Verhütung ohne Hormone - die große Übersicht

Hormonfreie Verhütungsmittel haben es nicht leicht. Sie stehen in der Diskussion über die „richtige“ Verhütung mit der Pille im Abseits. Viele Frauen, insbesondere die jungen, bei ihrer ersten großen Liebe, haben von ihnen nur am Rande mal etwas gehört. Wir stellen hier die wichtigsten hormonfreien Verhütungsmittel vor und erklären, wie Verhütung ohne Hormone funktioniert.

eine Frau hält Verhütung ohne Hormone vor die Augen (Kondome) und streckt frech die Zunge raus

Warum Verhütung ohne Hormone?

Abgesehen vom Kondom sind hormonfreie Verhütungsmethoden kaum bekannt. Doch du hast gute Gründe, dich mit der hormonfreien Alternative zu beschäftigen. Denn der entscheidende Vorteil gegenüber der hormonellen Verhütung ist: Der Körper wird nicht mit Stoffen belastet, deren Wirkungen bis heute nur unzureichend erforscht sind. Wir haben hier nähere Informationen über die bekanntesten Verhütungsmethoden, die ohne Hormone wirken:

Hormonfreie Spirale - Alternative zur Pille

Sie besteht aus einem flexiblen, lilienförmigen und mit Kupfer beschichteten Kunststoffrahmen. Eine Alternative dazu ist die weniger verbreitete Kupferkette. Der genaue Wirkungsme­chanis­mus einer hormonfreien Spirale ist noch ungeklärt. Vermutet wird aber, dass die Gebärmutter­schleimhaut durch die Spirale so verändert wird, dass eine Einnistung der befruchteten Eizelle unmöglich gemacht wird.

Als Weiterentwicklung gibt es mittlerweile auch sogenannte Gold-Kupfer-Spiralen, die im Unter­schied zur reinen Kupferspirale noch verträglicher sein sollen. Sie bestehen aus einem Polyethylenrahmen, um den ein Draht aus einer Gold-Kupfer-Legie­rung gewickelt ist.

Wie aber wirkt die Methode der Kupferkette oder der Spirale? Die Spirale gibt ständig geringe Mengen an Kupfer ab. Diese Kupferionen greifen in deinen Befruchtungsvorgang in der Gebärmutter und in den Eileitern ein. Sie vermindern ohne Hormon die Beweglichkeit der Spermien und verhindern so die Befruchtung der Eizelle und du wirst nicht schwanger.

Die Kupferspirale oder die Kupferkette wird in den letzten Tagen des Zyklus eingesetzt. In diesen Tagen ist der Gebärmutterhals besonders weit geöffnet, was den Eingriff erheblich erleichtert. In den ersten Wochen kann es zu sogenannten Schmierblutungen kommen, doch sobald dein Körper sich an das Verhütungsmittel gewöhnt hat, sollten beim Verhüten keine Nebenwirkungen mehr auftreten.

Hormonfreie Spiralen oder die Kupferkette werden vom Gynäkologen in die Gebärmutter eingelegt und müssen spätestens nach fünf Jahren ausgewechselt werden. Die Gold-Kupfer-Spirale soll bis zu zehn Jahren in der Gebärmutter verbleiben können.

Peral-Index: 0,6

Eine Grafik zeigt eine Spirale und die Lage in der Gebärmutter

Verhütung mit Portiokappe - Kondom für die Frau

Bei dieser in Zeiten der Pille fast schon in Vergessenheit geratenen, hormonfreien Verhütungsmethode wird das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter mit einer kleinen Halbkugel aus Gummi oder Kunst­stoff verhindert. Die Portio­kappe wird von der Frau kurz vor dem Geschlechts­verkehr in die Scheide eingeführt und über den Mutter­mund gestülpt.

Um die Sicherheit der Verhütung zu erhöhen, sollte die Portiokappe nur mit einem spermienabtötenden Mittel zum Einsatz kommen.

Nach dem Geschlechts­verkehr muss die Kappe noch für einige Stunden in der Scheide verbleiben. Der Vorteil: Verhütet wird nur bei Bedarf und es gibt keine Hormonbelastung und sehr geringe Nebenwirkungen. Nachteil: die anfänglich schwierige Handhabung.

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Eine Frau hält ein weibliches Kondom (Portiokappe) in der Hand

Scheidendiaphragma - Verhütungsmittel ohne Hormon

Wirkung und Anwendung des Scheidendiaphragmas ist mit der Portiokappe vergleichbar. Ein Diaphrag­ma besteht aus einem elastischen Ring mit einer gewölbten Gummi- oder Silikonhaut und wird ebenfalls vor dem Geschlechts­verkehr in die Scheide eingeführt und zwar so, dass das Diaphragma den oberen Anteil der Scheide fest abschließt, und so funktioniert, dass keine Samenzellen in die Gebärmutter eindringen können. Es ist somit dazu geeignet, im Rahmen der natürlichen Familienplanung eine Schwangerschaft zu verhindern.

Die passende Größe wird mit Messringen bestimmt und vom Gynäkologen angepasst. Später kannst du das Scheidendiaphragma selbst mit der Hand oder mithilfe eines Einführungsstabes einsetzen und am nächsten Morgen wieder entfernen. Länger als 12 Stunden sollte ein Diaphragma aber nicht in der Scheide verbleiben, weil es sonst durch seinen mechanischen Reiz zu einer Entzündung führen kann.

Pearl- Index: 6

Eine Frau zeigt mit einem künstlichen Penis wie ein Diaphragma funktioniert

Verhüten ohne Pille mit der Temperaturmethode

Sie ist die wohl bekannteste natürliche hormonfreie Verhütungsmethode, auch symptothermale Methode genannt. Die fruchtbaren Tage werden anhand der Körpertemperatur ermittelt, denn nach dem Eisprung steigen die Werte in der zweiten Zyklushälfte leicht an. Die Körpertempe­ratur wird jeden Morgen vor dem Aufstehen um die gleiche Zeit, mit dem gleichen Thermometer und am gleichen Ort (Mund oder After) gemessen und in eine Tabelle eingetragen. Anhand des Kurvenverlaufs lassen sich dann die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermitteln.

Bei disziplinierter An­wendung der symptothermalen Methode gilt sie, auch ohne Hormon, als relativ sichere Methode, eine Schwangerschaft zu verhindern. Hauptnachteil ist, dass die Temperaturmethode sensibel auf äußere Einflüsse wie grippale Infekte und Stress reagiert und dann wenig aussagekräftig ist. Bei diesen Methoden ist ein pünktlicher Zyklus unentbehrlich, denn nur so können die fruchtbaren Tage erforscht werden. Da diese Methode ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Genauigkeit voraussetzt, solltest du dich unbedingt genauestens erkundigen. Diese Arten werden eher für Paare empfohlen, die mit einer ungewollten Schwangerschaft umgehen könnten. Die Temperaturmethode ist wohl, neben dem Coitus Interruptus, die häufigste unter den natürlichen Verhütungsmethoden.

Pearl- Index: 3

Die Billings-Methode

Der Schleim vom Gebärmutterhals gibt ebenfalls Hinweise auf den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage. Normalerweise ist der sogenannte Zervixschleim zäh und lässt sich zu maximal zwei Zentimeter langen Fäden ziehen (etwas Schleim zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen). In der fruchtbaren Zeit hingegen ist der Schleim wesentlich flüssiger. Jetzt lassen sich bis zu 10 Zenti­meter lange Fäden ziehen.

Pearl- Index: 15

Zykluscomputer- Liebe zur Technik

Mit einem Zykluscomputer können Frauen ihre fruchtbare Phase ebenfalls selbst bestimmen. Anhand zweier Hormone (LH und Estradiol) im Morgenurin werden die fruchtbaren Tage zum Beispiel durch ein rotes Licht angezeigt. Die Verhütungszuverlässigkeit ist hoch und liegt nach Herstelleran­gaben bei 94 Prozent. Die Sicherheit ist durchaus mit hormonellen Verhütungsmitteln vergleichbar.

Pearl- Index: 2-6

Das Kondom - Der Klassiker

Anders als alle anderen Verhütungsmethoden schützt das Kondom auch gleichzeitig vor Geschlechtserkrankungen. Es gehört auch zu den wenigen Methoden, wo der Mann den Schutz übernimmt. Das häufigste Argument gegen ein Kondom ist “es fühlt sich so komisch an”, doch auch hier gibt es Unterschiede. Verschiedene Marken haben sich seit Jahrzehnten auf das Erzeugnis eines Kondoms spezialisiert. Von hauchdünn bis extra groß ist alles zu finden. Zu den allersichersten Verhütungsmaßnahmen zählt das Kondom allerdings nicht. Denn neben dem Ablaufdatum ist besonders der richtige Umgang damit zu beachten, denn so ein Kondom reißt schneller als einem lieb ist. Es gehört zu den Klassikern unter den mechanischen Verhütungsmitteln. Hierzu­lande werden Kondome von rund jedem achten Paar zur Em­pfäng­nisverhütung genommen. Es ist das einzige Verhütungsmittel, mit dem – bei richtiger Anwendung – eine Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten und HIV verhindert wird.

Pearl- Index: 2-12

Kondome in verschiedenen Farben liegen nebeneinander

Der Kupferball

Der Kupferball zählt zu den eher unbekannten Verhütungsmethoden. Dieser besteht aus einer speziellen Formgedächtnislegierung. Der Draht besteht aus einer weißen Polymerschichtummantelung. Auf dieser befinden sich ganze 17 Kupferperlen, die für die Verhütung verantwortlich sind. Der Kupferball liegt im Prinzip frei beweglich in der Gebärmutter. Er wird mittels Einführungsröhrchen platziert und erinnert sich dort wieder an seine Ursprungsform, in die er dann zurückkehrt.

Pearl-Index: 0,3-0,8

Egal, für welche Verhütungsmethode du dich entscheidest, du solltest in jedem Fall vorher mit deinem Frauenarzt sprechen und dich noch einmal ausführlich beraten lassen. So findet ihr die bestmögliche Lösung für dich.