Was mache ich bloß falsch? Bin ich beziehungsunfähig?

Die meisten von uns wünschen sich eine intakte und glückliche Beziehung, aber viele haben "vermeintlich" kein Glück in der Liebe. Immer wieder geraten sie an die falschen Partner oder sehen sich gezwungen, eine Beziehung bereits nach kurzer Zeit wieder zu beenden. Ursachen dafür kann es viele geben. Oftmals stellt Angst ein großes Hindernis dar und erschwert es uns, unser Herz für einen Partner zu öffnen. Was von vielen oftmals als Beziehungsunfähigkeit interpretiert wird, ist aber meistens nichts anderes, als die Angst, verletzt zu werden (Bindungsangst).

Junge, einsam wirkende Frau

Gibt es so etwas wie Beziehungsunfähigkeit?

In unserer heutigen Gesellschaft gilt das Leben als Single nicht mehr als so merkwürdig, wie es vielleicht vor einigen Jahren noch war. Trotzdem ist ein Großteil der Männer und Frauen oftmals unfreiwillig Single. Fast jeder Mensch sehnt sich im Grunde seines Herzens nach einer Beziehung, in der er sich fallen lassen und glücklich sein kann. Gelingt dies über einen längeren Zeitraum nicht, dann suchen wir oftmals die Schuld bei uns selbst und werfen uns vor, beziehungsunfähig zu sein. Psychologen und Paartherapeuten wie auch Womencoach Birgit Untermair sind sich jedoch einig, dass es beziehungsunfähige Menschen eigentlich nicht gibt (vorausgesetzt, sie sind psychisch gesund).

Woran liegt es, dass ich keine längere Beziehung führen kann?

Laut der Experten liegen die Probleme, die einer dauerhaften Beziehung im Weg stehen, so gut wie immer in unserer Vergangenheit. Nicht selten lassen sich die Ursachen für unser Verhalten und unser "beziehungsunfähiges" Verhalten in unserer Kindheit finden. Wurde in dieser besonders empfindlichen und prägenden Zeit oder in einer vorangegangenen Beziehung unser Selbstwert verletzt, kann dieses Gefühl auch zukünftige Partnerschaften erschweren. Ist dieses einmal verletzt, ist das Bedürfnis nach Sicherheit enorm groß und wir scheuen davor zurück, das Risiko erneut einzugehen - wir halten uns selbst davon ab, uns zu verlieben.

Eine andere mögliche Ursache ist, dass wir, eben weil wir in der Vergangenheit verletzt wurden, nach besonders viel Anerkennung und Sicherheit streben um uns sicherer zu fühlen. Um diese zu erhalten, ändern wir unser Leben eventuell im Sinne des Partners, um die perfekte Frau oder der perfekte Mann für denjenigen oder diejenige zu sein. Eine funktionierende Beziehung baut aber nicht darauf auf, dass einer sich verstellt. Wirklich glücklich werdet ihr nur sein, wenn ihr euch gegenseitig annehmen könnt, so wie ihr seid. 

Zerstrittenes Paar auf der Coach

Wie schaffe ich es wieder, eine funktionierende Beziehung einzugehen?

Nach einer gescheiterten Beziehung ist es zuerst einmal wichtig, sich selbst bewusst zu machen, wo die Probleme lagen und mit dem Kapitel abzuschließen. Danach konzentriere dich zuerst auf dich und versuche, dich selbst kennen und auch lieben zu lernen! Erst wenn du nicht mehr unsicher und mit dir selbst im Reinen bist, wirst du in der Lage sein, dein Herz zu öffnen und dich voll und ganz auf jemand anderen einzulassen. Das ist der erste Schritt, um eine feste Bindung einzugehen. Auch Birgit Untermair ist überzeugt davon, dass wir zuerst einmal bei uns selbst aufräumen dürfen, um dauerhaft eine Veränderung in unseren Beziehungsproblemen zu vollziehen. Tun wir das nicht, so werden wir unbewusst vieles auf unseren Partner projizieren und dieser bekommt oftmals all die Dinge ab, die sich eigentlich auf unsere Vergangenheit beziehen.

Aus welchem Grund reden viele von beziehungsunfähigen Männern und Frauen?

Die Diagnose Beziehungsunfähigkeit ist oft nur eine Ausrede, um uns nicht mit den eigentlichen Problemen auseinandersetzen zu müssen. Ex-PartnerInnen beziehungsweise Ex-FreundInnen beeinflussen uns oftmals noch weit über den Zeitraum der Beziehung hinaus und prägen das Bild, das wir selbst von uns und damit auch andere von uns haben. Das müssen wir erkennen und uns eingestehen. Dann sind wir in der Lage, uns unseren Ängsten zu stellen und alte Probleme aufzuarbeiten. Denn tief in seinem Inneren sehnt sich jeder Mensch nach Liebe und Geborgenheit.

Manchen fällt es leichter, als anderen, sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Auch stellt nicht jeder dieselben Anforderungen an seine neue Beziehung. Während manche gleich heiraten und eine Familie gründen wollen, reicht es anderen wiederum zu wissen, dass sie jemanden haben, auf den sie sich verlassen können. In einer guten Beziehung sollte das Bedürfnis nach Nähe zumindest annähernd gleich verteilt sein. 

Zerstrittenes Paar im Bett

Angst als Beziehungskiller

Oftmals gestehen wir uns einfach nicht ein, dass wir lediglich Angst davor haben, uns einem anderen Menschen zu öffnen. Da fällt es oftmals leichter zu behaupten, dass wir ohnehin nichts an unserer Situation ändern können, weil wir eben beziehungsunfähig sind. Aber schlussendlich ist es wichtig, dass wir uns selbst eingestehen, dass dies nicht der Fall ist und uns einfach nur unsere Angst im Weg steht. Paartherapeuten und Psychologen sind sich sicher, dass Beziehungsunfähigkeit in die Kategorie Angststörung oder auch Neurose fällt. 

Die große Liebe gefunden? Mit diesen Tipps förderst du eure Liebe

Zum Thema Liebe und Bindungsangst gibt es zahlreiche Ratgeber und Onlineforen. Wir haben uns ein wenig umgehört und für dich ein paar Tipps zusammengefasst, die dich vor Bindungsängsten schützen sollen:

  • Mach Schluss mit Vorurteilen und lerne deinen Gegenüber richtig kennen!
  • Nähe bedeutet Liebe
  • Nähe und Distanz müssen sich in einer Beziehung abwechseln, um sie in Schwung zu halten.
  • Wer gut alleine sein kann, kann auch Nähe genießen.
  • Respektiere die Wünsche deines Partners - lass ihm auch seine Freiheiten!
Der Experte dahinter

Untermair Birgit

„Erlebe deine Welt“ lautet das Motto von Birgit Untermair, Inhaberin von Dance Moves. Dance Moves ist Oberösterreichs erste Aerial- und Poledance Schule.