Warum ist deine Katze übergewichtig und was kannst du tun? Tierärztin Stefanie Krukemeyer klärt auf

Übergewicht ist kein Kavaliersdelikt. Ein Großteil der Menschheit gilt gegenwärtig als zu dick, doch auch unsere Vierbeiner leiden immer häufiger an zu vielen Kilos auf den Hüften. Es gibt vielfältige Gründe, warum deine Katze übergewichtig sein könnte. Eines steht für unsere Tierärztin Stefanie Krukemeyer aber jetzt schon fest: Damit unsere Samtpfoten ein rundum gesundes und glückliches Leben führen können, sollte unbedingt auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung geachtet werden. Ist deine Katze übergewichtig? Finde es hier heraus.

Woran erkenne ich, dass meine Katze übergewichtig ist?

Gleich vorneweg: Zu dicke Katzen sind leider keine Seltenheit. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass auch deine Katze übergewichtig ist, ist relativ hoch. Besonders Haus- und Wohnungskatzen sind anfällig für ein paar Kilos zu viel, da sie sich im Vergleich zu ihren Artgenossen mit Freigang für gewöhnlich weniger bewegen. Hinzu kommt, dass der Napf oft ohnehin schon gut gefüllt ist, die Katze also nicht auf Jagd gehen muss, um ihren Hunger zu stillen.

„Die ganz normalen Hauskatzen in allen Variationen haben alle ein Gewicht zwischen drei und fünf Kilogramm. Da kommt es natürlich ein bisschen auf die Größe an, ob es ein Kater ist, der etwas kräftigere Knochen hat und andere Faktoren“, nennt unsere Katzen-Expertin Stefanie Krukemeyer als Richtwerte für Katzenhalter.

Mit bloßem Auge lässt sich in der Regel kaum erkennen, ob deine Samtpfote tatsächlich übergewichtig ist. Manche Rassen sind ohnehin schon kräftiger gebaut als andere. Häufig erwecken auch die Struktur und das Volumen des Katzenfells einen falschen Eindruck über das eigentliche Katzengewicht. Tierhalter und -halterinnen können sich aber am sogenannten Body Condition Score (BCS) orientieren, um das Gewicht ihres Schmusetigers besser einschätzen zu können.

Eine Katze mit Übergewicht liegt auf der Seite

Ist deine Katze zu dick? Der BCS kann dir helfen

Folgende fünf Gewichtskategorien werden unterschieden:

  1. Kategorie: Der BCS 1/5 gibt Auskunft darüber, dass das Tier zu mager ist. Eine zu schlanke Katze wirkt je nach Körperbau und Fellstruktur oft schon auf den ersten Blick schlecht genährt. Mit bloßen Händen lassen sich die Rippen ohne darüber liegende Fettschicht ertasten. Die Rückenwirbel und Beckenknochen stehen im kaum noch bemuskelten Körper meist deutlich hervor.
  2. Kategorie: Die Katze ist im Maßstab des BCS 2/5 noch immer zu dünn. Es lässt sich zwar eine dünne Fettschicht über den Rippen erfühlen, allerdings sind die Rückenwirbel vor allem bei kurzem Fell in der Regel noch gut zu sehen.
  3. Kategorie: Glückwunsch, deine Katze ist top in Form und kann laut BCS 3/5 durch ihr Idealgewicht überzeugen. Die Rippen sind von einer gesunden Fettschicht umgeben, lassen sich aber mühelos ertasten. Die Taille der Katze ist gut zu sehen, ohne eingefallen zu wirken.
  4. Kategorie: Manchmal geht es schneller als man denkt und plötzlich leidet das Tier an Übergewicht nach BCS 4/5, worunter etwa 15 Prozent zu viel Körpergewicht zu verstehen sind. In diesem Stadium lassen sich die Rippen der Katze nur mehr mit Mühe greifen. Zudem ist die Taille des Tieres oft kaum mehr zu erkennen.
  5. Kategorie: Nach der Definition von BCS 5/5 ist das Übergewicht deiner Katze nicht mehr zu übersehen. Fettleibige beziehungsweise adipöse Katzen zeichnen sich durch ihren dicken Bauch und diverse Fettpolster aus. Taille, Rippen, Wirbel und Gelenke liegen unter einer deutlichen Fettschicht versteckt.
Eine übergewichtige Katze liegt auf der Fensterbank

Was sind mögliche Ursachen für Übergewicht bei Katzen?

Damit die Katze ihr individuelles Idealgewicht hält beziehungsweise wieder erreichen kann, solltest du dich über die möglichen Ursachen einer Gewichtszunahme informieren. Denn die Ursachen von Übergewicht können genauso vielfältig sein wie die Persönlichkeiten und das Aussehen unserer tierischen Freunde. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Eine falsche Ernährung: Wir Menschen neigen dazu, unsere Liebe zum Tier über das Futter, oder besser, die Futtermenge, auszudrücken. Was gut gemeint ist, führt nicht selten zu gesundheitlichen Problemen beim geliebten Haustier.
  • Bewegungsmangel: Zu wenig körperliche Aktivität kann in Kombination mit einem zu energiereichen Katzenfutter Übergewicht verursachen. Besonders Katzen in reiner Wohnungshaltung, alte und kranke Katzen sowie auch unterbeschäftige Stubentiger, die häufig viele Stunden am Tag alleine zuhause sind, neigen dazu, sich weniger zu bewegen und an Gewicht zuzulegen.
  • Physische und psychische Komponenten: Es gibt sowohl eine ganze Reihe an körperlichen als auch seelischen Faktoren, die Übergewicht und gesundheitliche Probleme beim Tier auslösen können. Hinsichtlich des Geschlechtes sind etwa Kater anfälliger für Übergewicht als Katzen. Eine Kastration kann aufgrund eines beeinträchtigten Sättigungsgefühls ebenfalls dazu führen, dass Katzen zunehmen. Bei vielen unserer Hauskatzen können auch die Gene als Ursache für zu viel Speck auf den Hüften ausgemacht werden. Erkrankungen wie Gelenksprobleme, Stoffwechselkrankheiten oder bestimmte Medikamente können weitere Ursachen sein. Nicht zu vergessen sind mentale Indikatoren wie Stress oder Angst, die zu einem veränderten Fressverhalten führen können.

Es wird unter Tierärzten und Experten vermutet, dass hierzulande bereits jede zweite Katze zu dick ist. Kein Wunder also, dass vielen Tierhaltern das Übergewicht ihres Stubentigers häufig gar nicht mehr auffällt. Das kann allerdings fatale gesundheitliche Folgen für übergewichtige Katze haben und ihre Lebensqualität mitunter stark beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, nicht nur zu erkennen, ob die Katze bereits zu dick ist, sondern auch präventiv zu handeln. Man sollte sich stets vor Augen halten, dass übergewichtige Tiere im Gegensatz zu normalgewichtigen Katzen erwiesenermaßen ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Probleme haben.

Eine rote Katze hat normales Gewicht

Welches Futter benötigt eine übergewichtige Katze während ihrer Diät?

Eine gesunde Ernährung kann ein gesundes Gewicht und nicht zuletzt eine gesunde Katze bedeuten. Grundsätzlich zeichnet sich hochwertiges Katzenfutter durch einen hohen Fleischanteil aus und es sollte zudem alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine enthalten. Auf kohlenhydratreiches Futter mit hoher Energiedichte und viel Fettanteil sollte hingegen besser verzichtet werden. „Denn die Katze ist ein reiner Fleischfresser, nicht wie unser Hund. Sie braucht keine Kohlenhydrate, das macht sie dick“, meint Tierärztin Stefanie Krukemeyer dazu im Gespräch. Damit eine dicke Katze also Gewicht abnehmen kann, sollte sie, ähnlich wie wir Menschen, auf Diät gesetzt werden.

In einer silberfarbenen Futterschüssel befindet sich Trockenfutter

Nahrungsergänzungen für Katzen, die gut im Futter stehen

Zusätzlich zum normalen Futter können bei Bedarf speziell für Katzen entwickelte Nahrungsergänzungen gefüttert werden, die aufgrund ihrer Zusammensetzung bei der Gewichtsabnahme unterstützen.

  • So kann etwa der Wirkstoff Chitosamin Fett binden, sodass die Kalorien aus dem Fett nicht mehr verwertet werden können.
  • Der Ballaststoff Inulin kann wiederum das Sättigungsgefühl fördern und trägt zur Gesunderhaltung der Darmflora bei.
  • Um die körpereigene Fettverbrennung anzuregen, wird L-Carnitin-Tartrat gezielt eingesetzt.

Ebenso kann auf ein Cellulose-Pulver zurückgegriffen werden, das reich an natürlichen Ballaststoffen ist und auf diese Weise das Sättigungsgefühl dicker Katzen fördern kann. Darüber hinaus kann es dem Magen-Darm-Trakt zugutekommen und im Umkehrschluss den Kotabsatz verbessern. Für einen optimalen Abnehmerfolg sollten Nahrungsergänzungsmittel entsprechend der Angaben des Herstellers gemeinsam mit einem protein- und fettreduzierten Katzenfutter gefüttert werden. Der Zugang zu frischem Trinkwasser sollte stets gewährleistet sein.

Unser Tierarzt-Tipp: Damit erwachsene Katzen nicht zu dick werden, sollten sie niemals einen freien Zugang zu einem energie- und kalorienreichen Trockenfutter haben. Stattdessen sollte die Samtpfote für eine wirklich erfolgreiche Diät über einen längeren Zeitraum hinweg mehrmals täglich kleine Mahlzeiten zu fressen bekommen. 

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.