Liebe und Sex: gesund und jung bis ins hohe Alter

Wenn man an Lust und Liebe denkt, verbindet man das wahrscheinlich nicht gleich als erstes mit Gesundheit. Doch Liebe und Sexualität haben für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit wesentliche Bedeutungen – das bestätigt nun auch die Wissenschaft. Deshalb nahm die WHO Sexualität in die Definition von Gesundheit auf. Hier erfahren Sie, warum Sex gesund ist.

Ein Mann und eine Frau beim Liebesspiel

Warum Sex gesund ist: Dopamin und Endorphine

Gibt es ein besseres Gefühl als Verliebtheit? Man sieht alles durch die rosarote Brille, schwebt auf Wolke sieben und essen und schlafen scheinen eher nebensächlich zu sein. Stattdessen wächst der Hunger auf das Objekt der Begierde. Ein großartiger Zustand! Das Beste: Dieser Verliebtheitszustand ist auch noch gesund! Nehmen wir unseren Liebsten dann endlich in die Arme, befindet sich unser Körper in einem positiven Ausnahmezustand:

Wir werden mit Endorphinen und Dopamin überschüttet, was uns glücklich und außerdem aktiv macht. Der Körper befindet sich in einer Art Vorbereitungsphase für Aktivität. Betrachtet man einen intensiven Kuss etwas genauer, so werden alleine hier 29 Muskeln betätigt. Für die Bewegung der Zunge sind 17 Muskeln verantwortlich, der Körper insgesamt bereitet sich auf mehr vor. Dadurch kommt es zu vielen positiven Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System: Die Gefäße erweitern sich, die Durchblutung wird gesteigert und zusätzlich sinken sowohl Stresshormone als auch der Cholesterinspiegel. Die Gefahr eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls wird verringert und Kopf- oder Rückenschmerzen können sich auflösen. Ein Schäferstündchen entspricht auch ohne großartige Bettakrobatik einem moderaten Ausdauertraining.

Oxytocin: Das Kuschel- und Orgasmushormon

Beim Liebesspiel wird ein regelrechtes Feuerwerk an Hormonen ausgeschüttet. Doch das ist nicht alles: Auch Botenstoffe im Gehirn und schmerzstillende sowie entzündungshemmende Stoffe durchströmen unseren Körper. Beim Orgasmus kommt es zu maximaler Muskelanspannung, was sich danach zu völliger psychischer und physischer Entspannung wandelt.

Oxytocin, auch bekannt unter Kuschelhormon oder Orgasmushormon, spielt eine wesentliche Rolle. Denn beim Orgasmus wird eine große Menge davon ausgeschüttet. Die Auswirkungen: Man spürt nach der befriedigenden sexuellen Begegnung eine enge Verbundenheit zum Partner. Auch an der Bindung zwischen der stillenden Mutter und ihrem Baby ist dieses Hormon wesentlich beteiligt. Zudem sorgt Oxytocin für erholsamen Schlaf. Das ist auch der Grund, weshalb Männer nach dem Orgasmus gerne einschlafen…

Ein mann küsst eine erregte Frau auf den Hals

Sex gegen Prostatakrebs und für Schönheit?

Dass ein Orgasmus für Männer gesund ist, hat folgenden Grund: Es wird vermehrt Testosteron ausgeschüttet, was sich positiv auf Herz, Kreislauf und Knochen auswirkt. Außerdem ist Testosteron maßgeblich für den Aufbau von Muskeln verantwortlich. Doch das ist nicht alles: Je häufiger Männer ejakulieren, desto besser können sie Prostatakrebs vorbeugen.

Auch für Frauen ist Sex gesund. Östrogene bewirken, dass die Regenerationsfähigkeit der Hautzellen und das Bindegewebe gestärkt werden. Falten, Krampfadern und Cellulitis werden vermindert. Zusammengefasst sind Östrogene bei Frauen wahre Schönmacher.

Gesundheitliche Vorteile von Sex: ein kleiner Überblick

Wir haben hier einen kleinen Überblick, wie sich ein ausgefülltes Sexualleben auf die Gesundheit auswirken kann:

  • Sex lindert Schmerzen: Das Glückshormon Endorphin beseitigt Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Verspannungen. Die Sex-Ausrede „Migräne“ zählt also nicht – im Gegenteil! Sex ist ein großartiges Gegenmittel. Sogar Menstruationsbeschwerden können sich bei regelmäßigem Sex bessern!
     
  • Sex macht schlau: Die Gehirnzellen werden stimuliert und folglich steigt die Gedächtnisleistung.
     
  • Sex macht schlank: Pro halbe Stunde verbrennt man ca. 350 kcal. Kein Wunder: schon bei einem intensiven Kuss benötigt man 29 Muskeln.
     
  • Sex hält fit: Auch wenn man keine akrobatischen Höchstleistungen im Bett vollbringt, entspricht das Schäferstündchen dennoch einem moderaten Ausdauertraining.
     
  • Sex macht schön: Durch die Ausschüttung von Östrogenen und der stärkeren Durchblutung der Haut wird das Bindegewebe gestrafft und Fältchen geglättet.
     
  • Sex macht glücklich: Im Gehirn wird das Belohnungszentrum aktiviert und dadurch werden Endorphine ausgeschüttet. Diese sind absolute „Glücklichmacher“ und das Glücksgefühl kann bis zu einem Tag anhalten.
     
  • Sex stärkt die Abwehrkräfte: Durch Kontakt mit dem Partner verbessert sich das Immunsystem, da es gegen mögliche Erreger mobil macht. Die Anzahl der Abwehrzellen wird erhöht und man ist widerstandsfähiger gegen Infekte.
     
  • Sex macht locker: Völlige Entspannung nach dem Orgasmus, sowohl psychisch als auch physisch. Dadurch wird auch Stress abgebaut.
     
  • Sex beugt vor: Bei Männern beugt regelmäßige Ejakulation Prostatakrebs vor.
     
  • Sex als Schlafmittel: Kommt es zum Orgasmus, so wird in großen Mengen Oxytocin ausgeschüttet. Die Folge: ein erholsamer Schlaf.
Eine Frau liegt an die Brust eines Mannes geschmiegt

Selbstbefriedigung und Küssen

Sollten Sie keinen Partner haben, müssen Sie keinesfalls auf die gesundheitlichen Vorteile verzichten, denn auch Selbstbefriedigung kann zu den gewünschten Effekten führen.

Fit durch Schmusen: Wenn sich zwei Menschen küssen, passiert einiges im Körper. Ein wahrer körpereigener Wirkstoffcocktail wird in Gang gesetzt und über 100 Milliarden Nervenzellen werden angeregt. Wir werden regelrecht von Glückshormonen und Neurotransmittern wie Adrenalin, Serotonin und Endorphinen überflutet. Das Herz beginnt schneller zu schlagen, Puls, Blutdruck und Körpertemperatur steigen. Vereinfacht ausgedrückt: Der ganze Körper wird in einen positiven Stresszustand versetzt. Es kommt zum Austausch von etwa 4000 Bakterien und von körpereigenen Botenstoffen. Das stärkt das Immunsystem und auch die Zähne werden durch antimikrobielle Enzyme im Speichel vor Karies geschützt.

Ausschnitt eines küssenden Paares

Wie viel Sex ist gesund?

Eine klare Richtlinie gibt es nicht. Sex soll Spaß machen und positiv besetzt sein. So sind zwei erfüllende Schäferstündchen pro Woche mehr wert als fünf zwanghafte oder unbefriedigende. Wie oft ein Paar miteinander intim sein will, hängt von individuellen Bedürfnissen ab. Alles ist ok, so lange beide damit einverstanden sind.

Übrigens: Je mehr Liebe im Spiel ist, desto positiver ist die Wirkung. Diese Wirkung kann bei einer intakten Partnerschaft ein Leben lang halten. Liebe hält also gesund und jung.

Fehlende Liebe als Krankmacher

Was uns gesund und glücklich machen kann, kann sich jedoch auch ins Gegenteil wandeln. Fühlen wir uns einsam und nicht geliebt, so kann uns dieser Zustand durchaus krank machen. Denn dieses Gefühl wird mit Dauerstress gleichgesetzt, was zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen, psychosomatischen Störungen und einem schwachen Immunsystem führen kann. Laut Studien klagen zwei Drittel der befragten Herzinfarkt-Patienten über Probleme in der Liebe oder sexuelle Unerfülltheit. Die heutige Gesellschaft ist auf Streben nach Autonomie ausgerichtet. Auch Single-Haushalte werden immer mehr. Dabei stellen diese Tatsachen einen kompletten Gegensatz zu unserer natürlichen Ordnung dar: Menschen sind Beziehungswesen.

Nicht nur fehlende Liebe sondern auch Liebeskummer und Trennungsschmerz hinterlassen Spuren. Zum einen leidet die Seele, zum anderen kann es zu körperlichen Veränderungen kommen. Die Kardiologie konnte mit modernen Methoden sogar einen Beweis dafür erbringen. Man spricht hier von einem „seelischen Herzinfarkt“, der etwa die gleichen Symptome aufweist, wie ein gesundheitsbedingter Herzinfarkt. Daneben kann es noch zu vielen weiteren Erscheinungen kommen wie Hilflosigkeit, Appetitlosigkeit und Lustlosigkeit. In manchen Fällen tritt sogar eine Depression ein. Doch die Betroffenen können sich Hilfe holen. Liebeskummerpraxen helfen ihnen, den Schmerz zu verarbeiten.

Ein Punkt sollte unbedingt noch erwähnt werden: Obwohl Sex eine Menge positiver Eigenschaften auf unseren Körper hat, können auch Krankheiten – darunter HIV – übertragen werden. Deshalb außerhalb von fixen Partnerschaften immer Safer Sex praktizieren!

SexualberaterInnen als erste Anlaufstelle

Angesichts der vorhin beschriebenen Eigenschaften ist klar, dass Sex gesund ist. Doch die Ärzte gehen leider immer noch viel zu selten auf das Thema Sexualität ein. Ein Grund dafür ist, dass in Kassenpraxen häufig die Zeit fehlt, um das sensible Thema anzusprechen. Außerdem sind die meisten Ärzte dafür nicht ausgebildet. Was also tun bei sexuellen Problemen?

Zuerst sollte ein Gang zum Gynäkologen oder zur Gynäkologin körperliche Ursachen ausschließen. Wenn physisch alles in Ordnung ist, können SexualberaterInnen die richtige Anlaufstelle sein. Natürlich erfordert dies etwas Mut, Ihr Liebesleben wird es Ihnen aber allemal danken!