Intuition: Dein Bauchgefühl ist klüger, als du denkst

Es besteht aus 100 Millionen Nervenzellen und bestimmt nicht nur unseren Gemütszustand, sondern hilft uns auch bei täglichen Entscheidungen: unser "Bauchhirn". Immer mehr rückt dieses in das Zentrum der Aufmerksamkeit, beeinflusst es doch unsere Gefühle und Gedanken mehr, als lange Zeit angenommen.

Eine Frau scheint auf ihre Intuition zu hören

Ist das Bauchhirn wirklich unser zweites Gehirn des Körpers?

Das "Bauchhirn" ist nahe dran, unser Großhirn in Puncto öffentliches Interesse vom Thron zu stoßen. In den letzten Jahren haben sich Mediziner und Wissenschaftler vermehrt diesem äußerst spannenden Körperbereich gewidmet. Neue Erkenntnisse bringen zunehmend Licht in das Verständnis unseres intuitiven Handelns.

Anders als das Großhirn, das sich vorrangig um Organfunktionen kümmert, bestimmt der Bauch unsere Stimmung und das Lebensgefühl, mit dem wir uns durch den Tag bewegen. Es handelt sich beim "Bauchhirn" um das enterische Nervensystem, das sich von der Speiseröhre bis zum Darmausgang erstreckt und anatomisch eine ähnliche funktionale Struktur wie unser Großhirn aufweist. Das Netzwerk besteht aus über 100 Millionen Nervenzellen, das sind sogar mehr, als das gesamte Rückenmark umfasst.

Großhirn und "Bauchhirn" zeigen ähnliche Eigenschaften: Sie verfügen über dieselben Rezeptoren und Zelltypen und beide können autonom vom restlichen Körper arbeiten. Man spricht bei der Kommunikation der beiden Regionen von einer "Gehirn-Bauch-Achse", wie auf einer Datenautobahn werden hier Neurotransmitter ausgetauscht. Neurotransmitter sind Botenstoffe, chemische Substanzen also, die als Kommunikationsmedium dienen.

Informationen über Informationen: Wie arbeiten die Gehirne zusammen?

Interessant ist, dass 90 Prozent der Nervenstränge vom Bauch zum Großhirn führen und nicht umgekehrt. Somit ist der Bauch unserem Hirn immer eine Gedankenspur voraus. Lediglich 10 Prozent der Nervenstränge verlaufen in die andere Richtung, zum Beispiel wenn der Mensch Giftstoffe in sich aufnimmt. Das Bauchhirn registriert diese als gefährlich, sendet rasch Information nach oben, zu seinem klugen Kollegen, und dieser veranlasst dann wiederum, dass das enterische Nervensystem motorische Reflexe auslöst, um zu erbrechen.

Intuition – Gespür für Situation

Von Geburt an speichert unser Körper wichtige Infos über unsere Erfahrungen. Dieser Speicherinhalt setzt sich zusammen aus kognitiven Bewertungen unseres Gehirns, als auch aus den Reaktionen des enterischen Nervensystems. Im Laufe der Zeit kann sich so ein persönliches Bauchgefühl entwickeln, das uns intuitive Orientierung im täglichen Leben gibt. Entscheidungen, die wir "aus dem Bauch heraus" fällen, beruhen auf diesen Intuitionen.

Unser Körper ist in der Lage 40 Sinneseindrücke pro Sekunde zu verarbeiten, viele andere Millionen Reize können wir hingegen nicht bewusst wahrnehmen. Jedoch haben wir einen Weg gefunden, diese dennoch zu verarbeiten. Unser Unterbewusstsein hat gelernt, diese zu erfassen und dann in Form von Intuition bereitzustellen. Unser großer Erfahrungsschatz kommt in allen Situationen zum Einsatz, auch in scheinbar vom Verstand getroffenen Entscheidungen. Wir haben intuitiv ein gutes Gespür für das tägliche Leben und das Aufeinandertreffen mit anderen Personen entwickelt, es befindet sich in uns ein riesiger Katalog aus Emotionen und Körperreaktionen – besser bekannt als das "Bauchgefühl". Studien zeigen zudem, dass Entscheidungen, die aus dem Bauch heraus gefällt werden, oftmals zu besseren Ergebnissen führen.

"The second brain" für Seelenheil

Unser "second brain" speichert wie eine Festplatte frühere Emotionen und Erfahrungen. Prägende Kindheitserinnerungen beeinflussen somit unser weiters Leben und wir eignen uns bestimmte Denkens- und Verhaltensmuster an.

Die Konzentration der Rezeptoren ist im Bauchraum viel höher als im Kopf, außerdem sind bei beiden Regionen die selben Botenstoffe unterwegs. Daraus könnte man schließen, dass Depressionen mit Empfindsamkeiten im Bauchraum zusammenhängen und weniger mit einem veränderten Hirnstoffwechsel. Neue Medikamente setzen deshalb genau in diesem Bereich an, der niedrige Serotoninspiegel im Gehirn tritt – Vermutungen zufolge – nur als Begleiterscheinung auf.

Serotonin übt in unserem Großhirn einen großen Einfluss auf unsere Stimmung und auf unseren Appetit aus, im Darm ist es für die Regulation des Schmerzempfindens und für die Beweglichkeit des Darms verantwortlich. Produziert wird das Glückshormon zu 97 Prozent in speziellen Zellen der Darmschleimhaut.