, 
  • Gefühle der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
  • akustische oder visuelle Halluzinationen
  • ständige Unfähigkeit, den täglichen Aktivitäten zu Hause oder am Arbeitsplatz nachzugehen, 
  • dramatisch verlangsamte Bewegungen und Sprache.
Fünf Menschen haben ihre linken Hände nebeneinander auf einen Tisch gelegt.

Warum musst du dem Drang widerstehen, deine Trauer mit der anderer Menschen zu vergleichen?

Im Zeitalter von Instagram und Dr. Google ist es allzu einfach, sich mit den einschlägigen Erfahrungen anderer Trauernden zu vergleichen. Dieser Impuls ist ganz natürlich. Nach einem Verlust wissen Trauernde oftmals nicht, wie sie den Schmerz verarbeiten und gleichzeitig den Alltag bewältigen können. Gerade dann erscheint es vielleicht einladend, anderen Trauernden über die Schulter zu blicken.

Wir sind soziale Lebewesen und sehnen uns nach der Erkenntnis, dass das, womit wir umgehen müssen, nicht völlig fremd oder außerhalb der Norm ist. Das heißt, es ist nicht überraschend, wenn wir uns wünschen, so schnell wie unsere Schwägerin mit dem Leben zurechtzukommen. Oder wenn wir uns fragen, warum die Kollegin nach ihrer Entlassung so schnell wieder auf die Beine gekommen ist und sich auf neue Stellen beworben hat. Aber der Akt, unseren Kummer mit dem anderer zu vergleichen und ihn dann entsprechend zu beurteilen, ist normalerweise nicht hilfreich. Trauer ist komplex. Und Komplexität eignet sich nicht gut für oberflächliche Vergleiche.

Warum hilft dir Ignoranz nicht dabei, den Schmerz der Trauer zu verarbeiten?

Es ist relativ einfach, dem Gehirn beizubringen, Trauer und die damit verbundenen Elemente, wie zum Beispiel Erinnerungen, Angst, Kummer et cetera zu fürchten, wenn man ständig davor wegläuft. Andererseits muss man sich aber auch nicht ständig in seinem Schmerz suhlen.

Es ist völlig gesund, sich während des Trauerprozesses auf andere Aspekte deines Lebens zu konzentrieren. Bis zu einem gewissen Grad bedeutet das aber auch, tiefe Trauer zu ignorieren. Der Unterschied besteht darin, dass es situationsspezifisch ist und nicht eine Gesamtstrategie, die darauf abzielt, niemals Trauer zu erleben. Trauer ist ein Prozess, der sich weitgehend von selbst entfaltet. Anstatt zu versuchen, sie in etwas Bestimmtes zu zwingen oder vor ihr wegzulaufen, versuche lieber, dich ihr mit Akzeptanz und Sanftmut zu nähern!