Eisenmangel oder Überschuss? Eisen und die bessere Gesundheit von Frauen

Frauen wird häufig suggeriert, dass sie Gefahr laufen, einen Eisenmangel zu erleiden. Viele schwangere Frauen nehmen Eisenpräparate ohne jeden Hinweis auf einen realen Eisenmangel und viele frauenspezifische Nahrungsergänzungsmittel enthalten Eisen. Frauen haben in der Regel deutlich geringere Mengen an gespeicherten Eisen in Form von Ferritin in ihrem Körper als Männer. Ferritin ist ein Speichermolekül, das 4000 bis 4500 Eisenatome aufnimmt, denn freies Eisen ist ein sehr gefährliches freies Radikal, das erhebliche Schäden an allen Geweben verursachen kann. So schützt der Körper sich durch die Ferritin-Verpackung des momentan nicht genutzten Eisens. Doch Ferritin kann durch Entzündungen, freie Radikale, manche Medikamente und Umweltgifte instabil werden. Dann ist das freiwerdende Eisen in mancherlei Hinsicht sogar schädlicher für den Körper als Schwermetalle wie z. B. Quecksilber. Lesen Sie hier über folgende Themen:

Blut ist in einer starken Vergrößerung angezeigt

Warum Eisenmangel oder Eisenüberschuss?

Es kann sein, dass in früheren Zeiten Eisenmangel ein häufiges Problem war. Es gab oft lange Phasen der Unterernährung und die Ernährung bestand oft einseitig aus Getreidegrütze und Brot. Die Menschen hatten aufgrund von schlechter Hygiene viele Parasiten, die Mikroblutungen verursachten und aufgrund der körperlichen Tätigkeiten traten viel häufiger blutende Wunden.

Unsere heutige Lebensweise ist jedoch eher so gestaltet, dass wir zu Eisenüberschüssen neigen. Frauen haben dabei aufgrund ihrer über viele Jahre wiederkehrenden Blutverluste durch ihre Menstruation den großen Vorteil, überschüssiges Eisen immer wieder abzubauen. Wird Hämoglobin auf diese Weise reduziert, nimmt der weibliche Körper das gespeicherte Eisen aus Ferritin, um es nachzubilden. Die geringeren Ferritinwerte von Frauen sind meiner Ansicht nach ein wesentlicher Grund für ihre höhere Lebenserwartung und ihr geringeres Risiko bei Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Parkinson u. a.

Sullivans Hypothese

1981 veröffentlichte der amerikanische Pathologe Jerome Sullivan eine bemerkenswerte Hyphothese, nach der die höhere Lebenserwartung von Frauen gegenüber Männern direkt mit der Differenz der Ferritinwerte korreliert. Sullivan legte seine Beweisführung folgendermaßen dar:

Bis zum Alter von 19 Jahren gibt es keine wesentlichen Unterschiede in den Ferritinwerten bei jungen Frauen und Männern. Mädchen und Jungen und dann junge Frauen und Männer weisen bis zum Alter von 19 Jahren auch keinerlei Unterschiede im Sterblichkeitsrisiko oder Erkrankungsrisiko auf. Eisen wird für das Wachstum des Körpers benötigt und erst wenn der Körper voll entwickelt ist, beginnen nun Männer, Eisen zu speichern. Eisen kann nämlich nur sehr schlecht vom Körper ausgeschieden werden. So steigt der Ferritinwert von Männern in den Jahren nach dem 19. Lebensjahr stetig an. Frauen verlieren mit ihrer Monatsblutung im Durchschnitt 35 ml Blut pro Monat, im Jahr also fast so viel, wie es einer Blutspende beim Roten Kreuz entspricht. So gehen die Ferritinwerte bei Männern und Frauen während der fruchtbaren Jahre der Frau immer weiter auseinander.

Parallel dazu haben Männer gegenüber Frauen ein steigendes Sterblichkeitsrisiko, vor allem durch Herzinfarkte, Schlaganfälle und manche Krebsarten. Auch das Risiko an Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu erkranken, steigt bei Männern gegenüber Frauen immer weiter an. Mit 45 Jahren haben Männer nun einen durchschnittlichen Ferritinwert, der viermal höher liegt, das der durchschnittliche Wert bei Frauen. Genau in diesem Alter ist der Unterschied beim Herzinfarktrisiko bei Männern viermal höher, als bei Frauen. Auch bei anderen Erkrankungsrisiken ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen mit 45 Jahren am größten. 

Nun kommen Frauen in die Wechseljahre, die Monatsblutungen reduzieren sich und hören irgendwann ganz auf. Bei Frauen steigt also auch der Ferritinwert nach den Wechseljahren. Die Unterschiede im Sterblichkeitsrisiko und Erkrankungsrisiko zwischen Männern und Frauen werden parallel dazu wieder geringer. Erreichen Menschen das stolze Alter von 90 Jahren, so gibt es keinen Unterschied mehr im Sterblichkeitsrisiko zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen weisen in diesem Alter den gleichen durchschnittlichen Ferritinwert auf. Das liegt zum großen Teil daran, dass Männer mit hohen Ferritinwerten früher sterben und somit aus der Statistik herausfallen. Langlebigkeit und Ferritinwerte korrelieren mit einer erstaunlichen Zuverlässigkeit.

Eine Frau, deren Eisenwerte geringer sind, als bei einem Mann, sitzt auf einer Couch

Gewebeschädigung durch Eisen

Sullivan hat als Pathologe natürlich sehr viele Gewebsuntersuchungen durchgeführt. Er konnte in Tumoren, nekrotischem Herzgewebe von Herzinfarktpatienten und in anderen Geweben, die direkt von einer Krankheit betroffen sind, erhöhte Eisenwerte feststellen. Außerdem wies er nach, dass wenige Minuten nach der Einnahme eines Eisenpräparats, wenn kein Eisenmangel vorliegt, Schädigungen der Blutgefäße eintreten. Da Eisen auch ein lebensnotwendiger Nährstoff ist und es auch Eisenmangel geben kann, was beides z. B. auf Quecksilber, Aluminium und andere potenziell schädliche Metalle nicht zutrifft, ist das Gefahrenpotenzial von überschüssigem Eisen lange unterschätzt worden.

Ein sinnvoller Umgang mit Eisen

Folgende Faktoren können eine ungünstige Eisenspeicherung fördern:

  • Der häufige Verzehr von Rind– oder Schweinefleisch.
  • Die Einnahme von Eisenpräparaten, wenn kein Eisenmangel vorliegt. Viele Frauen machen den Vorteil ihrer natürlicherweise geringeren Ferritinwerte dadurch zunichte.
  • Übergewicht, weil es das Hormon Hepcidin reduziert, das die Eisenaufnahme steuert.
  • Frauen, die über viele Jahre die Pille nehmen, haben oft eine verringerte Menstruationsblutung, womit sich der Vorteil der Eisenausscheidung reduziert.

Folgenden Faktoren können helfen, Eisenüberschüsse abzubauen:

Ferritinwerte gelten bei Frauen in einem Bereich von 15 bis 250 ng/ml als normal. Dies ist ein riesiges Spektrum von 1:15, was es sonst bei keinem Blutwert gibt. Bei Männern gilt der Normalbereich sogar von 20 bis 500 ng/ml. Nach allen Daten über Langlebigkeit und erhöhtes Sterblichkeitsrisiko sind Ferritinwerte von über 100 aus meiner Sicht eine Gesundheitsrisiko. Hier ist Blutspenden angebracht und ein Check des Ferritinwerts zwei Monate später, wenn der Körper das verlorene Hämoglobin aus der Ferritin–Reserve nachgebildet hat. Bei stark erhöhten Ferritinwerten sind jährliche Blutspenden sehr sinnvoll, bis der Ferritinwert deutlich unter 100 ng/ml liegt.

Jemand ist Blutspenden gegen zu hohe Eisenwerte

Eisenmangel und Eisenüberschüsse erkennen - Welcher Eisenwert ist optimal?

Studien von Jukka Salonen in Finnland haben aufgezeigt, dass jährliches Blutspenden bei Männern das Herzinfarktrisiko in fünf Jahren um 88% reduziert. Auch das Krebsrisiko wird durch Blutspenden reduziert. Nun ist Eisen auch ein lebensnotwendiger Nährstoff und deshalb ist es ratsam, den eigenen Ferritinwert zu kennen, bevor Maßnahmen ergriffen werden, die sich auf das Eisen im Körper auswirken.

Für Frauen ist es schon deshalb sinnvoll, ihren Ferritinwert zu kennen, weil sie dann realistisch einschätzen können, ob die häufig empfohlenen Eisengaben tatsächlich Sinn machen. Manche Formen von Anämie, wie die Mittelmeeranämie, gehen mit überhöhten Ferritinwerten einher, was bedeutet, dass der Körper das reichlich vorhandene Eisen nicht verwerten kann.  Eisengaben sind dann natürlich nicht sinnvoll.

  • Bei Ferritinwerten unter 20 sollte kein Blut gespendet werden und eisenreduzierende Faktoren wie zu viel Ausdauersport oder Vollkorngetreide in der Ernährung können überdacht werden. Auch eine kurzfristige Nutzung von Eisengaben kann hier sinnvoll sein. In dieser Situation sind aber nur wenige Frauen und Männer so gut wie nie. 
     
  • Bei Ferritinwerten von 30 bis 80 besteht eine Idealsituation: Keine Gefahr eines Eisenmangels oder Eisenüberschusses. Dieser gute Wert sollte nicht durch die unnötige Einnahme von Eisenpräparaten gestört werden. Leichte eisenreduzierende Maßnahmen wie Grüntee, Kurkuma oder Reishi können dazu beitragen, dass sich dieser gute Wert nicht im Laufe der Zeit erhöht.
     
  • Liegt der Ferritinwert über 80, sind leichte eisenreduzierende Maßnahmen wie Grüntee, Kurkuma, Reishi und ein Reduktion des Fleischverzehrs ratsam. 
     
  • Bei einem Ferritinwert von über 100 ist Blutspenden neben den leichten eisenreduzierenden Faktoren ratsam, dabei sollten Blutspenden evtl. wiederholt werden, bis ein Wert deutlich 100 stabil erreicht ist. Männer, die sich nicht konsequent über lange Zeit vegetarisch ernähren, können in den meisten Fällen von einer jährlichen Blutspende als prophylaktischer Gesundheitsmaßnahme profitieren.

Wenn man aufgrund einer Erkrankung oder des Alters nicht zur Blutspende zugelassen wird, ist der gute alte therapeutische Aderlass die passende Alternative. Prof. Lothar Wendt empfahl den Aderlass als eine Maßnahme zur Reduktion des Herzinfarktrisikos. Auch wenn der Aderlass oft in medizinischen Kreisen belächelt wird, kann er zur Reduktion von überschüssigem Eisen wertvolle Dienste leisten. Ist man jedoch jung und gesund genug, um beim Roten Kreuz Blut zu spenden, kann man seiner Gesundheit und der eines Menschen, der eine Bluttransfusion braucht, gleichzeitig einen Dienst erweisen. 

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise gegeben, er stellt keine Grundlage für eine Selbstdiagnose dar! Bitte jedenfalls einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.

Der Experte dahinter
Christian Dittrich-Opitz

Dittrich-Opitz Christian

Christian Dittrich-Opitz ist als Begründer des ganzheitlichen Lernsystems „Lernen wie ein Genie“, der „Befreiten Atmung“ und dem Hauptwerk seiner Forschungsarbeit der „Befreiten Ernährung“ tätig.