Genuss statt Geständnis: Der Umgang mit sexuellen Fantasien

Jeder Mensch hat sexuelle Fantasien, die entweder im Alltag oder während dem Liebesspiel für ein Prickeln sorgen können. Ob bei Männern oder Frauen: das Gehirn ist einfach die größte erogene Zone beim Menschen. Für eine gewagte Fantasie muss sich niemand genieren. Sie sind reine Privatsache und müssen mit der Beziehung zu unserem aktuellen Partner überhaupt nichts zu tun haben. Etwas völlig anderes sind unerfüllte sexuelle Wünsche. Hier kann offene Kommunikation sinnvoll sein. 

Mann und Frau in dämmrigem Licht im Bett

Privates Kopfkino: Was bewirken sexuelle Fantasien?

In der Fantasie ist erlaubt, was gefällt. So gut wie jeder erwachsene Mensch hat unzählige Fantasien erotischer Natur. Sie sorgen für eine kleine Auszeit aus dem Alltag. Ähnlich wie Schokolade, bestimmte Drogen wie Meskalin oder auch nur der Zustand des Verliebtseins, lösen erotische Fantasien in unserem Körper die Produktion von bestimmten Botenstoffen aus. Das dient der Entspannung und sorgt für ein angenehmes Gefühl.

Dieses angenehme Empfinden, das sexuelle Reize in uns auslösen kann, wird auch gerne in der Werbung dafür verwendet, um Produkte zu verkaufen. Mit realem Sex haben Fantasien nicht unbedingt etwas zu tun. In unserem Kopf sind wir zu allem fähig, können Grenzen überschreiten und in alle möglichen Rollen schlüpfen. Das kann wild sein und gefährlich, aber auch sanft und zärtlich.

Welche erotischen Fantasien kommen am häufigsten vor?

Frauen und Männer haben etwas anders gelagerte Fantasien. Das zeigen Forschungen, wie die Studie einer kanadischen Universität

  • Frauen träumen oft von Sex mit einem Fremden oder Sex mit einer Frau.
  • Männer haben in ihrer Fantasie gerne Sex mit mehreren Frauen oder an einem ungewöhnlichen Ort.
  • Wovon beide gleich oft fantasieren, ist Sex mit einem Partner, in den man sehr verliebt ist.
  • Ungefähr ein Drittel aller Frauen und Männer nimmt in der Fantasie auch gerne eine dominante Rolle ein.
Drei Paare von Füßen unter einer Bettdecke.

Was sagen meine erotischen Fantasien über mich aus?

In vielen Fällen sind erotische Fantasien mit geheimen Botschaften aus unserem Unterbewusstsein verbunden. Sogenannte Trigger aus der Kindheit, der Pubertät oder auch aus dem Erwachsenenleben können in uns sexuelle Erregung auslösen. Stellst du dir als heterosexuelle Frau vor, Sex mit einer schönen Frau zu haben, muss das überhaupt nicht heißen, dass du lesbisch oder bisexuell bist. Es kann einfach bedeuten, dass du neugierig bist.

Erotische Fantasien haben auch nicht unbedingt mit Sex etwas zu tun. Sie können ungelöste Konflikte aus deinem Unterbewusstsein betreffen oder einfach an schöne Erlebnisse anknüpfen. Wenn jemand davon träumt, gefesselt zu werden, muss das aber auch nicht heißen, dass diese Person im Alltag auch Verantwortung an andere abgeben möchte. Die menschliche Psyche ist sehr komplex. Es gibt keinen Leitfaden für das Deuten von sexuellen Fantasien, genauso wenig, wie es das für die Traumanalyse gibt.

Jeder Mensch weiß instinktiv gut über die Grenzen Bescheid, die zwischen seiner inneren, ganz privaten Welt und der Außenwelt bestehen. Etwas anderes ist es, wenn wir uns sexuell von unserem Partner nicht befriedigt fühlen. Dann gibt es schon Gesprächsbedarf. Aber Vorsicht: Ein erfülltes Sexualleben bedeutet nicht, dass es dabei um die Verwirklichung von intimen Fantasien im Bett geht. Weder von den eigenen, noch von den Fantasien des Partners oder der Partnerin. Allerdings: Je aktiver wir sexuell sind, desto öfter drehen sich unsere Gedanken um Sex, desto mehr sexuelle Fantasien haben wir. Das hat ebenfalls mit unseren Hormonen zu tun. 

Frauenhände mit schwarzer Fessel im Bett.

Sexuelle Fantasie oder Wunsch – was ist der Unterschied?

Fantasien wollen fantasiert, Wünsche wollen erfüllt werden. Lust und Liebe spielen sich im Kopf, aber auch im Körper ab. Menschen reagieren in beiden Bereichen sehr unterschiedlich. Eine sexuelle Fantasie kann Sex mit mehreren Männern oder Frauen oder an einem öffentlichen Ort sein. Ein sexueller Wunsch hingegen kann sein, dass sich ein Partner wünscht, an einer bestimmten Stelle gestreichelt zu werden. Das eine hat mit dem Kopf zu tun, das andere direkt mit dem Körper. Haben Menschen Gruppensex, dann ist die Fantasie eben zu einem konkreten Wunsch geworden und hat den Einzug in die Realität geschafft. Das muss aber nicht sein. Die moderne westliche Konsumgesellschaft ist vollgestopft mit sexuell aufgeladenen Bildern und Botschaften. Konkret über Sex und individuelle Bedürfnisse gesprochen wird aber nicht so häufig. Das ist auch nicht so einfach. 

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Reden über Sex: Wie gelingt offene Kommunikation im Bett?

Viele Männer wissen zwar sehr genau, wie eine Frau von außen aussieht, wissen aber nicht, wie groß eine Klitoris tatsächlich ist und was ihrer Liebsten wirklich Lust im Bett verschafft. Wenn Liebe im Spiel ist, kann es manchmal auch nicht so leicht sein, konkrete Wünsche zu formulieren. Dazu braucht es Vertrauen und eine offene Gesprächsbasis. Aber selbst bei sehr vertrauten Beziehungen, scheuen Frauen oft davor zurück, einen sexuellen Wunsch bei ihrem Liebsten zu bestellen, wie bei einem Kellner.

Wir leben auch in einer Gesellschaft des Leistungsdruckes, der sich leider auch auf unser Sexualleben auswirken kann, einem Bereich, in dem es eigentlich eher um Genuss gehen sollte. Klaus Peill ist systemischer Paar- und Sexualtherapeut. Ein Besuch bei ihm als Paar oder auch als Einzelpersonen kann dabei unterstützen, offen und respektvoll über die eigenen Grenzen und Bedürfnisse im Bett und in der Liebe zu sprechen.

Paar verliebt im Bett

Soll ich mit meinem Partner über meine sexuellen Fantasien reden?

Liebe und Beziehungen treten in unserem Leben in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen und Arten auf. Ob heiße Affäre, unverbindlicher One-Night-Stand oder zuverlässige Paarbeziehung: die Basis der Liebe ist immer Respekt und ein achtsamer Umgang mit der anderen Person, aber auch mit sich selbst. Dazu gehört das Akzeptieren von Grenzen auf körperlicher und psychischer Ebene. Erotische Fantasien sind ein wichtiger Teil deiner Persönlichkeit. Sie sind aber auch Teil deines intimen und privaten Bereichs, der andere Menschen nicht unbedingt etwas angeht.

Wenn dir Fantasie dabei hilft, besser zu einem Orgasmus zu kommen, musst du deinem Mann oder deiner Frau nicht unbedingt davon erzählen. Ihr seid euch sowieso so nahe im Moment des Liebesspiels, was im privaten Kopfkino dabei zusätzlich noch vor sich geht, muss nicht unbedingt ausgesprochen werden. Es sei denn, du hast das Gefühl, in eine Abhängigkeit von deiner Fantasie geraten zu sein, zu viel oder zu wenig oder gar keine Fantasien zu haben. Möglicherweise ist deine Fantasie auch schambehaftet oder du fühlst dich schuldig. Auch dann kann das Gespräch mit einem Sexualtherapeuten hilfreich sein.

Die beste Freundin und viel Respekt: Der Umgang mit sexuellen Fantasien

Du weißt vermutlich instinktiv ohnehin, was du mit deinem Liebsten auch verbal teilen möchtest oder wann du besser schweigst. Intimität hat immer etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen zu erfüllen, heißt aber auch, sich Gedanken darüber zu machen, was man jemandem erzählen kann und was nicht. Weil sich manche Menschen, vorwiegend Frauen, manchmal dafür genieren, was sie sich in ihren erotischen Träumen so vorstellen, kann es hier auch hilfreich sein, zum Beispiel mit der besten Freundin über geheime Fantasien zu sprechen. Sie mag vielleicht keine Therapeutin, aber eine gute Zuhörerin sein. Deine beste Freundin steht nicht unter Zugzwang und wird dir nur verraten, dass auch sie Sex-Fantasien hat. Vielleicht habt ihr sogar Spaß daran, euch über eure Fantasien auszutauschen und möglicherweise noch mehr miteinander zu fantasieren. Seid kreativ – erlaubt ist, was gefällt! Lass deiner Fantasie freien Lauf und entscheide dann selbst, was davon du dir auch in der Umsetzung (als zu erfüllenden Wunsch) vorstellen kannst und magst.

Der Experte dahinter
Tantriker Klaus Peill

Peill Klaus

„Meine Einzigartigkeit ist die Vielseitigkeit!“ lautet die Lebensphilosophie von Klaus Gabriel Peill, der sich auf Tantra und Familienstellen spezialisiert hat.