Zuhören lernen und Aufmerksamkeit steigern – so geht's

Wer das Zuhören lernen will, muss zunächst das Weghören verlernen. Schlechte Zuhörgewohnheiten sind für viele der täglichen Sorgen im Leben von Männern und Frauen verantwortlich. Ob es sich um eine belastende Meinungsverschiedenheit mit einem Kollegen, eine Fehlkommunikation mit dem eigenen Mann oder der Frau oder um eine schreckliche Erfahrung im Kundendienst handelt: der Ursprung vieler zwischenmenschlicher Probleme ist oft genug einfach ein schlichtes Versagen, aufmerksam zuzuhören. Lies weiter, um zu erfahren, wie aktives Zuhören dir in allen Bereichen deines Lebens helfen kann.

Zwei Frauen sprechen miteinander und müssen zuhören lernen

Wie kann man aktives Zuhören lernen?

Zunächst müssen wir uns darüber bewusst werden, dass Zuhören lernen ein grundsätzliches Umdenken in der Kommunikation erfordert. Die Zauberwörter lauten aktives Zuhören. Hören und Zuhören sind nämlich zwei verschiedene Handlungen. Am Ende eines jeden Tages haben Menschen eine Menge Dinge gehört, aber nur wenig zugehört.

Was ist der Unterschied zwischen Hören und Zuhören?

Wenn Menschen nur hören, schenken sie nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Wir erfassen nur die Abfolge der Geräusche, die um uns herum auftreten. Wenn Menschen stattdessen zuhören, richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit auf den Gesprächspartner und dessen Botschaft. Aktives Zuhören ist für vielen Menschen jedoch schwierig umzusetzen. Das Hauptproblem: Männern und Frauen fällt es schwer, nicht zu schnell vom Zuhören zum Hören zu wechseln. Prompt denkt man über eine Antwort nach, bevor das Gegenüber zu Ende gesprochen hat. All das, ohne auch nur die geringste Aufmerksamkeit auf das zu richten, was der Gesprächspartner währenddessen sagt. 

Eine Frau schaut in die Ferne und hört nicht zu, während ein Mann mit ihr spricht

Was ist wichtig beim Zuhören?

Kommunikation ist wichtig, das wissen wir alle. Aber oft liegt die Betonung auf der Fähigkeit zu reden, statt auf dem effektiven Gebrauch der Worte im Gespräch. Der Weg zur Verbesserung deiner Zuhörfähigkeiten besteht darin, aktives Zuhören zu üben. Dabei bemüht man sich bewusst, nicht nur die Worte zu hören, die eine andere Person sagt.

Besser zuhören funktioniert, indem man seine Aufmerksamkeit ungeteilt und uneingeschränkt zur Verfügung stellt, ungefähr so, wie beim Einparken. Du darfst dich nicht ablenken lassen von dem, was um dich herum geschieht, oder von Gegenargumenten, während die andere Person noch spricht. Du kannst es dir auch nicht erlauben, dich zu langweilen und den Fokus auf das zu verlieren, was die andere Person sagt. Sonst knallt es.

Wie kannst du jemanden zum aktiven Zuhören ermutigen?

Was ist, wenn du ständig derjenige bist, der spricht, und dein Mann oder deine Frau Probleme mit dem Thema aktives Zuhören haben? Wir alle waren schon einmal in einem Gespräch, in der die Person, die uns zuhörte, abgelenkt oder desinteressiert war. Hier sind einige Tipps der Kommunikationsexpertin Barbara Pease und ihres Mannes Allan, die dir helfen können:

  • Aktives Zuhören gelingt immer leichter, wenn man ein Thema findet, das beide interessiert. Das funktioniert besonders gut beim Smalltalk, während man versucht, sich gegenseitig kennen zu lernen.
  • Beende das Gespräch, wenn klar ist, dass die andere Person nur daran interessiert ist, sich selbst reden zu hören!
  • Beobachte das non-verbale Verhalten deines Gegenübers, um zusätzlich zum Hören des Gesagten auch versteckte Bedeutungen zu erkennen! Mimik, Tonfall und andere Verhaltensweisen können dir laut des Experten für Körpersprache Allan Pease manchmal mehr sagen als Worte.
Buchstaben auf Holzblöcken ergeben den Ausspruch: listen more.

Was bedeutet besser zuhören und was bedeutet es nicht?

Gespräche werden mindestens zwischen zwei Personen geführt. Die eine Person redet, um eine Botschaft zu senden. Die andere Person empfängt sie, indem sie zuhört. Reden ist eigentlich eine Kunstform, die wir mit der Zeit und mit Übung lernen und verbessern können. Aktives Zuhören bedeutet jedoch gerade nicht, still zu bleiben und zu warten, bis wir an der Reihe sind, um zu reden. Besser zuhören bedeutet, dass Mann oder Frau aktiv aufnahmebereit ist und die Bedürfnisse des anderen zu verstehen versucht. Besser zuhören bedeutet, zu versuchen, in die Welt des anderen einzutreten, auch wenn man nicht mit den Ansichten des Gesprächspartners übereinstimmt. 

Wie können wir einen Konflikt lösen, wenn wir unsere Gefühle verleugnen? 

Unsere Emotionen sind das, was uns im Leben in eine bestimmte Richtung bewegt. Entweder hin zu dem, was uns wichtig ist, oder weg davon. Jeder Mensch hat Gefühle. Sie zu verleugnen bedeutet, dass wir einen wichtigen Teil unserer Beziehungen zu anderen Menschen ignorieren.

Wenn ein Mann oder eine Frau die eigenen Gefühle, positive oder negative, mit anderen teilt, ist es wichtig, sie erkennen zu können, auch wenn man sie nicht verstehen kann.

Hast du jemals zu deinem Mann gesagt: "Du brauchst nicht wütend zu sein"? Oder hast du deine Frau mit den Worten "beruhige dich" zu beschwichtigen versucht? Hat es jemals funktioniert? Emotionen sind nicht logisch, sie sind psychologisch, was bedeutet, dass wir sie respektieren müssen, auch wenn wir sie nicht verstehen. Wie macht man das? Hier sind einige Tipps und Tricks.

Eine Frau scheint negative Emotionen zu haben

Wie schenke ich Aufmerksamkeit?

Um ein guter Zuhörer zu sein, musst du deine volle Aufmerksamkeit dem Gesprächspartner schenken! Du musst dich entspannen und deinen inneren Frieden finden, der es dir erlaubt, wirklich zuzuhören und alles, was dein Gegenüber sagt, hineinzulassen! Schenke dem Redner deine ungeteilte Aufmerksamkeit und erkenne die Botschaft an! Bedenke dabei, dass auch non-verbale Kommunikation laut "spricht".

  • Schaue den Redner direkt an!
  • Erkenne ablenkende Gedanken und verbanne sie!
  • Lass dich nicht von Umweltfaktoren oder Nebengesprächen ablenken!
  • Achte auf die Körpersprache des Redners!

Wie kann ich Feedback geben?

Aktives Zuhören schließt immer auch Feedback mit ein. Wenn Menschen miteinander reden, müssen sie sich von Zeit zu Zeit über das Gesagte rückversichern. Unsere persönlichen Filter, Annahmen, Urteile und Überzeugungen können das Gehörte verzerren. Aktives Zuhören heißt auch, über das Gesagte nachzudenken und Fragen zu stellen. Bleib nicht bei der ersten Ebene der Kommunikation stehen! Es ist möglich, dass die Person vor dir nervös ist oder sich nicht richtig ausdrücken kann. Vielleicht kämpft er/sie auch gegen eine Menge Emotionen und Gefühle an! 

  • Denke über das Gesagte nach, indem du es umformulierst! "Was ich verstehe, ist... ," oder "Klingt, als ob du sagst, dass..." sind gute Beispiele. 
  • Stelle Fragen, um bestimmte Punkte zu klären! "Was meinen Sie, wenn Sie sagen..." "Ist es das, was Sie meinen?"
  • Fasse die Kommentare des Redners regelmäßig zusammen!
  • Wenn du auf das, was jemand gesagt hat, emotional reagierst, sag es. Und frag nach weiteren Informationen: "Es kann sein, dass ich Sie nicht richtig verstehe und dass ich das, was Sie gesagt haben, persönlich nehme. Ich dachte, Sie hätten gerade XXX gesagt. Haben Sie das gemeint?"
Zwei Schwäne kämpfen in der Luft.

Ein Dialog ist kein Wettbewerb

Den meisten Männern und Frauen geht es so, wie dir wahrscheinlich auch: Während wir zuhören, denken wir oft schon darüber nach, wie wir reagieren sollen. Ein Gespräch ist kein Wettbewerb, beim Reden geht es nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Wenn man ein Gespräch nicht gut führt, riskiert man Missverständnisse, und das führt zu unnötigen Konflikten. Hör nicht zu, um zu reden! Hör zu, um zu helfen, zu verstehen, zu lernen und zu wachsen! Zuhören ist etwas, das man Tag für Tag lernen kann und das uns innerlich bereichert.