Wie gefährlich ist Palmöl in Kosmetik?

Problematische Inhaltsstoffe in Kosmetika gibt es zuhauf. Manche stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, andere wiederum trocknen schlicht und einfach die Haut aus. Es gibt aber auch Inhaltsstoffe, die aus ganz anderen Gründen in Verruf geraten sind. Einer dieser Inhaltsstoffe rückt nun immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit: das Palmöl. Wie gefährlich ist aber Palmöl in Kosmetika nun wirklich?

Palmöl in der Kosmetik

Was ist Palmöl?

Das Öl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen. Zu unterscheiden davon ist das Palmkernöl, wofür die Kerne der Früchte ausgepresst werden. Jedoch lassen sich beide Öle in einer Vielzahl an Produkten wieder finden – sei es in Lebensmitteln wie Margarine oder Bratfetten über Wasch- und Reinigungsmittel bis hin zu Schmierstoffen, Lacken und eben auch Produkten für die Kosmetik.

Warum gilt Palmöl in Kosmetikprodukten als problematisch?

Zwar schadet das Palmfett nicht per se der Gesundheit, Kernpunkt der Kritik ist jedoch der Schaden für die Umwelt. Ölpalmen werden zum Großteil in Ländern wie Indonesien oder Malaysia angebaut. Große Plantagen stehen aber auch in Afrika und Südamerika. Grundsätzlich braucht Palm tropisches Klima und so teilen sich die Pflanzen ihren Platz mit dem Regenwald. Um Plantagen zu schaffen, wurden zwischen 1990 und 2005 knapp 1,5 Millionen Hektar Regenwald in Indonesien abgeholzt, um die Monokulturen für die weltweite Versorgung anzulegen. Die logische Konsequenz aus diesem Raubbau: das Klima verändert sich und der Schaden für die Tier- und Pflanzenwelt ist hoch. 

Plantage für Palmöl in der Kosmetik

Gibt es Alternativen?

Viele Hersteller bieten mittlerweile gesundheitlich unbedenkliche Produkte ohne Palmöl an, so sind Pflegecremes, Deos, Seifen und vieles mehr absolut frei von dem Öl. In Kosmetika sollte Palmöl gemieden werden, da es ohnehin fast überall enthalten ist und für die Pflege der Haut kann ein anderes Öl verwendet werden. So können in den Produkten etwa Hanföl, Mandelöl oder Arganöl verwendet werden.

Eine weiter Alternative und für die Gesundheit unbedenklich ist nachhaltiges Palmöl. Von vielen Seiten wird bereits ein völliger Palmöl-Boykott gefordert. Nun schlägt die Umweltinitiative WWF aber eine andere Linie ein. "Ein völliger Verzicht auf den Inhaltsstoff hätte nur zur Folge, dass sich das Problem verschiebt. Das Produkt aus den Ölpalmen müsste durch andere Pflanzenöle ersetzt werden", ist im Internet von Ilka Peterson vom WWF zu lesen. Der Druck auf die Umwelt würde sich also ebenfalls nur verschieben und besonders die Produktion von Lebensmitteln müsste mit diesem Druck umgehen. Die Lösung lautet: nachhaltiges Palmöl aus kontrolliertem Anbau für Produkte der Kosmetik verwenden.

Zahlreiche Initiativen, neben dem WWF, arbeiten bereits daran, nachhaltig anzubauen, um die Regenwälder weltweit zu schützen:

  • Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)
  • Palm Oil Innovators Group (POIG)
  • Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP)

Was kann das Öl?

Doch, warum ist es für die Kosmetikindustrie so schwierig, auf das Produkt der Palme zu verzichten? Die Antwort ist einfach: Es erfüllt ganz bestimmte Funktionen – in der Kosmetik stecken auf Palmöl basierende Kosmetikrohstoffe, so genannte Palmöl-Derivate. Diese werden beispielsweise als Tenside oder Emulgatoren eingesetzt. Sie lassen sich nicht ersatzlos aus Kosmetik-Rezepturen streichen. Man müsste sie durch andere Öle und Derivate ersetzen.

Was genau steckt nun in dem Öl? Etwa die Hälfte entfallen auf Palmitinsäure, eine gesättigte Fettsäure.

  • Mit knapp 40 Prozent stellt Ölsäure den zweitgrößten Faktor da. Ölsäure gehört zur Gruppe der ungesättigten Fettsäuren.
  • Auf Platz drei liegt Linolsäure (10 Prozent), diese gilt als zweifach ungesättigte Fettsäure.
  • Den Rest bilden andere Fettsäuren wie Stearinsäure und Myristinsäure.
  • Zudem sind in etwa 100 Gramm auch 100 Gramm Fett vorhanden.
  • Das Öl ist frei von Ballaststoffen und Kohlehydraten. 

Es sind aber auch Bestandteile enthalten, welche als gesund eingestuft werden können:

  • Carotinoide (Vitamin A): können Herzerkrankungen vorbeugen, die Chance, das Risiko eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts zu minimieren, ist hoch. Sie haben sogar den Ruf, Stoffe, welche krebserregend sind, zu bekämpfen. 
  • Tocotrienole (Vitamin E): sorgen für einen jungen und gesunden Teint und helfen, das Hautbild zu glätten. 
  • Coenzym Q 10: sorgt ebenso für ein junges Hautbild, für gesunde Nerven, ein gesundes Herz-Kreislaufsystem sowie für ein starkes Immunsystem. 

Relativ unbekannt in unseren Breitengraden, aber in der afrikanischen Naturheilkunde sehr beliebt, ist rotes Palmöl. Dieses wird verwendet bei:

  • Übelkeit
  • Verstopfungen
  • Vergiftungen
  • beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor
  • schützt vor Schlaganfällen
  • beugt Alzheimer vor
  • Ablagerungen in den Arterien können bei regelmäßiger Einnahme aufgelöst werden

Es enthält zahlreiche Antioxidantien, welche als Fänger von gesundheitsschädlichen freien Radikalen behilflich sind. Das reine Öl enthält viel mehr Beta Carotin als Tomaten oder Karotten. Aber auch Vitamin E und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind vertreten. In der Krebsbehandlung und als Schutz vor UV-Strahlen und anderen Umweltgiften werden sie eingesetzt. 

Aber Achtung: die Verwechslungsgefahr mit dem Palmkernöl ist auch hier relativ hoch. Der besonders positiv wirkende Beta Carotin Anteil ist im Palmkernöl jedoch viel geringer.

Wie wirkt Palmöl in der Kosmetik?

Auf die Haut hat das Fett im Öl eine besondere Wirkung, denn es ist ein natürliches Pflegemittel. Weitere Wirkungsweisen sind:

  • gut gegen trockene Haut
  • es ist hautglättend
  • wirkt antioxidativ
  • hat eine rückfettende Wirkung

Die oben erwähnten Vitamine haben zur Folge, dass Zellschäden repariert werden können, welche vor allem durch die Schädlichen UV-Strahlen der Sonne entstehen können. 

Fazit

Für die Herstellung herkömmlicher Kosmetika ist es schwierig, Palmöl zu ersetzen. Auch in Bezug auf die Umwelt dürfte der Wechsel das Problem nur verschieben und nicht lösen. Zudem ist es schwierig, das Produkt zu meiden, da es unter wechselnden Namen in der Liste der Inhaltsstoffe auftritt. In Seifen lässt es sich beispielsweise unter den Namen Sodium Palmate, Sodium Palm, Kernelate oder Palmic Acid finden. 

Von vielen Umweltinitiativen wird nun der nachhaltige Anbau von Palmölprodukten gefordert. Eine weitere Alternative stellen Natur- und Biokosmetik da. Grundvoraussetzung dafür: hohe ökologische und soziale Standards. Es gilt die Devise: Nach der Herkunft fragen und die Liste der Inhaltsstoffe genau im Auge behalten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.