Essbare Wildkräuter: Gesundheit aus der Natur

Essbare Wildkräuter sind lange Zeit in Vergessenheit geraten. Dabei sind viele Pflanzen, die wir bloß für Unkraut halten, nicht nur schmackhaft, sondern auch sehr gesund und können deine Ernährung optimal ergänzen. In diesem Artikel erfährst du das Wichtigste, was es über die essbaren Wildpflanzen aus der Natur zu wissen gibt.

Gierschsuppe mit essbaren Wildkräutern

Essbare Wildkräuter: Das Superfood aus Garten und Wiese

Essbare Wildpflanzen sind seit hunderten von Jahren Teil der menschlichen Ernährung. Die bekannte Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb bereits in den Physika ausführlich über die heilsame Wirkung der wilden Pflanzen und Kräuter. Die essbaren Wildpflanzen wurden im Mittelalter nicht nur gegessen, weil sie gut schmecken, sondern vor allem, weil sie positiv auf die Gesundheit wirken können.

Heute haben wir leider oft vergessen, dass vieles, was direkt vor unserer Tür wächst, essbar ist. Zum Glück hat sich das in den letzten Jahren ein wenig verändert. Neben vielen gesundheitlichen Vorteilen sind die wilden Pflanzen und Kräuter nämlich auch sehr lecker. Sie können einen ganz neuen Geschmack in deinen Salat, deine Suppe oder deinen Smoothie bringen. Je nach Pflanze kannst du Blatt, Blüte und Frucht essen. Oft ist die gesamte Pflanze verwertbar. Die schönen und essbaren Blüten von Kapuzinerkresse, Gänseblümchen und Co. kannst du wunderbar zum Dekorieren deiner Speisen verwenden oder deinem Salat damit ein paar leckere Farbtupfer verpassen.

Dorst und Schafgarbe schmecken hervorragend zu gebratenem Gemüse und die Blätter der Brennnessel finden wie anderes Gemüse in einem Strudel oder einer Lasagne Verwendung. Wir verraten dir in diesem Artikel, worauf du beim Sammeln und bei der Verwendung der Wildkräuter achten solltest, welche essbaren Wildpflanzen es gibt, wie du sie aufbewahren kannst und welche Wildkräuter-Rezepte du unbedingt ausprobieren solltest. 

Verschiedene Wildkräuter in Schale.

Vorteile: Warum lohnt es sich die Wildpflanzen zu essen?

Möglicherweise hast du dir insgeheim schon die Frage gestellt, warum du dir extra die Mühe machen solltest, Wildkräuter zu sammeln, wenn du auch einfach in den Supermarkt gehen und dir dort gesundes Obst und Gemüse mit minimalem Aufwand kaufen kannst. Die Antwort ist ganz einfach: Wildpflanzen können noch besser für dich und deine Gesundheit sein als kultivierte Pflanzen. Das gekaufte Obst und Gemüse wurden so gezüchtet, dass es möglichst schnell wächst und möglichst mild oder besonders süß schmeckt. So verkauft es sich einfach besser, verliert aber auch gesunde Inhaltsstoffe. Durch weite Lieferungen und lange Lagerzeiten können die Nährstoffe der Pflanze zusätzlich abnehmen.

Wildpflanzen hingegen wurden nicht vom Menschen verändert und sind deshalb besonders gesund. Die essbaren Wildkräuter enthalten viele sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralien und Vitamine. Dazu zählen unter anderem:

  • Ballaststoffen
  • Bitterstoffe
  • Gerbstoffe
  • Flavonoide
  • Mineralstoffe
  • und Vitamine.

Es gibt mehr als 50 verschiedene Wildpflanzen, die essbar sind. Wenn du noch nie Wildkräuter gegessen hast, solltest du dich aber lieber langsam rantasten. Verwende am besten nur kleine Mengen und lass dich von dem leicht bitteren Geschmack mancher Kräuter nicht abschrecken. Bitterstoffe sind sehr gesund und sollten regelmäßig Verwendung in deiner Ernährung finden. Sie regen die Arbeit von Leber und Niere an und helfen deinem Körper so beim Entgiften. Nicht umsonst sind essbare Wildpflanzen auch oft ein entscheidender Teil von Frühjahrskuren.

Welche essbaren Wildpflanzen gibt es?

Essbare Wildpflanzen finden sich in jedem Garten, Stadtpark, Wald und Wiese und oft sogar an der nächsten Straßenecke. Viele von ihnen sind uns eher als Unkraut bekannt, da sie wirklich überall wachsen. Zu diesen gesunden Wildkräutern gehören

  • Brennnessel,
  • Löwenzahn,
  • Bärlauch,
  • Schafgarbe,
  • Giersch,
  • Gundermann,
  • Kletten-Labkraut und
  • Dost.

Was ist das Besondere an Brennnesseln?

Die Brennnessel ist eine stark unterschätzte Wildpflanze. Sie steckt voller Vitamine und Mineralstoffe. In 100 g Brennnesseln sind ganze 330 g Vitamin C. Das ist dreimal so viel, wie in derselben Menge Rosenkohl. Durch ihren hohen Vitamin-C-Gehalt kann dein Körper das enthaltene Eisen und die Kieselsäure optimal aufnehmen. Kieselsäure sorgt für schöne Haut, Haare und Nägel.

Ein Tee aus getrockneten Blättern wirkt entwässernd und kann nicht nur beim Entschlacken, sondern auch bei Blasenentzündung helfen.

Die jungen und zarten Blätter an der Spitze haben kaum brennende Haare. Trotzdem solltest du beim Sammeln besser Handschuhe tragen und eine Gartenschere verwenden. Die Blätter kannst du roh im Smoothie pürieren oder kurz mit Öl in der Pfanne braten. Sie schmecken ein bisschen wie Spinat, nur würziger. Auch eine Suppe aus der essbaren Wildpflanze ist sehr lecker. Außerdem kannst du die Samen der Brennnessel sammeln und trocknen. Gib sie dann einfach als gesundes Topping auf dein Butterbrot oder über deinen Porridge. 

Löwenzahl als wertvolles Kraut

Genauso bekannt wie die Brennnessel ist der Löwenzahn, der vollkommen zu Unrecht als Unkraut bezeichnet wird.

  • In den Blättern steckt viel Vitamin A und B und Vitamin C. Er hat sogar mehr Vitamin A als Karotten.
  • Seine Wurzel kannst du gehackt und geröstet als Kaffeeersatz verwenden
  • Die Wurzel des Löwenzahns wirkt leicht abführend und kann dich bei Verdauungsproblemen unterstützen.
  • Die Blätter wirken harntreibend und schmecken leicht bitter. Den bitteren Geschmack kannst du in einem Salat ganz einfach mit einem süßlichen Honig-Senf-Dressing ausgleichen.
  • Aus den Blüten kannst du sogar Wein herstellen.
  • Die gelben Blüten sehen auch sehr schön in einem grünen Salat aus.
  • Aus den geschlossenen Blüten kannst du ganz einfach falsche Kapern herstellen.
Frau beim Sammeln von Wildkräutern.

Vorsicht: Diese Wildkräuter solltest du nicht verwechseln

Auch Giersch, Gundermann, Kletten-Labkraut und Dost (die wilde Form des Oregano) zählen zu den essbaren Wildkräutern. Sie sind oft weniger bekannt, finden sich aber überall in der freien Natur. Dabei punktet gerade der Giersch mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen. Er steckt voller Mangan, Kupfer und Eisen und hat sehr viel Vitamin C. Die jungen, handtellergroßen Blätter haben einen feinen Geschmack von Petersilie und Sellerie und die Samen kannst du wie Kümmel in der Küche verwenden. Seine wichtigsten Erkennungsmerkmale sind die dreigliedrigen Blätter und der dreikantige Stiel. Außerdem wächst er ähnlich wie die Brennnessel meist in großen Ansammlungen.

Aber Vorsicht: Du solltest den Giersch auf keinen Fall mit seinen giftigen Doppelgängern verwechseln. Schierling und Hundspetersilie ähneln dem Giersch auf den ersten Blick. Wenn du die Blätter dieser beiden Kräuter zwischen den Fingern zerreibst, entsteht ein stinkender Geruch. Bei dem essbaren Giersch riechen sie nach Petersilie und Sellerie. Auch andere essbare Pflanzen, wie wilde Möhren und Schafgarbe können mit diesen giftigen Doppelgängern verwechselt werden.

Auch der Bärlauch zählt zu den gesunden Wildkräutern. Meist riechst du ihn schon bevor du ihn siehst. Die grünen Blätter schmecken scharf und intensiv nach Knoblauch und sind sehr lecker auf einem Butterbrot, in einer Quiche oder als Suppe. Leider hat auch Bärlauch zwei sehr giftige Doppelgänger: Maiglöckchen und Herbstzeitlose. Bei beiden riechen die Blätter beim Einritzen oder Zerreiben nicht nach Knoblauch.

Wenn du bisher noch keine Wildkräuter in deiner Küche verwendet hast und dir nicht sicher bist, ob die gefundenen Kräuter essbar sind, kannst du eine Hilfe beim Bestimmen verwenden. Es gibt zahlreiche Bücher, die dich mit weiteren Informationen und detaillierten Illustrationen versorgen. Auch Pflanzen-Apps können dir dabei helfen, die Kräuter zu bestimmen. Bist du dir gar nicht sicher, dann lass die Pflanze lieber stehen! Wenn du noch tiefer in die Materie einsteigen willst, informiere dich darüber, ob in deiner Gegend Wildkräuterwanderungen oder Kochkurse angeboten werden.

Wo und wie kannst du Wildkräuter sammeln?

Prinzipiell kannst du die wilden Kräuter überall pflücken. Sei es in deinem Garten, im Wald oder auf der Wiese, auf der begrünten Dachterrasse oder im Stadtpark nebenan.

  • Achte aber am besten darauf, dass du die krautigen Pflanzen nicht direkt an einer stark befahrenen Straße pflückst. In der freien Natur sind die essbaren Wildpflanzen viel weniger von Abgasen belastet als in der Stadt.
  • Auch die klassischen Hundeauslaufplätze solltest du besser meiden.
  • Wenn du raus in die Natur gehst, achte darauf, dass du dich nicht in einem Naturschutzgebiet befindest! Hier ist das Sammeln verboten.
  • Meide unbedingt auch frisch gedüngte Felder!

Generell gilt: Pflücke nie alle essbaren Pflanzen, sondern gehe respektvoll mit der Natur um! Zum Sammeln von Blättern, Blüten und Früchten eignet sich ein offener Korb oder eine Brotzeitdose. So wird deine gesunde Ernte nicht gequetscht. Bei weniger empfindlichen essbaren Pflanzen kannst du auch einen Stoffbeutel verwenden. 

Essbare Wildkräuter beim Trocknen.

Wildkräuter aufbewahren und verwenden: Wie geht das? 

Bevor du die essbaren Wildpflanzen in der Küche verwendest, solltest du sie unbedingt waschen. Je nach Pflanze gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zum Aufbewahren. Bärlauch und Brennnesseln kannst du roh in einer gut verschlossenen Dose für ein paar Tage im Kühlschrank lagern.

Viele Kräuter lassen sich auch gut trocknen und anschließend als Gewürze oder Tee verwenden. Blätter, Blüten, Knospen und Früchte kannst du außerdem in Öl oder Essig einlegen. So ein Kräuteressig mit Gänseblümchen ist ein schönes Mitbringsel oder Geschenk und schont gleichzeitig deinen Geldbeutel. Ein frisch gemachtes Bärlauchpesto passt zu vielen Rezepten und kommt auf jeder Grillparty gut an.

Manche Kräuter lassen sich auch einfrieren. Dafür solltest du sie nach dem Waschen gut trocknen lassen. Du kannst sie zusätzlich mit einem Küchentuch trockentupfen. Zerhacke sie dann in Stücke und gib sie in einem gut verschlossenen Gefrierbeutel in den Tiefkühler!

Ein extra Tipp: Aus den Samen der krautigen Pflanzen kannst du dir auch eigene Setzlinge für deinen Garten oder den Blumentopf ziehen. Informiere dich davor aber gut über die jeweilige Pflanze. Manche wachsen wirklich wie Unkraut und können sich extrem ausbreiten.

Selbst gemachtes Pesto mit essbaren Wildkräutern

Essbare Wildkräuter zubereiten: Diese schnellen Rezepte sorgen für Abwechslung auf dem Teller

Giersch-Pesto

Für diese Variation des klassischen Basilikum-Pestos brauchst du:

  • drei Handvoll Giersch
  • 70 g geriebenen Parmesan oder Pecorino (für eine vegane Variante Hefeflocken)
  • 4 Esslöffel Sonnenblumenkerne 
  • 150 Milliliter Olivenöl

Röste die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Fett und lass sie abkühlen! Anschließend gibst du alles zusammen in einen Hochleistungsmixer und pürierst es ganz kurz auf höchster Stufe. Das Pesto schmeckt super auf frischem oder geröstetem Brot, zu Pasta oder als Marinade für gegrilltes Gemüse. Du kannst es natürlich auch zu Fisch und Fleisch essen.

Bittersüßer Löwenzahnsalat

  • drei Handvoll Löwenzahnblätter
  • optional Blüten vom Löwenzahn oder Gänseblümchen
  • zwei Esslöffel Apfelessig
  • einen Esslöffel Kernöl
  • einen Teelöffel Senf
  • einen Teelöffel Honig

Vermenge einfach alle Zutaten für das Dressing miteinander und schmecke es mit Salz und Pfeffer ab! Wasche die gesammelten Wildkräuter und vermenge sie mit dem Dressing!

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.