Selbstheilungskräfte aktivieren - Erkenntnisse und Tipps aus 30 Jahren Meditationserfahrung

Solange Krankheit dein Feind ist, den du bekämpfen musst, kann Selbstheilung nicht funktionieren. Es gibt viele Dinge, die man mit dem Körper anstellen kann, aber irgendwann wird einem deutlich gemacht, dass Krankheit kein Feind ist, sondern eine Botschaft und dass der Körper eine eigene Logik hat. Er ist eben kein „Leibeigener“, der nur auf Befehle wartet, die vom Kopf kommen. Er will Mitsprache, er will gehört werden, er sucht den Dialog mit uns, aber wir hören oft nicht zu bzw. verstehen seine Sprache nicht. Mit bestimmten Meditationstechniken ist es möglich, mit dem Körper in einen Dialog zu treten. Sie helfen uns, seine innere Welt und sein Zusammenspiel mit den Organen besser zu begreifen.

Eine Frau meditiert vor einem Fluss

Warum kann Meditation die Selbstheilung begünstigen?

Meditation, wenn sie gut funktioniert, unterstützt uns dabei, das Betriebssystem Körper „runterzufahren“. Für unsere Gesundheit übrigens ist es sehr wichtig, wenn wir uns bewusst jeden Tag Zeit dafür nehmen, den Körper zu entspannen und in ihn hineinzuhören. Der Körper, das sind Milliarden von intelligenten Zellen - ein hochkomplexes Zusammenspiel von Ernährung, Emotionen, Denk- und Lebensgewohnheiten, Hormonen, Enzymen, Bewegung, Umwelteinflüssen, Genen, Psychologie, Beziehungen, Seele und Bewusstsein. Der Körper ist wie ein fremder Planet mit einer eigenen Sprache und Kultur. Er repräsentiert eine andere Welt, die man nur versteht, wenn man seine Sprache spricht. Meditation, wenn sie gut funktioniert, ist übrigens etwas, das man mit dem Körper macht, nicht mit dem Kopf.

Wenn ich eins gelernt habe in 30 Jahren Meditation, dann ist es, liebevoll mit meinem Körper zu kommunizieren. Er ist mein Freund geworden. Meistens höre ich ihm gut zu und verstehe, was er mir sagen will, manchmal gibt er mir neue Rätsel auf. Viele glauben, man müsse einfach nur etwas in ihn „einwerfen“ und dann sei er zufrieden: Nahrungsergänzungen, Vitamine, Spurenelemente, Enzyme oder irgendeine Substanz, damit er sich wohler fühlt oder besser heilen kann. Aber so leicht ist es oft leider nicht. Ich frage ihn übrigens immer, ob er das Vitamin will, von dem mein Kopf denkt, dass er es braucht oder nicht, und manchmal sagt er einfach „Nein“. Neuro-Wissenschaftler haben inzwischen herausgefunden, dass die Reparatur- und Selbstheilungsprogramme des Körpers nur dann aktiv werden, wenn wir entspannt sind. Wenn ich mir also Zeit dafür einräume, meinen Körper jeden Tag gut zu entspannen, habe ich bereits den wichtigsten Schritt in Richtung Selbstheilung gemacht.

Was bewirkt Meditation?

Aus der aktuellen Forschung wissen wir mittlerweile folgendes:

  • Meditation senkt das Stresshormon Kortisol, das mit Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Herzerkrankungen verbunden ist.
  • Meditation ist ein Schutz für das Immunsystem und hilft dem Körper, seine natürliche Abwehr wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
  • Meditation hemmt Entzündungsprozesse im Körper, die Bestandteil vieler chronischer Erkrankungen sind.
  • Meditation stabilisiert das Herz-Kreislaufsystem und senkt den Stresspegel.
  • Meditation hilft, besser mit Schmerzen umzugehen. Diese werden neutraler wahrgenommen und als weniger belastend erlebt.
  • Meditation beeinflusst die Zellerneuerung positiv und wirkt damit lebensverlängernd.
  • Meditation ermöglicht – regelmäßig angewandt – Körpersignale besser wahrzunehmen und zu erkennen, was der Körper braucht.

Wenn ich darüber hinaus meinen Körper bei der Selbstheilung unterstützen will, sollte mir klar sein, ob ich mich als Opfer meines Körpers betrachte oder als Partner. Durch Meditation wird man zum Kooperationspartner seines Körpers. Unglücklicherweise favorisiert unsere westliche Kultur eine einseitige Perspektive, nämlich die des Opfers. Wir sind Opfer von Stress, Viren, Bakterien, Umwelteinflüssen, Genen oder Pollen. Wir glauben dann, dass Heilung nur von außen kommen kann, obwohl Selbstheilung eine von der Natur eingebaute Fähigkeit ist. Solange wir davon überzeugt sind, ohnmächtig zu sein und die Verantwortung für unsere Gesundheit ausschließlich an Spezialisten und Ärzte delegieren, verbleiben wir in der Opferrolle.

Eine Frau sitzt entspannt auf einer Pank

Aber Meditation kann noch viel mehr, als Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Meditation ist die Technik par excellence, die uns hilft, aus alten Mustern auszubrechen. Sie bringt uns in die Tiefendimension des Augenblicks, verschafft uns ein Rendezvous mit der Ewigkeit mit Rückreiseticket, hilft uns, Ziele mit weniger Aufwand zu erreichen und vor allem verbindet sie uns mit der Seele. Der Schweizer Psychiater C. G. Jung sagte einst, dass wirkliche Heilung nur dann stattfindet, wenn wir uns wieder mit der Seele verbinden. Wenn wir also beginnen, uns von der Umklammerung unseres Denkgebäudes zu befreien, können wir unser Denken von außen betrachten und feststellen, dass das nicht unser wahres Selbst ist. Die Fähigkeit zur äußeren Betrachtung unseres mentalen Betriebssystems ist eine unglaubliche Freiheit, die uns erkennen lässt, dass viele unserer Gedanken Glaubenssätze beinhalten, die wir nicht bewusst gewählt, sondern unbewusst übernommen haben. Meditation ist der Schlüssel zu dieser wunderbaren Entwicklung.

Der Experte dahinter
Ralph Wilms, transpersonaler Coach

Wilms Ralph

Ralph Wilms ist Seminarleiter, Meditationslehrer und Gründer der Transpersonalen Akademie in der Schweiz. Seine Meditations-App „Silence Finder“ mit Techniken aus unterschiedlichen Kulturen, in den App-Stores für Android und iTunes.