Richtig oder falsch? Zehn Ernährungsmythen im Check

Nachhaltige, gesunde Ernährung ist wichtig für Fitness, Konzentration und Gesundheit. Wer sich gut ernähren will, braucht aber auch die richtigen Informationen rund um die täglich verwendeten Lebensmittel. Rund um die Ernährung gibt es immer noch viele Märchen und Mythen, die einer Richtigstellung bedürfen. Wir haben zehn falsche Annahmen rund um gesunde Ernährung zusammengetragen und die Hintergründe erklärt.

Frau hält sich eine Tafel Schokolade vor das Gesicht.

Wie entstehen Ernährungsmythen?

Die Lehre rund um die Ernährung ist eine sehr junge Wissenschaft. Immer wieder werden auf diesem Gebiet neue Entdeckungen gemacht. Wie auch in der Psychologie oder Medizin ist es aber eine Lehre, die sich mit den Menschen direkt beschäftigt.

Menschen sind kompliziert und bei einer Studie können sehr viele Faktoren ein Ergebnis beeinflussen. Manchmal sorgen auch Modetrends für Ernährungsmythen oder schlicht ein Fehler, wie das mit dem Eisengehalt im Spinat passiert ist, durch den das grüne Blattgemüse durch eine verrutschte Kommastelle zum Superfood wurde. Alle Ernährungsmythen haben zwar einen Funken Wahrheit in sich, müssen deswegen aber nicht richtig sein. Wir stellen die zehn häufigsten Mythen vor.

Ernährungsmythen rund um das tägliche Brot

Sehr häufige Mythen und Irrtümer betreffen unser Grundnahrungsmittel und den Zeitpunkt des Essens. 

1. Kohlenhydrate machen dick

Pasta, Reis und Brot haben zu Unrecht einen Ruf als Dickmacher. Kohlenhydrate sind ein wichtiger Makronährstoff, der uns in der Ernährung schnelle Energie liefert. Sie sollten etwa 60 Prozent Anteil an unserer Ernährung haben. Was allerdings stimmt, ist, dass Weißmehl oder weißer Reis kaum noch Vitamine und Ballaststoffe enthalten. Industriemehl sieht zwar schön aus, macht aber schnell wieder hungrig, da der enthaltene Zucker sofort ins Blut geht. Genauso schnell fällt der Blutzuckerspiegel wieder ab und wir bekommen wieder Hunger.

Länger satt machen Vollkornprodukte, Hafer oder Urgetreide, das noch nicht so überzüchtet ist. Durch die enthaltenen Ballaststoffe wird der Zucker nur langsam ins Blut abgegeben. Das macht länger satt und aktiviert ebenfalls die Darmbewegung. 

2. Fett ist ungesund

Fett ist eine hochwertige und konzentrierte Energiequelle. Es ist ein hartnäckiger Mythos, dass Fett schlecht für Gesundheit und Figur ist. Es dient als Geschmacksverstärker und -träger. Auch hier kommt es primär auf die Qualität und die Menge an. Gesättigte (Fettsäuren, Fertiggerichte, Fast Food, Fleisch oder Käse) sind nicht sehr förderlich für den Cholesterinspiegel. Mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren aus Avocado, Raps- und Leinöl sowie Hering und Lachs sind lebensnotwendig für deinen Körper, da sie für die Produktion von wichtigen Enzymen und Botenstoffen gebraucht werden. Sie wirken positiv auf das Herz-Kreislauf-System, die Zellmembranen und sind antientzündlich.

3. Essen am Abend lässt uns zunehmen

Würde dieser Mythos stimmen, müssten alle Menschen in Spanien, Griechenland oder Italien sehr übergewichtig sein. Das Gegenteil ist aber der Fall. Fakt ist, dass der Körper Zeit braucht, um verzehrte Lebensmittel richtig zu verarbeiten. Im Schlaf geht das nicht so gut, da diese Zeit eigentlich für andere Prozesse wie Erholung genutzt werden sollte. Zwei Stunden vor dem zu Bett gehen solltest du daher nichts mehr essen, um deinen Körper zu unterstützen. Dick macht zu viel Essen und das falsche Essen.

Gemütlich am Abend mit seinen Liebsten zu schmausen, ist nicht nur gut für die Psyche, es erlaubt dir auch mehr Zeit für den Genuss und Verdauung. Wer gerne am Abend viel isst, kann einfach am Vormittag weniger zu sich nehmen, wie das in Italien meist der Fall ist. Wichtig sind ausgedehnte Pausen zwischen den Mahlzeiten, um dem Körper eine Auszeit zum Verdauen zu gönnen. Das ist übrigens ein Trend, der unter interimistischem Fasten bekannt ist. 

Pasta und Brot aus Vollkorn.

Märchen zu Wasser, Obst und Gemüse

Trends erzeugen oft komische Mythen rund um die Ernährung. Nicht alles davon stimmt.

4. Wir trinken zu wenig

Wasser-Apps und Trinkflaschen in allen Größen und Formen suggerieren uns ständig, dass wir mehr trinken sollen. Empfohlen werden mindestens zwei Liter, wenn nicht mehr. Tatsächlich hängt der Flüssigkeitsbedarf schlicht von der verbrauchten Menge an Kalorien ab. Ein schlanker Mensch mit einer Bürotätigkeit braucht etwa 1,8 Liter am Tag, Schwerarbeiter natürlich mehr. Die Faustregel lautet hier ein Milliliter pro jede verbrauchte Kilokalorie. Allerdings liefern uns Obst, Gemüse und sogar Kaffee schon einen Teil dieser Flüssigkeit.

Ein gesunder Körper bekommt automatisch Durst, wenn es an der Zeit ist, etwas zu trinken. Wer es mit dem Wasser übertreibt, schwemmt zu viele wichtige Mineralstoffe aus dem Körper und bringt den Haushalt der Elektrolyte durcheinander, wie es bei Marathonläufern der Fall sein kann. Einfach in den Körper hineinhorchen und hochwertiges Mineralwasser, ungesüßten Kräutertee oder Quellwasser dann trinken, wenn du Durst hast.

5. Smoothies sind gesund

Der Trend zu püriertem Obst und Gemüse ist zwar schon am Abschwächen, trotzdem glauben viele Menschen, dass die bunten Drinks gut für die Gesundheit wären. Sie sind sicherlich nicht schädlich, aber sie enthalten eine große Menge an Fruchtzucker und Kohlenhydraten. Ein Smoothie kann eine normale Mahlzeit ersetzen oder als gesunde Zwischenmahlzeit dienen. Smoothies sind aber keine Getränke, es ist flüssige Nahrung. Stellst du dir vor, wie viel Obst in nur einem Becher Smoothie ist, wirst du feststellen, dass du für den Verzehr davon sicher viel länger brauchen würdest als für das Trinken eines Smoothies. Besser ist es, dein Lieblingsobst einfach so zu essen. Dabei bleiben die Vitamine erhalten und die gesunden Ballaststoffe trainieren deinen Darm.

6. Rohkost ist gesund

Rohes Gemüse oder rohes Obst fördert die Verdauung und spendet in unverarbeiteter Form viel Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe. Allerdings bedeutet das Verarbeiten von Rohkost auch viel Aufwand für den Körper. Vieles kann ungekocht auch gar nicht aufgenommen werden. Schonend gekochte oder gegarte Lebensmittel sind oft angenehmer für den Körper. Niemand würde etwa einem Kranken zu viel rohes Gemüse oder Obst servieren. Willst du trotzdem nicht darauf verzeichnen, gewöhne deinen Körper erst langsam daran! Achte auch darauf, dass du gründlich kaust und langsam isst! So werden die Speisen im Magen bekömmlicher. 

Grüner Smoothie

Mythen rund um den Genuss

Genuss ist gesünder, als du dir vielleicht gedacht hast. auch hier gibt es viele Mythen und Irrtümer. 

7. Honig ist besser als Zucker

Honig enthält bioaktive Stoffe, die antibakteriell und antimykotisch wirken sollen. Um von den enthaltenen Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen zu profitieren, müsstest du aber sehr viel davon essen. Er kann gute Dienste bei einer Erkältung leisten. Dass Honig ein guter und gesunder Ersatz für Zucker ist, bleibt aber ein Irrtum. Er hat wie Zucker sehr viel Energie und macht genauso dick, wenn er im Übermaß genossen wird. Zu viel davon kann Überge­wicht und Fett­leibig­keit fördern. Mit dem Gewicht steigen die Risiken für Blut­hoch­druck, Herz­infarkt, Schlag­anfall und Typ-2-Diabetes. Süßes fördert zudem die Entstehung von Karies.

8. Käse schließt den Magen

Dieser Irrtum ist gar nicht so weit an der Realität vorbei. Fettsäuren im Käse stellen den Magen ruhig. Verantwortlich sind dafür bestimmte Hormone, die durch das Essen von Käse aktiviert werden. Sensoren melden dem Gehirn „der Magen ist voll“. Für uns fühlt sich das an, als sei der Magen verschlossen und wir beenden die Mahlzeit. Die Verdauung fördert es aber nicht. Im Gegenteil – Käse ist ein recht schwer verdauliches Lebensmittel und bracht dafür seine Zeit. 

9. Schokolade ist ungesund

Schokolade enthält Polyphenole. Diese sekundären Pflanzenstoffe schützen die Arterien und haben daher eine sehr positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Bei leichtem Bluthochdruck schafft ein Stück Schokolade schnell Abhilfe. Allerdings sollte es Schokolade mit einem Kakaoanteil von mindestens 70 Prozent sein. Auch solltest du nicht mehr als vier Stück davon pro Tag essen. Milchschokolade besteht aus sehr viel Fett und Zucker und hat leider keinen positiven Effekt auf deine Gesundheit. 

10. Kaffee entwässert

Lange galt Kaffee trinken als Laster und das schwarze Bohnengetränk als entwässernd. Das ist ein Mythos. Kaffee enthält neben Mineralstoffen, Aromen und dem anregenden Koffein eine wichtige B-Vitamingruppe. Darunter fallen Vitamin B2 (Riboflavin), Niacin, Pantothensäure sowie das Vitamin B6 (Pyridoxin). Kaffee ist damit eine nützliche B-Vitamin-Quelle für Veganer, die es sonst schwer durch pflanzliche Lebensmittel aufnehmen können. Du kannst täglich bis zu vier Tassen Kaffee ohne Bedenken trinken. Am besten ohne Zucker und Milch, so ist er am verträglichsten. Ein Glas Wasser dazu schadet aber nie. Mit geriebenem Kardamom und Zimt kannst du die Säuren im Kaffee magenfreundlicher machen.

Frau mit Kaffeebecher in der Hand.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.