Achtsame und typengerechte Erziehung im Ayurveda

Ayurveda bedeutet übersetzt „Das Wissen vom gesunden Leben“. Dieses Wissen kann nicht nur Dir dabei helfen, mehr Ruhe und Gelassenheit in Deinem Leben zu finden, sondern kann Dich auch dabei unterstützen, Dein Kind besser zu verstehen und seine Entwicklung positiv zu beeinflussen. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du Dein Kind mit Ayurveda ganzheitlich und präventiv erziehen kannst.

Warum ist typengerechte Erziehung im Ayurveda sinnvoll für Kinder?

Ayurveda ist eine ganzheitlich ausgerichtete indische Heillehre. Ein wichtiger Teil dieser Lehre liegt in der Kinderheilkunde, dem sogenannten „Balaveda“, die in Indien von Ayurveda-Kinderärzten praktiziert wird. Die Grundprinzipien sind eine ganzheitliche Betrachtung und vorsorgliche Maßnahmen, die dazu beitragen, dass Körper, Geist und Seele im Einklang miteinander sind und bleiben. Die Kinderheilkunde beginnt bereits mit dem Moment der Zeugung, das bedeutet, dass auch das seelische und körperliche Gleichgewicht der Eltern entscheidend für das spätere Wohl des Kindes ist.

In der heutigen Zeit sind Kinder schon von klein auf einem häufig Stress ausgesetzt. Mediale Überforderung, ein hoher Leistungsdruck und zu wenig Bewegung an der frischen Luft können dazu führen, dass ihr natürliches inneres Gleichgewicht ins Wanken gerät. Konzentrations- und Entwicklungsstörungen sowie Frustration können die negativen Folgen dessen sein. Mit der ganzheitlich ausgerichteten typgerechten Erziehung im Ayurveda kannst Du Dein Kind dabei unterstützen, im Gleichgewicht zu bleiben, seine Stärken kennenzulernen und sich trotz der hohen Anforderungen optimal zu entwickeln.

Eine ganzheitliche typengerechte Erziehung nach Ayurveda baut auf drei Grundpfeilern auf. Diese sind

  • die Bestimmung des Konstitutionstyps Deines Kindes,
  • die typengerechte Ernährung und auf diesen Typ abgestimmte Ayurvedaheilmittel,
  • der liebevolle Umgang mit dem Nachwuchs und die Stärkung der emotionalen Bindung.
Eine Mutter sitzt mit einem Kind beim Klavier als typengerechte Erziehung

Wie funktioniert Erziehung nach Konstitutionstyp im Ayurveda?

Der liebevolle und Umgang mit Kindern ist auch im Ayurveda das A und O einer bedachten und typgerechten Erziehung. Kinder brauchen Liebe, Aufmerksamkeit, Berührungen und Struktur, um Selbstvertrauen und Zuversicht zu entwickeln. Je nach Typ und Neigung der Doshas verlangen die Kleinen mehr Aktivitäten im Freien oder eben intime Stunden vor einem Buch. Fast immer geben sie klar zu verstehen, was ihnen gut tut. Eltern müssen dafür nur ihre Aufmerksamkeit schärfen. Gemeinsames Kochen, Essen, Plaudern oder Kuscheln am Sofa stärken aber bei allen innere Stabilität und die Verbindung zwischen Eltern und Kindern.

Eine Mutter beschäftigt sich liebevoll mit ihrem Kind

Wie sieht eine typengerechte, ganzheitliche Kinder-Ernährung nach Ayurveda aus?

Je nach Konstitutionstyp sollte auch die Ernährung abgestimmt sein.

  • Vatta-Kinder profitieren von Getreidebrei, Nüssen und stärkehaltigen Gemüsesorten (Kartoffeln oder Karotten). Rohkost ist hingegen weniger zu empfehlen.
  • Bei Kleinkindern kann das Kapha dominieren. Hier sind stärkende und schleimlösende sowie verdauungsfördernde Kombinationen ideal. Ein Getreidebrei mit Milch und Gewürzen wie Ingwer, Kümmel oder Fenchel eignet sich dafür hervorragend.
  • Pitta-Kinder haben meist eine gute Verdauung und können ihre Nahrung gut verwerten. Vollkornprodukte mit kühlenden Gewürzen (Vanille oder Safran) sind ideal für diese Konstitution.

Drei feste Mahlzeiten am Tag können unkontrolliertes Naschen vermeiden, was die Verdauungs- und Stoffwechselprozesse der Kinder durcheinander bringen kann. In einer heiteren und entspannten Atmosphäre arbeitet auch der kleine Verdauungsapparat am besten. Frisch gekochte Gerichte ohne künstliche Geschmacksverstärker oder andere Zusatzstoffe bieten eine gute Basis für die tägliche Ernährung.

Eine Frau kocht mit frischen Zutaten Ernährung für Kinder

Wie kannst Du das Dosha Deines Kindes bestimmen?

Die ayurvedische Lehre geht von drei Grundkonstitutionstypen des Menschen, den sogenannten Doshas, aus. Sie heißen Kapha, Pitta und Vata. Jeder Mensch ist eine Mischung aus diesen unterschiedlichen Konstitutionstypen und doch kann oft eine der drei überwiegen. Auch wenn jedes Kind einzigartig und individuell anders ist, lässt sich recht bald die Neigung zu einem der drei Konstitutionstypen erkennen.

  • Pitta-Kinder sind oft sehr energiegeladen und zeichnen sich durch einen besonders hellen und kritischen Verstand aus, der auch gefordert werden will. Sie sind sehr ehrgeizig und diszipliniert, weshalb sie unbedingt ernst genommen werden sollten und früh verantwortungsvolle Aufgaben zugesprochen bekommen sollten, um sie in ihren Fähigkeiten zu stärken.
     
  • Kapha-Kinder sind eher ruhig und gemütlich, auch ihr Körperbau ist meist deutlich kräftiger, als der von Pitta-und Vata-Kindern. Sie wirken oft bodenständig und können sich schon sehr früh selbst beschäftigen. Gleichzeitig sind sie aber auch aufmerksam und einfühlsam. Kapha-Kinder mögen geregelte Strukturen, wie einem festen Tagesablauf. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, sie ein wenig aus der Reserve zu locken.
     
  • Vata-Kinder sind sehr kreativ und oft auch musisch begabt. Sie sind sehr quirlig und bewegen sich gerne, weshalb ihnen langes Stillsitzen und eintönige Aufgaben schwer fallen können. Manchmal wirken sie auch etwas verträumt. Vata-Kinder sollten unbedingt so gefördert werden, dass sie ihre Energie und Kreativität nutzen können.

Wenn Du dir nicht sicher bist welchem Konstitutionstyp Dein Kind am ehesten entspricht, kannst Du auch einen Online-Test machen. Es gibt aber auch Online-Kurse zum Balaveda, bei denen auch eine Konstitutionsbestimmung enthalten ist. Hier bekommen Eltern auch Tipps und Anleitungen, wie Alltagsprobleme oder häufige Wehwehchen der Kleinen nach dem Prinzip der Ayurveda (Bala Roga) meistern können.

Der Experte dahinter
Kerstin Rosenberg, Europäische Akademie für Ayurveda

Rosenberg Kerstin

Kerstin Rosenberg hat sich der Weisheitslehre Ayurveda verschrieben und ist auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des VEAT – Verband Europäischer Ayurveda-Mediziner und -Therapeuten e.V.



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