Unaufhaltsame Kettenreaktion: Warum ist Gähnen ansteckend?

Die Kollegin auf der Arbeit fängt an zu gähnen und binnen ein paar Sekunden öffnen sich die Münder des ganzen Kollegenteams. Wir alle haben solch eine Kettenreaktion schon erlebt. Doch warum ist Gähnen ansteckend? In diesem Beitrag erklären wir dir, was hinter diesem interessanten Phänomen steckt.

Mutter und Tochter sitzen und gähnen gemeinsam auf der Couch

Warum ist Gähnen ansteckend? Ursachen liegen im Gehirn

Die Ansteckung von Gähnen lässt sich laut britischen Forschern kaum unterdrücken. In einer Studie wurden 36 Probanden, aufgeteilt in zwei Gruppen, Videos von gähnenden Menschen gezeigt. Einer Gruppe wurde das Mitgähnen erlaubt, der anderen wiederum verboten. Das Ergebnis der Studie besagt, dass in beiden Gruppen fast genauso häufig gegähnt wurde.

Dass Gähnen so ansteckend ist, lässt sich auf Spiegelneuronen in unserem Gehirn zurückführen. Diese sorgen auch dafür, dass wir Mitleid empfinden oder lachen müssen, wenn jemand anderes lacht. Nachgewiesen wurde, dass Menschen mit hohem Empathiegefühl tendenziell anfälliger für das Mitgähnen sind. Personen mit niedriger Sozialkompetenz hingegen wie z. B. Psychopathen lassen sich nicht so leicht anstecken. Dass Gähnen so ansteckend ist, hängt auch damit zusammen, dass wir soziale Wesen sind, die auf das Zusammenleben in einer Gemeinschaft angewiesen sind. Gemeinsames Gähnen kann dabei als Zeichen für die Zusammengehörigkeit einer Gruppe verstanden werden.

Emotionale Nähe spielt beim ansteckenden Gähnen eine Rolle

Emotionale Nähe spielt eine entscheidende Rolle bei der Ansteckungshäufigkeit. Von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten lässt man sich wesentlich leichter zum Mitgähnen anstecken als von völlig Fremden. Je näher uns der oder die Gähnende steht, desto eher lassen wir uns anstecken. Das liegt daran, dass wir viel Empathie für unsere Liebsten aufbringen und uns gut in sie hineinversetzen können.

Auch Tiere gähnen gemeinsam

Tatsächlich ist Gähnen nicht nur bei Menschen ansteckend. Auch bei Tieren hat die Forschung herausgefunden, dass ansteckendes Gähnen ein Ausdruck von Empathie ist. Ansteckendes Gähnen wurde bei Schimpansen, Wölfen, Hunden, Schafen, Elefanten und sogar Löwen untersucht. Bei sozialen Lebewesen dient das Gähnen der Stimmungsübertragung und der Synchronisation. Beim gemeinsamen Gähnen wird also der Zusammenhalt einer Gruppe gestärkt. Das Gähnen hat somit soziale Vorteile für das Kollektiv. Das gilt genauso für Menschen wie für Tiere.

Ein Mensch liegt neben einer Katze, beide gähnen

Ansteckendes Gähnen – Interessante Fakten

Gähnen ein reflexartiges Verhalten, das sowohl bei Menschen als auch Tieren beobachtbar ist. Dabei wird der Mund weit geöffnet und ein tiefer Atemzug genommen. Der Vorgang endet mit dem Schließen des Mundes bei gleichzeitiger Ausatmung. Ein gewöhnlicher Gähnvorgang dauert in etwa sechs Sekunden. In einigen Fällen gähnen wir mehrmals hintereinander.

Zu den Begleiterscheinungen des Gähnprozesses können eine kurzzeitige Beschleunigung des Pulses sowie tränende Augen gehören. Gähnen ist ein zutiefst natürlicher Reflex, der in unserer Gesellschaft allerdings als unhöflich wahrgenommen wird. Daher haben wir uns angewöhnt, im sozialen Umfeld den Vorgang zu unterdrücken oder eine Hand vor unseren Mund zu halten.

Die Wissenschaft des Gähnens nennt sich übrigens Chasmologie. Dieser Begriff geht auf das altgriechische Wort "chasma" zurück, was so viel bedeutet wie „offener Mund“.

Warum gähnen wir überhaupt?

Schon seit mehreren Jahrzehnten beschäftigen sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt mit dem Phänomen Gähnen. Warum gähnen wir eigentlich? Und warum ist es so ansteckend?

In erster Linie wird Gähnen mit Müdigkeit in Verbindung gebracht: Man gähnt dann, wenn man müde ist. Lange Zeit hat man angenommen, dass Gähn-Attacken zu einer gesteigerten Sauerstoffzufuhr im Gehirn führen, was wiederum bedeuten soll, dass ein Sauerstoff-Mangel vorhanden ist. Angeblich wird durch das Gähnen die Aufmerksamkeit gesteigert und wir werden daran erinnert, wach zu bleiben. Diese These ist bis heute noch sehr umstritten.

So behaupten einige Forscher, dass wir eigentlich aufgrund von Stress gähnen oder in Situationen, in denen wir uns besonders konzentrieren müssen. Neben Müdigkeit und Stress können auch Langeweile oder Hunger Gründe zum Gähnen sein.

Gähnen kühlt unser Gehirn und stärkt die Lunge

Gähnen, also das intensive Einatmen von kühlerer Luft durch den weit geöffneten Mund, sorgt dafür, dass unser Gehirn besser arbeiten kann. Durch das tiefe Einatmen gelangt frische Luft in unsere Atemwege. Erwiesenermaßen neigen wir bei erhöhter Gehirntemperatur vermehrt zum Gähnen. Das Gähnen kann also zur Kühlung des Gehirns beitragen. Indem wir unser überhitztes Gehirn abkühlen, regen wir unseren Körper zur vollen Aufmerksamkeit an. Dadurch können wir Stress und Anspannung entgegenwirken. Ebenso wirkt sich Gähnen sich positiv auf die Gesundheit der Lunge aus. Beim Gähnvorgang werden die Atemwege geöffnet, was eine gute Durchlüftung der Lunge bedingt. Das wirkt sich auch förderlich auf das ganze Immunsystem aus.

Eine Frau gähnt und hält sich die Hand vor den Mund

Gähnen ist wie Dehnen: Bewusstes Gähnen als Entspannungsübung

Auch wenn es absurd klingen mag: Gähnen hat eine ähnliche Wirkung auf das Gehirn wie das Dehnen auf die Körpermuskulatur. Gähnen wird auch als „Strecken“ und „Räkeln“ des Atems bezeichnet, da sich bei dem Vorgang die Kiefer- und Nackenmuskulatur entspannt. Da es Anspannungen im Rachen, Gaumen und Nacken lösen kann, lässt sich bewusstes Gähnen auch als effektive Entspannungsübung ausführen. Um einen Gähnvorgang auszulösen, solltest du tief einatmen, den Mund weit öffnen und den hinteren Bereich des Gaumens nach oben heben. Falls es nicht gleich funktioniert, solltest du nicht verzagen, sondern es einfach nochmal probieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.