Loslassen lernen und ohne Angst dein Leben lieben

Trennungen sind niemals leicht - diese Erfahrung mussten wir alle bereits machen. "Du musst lernen loszulassen" - diesen Satz haben wir uns in solchen Momenten wahrscheinlich schon oft anhören müssen. Meistens war uns dabei sogar bewusst, dass der derjenige mit seinem Tipp Recht hatte. Aber wie lernen wir loszulassen und warum fällt uns Menschen dieser, für unser weiteres Leben notwendiger, Schritt oftmals so schwer?

Frau mit ausgestreckten Armen im Sonnenuntergang

Loslassen lernen aus Liebe zum Leben

Bereits im Buddhismus heißt es, dass Loslassen der Schlüssel zu unserem Glück ist und es daher für uns essentiell ist, diese Fähigkeit zu lernen. Wir alle wissen meistens, wie wichtig es ist, von bestimmten Dingen Abstand nehmen zu können.

Vor allem, wenn es um Liebe geht, um andere Menschen, mit denen wir viele gemeinsame und glückliche Erinnerungen verbinden, ist es schwer, diesen Schritt zu setzen und die Beziehung tatsächlich abzubrechen. Die Angst vor solch weitreichenden Entscheidungen ist durchaus verständlich, jedoch sollten wir uns auch immer vor Augen führen, was dazu geführt hat, dass wir uns mit dem Menschen in einer solchen Situation befinden und welche Gefühle und damit Konsequenzen der momentane Zustand in uns auslöst.

Eine gewisse Zeit können wir vielerlei ertragen, aber irgendwann erreichen wir einen Punkt, an dem man eine Entscheidung treffen muss. Dies fällt bestimmt nicht immer leicht, aber es ist dein Leben und du musst für dich das Beste daraus machen. Das bedeutet leider oftmals auch, von Beziehungen, Liebe, Gedanken, Gefühlen und anderen Menschen loszulassen - auch wenn die Angst vor dem Schmerz groß ist.

Was bedeutet loslassen?

Es bedeutet, sich mit einer unausweichlichen Situation zu arrangieren. Man passt sich an und beginnt jene Dinge zu akzeptieren, die einem im Laufe seines Lebens widerfahren sind. Das kann eben oftmals auch bedeuten, dass wir uns von Dingen und Beziehungen, die uns ans Herz gewachsen sind, nach einer bestimmten Zeit wieder trennen müssen. Was im ersten Moment zwar weh tut, sorgt aber dafür, dass wir in einer ausweglosen Lage nicht hängen bleiben und uns weiterentwickeln können. Es heißt demnach, sich aus einer unangenehmen Situation zu befreien.

Schon ein altes Sprichwort besagt: "Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende". Genau dasselbe gilt auch hier. Irgendwann erreicht man den Punkt, an dem man einen Schlussstrich setzen muss, selbst wenn man weiß, dass die getroffene Entscheidung unangenehme Konsequenzen mit sich bringt. Wir müssen die Vergangenheit so hinnehmen, wie sie ist, in der Gegenwart die richtigen (wenn auch nicht immer einfachen) Entscheidungen treffen, um eine Chance zu haben, unser weiteres ganzes Leben glücklich zu sein.

Der bekannte Coach, Autor und Speaker Elmar Rassi hat sich mit diesem Thema eingehend beschäftigt und es auf den Punkt gebracht:

Warum ist es wichtig, die Angst vor dem Schmerz und dem Verlust zu verlieren?

Deine Gedanken sind dein ständiger Begleiter. Sie beeinflussen deine Gefühle, dein Befinden und damit dein gesamtes Leben. Belastet dich etwas, umgibst du dich selbst mit negativen Gedanken. Diese kosten dich ständig Kraft und wirken sich auf dein Leben aus. Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, wann der Punkt gekommen ist, dich von diesen Gedanken zu verabschieden. Auch wenn du am Anfang noch glaubst, die Situation wird sich schon irgendwann wieder zum Guten wenden, wirst du nach einiger Zeit beginnen zu merken, dass eine Trennung (zum Beispiel das Ende einer Beziehung) manchmal unausweichlich ist. Die Sache ist nämlich die, dass sich negative Gefühle und Gewohnheiten auch in unserem Leben niederschlagen.

Was ist, wenn wir Jetzt verharren und keine Änderungen zulassen?

Die Konsequenzen sind oftmals zu wenig Zeit für sich selbst. Auch die eigene Leistung kann unter dem Druck und der unangenehmen Stimmung leiden. Die Leistungen, die man in der Arbeit abliefert, haben nicht mehr die Qualität von früher - man gibt sich schon mit dem Mittelmaß zufrieden und auch das volle Potential der körperlichen und geistigen Leistung wird nicht mehr voll ausgeschöpft. Im Privatleben wird sich die Lage ebenfalls bemerkbar machen. Es mangelt an Kraft und man ist unglücklich. Das schadet nicht nur der Beziehung zu den Menschen, mit denen wir uns umgeben, sondern es nimmt uns auch die Lebensfreude und Lust - sowohl auf alltägliche Dinge als auch auf die Liebe. Belastende Situationen zehren nämlich an unseren Energiereserven. Einsamkeit ist nicht selten eine Folge davon.

Das haben wir sicher alle schon einmal erlebt. Solange wir uns mit der Lage nicht arrangieren und ständig an der Hoffnung auf Besserung festkleben, arbeitet es in uns und wir finden keine Ruhe mehr. Sämtliche Gedanken kreisen um unser Problem und wir finden einfach keine Kraft, um abzuschalten. All dies kostet Kraft und saugt über längere Zeit all unsere Energie ab. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu körperlichen und gesundheitlichen Auswirkungen kommen. Dies gilt es unbedingt zu vermeiden. Denn, wie wir alle wissen, ist Gesundheit eines der wichtigsten Kriterien, die unser Leben schön und lebenswert machen. Daher solltest du dich mit dem Thema loslassen unbedingt näher auseinandersetzen, wenn du folgende Anzeichen an dir feststellst, und lernen, wie du die Angst vor Veränderungen überwinden kannst:

  • Psychosomatische Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsstörungen 
  • Suchtverhalten - Probleme, die man nicht loslassen kann, sind oftmals auch Auslöser für Abhängigkeiten, die sich sehr stark auf unsere Gesundheit und unser soziales Leben auswirken können.
  • deine Gedanken sind stets woanders und du bist ständig am Grübeln
  • Panikattacken
  • Wut und Hass der Situation oder dem Auslöser gegenüber
  • Selbstablehnung, weil man sich selbst verantwortlich fühlt
  • belastende Situationen können bis hin zu einer richtigen Depression führen. 
Traurige Frau an einer Fensterscheibe

Warum tun wir Menschen uns schwer, mit Veränderungen umzugehen?

Wir Menschen haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Das bedeutet, dass wir versuchen, an unserem Gewohnten festzuhalten. Veränderungen, die unser eigenes Leben betreffen, sind immer ein Schritt aus unserer Komfortzone. Wir wagen uns in etwas Neues und Unbekanntes. Was manche vielleicht als Abenteuer sehen, stellt für den Großteil von uns einen Schritt ins Ungewisse dar, in eine Welt, die uns Angst macht. Erst einmal ist alles fremd und wir müssen uns mit der neuen Situation arrangieren. Um dies zu vermeiden, bleiben wir oft in unserem gewohnten Umfeld und versuchen, so wenig als möglich zu verändern - selbst wenn wir uns dort schon seit geraumer Zeit nicht mehr zu hundert Prozent wohlfühlen.

Besonders schwer fällt es uns natürlich, wenn diese Veränderung andere Personen, vor allem Menschen, die man liebt, inkludiert oder vielleicht sogar die erste große Liebe. In diesen Momenten können wir noch so unglücklich sein - das Loslassen wird einem trotzdem schwer fallen. All diese Argumente erklären, warum das Verharren, das Nicht-Loslassen, fast schon eine Grundeinstellung von uns Menschen ist. Insgesamt gibt es allerdings eine Vielzahl an Situationen, welche ein Weiterkommen erschweren, weil wir aus ihnen einfach nicht ausbrechen können aus Angst, etwas für uns Wichtiges, Vertrautes und Altbekanntes zu verlieren.

Wann ist es besonders schwierig, uns von Bekanntem zu lösen?

Vielleicht hast du dich selbst schon einmal in einer dieser Situationen befunden und weißt, wie schwer die nächsten Schritte sein können:

  • Trauer: Vor allem der Tod einer geliebten Person kann uns in einen tiefen Abgrund reißen. Wir Menschen klammern uns an der Erinnerung fest, da wir das Gefühl haben, dass sie das Einzige ist, was uns bleibt. Dieses Verhalten ist zwar durchaus verständlich, aber es wird uns nicht weiterbringen und uns den Kontakt zu anderen Menschen oder das Kennenlernen neuer Leute nur erschweren.
     
  • Auch bei einer Trennung verhalten wir uns ähnlich und klammern uns an den Erinnerungen fest, die wir mit unserem Partner geteilt haben. Dies kann leider auch dazu führen, dass wir alleine bleiben und uns vor neuen Beziehungen verschließen. Auch beim Kennenlernen von anderen Männern oder anderen Frauen wird uns die unbewusste Präsenz unserer vergangenen Beziehung, die "Anwesenheit" unseres Ex-Partners, jedoch nur im Wege stehen. Eine neue Beziehung ist erst dann möglich, wenn wir die Trennung vollständig verarbeitet haben und auch in unserem Innersten bereit für etwas Neues sind. 
  • schlechtes Gewissen: Wir haben einen Fehler gemacht? Kann passieren, wir sind auch nur Menschen. Wichtig ist es, diesen Fehler hinter sich zurückzulassen und die Chance zu ergreifen, sich in neuen Herausforderungen besser zu schlagen. Immerhin haben wir aus unserem Fehler ja gelernt. 
     
  • Verletzte Gefühle: Unser Partner reagiert nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten, aber das Thema ist zu klein und unbedeutend, um es anzusprechen - solche Momente kennen wir wohl alle. Trotzdem lässt es uns nicht los und spiegelt sich in unserem Verhalten wider. Weiterbringen wird es jedoch niemanden.
     
  • Ungerechtigkeit: Das Leben ist leider nicht fair und auch Glück spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Dagegen kann man nichts machen, wir müssen das Leben trotzdem annehmen, wie es ist. Auf manche Dinge hat man eben keinen Einfluss.
     
  • Krankheit: Sie ist das beste Beispiel für Ungerechtigkeit. Statt jedoch damit zu hadern und im Selbstmitleid zu versinken, muss man dagegen ankämpfen und sein Möglichstes tun, um wieder gesund zu werden.
     
  • Unglückliche Beziehung: Egal ob im Arbeitsplatz, Wohnsituation oder in einer romantischen Beziehung. Stimmt das Umfeld nicht, wird man nicht glücklich und es ist Zeit für eine Trennung. Selbst wenn man nicht weiß, ob die nächste Erfahrung besser wird - es ist immer noch besser, sie zu machen, als auf der Stelle zu treten und seine Chance auf Glück verstreichen zu lassen. 
     
  • Eltern (vor allem Mütter) tun sich oft schwer, ihre Söhne und Töchter gehen zu lassen. Damit beeinflussen sie nicht nur das Leben der Kinder, sondern nehmen sich auch selbst die Chance, neue Erfahrungen zu machen, jenseits des Mutter-Seins. 
Eine Frau schaut traurig auf ihr Handy

Wann ist der Moment gekommen wo das Festhalten aufhören muss?

Die Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Helfen kann dabei eine Art Gewinn-Verlust-Rechnung. Wir müssen uns erst mal vor Augen führen, welche Konsequenzen der nächste Schritt mit sich bringen würde. Dabei werden sowohl positive als auch negative Effekte berücksichtigt. Diese Gedanken führen uns noch einmal vor Augen, welche Gründe es sind, die uns dazu bringen, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Inwiefern können wir davon gewinnen, wenn wir Belastendes loslassen, was verlieren wir dadurch?

Fällt uns der Weg besonders schwer, hilft oftmals auch Kontakt zu Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befunden haben und es gelernt haben, die Konsequenzen zu akzeptieren. Sie können einen positiven Einfluss auf unsere Entscheidungsfreudigkeit haben. Auch Freunde können mit Rat und Tat zur Seite stehen, werden aber ihre eigene Perspektive nie ganz ausschalten können, das muss uns bewusst sein. Bevor wir uns wirklich daran setzen, den Schlussstrich mit einem Partner, Freunden, Menschen, die wir lieben, oder ähnlichem zu ziehen, ist es wichtig, dass wir uns auch ganz sicher sind, das "Lass los!" die Antwort ist. Bald werden wir aber erkennen, dass unser Handeln zwar der erste Schritt ist, Loslassen aber, wie auch Elmar Rassi schreibt, ein Prozess ist, der nicht von einem Tag auf den anderen erledigt ist. Emotionen brauchen eben Zeit.

Hand die Papierflieger fliegen lässt

Übungen zum Loslassen lernen

Haben wir uns ausreichend Zeit genommen und Gedanken gemacht, um eine Entscheidung zu treffen, ist der Moment gekommen. Werde dir klar darüber, dass du deine Gefühle beeinflussen kannst. Der ganze Prozess findet in deinem Kopf statt. Bist du dir dessen bewusst, befindest du dich auf dem besten Weg, um mit einer unglücklichen Liebe, einem belastenden Menschen oder einer anderen Beziehung abzuschließen.

Sobald du erkennst, dass sich die Gedanken wieder um das eine Thema drehen, denkst du dir einfach: "Ich bin bereit loszulassen!". Gerade die erste Zeit wird es sich noch anfühlen, als würdest du dich selbst belügen. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Am Anfang ist der Weg immer beschwerlich. Was besonders wichtig ist, gerade wenn es um das Thema Liebe und Freunde geht, ist, dass auch für die betroffenen Personen klar kommuniziert wird, was passiert. Dass die gemeinsame Zeit sehr schön war, aber dass es an der Zeit ist, neue, getrennte Wege zu gehen. Vielleicht war der Partner ebenfalls nicht glücklich und hat verzweifelt versucht, an etwas festzuhalten, was nicht mehr funktioniert. Ist dies der Fall, wird er deine Entscheidung akzeptieren. Unser Tipp: Darüber reden und klare Fronten schaffen ist der faire Weg für beide.

Anleitung zum Loslassen in vier Schritten 

Elmar Rassi hat eine Anleitung erstellt, in der er dir hilft, mit vier einfachen Schritten wieder frei von belastenden Gefühlen oder anderen seelischen Belastungen zu werden. Praxisorientierte und erprobte Übungen unterstützen dich dabei, belastende Zwänge zu verabschieden und eine ganz neue Lebensqualität zu erleben. 

Loslassen kann aber auch bedeuten, den Partner anzunehmen, wie er ist. Führe dir die Dinge, die dich stören, immer wieder vor Augen und fokussiere dich auf die Gefühle, die du dabei empfindest! Wo genau bleiben sie hängen? Was hindert dich daran, sie einfach gehen zu lassen? Falls du dir bei dieser Übung schwer tust, haben wir noch einen Tipp: schreibe die Dinge, die dich festhalten, auf einen Zettel. Zerknülle ihn in deiner Hand und dann lass ihn einfach fallen! Beobachte im Geiste, wie der Zettel mit all deinen Problemen zu Boden fällt und achte auf das Gefühl in deinem Inneren! So wird dir noch mehr bewusst, woran du noch arbeiten musst und ob Loslassen der richtige Schritt für dich ist.