Schlafwandeln: Was tun, damit die Nacht nicht zur Gefahr wird?

Um das Schlafwandeln ranken sich viele Mythen und Halbwahrheiten. Wir räumen damit auf und erklären Dir in diesem Artikel, was es mit dieser meist harmlosen Schlafstörung auf sich hat und wie Du Dich am besten verhältst, wenn Du selbst oder Deine Angehörigen nachts auf Wanderschaft gehen.

Eine erwachsene Frau ist beim Schlafwandeln

Was passiert beim Schlafwandeln und warum sollte man etwas dagegen tun?

Schlafwandeln ereignet sich meist in der ersten Tiefschlafphase, also ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen. Sie dauert oft nur wenige Minuten an. Während dem Nachtwandeln sind nur bestimmte Bereiche im Gehirn aktiv, während der größte Teil weiterhin ruht. Der Körper befindet sich sozusagen im Autopilotenmodus.

Die Vorstellung vom nachtwandelnden Menschen, der mit ausgestreckten Armen über die Hausdächer spaziert, gehört jedoch dem Kreis der Mythen an. Schlafwandler machen vor allem Bewegungen, die sie aus ihrem Alltag kennen. Da sie dabei nicht bei vollem Bewusstsein sind, können sie diese Handlungen nicht willentlich beeinflussen und sich meist am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern. Bei einem leeren Kühlschrank, abgehängten Bildern oder verstellten Möbeln ist das nicht weiter dramatisch. Problematisch ist es erst, wenn der Nachtwandler sich selbst oder andere gefährdet.

Da nur der Teil im Gehirn aktiviert ist, der für die Bewegungsabläufe zuständig ist, sind alle anderen Sinne stark eingeschränkt. Schlafwandler spüren weder Kälte noch Schmerz, sie können räumliche Dimensionen schlecht einschätzen und Gesichter weder zuordnen noch erkennen. Eine offene Balkontür oder eine Treppe kann somit schnell zur Gefahr werden.

Was tun, wenn Kinder vom Nachtwandeln betroffen sind?

Am häufigsten ist Schlafwandeln bei Kindern. Etwa 30 Prozent aller Kinder verlassen nachts im Halbschlaf ihr Bett oder richten sich im Bett auf. Die meisten von ihnen sind Jungs. Das nächtliche Herumirren beginnt oft mit einem Alter von vier bis sechs Jahren und hört von selbst wieder auf, wenn das Teenageralter erreicht ist. Diese Geschehen sind vollkommen normal und unbedenklich.

Wenn Dein Kind auch zu den Nachtwandlern zählt, musst Du Dir keine Sorgen machen. Bei Kindern kommt es zu den harmlosen Schlafstörungen, weil der Reifeprozess des Gehirns noch nicht ganz abgeschlossen ist. Ist das Gehirn dann vollkommen entwickelt, verschwinden auch die Schlafprobleme wieder. Bei sehr nachtaktiven Kindern ist es aber wichtig, bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, damit sie sich nicht selbst verletzen.

Ein Kind ist beim Schlafwandeln

Wie kann man Verletzungen von Schlafwandlern vermeiden?

Schlafwandeln zu vermeiden oder gar loszuwerden ist leider kaum möglich. Es gibt aber einige Dinge, die Du tun kannst, um Dich, Dein Kind oder Deinen Lebenspartner vor Verletzungen während den nächtlichen Ausflügen zu schützen.

Zunächst ist es wichtig, die eigenen vier Wände zu sichern. Das heißt:

  • Verschließe Fenster und (Balkon-)Türen vor dem Schlafengehen! Am besten machst Du das mit einem separaten Schloss und versteckst danach den Schlüssel an einem sicheren Ort oder lässt ihn verstecken, wenn Du selbst schlafwandelst.
  • Polstere spitze Kanten an Schränken, Tischen oder Kommoden aus. So vermeidest Du schmerzhafte Zusammenstöße.
  • Entferne Stolperfallen, wie Teppiche oder herumliegende Kabel aus der Wohnung!
  • Bringe Glocken oder einen Bewegungsmelder an der Schlafzimmertür an! So werden Deine Mitbewohner darauf aufmerksam, dass Du Dich nachts auf Wanderschaft begibst.
  • Lass ein kleines Licht im Schlafzimmer oder Hausflur an! Schlafwandler orientieren sich oft an der nächsten Lichtquelle.

Kann man dem nächtlichem Herumgeistern vorbeugen?

Ebenso wichtig ist es, auf Dich selbst und Deine psychische Gesundheit zu achten. Deshalb solltest Du vor allem Stress und Übermüdung vorbeugen. Dabei helfen kann:

  • Autogenes Training
  • Atemübungen
  • Yoga
  • Einschlafroutine und regelmäßige Schlafenszeiten
  • kein übermäßiger Alkoholkonsum vor dem Schlafen

Schlafwandeln: Warum solltest Du Schlafwandler lieber nicht wecken?

Einen Schlafwandler solltest Du während seiner nachtaktiven Phase möglichst nicht wecken. Versuche, laute Zurufe und direkten Augenkontakt sowie harsche Berührungen lieber zu vermeiden! Sie können dazu führen, dass der Schlafwandler sich erschreckt und sich erst recht verletzt oder gereizt und mitunter aggressiv reagiert. Denke immer daran, dass der oder die Betroffene nicht bei vollem Bewusstsein ist!

Besser ist es, in möglichst ruhigem und gedämpftem Ton mit dem Schlafwandler zu reden und ihm zu empfehlen, sich wieder in das Bett zu legen. Kündige auch Deine Handlungen im selben Tonfall an und versuche, den Wanderer mit sanften Berührungen wieder zurück ins Bett zu bringen.

Eine Frau weckt ihren Mann beim Schlafwandeln nicht

Welche Formen von Schlafwandeln gibt es?

Schlafwandeln ist eine Form von Schlafstörung. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist Somnambulismus. Sie leitet sich vom lateinischen Begriff "somnus" für Schlaf und "ambulare" für Wandern ab. Schlafwandler wandern also im wahrsten Sinne des Wortes (halb)schlafend durch die Gegend. Dabei befinden sie sich in einem veränderten Bewusstseinszustand, irgendwo zwischen Schlafen und wach sein. In der Regel ist Schlafwandeln keine schwerwiegende Erkrankung, sondern ein harmloses Problem. Es gibt aber unterschiedliche Formen:

  • Bereits das nächtliche Reden im Schlaf ist eine schwache Form von Schlafwandeln. Meist ist es mehr ein undeutliches Gebrabbel als klare Sätze. Manchmal setzen sich die Betroffenen dabei auch im Bett auf und zupfen an der Bettdecke herum oder schauen verwirrt umher. Sie verlassen das Bett aber nicht.
  • Beim komplett ausgeprägten Schlafwandeln stehen die Betroffenen aus dem Bett auf. Sie gehen durch Räume, beginnen, sich anzuziehen oder zu kochen oder setzen sich mitunter auch hinter das Steuer ihres Autos. Diese Form kann vor allem für die Schlafwandler selbst gefährlich werden.
  • In ganz seltenen Fällen können Schlafwandler auch aggressiv auf ihre Umwelt und Mitmenschen reagieren. Auch hier ist Vorsicht geboten.

Was kann unbewusste Wanderungen in der Nacht auslösen?

Nur vier Prozent aller Erwachsenen sind von der Schlafstörung betroffen. Die Ursachen für das Schlafwandeln im Erwachsenenalter sind noch nicht ausreichend erforscht. Fest steht nur, dass die Störung vererbt werden kann und das oft mehrere Faktoren eine Rolle dabei spielen.

  • psychische Anspannung, wie Stress oder Depressionen
  • Erschöpfung und Schlafmangel
  • Alkohol und eine volle Blase
  • oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten

können den nächtlichen Spaziergang begünstigen.

Erwachsene sollten bei dem Verdacht schlafzuwandeln unbedingt einen Arzt aufsuchen, um psychische und organische Ursachen sowie neurologische Krankheiten auszuschließen. Ein Neurologe, Psychiater oder eine Ambulanz für Schlafmedizin sind dafür am besten geeignet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.