Welche Süßungsmittel sind für Diabetiker geeignet? Podcast mit Klaus Reisenberger

Diabetes mellitus, die "Zuckerkrankheit", ist eine weit verbreitete Erkrankung. Die Betroffenen können Zucker gar nicht mehr oder nur noch teilweise verarbeiten. Sie müssen deshalb gut auf ihre Ernährung achten und Zucker reduzieren. Doch was bedeutet das im Einzelnen? Welche Süßungsmittel sind für Diabetiker geeignet und welche sind nicht so gut? Wir stellen dir verschiedene Alternativen zum Haushaltszucker vor und erklären dir, was dahintersteckt.

Dürfen Diabetiker Zucker essen und was ist Diabetes eigentlich?

Der Blutzuckerspiegel in unserem Körper ändert sich ständig, abhängig von dem, was wir gegessen und getrunken haben. Der Körper reagiert auf den Blutzucker mit der Ausschüttung von Insulin. Dieser Stoff regelt den Blutzucker wieder nach unten. Bei Diabetes wird jedoch zu wenig oder gar kein Insulin mehr produziert. In der Folge ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht und das hat negative Auswirkungen auf die Gefäße und auf verschiedenste Organe.

Unbehandelt kann Diabetes zu schweren Schäden führen, zum Beispiel zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Nierenschäden oder Sehkraftverlust. Deshalb müssen Patienten gut auf ihre Ernährung achten und möglicherweise Insulin in Medikamentenform einnehmen oder spritzen.

Dass Diabetiker gar keinen Zucker mehr essen dürfen, ist übrigens ein Irrtum. Sie sollten ihn allerdings nur in Maßen einsetzen und vor allem auf den Kaloriengehalt achten, um keine Probleme zu bekommen. Deshalb ist es sinnvoll, einen Teil des Zuckers durch alternative Süßungsmittel zu ersetzen. Wir stellen dir die wichtigsten Alternativen vor.

Tipp: Wenn du noch mehr über Süßungsmittel erfahren möchtest, solltest du dir auch den aktuellen Expertentalk nicht entgehen lassen. Dort erzählt Klaus Reisenberger von natusweet über die Vor- und Nachteile der einzelnen Zuckeralternativen.

Würfel mit der Aufschrift Diabetes sind mit Zucker umrandet

Vorsicht vor Fruchtzucker und Honig!

Früher ersetzte man den Zuckergehalt in Lebensmitteln für Diabetiker häufig durch Fruchtzucker. Inzwischen weiß man: Fruchtzucker bietet keine Vorteile. Er hat ähnlich viele Kalorien wie gewöhnlicher Haushaltszucker. Er beeinflusst zwar die Insulinausschüttung nicht so stark (man sagt, der glykämische Index ist geringer), wird dafür aber in der Leber verstoffwechselt. Klaus Reisenberger erklärt: "Dies kann zu einer Fettleber führen. Fruchtzucker ist übrigens auch der Zucker in Dicksaft oder Sirup, diese sind deshalb nicht gut zum Süßen geeignet."

Auch Honig ist keine gute Alternative zum Haushaltszucker. Er hat genauso viele Kalorien wie gewöhnlicher Zucker und einen ähnlichen glykämischen Index. Honig enthält zwar mehr wertvolle Inhaltsstoffe als Industriezucker, für Diabetespatienten bietet er aber keinen weiteren Vorteil.

Stevia-Pulver und -Blatt

Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Zuckeraustauschstoffe und Süßungsmittel mit eigenen Vor- und Nachteilen. Einige wichtige stellen wir dir vor:

  • Aspartam ist einer der bekanntesten synthetischen Süßstoffe. Es süßt sehr viel stärker als Zucker und wird deshalb nur in geringen, kalorienfreien Mengen eingesetzt. Zum Backen ist Aspartam nicht geeignet, weil er kein ausreichendes Volumen bietet und bei hohen Temperaturen bitter wird. Außerdem darf Aspartam von Menschen mit der Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie nicht verwendet werden. Und: Es gibt zu Aspartam eine ganze Reihe von bedenklich stimmenden Studien. Deshalb suchen viele Menschen alternative Süßungsmittel.
     
  • Xylit (auch Birkenzucker genannt) ist ein Zuckerersatz, der eine nahezu gleiche Süßkraft bei vierzig Prozent weniger Kalorien hat. Für den Start gar nicht so schlecht, allerdings bleiben immer noch mehr als genug Kalorien übrig. Immerhin: Der Abbau von Xylit erfolgt insulin-unabhängig. Xylit ist hitzestabil und kann beim Backen und Kochen problemlos verwendet werden. Nur für Hefeteige ist Xylit nicht geeignet, diese gehen dann nicht auf. Achtung: Xylit kann abführend wirken. Mische es vor allem nicht mit anderen Süßstoffen, sonst kann es zu Magen-Darm-Problemen kommen! Wichtig für Haustierbesitzer: Tiere, vor allem Hunde, vertragen Xylit nicht und können im schlimmsten Fall sterben, wenn sie diesen Süßstoff einnehmen. Halte deshalb Lebensmittel mit dieser Zuckeralternative unbedingt von deinem Haustier fern!
     
  • Erythrit ist genau wie Xylit ein Zuckeralkohol. Es hat einen sehr zuckerähnlichen Geschmack und ist komplett kalorienfrei. "Erythrit wird nicht über den Darm, sondern über den Urin verstoffwechselt. Dadurch nimmt der Körper keine Kalorien aus diesem Zuckerersatz auf", weiß Klaus Reisenberger. Einziger Nachteil: Erythrit hat nur etwa 70 Prozent der Süßkraft von Zucker, deshalb muss man etwas mehr nehmen, um die gleiche Süße zu erreichen.
     
  • Stevia ist ein natürlicher Zuckerersatz mit sehr langer Tradition. Die Blätter der Stevia werden schon seit Jahrtausenden genutzt, zum Beispiel traditionell zum Süßen von Matetee. Stevia ist völlig natürlich und hat eine sehr hohe Süßkraft. Allerdings ist der Geschmack von Stevia nicht mit dem von Zucker vergleichbar.

Mittlerweile wurde aber bereits ein Zuckerersatz entwickelt, der die Vorteile von Erythrit und Stevia kombiniert. Das Ziel bei der Entwicklung war, eine Alternative für Diabetiker zu finden, die sehr unkompliziert zu verwenden und trotzdem gesünder als Zucker ist. Entstanden sind die Kristalle aus Stevia und Erythrit, die man 1:1 wie Zucker verwenden kann. Sie schmecken sehr ähnlich wie Industriezucker und haben auch das gleiche Volumen. Sie sind zum Kochen, Backen und Verfeinern geeignet und damit eine echte Zuckeralternative.

Sind Süßstoffe unbedenklich?

Es gibt immer wieder Studien, die eine gesundheitsschädliche Wirkung von Süßstoffen vermuten lassen. Zum Beispiel konnte eine Studie zeigen, dass Tiere durch das Füttern von Süßstoffen an Gewicht zunahmen. In anderen Studien deutet sich ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen an. Sicherheitshalber wurden deshalb Tages-Höchstwerte für verschiedene Süßungsmittel festgelegt, um Risiken zu vermeiden. Wenn du innerhalb dieser Empfehlungen bleibst, musst du keine negativen Folgen befürchten. Viele Menschen entscheiden sich trotzdem lieber für natürliche Zuckeraustauschstoffe wie Stevia. 

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.



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