Wie können ätherische Öle Schwangerschaft und die Zeit vor der Geburt beeinflussen?

Jeder kennt sie, die üblichen Beschwerden und Leiden, die eine Schwangere quälen. Fast alle Frauen, die schon einmal schwanger waren, kennen das eine oder andere Wehwehchen, wie die morgendliche oder tagüberdauernde Übelkeit, die lähmende Müdigkeit, die vor allem im 1. Trimenon (1. Schwangerschaftsdrittel) auftritt, das Brustspannen, die Rückenschmerzen oder gar Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen gegen Ende der Schwangerschaft hin. Das Schlimmste ist, dass man bei diversen Schmerzen kaum Medikamente zur Auswahl hat. Viele Schwangere wollen komplett darauf verzichten, um das heranwachsende Kind nicht zu gefährden. Also was tun, wenn die Migräne plagt oder plötzlich die Zähne rebellieren? Können ätherische Öle in der Schwangerschaft helfen und wie wirkt die Aromatherapie?

Eine schwangere Frau steht hinter Lavendel

Aromatherapie und ätherische Öle in der Schwangerschaft

Sanfte Unterstützung und Linderung unserer Beschwerden, kann – wie so oft – die Natur uns geben. In Form von ätherischen Ölen stehen uns einige Möglichkeiten offen. In der Schwangerschaft muss jedoch gerade bei diesen intensiven Pflanzenessenzen Vorsicht gewahrt werden, denn nicht jedes ätherische Öl darf zu diesem Zeitpunkt eingesetzt werden, da einige sogar wehen- bzw. menstruationsfördernde Wirkungen auf den Körper haben. Wirkungen, die wir in anderen Lebenssituationen erzielen wollen, sind in der Schwangerschaft dann kontraindiziert. Zur Geburtserleichterung und –förderung steht uns dann wieder eine andere Palette an ätherischen Ölen zur Verfügung.

Welche Aromaöle sind geeignet und welche nicht?

Der Geruchsinn von Frauen ist in der Schwangerschaft weitaus empfindlicher als gewöhnlich. Düfte, die du als unangenehm empfindest, solltest du daher auch nicht verwenden. Generell wirken folgende Öle beruhigend und angenehm für werdende Mütter:

  • Lavendelöl (vom Echten Lavendel!)
  • Mandarine
  • Rose
  • Neroli
  • Vanille
  • Benzoe
  • Sandelholz
  • Weihrauch
  • Rosmarin
  • Thymian

Grundsätzlich sollten Öle, die stark durchblutungsfördernd sind sowie solche, die die Gebärmutter verkrampfen können oder krampfartige Erscheinungen auslösen, vermieden werden. Dazu zählen z. B.

  • Schafgarbe
  • Pfefferminzöl (Obwohl Pfefferminzöl die Gebärmutter stimuliert, können einzelne Blätter der Pflanze verwendet werden.)
  • Zimt
  • Fenchel
  • Niaouli
  • Anis
  • Salbei
  • Basilikum
  • Minzöl

Vorsicht geboten sollte bei Ölen wie Ysop, Flohminze, Schopflavendl, Kampfer oder Thuje sein und auch mentholhaltige Öle sollten mit Bedacht gewählt werden. 

Ein Fläschchen ätherisches Öl steht auf einem Tisch

Generelle Anwendungsmöglichkeiten von ätherischen Ölen

Grundsätzlich ist zu sagen, dass nur 100 Prozent natürliche, ätherische Öle angewandt werden dürfen. Man sollte dabei auf einige Qualitätsmerkmale am Etikett wie z. B. Herkunftsland, Anbau (kbA!), Herstellungsverfahren, verwendeter Pflanzenteil,… achten. Bei fetten Pflanzenölen muss es sich auch um reine Öle und keine raffinierten oder auf Mineralöl basierende Öle handeln.

  • Inhalation/Einatmen: Drei bis sechs Tropfen in die Duftlampe oder einen Aromadiffusor, zwei Tropfen auf ein Taschentuch oder einfach an der Flasche riechen. 
     
  • Als Massageöl bei Teilkörpermassagen: Herstellung einer 0,5-1%igen Mischung. Das heißt ein bis zwei Tropfen des ätherischen Öles in 10 ml fettes Basisöl (z. B. Jojobaöl, Mandelöl, Weizenkeimöl)
     
  • Teilbäder oder Vollbäder: Man benötigt einen Emulgator, damit sich das ätherische Öl mit dem Badewasser vermischen kann. Hierfür eignen sich Schlagobers, Milch, Honig oder z. B. Salz. Auf ein Vollbad maximal fünf Tropfen eines geeigneten ätherischen Öles geben. Bei Vollbädern die ätherischen Öle immer sorgfältig auswählen, da hier eine große Eintrittsfläche (durch die Haut) in den Körper besteht und die Wirkung somit verstärkt ist. Teilbäder können z. B. Fußbäder oder Sitzbäder sein.
     
  • Warme Ölkompressen: Die ätherischen Öle werden gemischt in fettem Pflanzenöl (etwa 2 EL der Mischung) auf ein Baumwolltuch gegeben, in einem Plastiksackerl (z. B. Gefrierbeutel) zwischen zwei Wärmeflaschen aufgewärmt, aus dem Beutel herausgenommen, an die betroffene Stelle aufgelegt, mit einem Handtuch abgedeckt und darüber kommt noch eine Wärmequelle (Thermophor, Kirschkernkissen) – besonders gut bei Verspannungen.

Bei Anwendung von Zitrusschalenölen auf der Haut, danach keine direkte Sonneneinstrahlung oder Solarium!

Eine Pipette ätherisches Öl ist vor einem Gesicht

Aromatherapie gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Eines der ersten Anzeichen für eine Schwangerschaft ist die morgendliche Übelkeit, teilweise sogar mit Erbrechen. Manchmal tritt sie allerdings nicht nur morgendlich auf, sondern begleitet einen über den ganzen Tag. Ist der Magen leer, wird einem übel, nimmt man die falschen Grüche auf, wird einem übel.

Ein häufiger Hebammentipp ist, dass man in der Früh bereits vor dem Aufstehen ein Stück trockenes Brot oder ein paar Kekse knabbern sollte. Aber auch bei den ätherischen Ölen gibt es einige wunderbare Helfer, die einem tagsüber helfen, sollte man nicht immer gerade etwas zu Essen dabeihaben. Hervorragend eignen würden sich hier folgende ätherische Öle:

  • Zitrone
  • Bergamotte
  • Pfefferminze
  • Mandarine

Die Schwangere sollte sich hier auf ihre Nase verlassen, denn meist sagt einem das Gefühl, welches dieser Öle einem in dieser Situation am besten helfen wird. Verteile ein bis zwei Tropfen vom gewählten Fläschchen auf einem Taschentuch! So kannst du den Duft immer in der Tasche bei dir tragen und im Bedarfsfall daran riechen.

Zu Hause kann man einige Tropfen des gewünschten ätherischen Öls natürlich auch in der Duftlampe oder in einem Aromadiffusor anwenden. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Dosierung des Öles immer mit der Raumgröße zusammenhängt. In kleinen Räumen (bis ca. 6 m²) verwende für den Anfang nie mehr als drei Tropfen, in großen Räumen fünf bis sechs Tropfen. Nach einiger Zeit adaptiert sich die Nase an den Geruch und du könntest das Gefühl haben, dass es gar nicht mehr riecht. Dann kurz den Raum verlassen und wieder hereinkommen. Sollte sich der Geruch wirklich verflüchtigt haben, kannst du einige Tropfen hinzufügen. Eine Raumbeduftung außerdem nie länger als 1-1,5 Stunden am Stück anwenden, sonst könnte die Wirkung sich ins Gegenteil kehren.

Eine Frau leidet an morgendlicher Übelkeit

Zitrone gegen Müdigkeit in der Schwangerschaft

Ein ebenso weit verbreitetes Problem wie die Übelkeit ist die lähmende Müdigkeit, besonders zu Beginn der Schwangerschaft. Am liebsten würde man den halben Tag auf der Couch liegen und schlafen. Der Arbeitsalltag lässt dies aber für gewöhnlich nicht zu. In diesem Fall empfehlen wir jeglichen Zitrusschalenduft (wie z. B. Zitrone, Orange, Grapefruit – diese wirken zusätzlich auch konzentrationsfördernd und stimmungsaufhellend) aber auch Rosengeranie.

Was tun bei Kopfschmerzen in der Schwangerschaft?

Kopfschmerzen sind generell ein sehr lästiger und unangenehmer, beeinträchtigender Schmerz. Für Schwangere, die noch dazu kaum Medikamente zur Auswahl haben, vielleicht auch gar keine einnehmen wollen, um der Entwicklung des Babys nicht zu schaden, erschwert sich das Problem. Sollten die klassischen Tipps wie sofort einige Gläser Wasser trinken, sich hinlegen und entspannen, einen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen, etcetera keine Wirkung zeigen, so kann aus Erfahrung gesagt werden, dass ein Tropfen Pfefferminzöl auf einen Esslöffel fettes Basisöl (Jojoba, Mandel) auf die Stirn, Schläfen und den Nacken einmassiert, wahre Wunder vollbringen kann. Alternativ können wir noch Lavendel fein empfehlen. Dies ist wieder Geschmacksache und muss durch eine Riechprobe entschieden werden. Ein Tipp hinter vorgehaltener Hand: Sex soll auch ganz gut gegen Kopfschmerzen helfen. Nimm dazu vielleicht eines der Top-aphrodisierenden ätherischen Öle – das Rosenöl -  und versuche es!

Eine schwangere Frau ist in der Natur

Verspannungen und Rückenschmerzen in der Schwangerschaft

Manche Frauen klagen bereits zu Beginn der Schwangerschaft über Rückenschmerzen und Verspannungen. In späteren Schwangerschaftswochen, gegen Ende, wenn der Bauch überdimensionale Größen annimmt, kennen es dann jedoch fast alle. Was tun? Entspannende Bäder mit einer Mischung aus Lavendel oder Rose können hier Erleichterung verschaffen. Auch eine sanfte Massage mit einem Massageöl aus Tonkabohne und Vanilleöl, am allerbesten natürlich durch den Partner, können deine  Beschwerden lindern oder zumindest für Entspannung sorgen. Linderung verschaffen kann auch eine warme Ölkompresse – Anwendung siehe oben.

Schwangerschaftsstreifen vorbeugen

Die meisten Frauen haben Angst, dass der Bauch, die Oberschenkeln oder der Busen nach der Schwangerschaft mit unansehnlichen Schwangerschaftsstreifen übersäht sein könnte. Um dem entgegenzuwirken mische ein Körperöl (z. B. Weizenkeimöl, Mandelöl, Jojobaöl) mit z. B.:

  • Weihrauch
  • Neroli
  • Lavendel
  • Benzoe absolue
  • Rose
  • Mandarine

Das Öl täglich am Bauch bzw. Oberschenkeln und Brüsten einmassieren, vorzugsweise nach dem Duschen auf noch leicht feuchter Haut, da es so am besten einzieht. Wenn der Bauch stark spannt, kann man natürlich ein weiteres Mal einschmieren. Der Tipp der Redaktion und für Sie getestet: Tolle Öle zur Bauchpflege gibt's z. B. von DrEberhardt Naturkosmetik. Hier pflegen Bio-Jojobaöl als auch reine ätherische Öle und unterstützen die Haut bei der Vorbeugung gegen Dehnungsstreifen.

Dammmassage zur Geburtsvorbereitung

Der Damm muss bei der Geburt Schwerstarbeit leisten. Häufig kommt es hier dann zu Einrissen oder es muss sogar aus den unterschiedlichsten Grünen geschnitten (episiotomiert) werden. Um den Damm bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten und das Bindegewebe geschmeidig zu machen, kann man ca. ab 6 Wochen vor der Geburt beginnen, den Damm täglich mit einem Dammmassageöl zu massieren. Es gibt fertige Dammmassageöle im Handel zu kaufen oder Sie erstellen sich eine 1-3%ige Mischung in einem fetten Basisöl (z. B. eine Mischung aus Johanniskrautöl und Weizenkeimöl) in der die ätherischen Öle Rose, Muskatellersalbei, Lavendel oder Rosengeranie enthalten sein sollten.

Es gibt natürlich noch unzählige Beschwerden in der Schwangerschaft, die man durch den Einsatz von ätherischen Ölen lindern kann. Hierfür empfehlen wir Ihnen, sich mit Ihrem Problem an eine fachkundige Hebamme oder eine/n Aromatologen/in zu wenden.

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise gegeben, er stellt keine Grundlage für eine Selbstdiagnose dar! Bitte jedenfalls einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.