Bitterstoffe – gesund für Verdauung und Psyche

Bitter ist oft nicht nach unserem Geschmack. Schmeckt etwas bitter, könnte es ein Zeichen sein, dass es ungenießbar ist. Das wussten schon unsere Vorfahren. Aber bitter ist oft auch gesund. Denn im Gegensatz zu Süßem unterstützt es unsere Verdauung und gilt sogar als richtiger Schlankmacher. Hier erfährst du, wie gesund Bitterstoffe tatsächlich sind und wie sie auf dich und deine Gesundheit wirken.

Frau mit bitterem Gesicht

Was sind Bitterstoffe und wie machen sie unsere Nahrung gesund?

Bitterstoffe schützen eine Pflanze vor Fressfeinden. Sie können aber auch ein Indiz dafür sein, dass die Pflanze giftig oder ungenießbar ist. Aus den meisten unserer Lebensmittel hat die Industrie die Bitterstoffe "weggezüchtet". Deshalb sind die sogenannten "alten" Sorten Gemüse oder Obst gesünder als die heutigen Sorten, die durch Züchtung über Jahre hinweg verändert wurden. Denn der bittere Geschmack von Lebensmitteln kommt beim Kunden nicht wirklich an. Die Folge davon: Die Lebensmittel enthalten nicht nur weniger Bitterstoffe, auch die so lebenswichtigen Mineralstoffe und Spurenelemente stecken nicht mehr drin. Dabei sind Bitterstoffe in unserer Ernährung in kleinen Mengen besonders nützlich und gesund für unseren Körper.

Eine Ernährung, in der regelmäßig bittere Lebensmittel, Obst und Gemüse gegessen werden, kann eine außerordentlich gesunde Wirkung auf unsere Verdauung haben. Bitterstoffe lassen sich nicht in einer bestimmten Stoffgruppe zusammenfassen. Sie können als unterschiedlichste Verbindungen auftreten und bitter schmecken. Doch auch wenn es Bitterstoffe als synthetische Verbindungen gibt, musst du sie nicht teuer in der Apotheke kaufen. Wer ein paar bittere Lebensmittel regelmäßig in die Ernährung einbaut, profitiert von der Wirkung. 

Eine Grafik zeigt die Rezeptoren der Zunge für bitte, salzig, ...

Wie wirken Bitterstoffe auf deinen Körper?

Unsere Zunge besitzt Rezeptoren für salzig, süß, sauer, bitter und umami. Allein auf der Zunge sitzen 25 Rezeptoren für Bitteres. Wie man bereits weiß, sitzen diese Rezeptoren für bitteren Geschmack aber nicht nur dort. In unserem Körper stecken in fast allen Bereichen Rezeptoren für Bitterstoffe bis hinein in unsere Lungen. Dort wirken sie antientzündlich und können das Immunsystem regulieren.

  • Besonders wichtig sind die Bitterstoffe aber für die Verdauung. Sie sorgen dafür, dass unser Essen für den Magen und Darm verträglicher wird. Bitteres Essen regt aber auch die Verdauung an, indem es die Sekretion von Speichel und Säften für die Verdauung ankurbelt.
  • Dazu regeln sie die Darmtätigkeit und sorgen dafür, dass die Nahrung insgesamt besser verdaut wird.
  • Außerdem gilt der bittere Geschmack als wahre Abnehmhilfe. Er stoppt den süßen Heißhunger, während er gleichzeitig den Fettstoffwechsel beschleunigt. Das hilft besonders unserer Leber. Denn in der Leber wird schädliches Cholesterin abgebaut, das nicht nur dick macht, sondern auch Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Co. hervorrufen kann.
  • Außerdem unterstützen die bitteren Nahrungsmittel die Produktion von Gallensekret. Das wiederum hilft der Leber beim Entgiften.

Wie wirken Bitterstoffe auf das Immunsystem und unsere Nerven?

Was deiner Verdauung gut tut, tut übrigens auch dem Immunsystem gut. Denn über achtzig Prozent deines Immunsystems sitzen im Darm. Eine weitere These, warum diese Stoffe das Immunsystem ankurbeln: Seit jeher verbinden wir "bitter" mit "giftig". Weil wir dieses vermeintliche Gift so schnell wie möglich aus unserem Körper haben wollen, fährt das Immunsystem hoch. Dadurch wird es regelmäßig für den Ernstfall "trainiert".

Dazu hat man herausgefunden, dass die bitteren Lebensmittel auf den Sympathikus und Parasympathikus wirken. Der Sympathikus ist für Aktivität zuständig, während der Parasympathikus für Ruhe sorgt. Das bedeutet also, dass die bitteren Stoffe sogar für die Regeneration unserer Organe, aber auch für die Entspannung unserer Psyche sorgen können. Sie wirken also positiv auf unser Nervensystem und können bei Schwächezuständen helfen. Wenn die Industrie allerdings weiterhin bittere Stoffe aus Pflanzen, vor allem aus Obst- und Gemüsesorten entfernt, hat das auch Auswirkungen auf unsere Rezeptoren für Bitteres. Sie verschwinden dann mit der Zeit aus unserem Körper, was unvorhersehbare Folgen haben kann. 

Matcha Tee mit gesunden Bitterstoffen

Welche bitteren Lebensmittel kann ich regelmäßig essen?

Am besten ist es, bei Gemüse und Obst auf "alte" und "wilde" Sorten zurückzugreifen. Die schmecken tatsächlich bitterer als die neuen hochgezüchteten Lebensmittel, wirken aber gerade deshalb umso besser auf Magen, Darm, Leber und Co.

Bei den Obst- und Gemüsesorten empfehlen sich besonders

  • Grapefruit,
  • Brokkoli,
  • Artischocken,
  • Rosenkohl,
  • Fenchel,
  • Kraut oder
  • Paprika.

Außerdem Salate wie

  • Radicchio,
  • Chicorée,
  • Frisée,
  • Endivien oder
  • Rucola.

Wer sich gut damit auskennt, darf beim Würzen von Salaten etwa auf Wildkräuter zurückgreifen. Löwenzahn, Gänseblümchen Schafgarbe oder Pfefferminze enthalten mehr Bitterstoffe und geben deinem Essen neben Geschmack auch noch eine raffinierte Note. Eine Tasse Tee mit bitterem Geschmack vor oder nach dem Essen erzielt die gleiche Wirkung wie bittere Lebensmittel. Jede Art von bitterem Kräutertee, wie Matcha, grüner Tee oder Ähnlichem, tut deinem Magen und deinem Körper gut. Besonders nach einem schweren Essen kann eine Tasse Kräutertee helfen, den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Wer bitter gar nicht mag, kann sich langsam daran gewöhnen. Am besten fängst du mit Gewürzen wie Ingwer, Salbei, Rosmarin oder Basilikum an. Die schmecken gar nicht einmal ganz so bitter, enthalten aber viele gesunde Bitterstoffe. So kommst du ganz einfach zur täglichen Dosis und hilfst gleichzeitig deinem Geschmackssinn auf die Sprünge. 

  • Zwei Artischocken
  • Verschiedene Salate mit Bitterstoffen sind in einer Schüssel
  • Sprossenkohl in einer Schüssel
  • Bittere Grapefruit aufgeschnitten in Gläsern

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.