Minimalistisch wohnen – mit weniger Einrichtung zu mehr Lebensfreude

In den letzten Jahren liest man immer wieder über diese Menschen, die von jetzt auf gleich dramatische Sprünge in ein Leben des extremen Minimalismus wagen. In kürzester Zeit verändern sie ihren ganzen Lebensstil, verschenken alles, was sie besitzen und ziehen in eine kleine Wohnung, in der es nur eine Matratze und eine Kochnische gibt. Du kannst natürlich mit einer ähnlich großen Geste den minimalistischen Weg einschlagen. Du kannst jedoch auch allmählich und schrittweise mit dem minimalistisch Wohnen anfangen. In diesem Artikel findest du einen kompakten Einstieg in den Minimalismus für dein Zuhause.  

Das Thema minimalistisch Wohnen wird in diesem Bild beispielhaft anhand eines Raums gezeigt, in dem die Einrichtung nur aus einem Sofa, einem Regal mit einer Topfpflanze und einem Bild an der Wand gibt. Der Raum wirkt dennoch einladend und gemütlich.

Minimalistisch Wohnen für Anfänger: Bewerte deine Einrichtung neu und setz dir Prioritäten

Der erste Schritt zum minimalistischen Leben ist das bewusste Reflektieren. Wer minimalistisch wohnen will, muss zunächst sein Zuhause, seinen Besitz, den Lebensstil und die persönliche Einstellung aus einer objektiven Perspektive betrachten. 

  • Besitzt du mehrere Versionen der selben Artikel oder Möbel?
  • Fühlst du dich gestresst, weil du ständig damit beschäftigt bist, Freiraum für deine neuen Anschaffungen zu finden? 
  • Ist deine Wohung überfüllt mit Dingen, die du nie benutzt? 
  • Verbringst du Ewigkeiten in der Küche, auf der Suche nach den richtigen Deckeln für die Aufbewahrungsboxen? 

Als Menschen sind wir in der Lage, die Details des eigenen Lebens durch eine ungefilterte, objektive Linse zu betrachten. Nutze dies und dir wird klar, was du ändern musst, um Minimalismus auf deine Art zu leben.

Eine Hand baut mit kleinen Holzblöcken eine Stufenkonstruktion.

Setze dir klare und zeitlich begrenzte Ziele

Es gibt keinen "richtigen" Weg, um Minimalist zu werden oder minimalistisch zu leben. Jeder Mensch kann eine eigene Definition vom Minimalismus und damit auch vom minimalistischen Wohnen haben. Du solltest dir jedoch die Zeit nehmen, Minimalismus für dich selbst zu definieren. Du bist dir nicht sicher, wo du anfangen sollst? Konzentriere dich auf das, was du wirklich für dich und deine Wohnung willst! Minimalistisch leben und wohnen heißt, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die einem wirklich etwas bedeuten. 

  • Was machst du, wenn du dich richtig lebendig fühlen willst?
  • Welche Dinge oder Aktivitäten bereiten dir pure Freude? 
  • Wofür empfindest du Leidenschaft? 

Nach der minimalistischen Philosophie musst du einfach all jene Dinge – physisch oder anderweitig – weglassen oder aus deinem Leben entfernen, die dir dabei im Weg stehen. Geh in kleinen Schritten vor, starte vielleicht in einer Ecke eines Raums und arbeite dich von da aus weiter durch die Wohnung! Leg dir einen genauen Zeitplan fest, nicht bloß einen Zeitpunkt für dein abstraktes Ziel von einem minimalistischen Einrichtungsstil!

Ein junges Paar spielt in einer Wohnung voller Umzugskartons. Die Frau sitzt in einem der Kartons, der Mann schiebt diesen durch die Wohnung.

Minimalistisch einrichten bedeutet Ausmisten, Aufräumen und Entrümpeln

Dies scheint ein ziemlich offensichtlicher Tipp auf dem Weg zum Minimalismus zu sein. Es kann jedoch ein schmerzhafter Schritt für Leute sein, die eine echte Bindung zu Dingen und Besitztümern haben. Du willst dein Zuhause zwar bestimmt so schnell wie möglich minimalistisch einrichten, doch hier ist ein wichtiger Tipp: Praktiziere das minimalistische Wohnen langsam und bewusst! Lauf mit einem Karton durch die ganze Wohnung und fülle ihn mit Duplikaten! Beginne zum Beispiel im Wohnzimmer! Dann legst du den Karton 30 Tage lang außer Sichtweite. Wenn du innerhalb dieser Zeit nichts daraus brauchst oder dich nicht erinnerst, was in der Box war, bist du auch ohne den Inhalt glücklich. Also trenne dich von den Sachen!

Ein Mann steht vor einer Schiefertafel, auf der auf jeder Seite eine kleine Sprechblase mit der Inschrift Yes bzw. No steht.

Minimalistisch Wohnen für Fortgeschrittene

Im nächsten Schritt gehst du nochmal durch deine Wohnung und nimmst und versteckst alles, von dem du denkst, dass du es für ein paar Monate entbehren könntest. Beispiele sind:

  • Deko-Objekte wie große, sperrige Bilder, Figuren und Co.
  • Inhalte aus dem Kleiderschrank
  • Möbelstücke, die als Deko-Elemente dienen 
  • alte Bücher, Magazine

Vergiss bitte nicht: minimalistisch leben bedeutet nicht, dass du nur mit einem Bett und einem T-Shirt in einer winzigen Wohnung mit glatten Oberflächen, geometrischen Formen und hellen Farben an den Wänden auskommen musst. :-) Du kannst entscheiden, was Minimalismus beim Wohnen und im Alltag für dich bedeutet.

Zwei alte Bootspaddel wurden umfunktioniert und dienen nun als Garderobe an einer Wand.

Minimalistisch leben: Werde zum Wiederbenutzer und hinterfrage jede Neuanschaffung

Eine weitere großartige Gewohnheit, die ein minimalistisches Leben zutage fördert, ist das Wiederverwenden.

  • Bewahre Verpackungen auf, um sie für andere Dinge in deiner Wohnung wiederzuverwenden!
  • Einen minimalistischen Wohnstil erzielst du auch dadurch, dass du lernst, deine Einrichtung zu reparieren, anstatt sie zu ersetzen.
  • Verwende alte Kleidung als Stoffreste für DIY-Projekte!
  • Mach deine eigene Farbe für eine Dekoration an dieser einen Wand im Wohnzimmer oder zum Färben von Kleidung und nutze dazu stark färbende Lebensmittel!
  • Sei offen dafür, im Alltag kreativer zu sein.
  • Versuch Möglichkeiten zu schaffen, wie du etwas, das du bereits hast, wiederverwenden kannst, anstatt etwas Neues zu kaufen!

In dieser Hinsicht gilt auch: Frag dich vor jeder neuen Anschaffung, ob du das wirklich brauchst! Muss es wirklich ein weiterer Pfannenwender sein, nur weil die Farbe so schön ist? Schöne Dinge sind nur selten auch nützliche Dinge, zumindest, wenn man einen minimalistischen Stil lebt.

Ein Paar sitzt in einer leeren Wohnung gemeinsam auf dem Boden und betrachtet einen Laptopbildschirm.

Wenn schon neu, dann hochwertig

Wenn du dann doch mal etwas Neues kaufen musst oder willst, dann halte dich an hochwertige minimalistische Möbel, die für dich wirklich von Bedeutung sind und dich glücklich machen! Denk daran, dass es schöner sein könnte, mit einer minimalistischen Einrichtung zu leben, von der jede Sache eine Bedeutung hat, als in einer Wohnung voller eigentlich überflüssiger Dinge, die du einfach nur magst! Das gilt natürlich umso mehr für kleine Räume. 

Der Minimalismus mit einem Fokus auf Langlebigkeit hat einen weiteren Vorteil. Du musst nicht so oft einkaufen, um deine abgenutzten oder kaputten Möbel und Einrichtungsgegenstände zu ersetzen. Orientiere dich für deine minimalistische Wohnung stilmäßig an klassischen, zeitlosen Stücken!

Eine junge Frau seht auf einer Weide und breitet die Arme aus, sie hat einen glücklichen und zufriedenen Gesichtsausdruck.

Minimalismus bedeutet auch: Sei dankbar für das, was du hast

Beim Thema Minimalismus geht es vor allem um die Suche nach Zufriedenheit. Zufriedenheit beginnt mit Dankbarkeit für das, was man hat. Fokussiere dich auf die Schönheit, Bequemlichkeit und Leichtigkeit, die dein Besitz in dein Leben bringt, sei es ein Gemälde, das dich zum Lächeln bringt oder eine klassische Espressomaschine, die deine Morgenroutine in Gang setzt! Wenn du bewusst dankbar für alles bist, was du besitzt, lässt auch das Verlangen danach, Neues anzuhäufen, mit der Zeit nach.

An einem Strand steht der folgende Satz im Sand geschrieben: Time for a change.

Warum Minimalismus (nicht nur) Abgrenzung von deinem materiellen Eigentum bedeutet

Minimalistisch zu leben bedeutet, zu lernen, sich von dem zu lösen, was man nicht braucht. Du kannst durchaus Minimalismus leben und trotzdem deine Lieblingsbücher aufbewahren oder diese eine Jeans, die genau zu dir passt, solange du erkennst, dass diese Dinge nur vorübergehende Quellen der Freude sind. Der Minimalismus ist schlicht ein Mittel zum Zweck, das dir bewusst machen soll, was du wirklich brauchst, um glücklich zu sein.