Bessere Lernleistung durch freudvolles Lernen

Wir alle kennen besondere Erlebnisse, an die wir uns auch nach vielen Jahren detailliert erinnern. Ob es sich um den ersten Kuss, die Geburt eines Kindes oder ein anderes eindrückliches Erlebnis handelt, unser Gedächtnis kann oftmals solche Erinnerungen viel besser abrufen, als den Inhalt eines Sachbuches, das wir letzte Woche gelesen haben. Doch während solcher besonderen Erlebnisse gibt sich niemand Mühe, sich etwas zu merken. Unser Gedächtnis funktioniert also offenbar manchmal hervorragend ohne jeglichen Aufwand an Willenskraft. Genau diese Fähigkeit kann durch ein intelligentes Lernsystem für Lernaufgaben aller Art zugänglich gemacht werden. 

Ein Kind hält den Zeigefinger hoch, auf der Tafel hinter ihm ist eine Glühbirne

Angestrengtes Lernen ist kontraproduktiv

Kinder lernen bis zum 5. Lebensjahr mit einer wesentlich höheren Effizienz, als Studenten an Elite–Universitäten. Dabei stimulieren Kinder ihr Gehirn durch frei fließende Wechsel zwischen ruhiger Aufmerksamkeit und Bewegung immer wieder neu. Lernen ist eine Herausforderung, aber noch kein Problem. In der Schule führen bestimmte Vorgaben des Systems sehr schnell dazu, dass Lernen als anstrengend empfunden wird. Sehr häufig fühlt sich Lernstoff an, wie ein Fremdkörper im Geist, was Widerstand gegen das Thema, das Buch oder den Lernprozess allgemein auslöst. Die meisten Menschen kennen in diesem Fall nur die Möglichkeit, mit Willenskraft gegen diesen Widerstand anzugehen. Ein solches Stressmuster ist für das Gehirn jedoch ein kraftvoller Auslöser des Vergessens – was wir mit Anstrengung lernen, vergessen wir sehr effektiv. Widerwillen gegen diese Art des Lernens ist keine Charakterschwäche, kein Mangel an Fleiß, sondern ein gesunder Instinkt, der anzeigt, dass etwas nicht stimmt. 

Ein Kind sitzt verzweifelt zwischen ein paar Büchern

Vergessen als Seelenhygiene

Auch wenn man vielleicht manchmal von einem perfekten Gedächtnis träumt, Vergessen ist für unsere psychische Selbstregulation sehr wichtig. Ein nahezu perfektes Gedächtnis findet sich nur bei bestimmten Formen des Autismus, also bei Menschen, die aufgrund einer nicht vorhandenen Filterfunktion des Gehirns ständig von mentalen Reizen überflutet werden. Auch von Schachgroßmeistern, die ihr Gedächtnis zu unglaublichen Spitzenleistungen trainieren, ist bekannt, dass sie anfällig für psychische Instabilität sind. Vergessen ist also nicht schlecht, es wäre nur sehr wünschenswert, wenn wir mehr Mitspracherecht dabei hätten, wann wir vergessen und wann nicht.  Entscheidend dafür, ob unser Gehirn Information mit einer Priorität versieht, so dass wir sie gut verstehen und behalten, ist der gefühlte Bezug zu dieser Information. 

Assimilation, der Schlüssel zum Lernen

Solange sich Information subjektiv anfühlt, wie ein Fremdkörper im Geist, wird unser Gehirn diese Information nicht zu einer Priorität des Erinnerns machen. In besonderen Erlebnissen, an die wir uns so gut erinnern können, hatten wir dagegen einen tiefen subjektiven Bezug – was geschah, hatte sehr deutlich fühlbar mit uns zu tun. Wenn wir Informationen effektiv behalten wollen, muss sich eben dieser subjektive Bezug einstellen. Ein Themengebiet muss ein Teil unseres mentalen Wesens werden, so wie es die Bedeutung des Begriffs der Assimilation ausdrückt: aus etwas Fremdem etwas Eigenes machen. 

Auch als Anfänger in einem neuen Wissensgebiet kann man durch ein intelligentes Lernsystem schnell ein vertrautes Gefühl zu den Zusammenhängen und Fakten bekommen. Von der Menge oder Komplexität des Wissensgebiets eingeschüchtert zu sein, entfällt.  Stattdessen erleben wir eine stimulierende Freude am Lernstoff, ein Interesse und Lust auf mehr. Wir gehen mit unserer Aufmerksamkeit einfach in der Thematik auf und sekundäre innere Kommentare darüber, wie schwer das ist, wie viel wir noch lernen müssen, was wir noch nicht verstanden haben etc. entfallen. 

Zwei Buben sitzen beim Lernen und sehen nachdenklich aus

Leistung ohne Ziele

Weniger auf die Ergebnisse des Lernens zu schielen, verbessert meistens die Lernleistung erheblich. Die Flow-Psychologie von Mihály Csíkszentmihályi erklärt diesen Zusammenhang sehr eindrücklich: Wenn man in dem, was man tut, völlig aufgeht, bleibt keine Aufmerksamkeit mehr dafür übrig, eine Vorstellung davon im Geist zu halten, wie das was man tut geschehen oder was dabei herauskommen sollte. Genau in diesem Flow–Zustand, der kein positives Selbstbild braucht, weil er auch kein negatives hat, sind aber unsere Fähigkeiten optimiert. Wir erzielen bessere Leistungen, wenn wir uns nicht um die Leistung kümmern. In Bezug auf Lernen bedeutet dies:

  • Wir lernen sehr effektiv, wenn unser Augenmerk auf einem freudvollen, interessierten Lernerlebnis liegt
  • Wir lernen sehr effektiv, wenn wir Information zu aufbereiten, dass unser Gehirn gute Gründe hat, sie mit hoher Priorität zu versehen
  • Wir blockieren unsere Lernfähigkeit, wenn wir während des Lernens immer ein vorgegebenes Ziel im Hinterkopf haben

Merkmale eines guten Lernsystems

Vor vielen Jahren wollte ich Menschen einfach dazu ermutigen, mit Freude und im Flow–Zustand zu lernen. Doch die Frage „ja aber wie soll das denn gehen?“ führte zu einer umfangreichen Recherche bei Lernsystemen, die durch Seminare oder Bücher angeboten werden.  In der Praxis stellte sich schnell heraus, dass der Prozentsatz derjenigen, die ein solches System auch tatsächlich anwandten bei weniger als fünf Prozent derjenigen lag, die einen entsprechenden Kurs besucht hatten. Der Grund wurde schnell klar: Auch wenn es viele interessante Gedächtnistricks oder einzelende gute Lerntechniken gab, haben die meisten dieser Kurse nichts dazu beigetragen, dass Lernen sich grundsätzlich anders anfühlt als vorher. 

Ein gutes Lernsystem muss vor allem ein neues, entspanntes und freudvolles Lerngefühl im Menschen freisetzen. Interessanterweise werden dann auch Entspannungstechniken überflüssig. Lernen ist stimulierende Aktivität, das Gleiche gilt auch für Prüfungen. Freudig erregt zu sein ist etwas völlig anderes, als blockierende Nervosität. Wenn ein Lernsystem aufzeigt, wie die physiologische Erregung des Lernens als Freude und Interesse erlebt werden kann, funktionieren sekundäre Lerntechniken hervorragend. Auch Gedächtnistechniken, Lesen mit wesentlich höherer Geschwindigkeit, effektiveres Lernen von Sprachen und andere spezielle Aspekte des Lernens können auf dieser Grundlage effektiv vermittelt werden. 

Der Experte dahinter
Christian Dittrich-Opitz

Dittrich-Opitz Christian

Christian Dittrich-Opitz ist als Begründer des ganzheitlichen Lernsystems „Lernen wie ein Genie“, der „Befreiten Atmung“ und dem Hauptwerk seiner Forschungsarbeit der „Befreiten Ernährung“ tätig.