Orgasmusprobleme der Frau verstehen

Lässt sich Sex ohne Orgasmus überhaupt genießen? Was tun, wenn der Höhepunkt einfach nicht kommen will? Das Thema Sexualität ist in den letzten Jahrzehnten stark enttabuisiert worden und viele Fragen rund um die körperliche Lust sind heute nicht mehr mit Schamesröte verbunden. Dennoch ist das Sexleben nicht automatisch für jeden besser geworden. Orgasmusprobleme sind bei Frauen noch weit verbreitet. Dass die Betroffenen etwas gegen Probleme mit dem Orgasmus tun können, ist ihnen oft nicht bekannt.

Inhalt:

Orgasmusprobleme: Frau sieht traurig aus

Macht der Mann sexuell etwas falsch oder ist die Frau schuld wenn der Orgasmus nicht kommt?

Bestehen Orgasmusprobleme der Frau, wird in einem Kurzschlussgedanken oft sehr rasch die Schuld beim Mann gesucht. Vor allem die Männer selbst fragen sich oft, ob sie etwas falsch machen oder ob ihre Performance im Bett möglicherweise nicht ausreicht, um ihre Partnerin sexuell zu befriedigen. Betroffene Frauen hingegen scheuen sich oft davor, darüber zu sprechen und täuschen den Orgasmus lieber vor, als dem Partner womöglich ein falsch verstandenes Signal zu geben, dass die Liebe oder die Beziehung womöglich nicht mehr intakt ist.

Eine oft vermutete Ursache, die vor allem Männer gerne verorten, kann sogleich entkräftet werden. Es liegt in der Regel weder an Größe noch Form des Penis. Zwar hat die Art der Bewegungen sowie die Sexposition sehr wohl darauf Einfluss, ob die erogenen Zonen in der Scheide stimuliert werden, doch die Ausstattung des Mannes hat mit der Erregung und dem damit verbundenen Orgasmus eher weniger zu tun. Klappt es im Bett nicht, bemerkt die Frau dies üblicherweise nicht nur bei einem Partner, sondern dann ist der Höhepunkt auch bei vergangenen Sexualpartnern bereits ausgeblieben. Doch was genau sind die Ursachen der Orgasmusprobleme und wie normal sind sie?

Ein enttäuscht aussehender Mann sitzt auf der Bettkante, eine Frau liegt darin

Ist nicht zu kommen normal?

Wenn du Probleme damit hast, einen Orgasmus zu erleben, solltest du zuerst einmal wissen, dass dies eine völlig normale Sache ist und du mit Sicherheit nicht allein bist. Laut verschiedenen Studien kommt jede dritte bis vierte Frau nur selten oder gar nie zum sexuellen Höhepunkt mit einem Partner.

Diese Erkenntnis ist ein erster wichtiger Schritt, um etwas gegen ausbleibende Orgasmen unternehmen. Denn damit fällt es leichter, darüber zu sprechen und sich mehr Informationen zu besorgen. Der zweite wichtige Schritt ist die Erkenntnis, dass tatsächlich etwas getan werden kann, um einen Orgasmus zu erleben. Unser Tipp: Wichtig ist es, die Gründe zu finden.

Warum kann ich keinen Orgasmus erreichen?

Generell ist es bei einer Orgasmusstörung wichtig, zu unterscheiden, ob noch nie ein sexueller Höhepunkt erlebt wurde oder ob die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erleben, erst im Laufe der Zeit abhandengekommen ist. Während im ersteren Fall meist eher körperliche Ursachen vorzufinden sind und eventuell eine neurologische Krankheit vorliegt, sind im zweiteren Fall häufig psychische Ursachen zu suchen. Darüber hinaus ist zu unterscheiden, ob es nie gelingt, zum Höhepunkt zu kommen oder die Schwierigkeiten nur gelegentlich auftreten. Ist Letzteres der Fall und eine Orgasmusfähigkeit grundsätzlich gegeben, kann es durchaus auch nur an den Rahmenbedingungen, etwa dem Ort des Geschlechtsakts, der Uhrzeit oder auch der eigenen aktuellen Konstitution liegen. Zu den häufigeren Ursachen zählen folgende:

  • Mangelnde Kommunikation: Die Frau wagt es nicht, dem Partner zu sagen, was sie gern hat, wo er sie streicheln soll und welche Zonen sie besonders erregen. Auch welche sexuelle Stellungen sie richtig in Erregung bringen, ist dem Partner oft nicht bekannt. Im Gegenteil wird nur allzu oft in der klassischen Missionarsstellung Liebe gemacht, während sich gerade für den vaginalen Orgasmus andere Positionen wie etwa die Reiter- oder Hündchenstellung deutlich besser eignen. Hier wird unter anderem die Klitoris besser stimuliert. Manche haben dadurch auch weniger das Gefühl, unterlegen zu sein.
Eine Frau legt sich auf einen Mann
  • Stress in Beruf und Privatleben: Sex soll nichts sein, das zwischendurch erledigt werden kann. Es geht um Lust, sexuellen Genuss und sich am Leben zu fühlen. Wenn beim Geschlechtsverkehr Gedanken über unerledigte Arbeit oder den Streit mit Familienmitgliedern oder Freunden durch den Kopf jagen, dann ist dies in jedem Fall eine wesentliche Blockade für sexuelle Erregung im Kopf.
     
  • Eigener Leistungsdruck: Sex soll sowohl der Frau als auch dem Mann Spaß machen und nicht zum Leistungssport werden. Es gibt keine Bewertung und auch keine Ergebnisse, die du abliefern musst. Viele Frauen setzen sich beim Beischlaf allerdings viel zu stark unter Druck und können aus diesem Grund den Moment nicht genießen. Bist du der Meinung, vor allem dem Partner besonders guten Sex bescheren zu müssen oder hast Angst, etwas falsch zu machen? Die Wahrheit ist: bei der schönsten Sache der Welt gibt es nichts falsch zu machen – gehe es locker an!
     
  • Falsche Scham: Speziell Frauen kennen ihre Problemzonen oft nur zu genau. Viel genauer, als es einem Mann bzw. dem Partner jemals auffallen würde. Aus genau diesem Grund schämen sich viele Frauen, sich nackt zu zeigen und fürchten, dass der Partner von den Problemzonen geekelt oder schockiert sein könnte. In der Regel ist das jedoch nie der Fall. Lerne deinen eigenen Körper zu akzeptieren, wie er ist. Dann bleiben auch deine Gedanken bei der Sache und der Weg zu deinem Orgasmus ist wesentlich einfacher. Dein Partner tut dies auch und empfindet sich mit Sicherheit auch selbst nicht als völlig makellos.

Die positiven Auswirkungen von Sex

Mache dir bewusst, dass dein Körper in Ordnung ist, wie er ist und frage dich, ob du dir selbst bereits erlaubt hast, ihn ausreichend zu erforschen. Bei vielen Frauen ist dies nicht der Fall, da sie entweder keinen Zugang zu den richtigen Informationen gehabt haben oder noch immer das Gesellschaftsdoktrin vorherrscht, dass der weibliche Genitalbereich als unrein gelte. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Zwei Mal pro Woche Sex zu haben, steigert nachweislich die Gesundheit, stärkt das Immunsystem und verbessert die Durchblutung.

Das ist aber nur einer der vielen Gründe, warum wir mehr Sex haben sollten. Beim Sex wird der gesamte Körper beansprucht. Du verbrennst Kalorien und hast auch noch Spaß dabei. Muskeln werden angespannt und wieder entspannt, Hormone und wichtige Botenstoffe werden plötzlich freigesetzt und nicht zuletzt auch mit dem Partner ausgetauscht. All das führt zu einem verbesserten Wohlgefühl und ebenso zu besserer Stimmung. 

Ein Paar liegt im Bett und formt ein Herz mit den Händen

Sexualität ist nichts Unnatürliches, sondern ein Geschenk, das die Natur nicht ohne Grund eingerichtet hat. Der Orgasmus ist wohl die schönste Motivation, um regelmäßig mit dem Partner intim zu werden. Liegen sexuelle Störungen oder Probleme, zum Höhepunkt zu kommen vor, ist dies keine finale Diagnose, sondern bedarf lediglich der richtigen Handhabung. Sich diese einzugestehen und etwas dagegen unternehmen zu wollen, ist der erste Schritt zu einem erfüllteren Sexleben. Erzähle deinem Partner ruhig von deinen Wünschen, Sehnsüchten und auch Ängsten! Du wirst überrascht sein, wie sehr auch er daran interessiert sein wird, dass auch du im Bett voll auf deine Kosten kommst.