Warum Mann und Frau nicht zusammenpassen! Oder doch?

Viele meiner Beratungen und Aufstellungen der vergangenen Jahre drehen sich um die Themen Partnerschaft, Liebe, Enttäuschung, Kinderlosigkeit und Trennungsschmerzen.

Den zahllosen Generationen der Eltern, Großeltern und Ahnen stellten sich die vielen Fragen und Ungereimtheiten unserer modernen Beziehungswelt nicht. Man war von Traditionen getragen, und die Monogamie der christlichen Kultur gab einen fest gesteckten Rahmen vor, in dem man sich für die persönlichen Bedürfnisse orientieren musste.

Eine Frau und ein Mann haben eine Beziehung, sie denkt nach

Probleme von Mann und Frau in der heutigen Zeit

Viele Begriffe, die wir seit den vergangenen 50 Jahren mit der Partnerwahl und Entscheidung in Verbindung bringen, waren für unsere Ahnen unbekannt oder nicht von lebensbestimmender Bedeutung. Glücklich sein, vom Partner gesehen werden, angenommen sein, tiefgehende Gespräche mit dem Partner führen und gemeinsam emotionale Schmerzen lösen, erkennen, dass sich bestimmte Themen der Kindheit mit dem Partner wiederholen, Seelenverwandtschaft fühlen und sensibel leben - all dies sind Phänomene und Bedürfnisse der neuen Zeit.

Im folgenden Text habe ich den Themenkreis Partnerschaft klischeehaft bedient, wobei es unzählige Varianten und Lebensmöglichkeiten gibt, die im Leben des Einzelnen individuell erlebt und umgesetzt werden. Dennoch ist zu beobachten, dass wir in unserer hochkomplexen, schnellen und intellektuell ausgerichteten Welt den archaisch und energetisch kulturell wirkenden Verbindungen zu wenig Raum und Beachtung geben. Wir können uns nicht einfach über grundlegend wirkende Muster hinwegsetzen, in der Hoffnung, dass unser Verstand und unser Rechtssystem die Entgleisungen schon korrigieren mögen. Betrachten Sie den folgenden Text einfach als energetische Betrachtungsweise des täglich erlebten Wahnsinns in Beziehungen und finden Sie darin Ihre eigenen Gefühle und individuellen Ursachen wieder!

Was hat sich in Beziehungen geändert?

Unsere energetischen Schwingungen haben sich für alle fühlbar in den letzten Jahrzehnten erhöht. Mit der Folge, dass das, was uns über Jahrhunderte erlebbar als Tradition bequem getragen hat, nun mehr und mehr entfällt. Alte stabile Strukturen, die die Gesellschaft definiert haben und uns Sicherheit gaben, fallen weg. Wir sind aufgerufen, persönlich passende neue Wege für unser individuelles Leben zu finden. Dabei haben wir nie lernen können, wie das gehen kann; wir spüren nur, dass es so, wie es bisher immer war, nicht mehr funktioniert. Die Regeln und Lebensweisen, die Religion und die Politik, die Moral und die kulturellen Gerüste fallen weg und wir stehen da, mit vielen Fragezeichen und großer Desorientierung.

Unsere täglichen Verhaltensmuster basieren auf sehr grundlegenden Prägungen, die unser aller Menschsein ausmachen. Diese kann man nicht einfach beiseitelassen, denn sie schimmern durch die kultivierte Oberfläche hindurch oder brechen sogar tobend, und für uns alle unübersehbar, an die Oberfläche.

Zum einen spürt man einen großen Schmerz und eine unendliche Sehnsucht nach Halt, Orientierung und Geborgenheit, zum anderen ist das Weiterleben der alten Formen, die diese Sicherheit bieten konnten nicht auszuhalten.

So muss es sich für eine Schlange anfühlen, wenn sie kurz vor ihrer Häutung steht. Sie wächst, das alte Gewand ist zu eng und platzt auf, der nächste Schritt des Loslassens der alten Haut ist unumgänglich. Aber kann ich vertrauen? Gibt es eine neue Haut? Wie sieht sie aus? Fühlt sie sich gut an, passt sie mir?

Ja, sie wird wohl passen. Trotzdem bleibt ein Rest Ungewissheit und es ist für viele ein großer Schritt, sich einfach fallen zu lassen, zu vertrauen und das eigene Potenzial zu spüren, das man in ein wirklich tiefgehendes und befriedigendes Leben zur eigenverantwortlichen Gestaltung einbringen will.

Warum werden Probleme gerade zwischen Partnern so gravierend?

Partnerschaften und Familien-Konstrukte sind der sensible Bereich des Lebens, in dem sich die archaischen Grundmuster und Verhaltensweisen deutlich zeigen und gelebt werden wollen. In den alltäglichen Rollen im Beruf und in Freundschaften schaffen es die meisten Menschen, ihre ursächlichen Grundbedürfnisse zu kaschieren und zu leugnen, aber in der engen Begegnung von Partnern drängen sie früher oder später fordernd an die Oberfläche. Sie wollen gelebt und bearbeitet werden. Das ist ein Weg, um in der Gesellschaft kollektiv ein frisches Bewusstsein zu schaffen und gewohnte Muster zu verlassen.

Sehnsucht nach mehr…

Letztens besuchte mich eine junge Frau, die mir ihren alltäglichen Schmerz und ihre große Unzufriedenheit mit ihrem Mann klagte. Seit acht Jahren lebte sie mit ihrem Partner und ihren beiden gut geratenen und bisher unauffälligen Kindern in einem von seinen Eltern geerbten Haus in der Vorderpfalz. Alle äußeren Bedingungen scheinen zu passen, wenn da nicht ihre tiefe Sehnsucht wäre.

Sie sehnt sich nach einem Gespräch, nach wirklichem Interesse ihres Mannes, der sie doch angeblich liebt. Sie sehnt sich nach körperlicher Berührung, Sex, Nähe, Verbindung, einem Blick in ihre wundervollen Augen, Zärtlichkeit, Erotik und Intimität. All das findet in ihrer Ehe nicht statt. Sie weiß nicht, ob dies jemals anders gewesen war. Das erste Jahr bis zur Ehe war, bevor die Kinder zur Welt kamen, vertrauter als das, was sie jetzt fühlt. Ja, sie hasst ihren Mann inzwischen für seine anscheinende Verweigerung, Oberflächlichkeit und Lieblosigkeit.

Ihr Mann ist Ingenieur, bringt genügend Geld nach Hause und tut alles, um ihr gemeinsames Haus möglichst in Schuss zu halten. Gespräche findet er überflüssig, solange doch äußerlich alles in Ordnung ist. Ja, sie bedeuten für ihn sogar eine gewisse Bedrohung, da er nie lernen durfte, Kommunikation sinnvoll zu nutzen. Dass bei seiner Frau nichts in Ordnung ist, nimmt er nicht wahr. Nur ihre immer häufiger auftretende schlechte Laune und ihr unendliches Gemecker bemerkt er. Infolgedessen bleibt er gerne lange in seinem Büro, kommt nach Hause, schaut seine Sportsendungen im Fernsehen und vertieft sich bis zum oberflächlichen Gutenachtkuss im Internet. Seine sexuellen Bedürfnisse in Bezug auf die Partnerin sind erloschen, er spürte von seiner Frau nur die erdrückenden Erwartungen an Gefühle, Gespräche, Emotionen und sein abendliches Fläschchen Bier oder sein Glas Wein helfen ihm, diese drohenden Erwartungen wegzudrücken. Erotik und Vertrauen sind einer belanglosen und desinteressierten Oberflächlichkeit gewichen. Der einzige Erfolg dieser eingeschliffenen Abläufe ist, dass ihre Schimpftiraden schneller und heftiger einsetzen und sie ihren Mann mit tiefster Verachtung straft. Den gesellschaftlichen Verpflichtungen kommt man in gemeinsam gespielter Routine nach. Nach außen, für Freunde und Verwandte, sind sie ein Vorzeigepaar, immer freundlich und soooo glücklich.

Eine Frau schimpft, der Mann hält sich die Ohren zu

Sollten nicht Mann und Frau die Komfortzone verlassen?

Diese Zustände kenne ich in meinen Beratungen in sehr vielen Beziehungen. Nach einigen Jahren, die man in der jeweiligen Komfortzone seiner Herkunftsfamilie kennengelernt und selbst im eigenen Leben als Erwachsener stabil eingerichtet hat, lebt man zwar unbefriedigt, aber in bekannten und vertrauten Mustern. Eine wirkliche Begegnung zwischen den Partnern, die einstmals in ihrer Kennenlernzeit ineinander verliebt waren, findet nicht statt. Man traut sich nicht, die alten Blockaden zu erkennen, die einen in der Partnerschaft die alten Modelle der Eltern wiederholen lassen, und diese endlich zu lösen und fallenzulassen.

Lieber lebt der Mann mit seiner Frau die Beziehung zu seiner Mutter weiter und die Frau wiederholt ihre Vaterthemen mit dem männlichen Gegenüber. Interessanterweise ist hier die wahre Geschlechtlichkeit unwichtig. Es geht einzig und alleine darum, welche Rollenmuster man zum Überleben in seiner Familie erlernt hat. Virtuos werden diese Rollen in allen Aspekten ausgespielt. Eine wirkliche Entwicklung, hin zu einem wahren Liebespaar, kann es nur dann geben, wenn hier Bewusstsein einkehrt. Wenn man die eigenen Anteile aus der überholten Elternbeziehung erkennt und sich Zeit und Ruhe nimmt, sie zu heilen. Dann erkennt man in dem Gegenüber den Menschen, der er wahrhaft ist, jenseits von Rollenspiel und Theater.

Eine Frau sieht einen Mann bewusst an

Für die Frau bedeutet das:

Die Rolle der Prinzessin loszulassen und die Hoffnung auf Rettung in Eigenverantwortung zu wandeln.

Ein Partner ist kein Retter, auch wenn diese Sehnsucht tief im Herzen der Frau nagt. Dieses Sehnen hat den Ursprung in unserer Loslösung aus dem alles umfassenden Bewusstsein, wenn wir uns entscheiden, als Seele auf dieser Welt als Mensch zu leben. Einstmals als Seele mit allem leicht schwingend verbunden, suchen wir auf der Erde nach Ergänzung, nach erkannt werden, bedingungslos gesehen werden und unseren vermeintlich fehlenden Anteilen.

Unser christlicher Glaube, in dem die Monogamie als verbindliche Lebensform festgelegt worden ist, bringt alle möglichen emotionalen Notstände mit sich. Die Erfüllung des Seelenheils durch eine Person, mit der man bis zum Ende des Lebens stabil verbunden bleibt, was in einem Sakrament besiegelt und in einem Vertrag fixiert wird, lässt uns die Beschränkung durch enge und überholte Glaubenssätze fühlen. Aber wir fühlen uns nicht erfüllt. Der tiefe Schmerz bleibt. Denn was da im Außen als sichere Hülle scheint, wirkt im Inneren als hohl und leer. Ein anderer Mensch kann dieses Gefühl des eigenen einsam- und verloren Seins nicht heilen und erfüllen. Der Retter wird also niemals seinen Job befriedigend erfüllen. Nicht etwa, weil er es nicht kann, sondern weil seine materiell ausgelegten Hilfsversuche das energetische Loch auf der Seelenebene niemals füllen können. Hier können nur die Erkenntnis und das Bewusstsein von bedingungsloser Liebe heilen, das auf der Herzebene wahrgenommen wird, und jenseits von altem Rollenspiel stattfindet.

Frauen haben, aus sehr ursächlich archaischen Beweggründen und aufgrund ihrer energetischen Ausrichtung, den Bedarf, Probleme zu erkennen und im sozialen Umgang miteinander, durch Gespräch und Austausch, zu lösen. Sie brauchen den verbalen Austausch zur Weiterentwicklung ihres Gehirns. Männer haben an genau diesem wichtigen sozialen Phänomen einen vollständig anderen Bedarf.

Für den Mann bedeutet das:

Die Anerkennung für alle seine Bemühungen nicht mehr von seiner Mama zu erwarten, sondern aus sich heraus sein Potenzial zu erkennen und zu leben. Der Mann wünscht sich nichts mehr, als seiner Mama alles recht zu machen und dies von ihr bestätigt zu bekommen. Allein diese Absicht verfolgt er auch bei seiner Frau, Chefin, Kollegin und später seiner Tochter. Dieses Ziel und ganze Sehnen ist, ähnlich wie bei der Frau, die Suche nach dem Prinzen und der Rettung, ein unerfüllbares Unterfangen. Niemals wird ein Mann es schaffen, es der Mutter recht zu machen, denn diese ist ja, wie bereits beschrieben, eine Frau, die ihrerseits vergeblich ihren Mangel versucht, mit einem Mann zu füllen.

Männer brauchen für die Lösung eines Problems die Ruhe und die Höhle. Sie finden eine Lösung gerne alleine, ohne den Input anderer Personen, besonders nicht einer Frau. Hier gehen also die Lösungsansätze im sozialen Umgang zwischen Mann und Frau diametral auseinander. Die Grundbedürfnisse sind komplett verschieden und so, wie es für eine Frau fast unmöglich ist, bei Problemen den Mund zu halten, ist es für viele Männer unerträglich, dass man mit Frauen über alles, besonders Gefühle, reden muss.

Es gab dazu den Witz: „Was sind die schlimmsten vier Worte für einen Mann? Wir müssen mal reden!“.

So suchen beide Geschlechter nach der Erfüllung, nach dem Verbunden-fühlen, Gesehen-werden, Endlich-anzukommen. Leider ist es so, dass beide Geschlechter über alte, interne Lösungsideen verfügen, die sich leider nicht ergänzen. Dann gibt es nicht den Deckel, der auf den entsprechenden Topf passt, sondern es gibt nur Deckel oder nur Töpfe, aber nichts passt zusammen!

Wenn man den Schritt auf die nächsthöhere Ebene der Erkenntnis nicht gehen mag, bleibt das tiefe Sehnen unerfüllt. Auf der rein materiellen Ebene und im täglich ausgetragenen Rollenspiel und Kampf kann eine wirkliche Befriedigung des seelischen Mangels nicht stattfinden.

Ein Mann ist dabei, eine Lösung zu suchen

Wie finden Mann und Frau zusammen? Die Lösung ist:

Sich nach und nach aus den Glaubenssätzen und Blockaden von Kultur und Religion zu lösen, die uns denken lassen, dass ein anderer Mensch zuständig ist für unser eigenes Seelenheil. Erwartungen, Eifersucht, Rache, Enttäuschung, Trotz, Resignation, Kompensation und Einsamkeit sind nur einige der Gefühle, die das Festhalten der rein materiell ausgerichteten Gedanken kennzeichnen.

  • Erkennen, dass man immer materiell alleine jedoch energetisch verbunden ist, solange man als Mensch auf Erden wandelt.
  • Erkennen, dass niemand für den eigenen inneren seelischen Schmerz zuständig ist und kein anderer Mensch ihn befrieden kann.
  • Erkennen, dass der andere nicht die Mutter oder der Vater ist, sondern ebenfalls eine Seele im Suchmodus nach sich selbst.
  • Erkennen, dass man sich selbst erfüllt fühlen kann und erst dann bereit ist, eine wirkliche Partnerschaft, wundervoll gemeinsam und zusammen erfüllt leben kann.

Erst wenn man diese Schritte bewusst vollzogen hat, ist es möglich, eine erfüllte Partnerschaft zu führen. Sehn-Sucht, Eifer-Sucht, Stalking, und alle weiteren Versuche, den energetischen Mangel zu stopfen, hören auf. Es mag sogar sein, dass dies das Ende einer von Mangel getriebenen Konsumgesellschaft ist.

Der Experte dahinter

Menzel Stefanie

Frei sein, leichter sein, ich sein. Nach dieser Philosophie lebt und arbeitet Stefanie Menzel in Frankenthal (Deutschland).  Sie ist die Begründerin der Heilenergetik und der Sinnanalytischen Aufstellungsarbeit.